Kulturgeschichte Hausgeflügel

 

 

Wo einen die Muse küsst

 

 

Das Taubenmuseum

 

in Nürnberg

 

Schon im Hof intensive Gespräche, hier stellen sich die Sondervereine vor, im Gespräch Wilhelm Riebniger
Schon im Hof intensive Gespräche, hier stellen sich die Sondervereine vor, im Gespräch Wilhelm Riebniger
Karlheinz Sollfrank, der Gastgeber
Karlheinz Sollfrank, der Gastgeber

 

 

Karfreitag findet im Deutschen Tauben-museum in Nürnberg das 24. Inter-nationale Taubenzüchtertref­fen statt. Die Zahl 24 steht nicht für vierund-zwanzig Jahre Tradition, sondern für vierundzwanzig Jahre Innovation; denn Karlheinz Sollfrank denkt sich jedes Jahr etwas Neues aus. Das Internationale Tau­benzüchtertreffen ist nur an zwei Ta-gen im Jahr, aber an diesen beiden Tagen werden Dinge ange­sprochen, die länderübergreifend vereinheitlicht wer-den sollten. Wie viele Europa­standards oder Rassegebundene Europaschauen haben wohl ihren Ausgangspunkt in Nürn­berg? An vielen geöffneten Wochen-enden besuchen Rassetaubenzüchter das Deutsche Taubenmuseum und er-kennen, dass der heutige Champion nur eine Momentaufnah­me ist, die „Alten Meister“ aber wirkliche Lebensleistungen vollbracht haben. Dokumentiert wird das z. B. durch die Jahresgabe „Columba“, eine historische Würdigung der Tauben­kultur auf höchstem Niveau.

 

Das unerschöpfliche Thema ... Tauben!
Das unerschöpfliche Thema ... Tauben!

 

 

2007 wurde der Förderverein für das Taubenmu-seum gegründet, um die Zukunft des Le­benswerks von Karlheinz Sollfrank zu sichern. Das ist sehr wichtig, geht es doch vor allem darum die künstlerische Dar-stellung unseres Rassegeflügels im Allgemeinen, und der Tauben im Besonderen zu erhalten. 2008 wurden über die Sammlung des Museums hinaus in einer Sonderausstellung Aus­stellungsstücke gezeigt, die man sonst nirgendwo zu sehen bekommt. Andere Museen sind nämlich nur in der Lage, etwa 10 % ihrer Kunstwerke zu zeigen, der Rest lagert in Ka­takomben, verschwindet in Schubladen. Karlheinz Sollfrank holt solche Stücke aus der Versenkung und zeigt sie einem interessierten Publikum, während ein Taubenbild in ei­nem normalen Museum kaum Interesse findet. Danke für dieses außergewöhnliche Mu­seum in Nürnberg! Danke, lieber Karlheinz, für Dein Engagement in jeder Hinsicht!

 

 

Experten im Gespräch, M. Bartl und E. Sedlmeier
Experten im Gespräch, M. Bartl und E. Sedlmeier

 

2010 gab Karlheinz Sollfrank erstmalig zwei Sonder-vereinen die Chance, ihre eigenen Sammlungen zu präsentieren. Der SV der Züchter Pommerscher Kröpfer dokumentierte 100 Jahre aus dem SV-Leben, und auch die spannende Geschichte von der Weißen Wirt­schafts-taube der früheren DDR zur heutigen Formentaube Mittelhäuser zog viele Interes­senten an. Aufgrund die-ser erfolgreichen Premiere erhalten seitdem jährlich andere Son­dervereine die Gelegenheit, für unser Hobby und für ihre Rasse einzutreten. Jahr für Jahr er­fährt man von neuen Ideen. Jahr für Jahr wird man überrascht, wie viele neue Sammlungs­stücke dazu gekommen sind. Das Museum wächst mehr und mehr an Größe und Qualität. Nicht nur Bil­der und Skulpturen, alles wird ge-sammelt, was uns in unserem Hobby begegnen kann, von der gesamten in- und ausländischen Fachliteratur bis zum  Taubentransportkorb vor 100 Jahren oder zu den Ehrennadeln für engagierten Einsatz auf allen Ebenen. 

W.Schreiber u. M.Loick 2010 am Pommernkröpfer-Stand     Fotos: Udo Chocholaty
W.Schreiber u. M.Loick 2010 am Pommernkröpfer-Stand Fotos: Udo Chocholaty

 

 

Aktuell sucht Karlheinz Sollfrank nach alten SZG-Ehrennadeln und alten ge­schnitzten Staatspreisen aus der früheren DDR-Zeit. Somit hat jeder SV die Chance, sich für den selbstlosen Einsatz zu bedanken. Fragen Sie Ihre alten Züchter, damit ihre Erinne­rungen uns immer erinnern! Auch mit kleinen Dingen kann man große Freude auslösen. Sammeln ist Leidenschaft, keiner kümmert sich leidenschaft-licher um unser kulturelles Erbe als Karlheinz Soll-frank! Wir Rassetaubenzüchter haben Freude an unserem lebendi­gen Hobby. Das Taubenmuseum sorgt dafür, dass auch die Vergangenheit lebendig bleibt. Und jeder, dem die Geschichte der Tauben-zucht am Herzen liegt, sollte ohne wenn und aber Mitglied im Förderverein werden. Karlheinz Sollfrank hilft uns in besonderer Weise, Geschichte und Tradition unserer Altvorderen, Pionieren der Rasse-taubenzucht, in die Zukunft zu tragen und künftigen Generationen zu erhalten. Da ist es doch einfach Ehrensache, den Förderverein zu unterstützen.

Manfred Loick und Wolfgang Schreiber

 

 

 

 

Wir bedanken uns bei Dr. Peter Havelka vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe, dass wir diesen Sonderdruck hier einstellen dürfen.

 

 Jahrbuch

der Staatlichen Kunstsammlungen

in Baden-Württemberg

 

Doppelband  48 49

2011/2012

 

 

Sonderdruck

 

 

 

DEUTSCHER KUNSTVERLAG

 

 

 

Peter Havelka und Hans-Walter Mittmann

 

Zwei Gemälde Melchior d´Hondecoeters als Quelle zur

 

Kulturgeschichte des europäischen Hausgeflügels

 

Kontakt:

Dr. Peter Havelka

Staatliches Museum für Naturkunde

Abt. Zoologie

Erbprinzenstr. 13

76133 Karlsruhe

Tel.: 0721-175-2858

E-Mail: peter.havelka@smnk.de

 

Einleitung

 

Wild lebende Vögel sind ein beliebtes Motiv in der Malerei seit der Renaissance (1). Die dargestellten Arten sind selbst vom weniger vogelkundigen Betrachter leicht zu erkennen. Geringere Beachtung findet dagegen das ebenfalls oft abgebildete Hausgeflügel. Meist gehen die Informationen nicht über die Aussage Haushuhn, Haustaube, Hausente oder Hausgans hinaus, was bei der Fülle von über 300 Haushuhn- und ebenso vielen Haustaubenrassen recht oberflächlich, ungenau und unbefriedigend erscheint. Ansatzweise brachte Horst Schmidts Beitrag zur Geschichte einiger Hausgeflügelrassen Licht ins Dunkel (2). Die hier vorgelegte Betrachtung der beiden 1668 als Gegenstücke konzipierten Gemälde Melchior d´Hondecoeters Der Friede im Hühnerhof und Der Krieg im Hühnerhof, die sich im Besitz der Staatlichen Kunsthalle Karlruhe befinden, soll weitere erhellende Aspekte liefern (3). Der Aufsatz ist der Versuch, eine Brücke zwischen den analytisch-deskriptiven Naturwissenschaften wie der Biologie und der Kunstgeschichte zu schlagen.

 

Das Fehlen von Abhandlungen, die eine Zuordnung des abgebildeten Hausgeflügels zu rezenten Rassen vornehmen, wird erst verständlich, wenn man sich mit der Historie der Rassentierzucht und an dieser Stelle explizit mit der der Haushühner genauer beschäftigt:

 

Das Haushuhn (Gallus domestikus) gehört zur Ordnung der Hühnervögel (Galliformes), der Unterfamilie der Fasanen (Phasianinae) und der Gattung der Kammhühner (Galli). Unser heutiges Haushuhn stammt vom Bankivahuhn (Gallus gallus) ab, das in Indien und Südostasien beheimatet ist. Älteste Nachweise aus dem Industal datieren zwischen 2500 und 2100 v.Chr. Bald wurde das Haushuhn nach China und westwärts nach Mesopotamien, Ägypten und Griechenland exportiert. Die griechische Kolonisation im westlichen Mittelmeer und Handelskontakte bis nach Mitteleuropa dürften die Voraussetzung für die Funde nördlich der Alpen bereits im 5./4. Jahrhundert v.Chr. sein. Größere Verbreitung fand das Haushuhn bei uns in Mitteleuropa aber erst seit der Römerzeit.

 

Seitdem ist auch die gezielte Vermehrung verschiedener Haushuhnrassen bekannt. Schon in den Schilderungen von Aristoteles (350 v.Chr.) und Columella (70 v.Chr.) sind Beschreibungen von Rassehühnern und angewandter Selektion zu finden (4). Neben der Nahrungsproduktion diente das Huhn auch als kulturelles und religiöses Symbol. Gleichzeitig wurden Rassen zum Hahnenkampf und zur Zierde, analog zum heutigen Rassegeflügel, vermehrt. Funde von Haubenhühnern in einem römisch-britischen Tempelkomplex in West Hill, Uly (Somerset, Großbritannien) und Magdalenenberg im österreichischen Kärnten belegen diese Vermutungen (5). Diese Funde lassen sich in die Zeit um 400 n.Chr. datieren und sind zum einen die ältesten Belege von Rassegeflügel, zum anderen Zeugnis für das Alter der Rassegruppe „Haubenhühner“.

 

Bis in die Neuzeit vermehrte man Hühner in bodenständigen Landschlägen nach Leistung, Fleischmenge und Fleischqualität, Eizahl und Eigröße überwiegend in Freilandhaltung und auf dem Bauernhof. Daher sind sie in ihrem Aussehen oft nicht einheitlich. Die Mendel´schen Regeln waren noch weitgehend unbekannt, Linienzucht, Rückkreuzung und Inzucht eher zufällig als geplant. Die Inhomogenität des Erbgutes in den Landschlägen bewirkte daher nicht selten, dass rezessive Merkmale von den dominanten verdeckt und über Generationen versteckt mitgeschleppt wurden. Diese rezessiven Merkmale treten dann nach vielen Jahren, manchmal nach Jahrzehnten, plötzlich phänotypisch in Erscheinung – früher ein Wunder oder ein Rätsel – heute mit Hilfe der Genetik meist leicht erklärbar.

 

Die Rassegeflügelzucht erfuhr nach 1850 einen Aufschwung. Die sich im Europa des 19. Jahrhunderts bildenden Nationalstaaten wachten sorgfältig über ihre Souveränität, und selbst in solch´ alltäglichen Dingen wie der Tierzucht nahm man es nun sehr genau. Die Haustiere wurden zunehmend genetisch isoliert und in „reinen Linien“ nach einem zuvor festgelegten Rassestandard gezüchtet. Ab 1850 entstanden nationale Geflügelzuchtvereine. Deren Dachorganisationen erstellten unabhängig voneinander nationale Rassestandards, nach denen die Ausstellungstiere von Fachleuten, den Preisrichtern, bewertet wurden. Auch bei fast allen anderen Haustieren, wie Tauben, Enten, Gänsen, Kaninchen, Schafen, Hunden, Rindern und Pferden nahm die Entwicklung hin zur Rassetierzucht einen ähnlichen Verlauf. Die betroffenen Zuchttiere wurden im Zuständigkeitsbereich des Standards einheitlich bewertet, und die einmal definierte Rasse bekam mit zunehmender Generationenfolge ein entsprechend einheitliches phänotypisches Erscheinungsbild.

 

 

Melchior d´Hondecoeter und der Hühnerhof

 

Melchior d´Hondecoeter wurde 1636 in Utrecht geboren. Er entstammte einer angesehenen Utrechter Künstlerfamilie. Sein Großvater war der Landschaftsmaler Gillis d´Hondecoeter (um 1575/1580 – 1638). Bei seinem Vater Gysbert d´Hondecoeter (1603/1604 – 1653), einem Vogelmaler, erlernte er die Malerei. Darüber hinaus hatte sein Onkel Jan Baptist Weenix (1621 – ca. 1659/1661) großen Einfluss auf seinen Werdegang. 1659 ging Melchior nach Den Haag, im Jahre 1663 zog er weiter nach Amsterdam, wo er am 3. April 1695 starb.

 

Typisch für d´Hondecoeters Malerei ist neben der Lebendigkeit der Darstellung und den strahlenden Farben die Mischung von Hausgeflügel mit exotischen Vögeln, die in eine Landschaft eingebunden sind. Exotische Vögel oder Zugvögel wie Schwalbe und Wiedehopf, diese „Wanderer zwischen den Welten“, die er am Bildrand ein- und ausfliegen lässt, verleihen seinen Werken die Spontaneität einer Moment-aufnahme.

 

D´Hondecoeter arbeitete nach der Natur, und seine Beobachtungsgabe ist so unvergleichlich, dass sie Sachverständigen auch heute noch große Bewunderung abnötigt. Die Abbildungen der damals üblichen Landschläge des Hausgeflügels und der für diese „typischen Einzeltiere“ sind präzise und geben tiefe Einblicke in die Art der damaligen Tierhaltung und Geflügelszucht. Details, wie zum Beispiel die Haubenbildung der Hühner, Tauben, Enten und Gänse – Einfachkamm, Rosen-, Wulst-, Hörner- oder Geweihkamm – lassen sich genauestens erkennen. Auch Abweichungen von der normalen Gefieder-struktur und der Bartbildung oder die Größe und Färbung der Ohrscheiben und Kehllappen sowie die Befiederung der Läufe sind hervorragend wiedergegeben.

 

 

Die Hühnerrassen in d´Hondecoeters Gemälden     

 

Abb. 1: Melchior d´Hondecoeter, "Der Friede im Hühnerhof", 1668, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Abb. 1: Melchior d´Hondecoeter, "Der Friede im Hühnerhof", 1668, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Abb. 2: Die Spitzhaube lässt auf einen Brabanter-, der Kehl- und Backenbart auf einen Paduaner- und der V-förmige Hörn-chenkamm auf einen La Fleche-, Brabanter- oder Eulenbart-Hahn schließen (Detail von Abb. 1)
Abb. 2: Die Spitzhaube lässt auf einen Brabanter-, der Kehl- und Backenbart auf einen Paduaner- und der V-förmige Hörn-chenkamm auf einen La Fleche-, Brabanter- oder Eulenbart-Hahn schließen (Detail von Abb. 1)

 

Gehen wir davon aus, dass es sich bei den darge-stellten Hühnern in d´Hondecoeters Hühnerhof-Bildern um Geflügel eines Bauernhofs oder Dorfes handelt, so haben wir es mit den Hühnern eines noch wenig durchgezüchteten bodenständigen Landschlags zu tun. Haushuhn-Hennen zeigen überwiegend eine mehr oder weniger üppige Haubenbildung, obschon auch Einzeltiere ohne Haube abgebildet werden. Fast alle Hennen zeigen einen kräftigen Kinn- und Backenbart, der sowohl Kehllappen als auch Ohrscheiben verdeckt. Die Hähne zeigen eine Federhaube und/oder einen Kinnbart (Abb. 1) oder eine Haube (Abb. 5) mit unterschiedlichen Kämmen. Bei den Exemplaren ohne Kinn- und Backenbart lassen sich sowohl die Größe der Ohrscheiben und Kehllappen als auch deren Farbe erkennen.

 

In dem Gemälde Der Friede auf dem Hühnerhof (Abb. 1) sind verschiedene Hennen, acht Küken so-wohl ein Hahn als kleine fortpflanzungsfähige Hühner-herde (Stamm) abgebildet.

 

 

Abb. 3: Die Rundhaube der Henne und der fehlende Bart deuten auf das Holländer-Haubenhuhn, die Nasenlöcher sind zudem Paduaner-artig überhöht (Detail von Abb. 1)
Abb. 3: Die Rundhaube der Henne und der fehlende Bart deuten auf das Holländer-Haubenhuhn, die Nasenlöcher sind zudem Paduaner-artig überhöht (Detail von Abb. 1)

 

Der Hahn ist in Bewegung und zeigt eine stolze, aufrechte Haltung; der Kopf trägt eine Spitzhaube mit leicht nach vorne geneigten Federn, einen deutlichen Bart in Dreiteilung von Kinn- und Backenbart, wie sie insgesamt für die Brabanter kennzeichnend sind (6). Der Hörnerkamm orientiert sich gegen die nach vorne gerichteten Federn der Helmhaube und ist etwas flächig ausgebildet. Letzteres verleiht dem Hahn das Flair heutiger La Flèche- oder auch Houdan-Hühner. In der warmen roten Goldfarbe mit ihren schwarzen, die Brust zierenden Flecken und Bändern ähnelt er goldfarbenen Brakel-Hühnern, den Eulenbärten, aber auch westfälischen Tot-legern.

 

Der steil getragene dunkle Schwanz sowie die dunk-len Abzeichen in der Halsregion erinnern in Form und Farbe, zusammen mit den hellen, etwas schilfig wirken-den Handschwingen, an die Brabanter Bauernhühner (Abb. 2). 

Abb. 4: Die Rundhaube der Henne deutet auf das Holländer-Haubenhuhn, der Kinn- und Backenbart auf Paduaner (Detail von Abb.1)
Abb. 4: Die Rundhaube der Henne deutet auf das Holländer-Haubenhuhn, der Kinn- und Backenbart auf Paduaner (Detail von Abb.1)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der abgebil-dete Hahn Merkmale vereinigt, die wir heute bei gut durchgezüchteten Hühnerrassen wie Brakel, Braban-ter, Brabanter Bauernhühnern, La Flèche, Houdan, Paduanern, Eulenbärten, westfälischen Totlegern und Brakelhühnern verteilt finden.

 

Neben dem Hahn finden sich insgesamt drei Hauben tragende Hennen. Eine unterscheidet sich deutlich von den restlichen. Sie führt eine Schar von sieben in der Farbe recht unterschiedlichen Küken: Die Bandbreite reicht vom schwarzen Flaum über abgestuft wildfarben bis rein weiß. An ihrem breit gefächerten Schwanz, den breit abgestellten, leicht hängenden Flügeln und dem aufgeplusterten Gefieder sowie der leicht geduckten Haltung lässt sich das Paduaner-artig gefärbte und gezeichnete Huhn mit Rundhaube leicht als Glucke erkennen. Sie legt den Küken Futter vor, das von einem gierig aufgepickt wird und die übrigen aufmerk-sam herbeieilen lässt.

 

 

Abb. 7: Verm. das gleiche Tier wie in Abb. 6 (Detail von Abb. 1)
Abb. 7: Verm. das gleiche Tier wie in Abb. 6 (Detail von Abb. 1)

Zwei der Jungen ruhen vor der Henne, zwei weitere haben unter der Glucke zum Aufwärmen Schutz gesucht. Der fehlende dreiteilige Bart der Glucke zeigt allerdings bereits die nähere Verwandtschaft zu den Holländer-Haubenhühnern (7). Die für Hauben tragen-de Hühner typisch aufgetriebenen Nasenlöcher hat der Künstler bei diesem Tier sehr genau beobachtet und besonders gut getroffen (Abb. 3).

 

Die beiden anderen Hennen ruhen auf dem Boden und scheinen ein Sand- oder Sonnenbad zu nehmen. Sie tragen Hauben und Bärte. Das vordere, teilweise vom Hahn verdeckte weiße Huhn hat einen vierteiligen Bart, da der Kinnbart in zwei Teile zerfällt sowie eine zweigeteilte Rundhaube (Abb. 4). Dadurch erscheint sie mehr Paduaner- und Houdan-artig. Die dahinter ruhende schwarze Henne ziert eine Spitzhaube, die allerdings noch deutlich den Einfluss der in diesem Hühnervolk lebenden Rundhaubenhühner zeigt.     

 

Im Zentrum des Bildes Der Krieg im Hühnerhof (Abb. 5) streiten zwei Hähne. Im Hintergrund lockt eine schwarze Glucke, die mit aufgeplustertem Gefieder und hängenden Flügeln versucht, ihre Küken im Vordergrund aus dem Bereich des Kampfes wegzuführen. Die Küken rennen aufgeregt zur Mutter, während ein Junges in unmittelbarer Nähe noch schnell ein nahrhaftes Futterstück aufnimmt. Über den Streithähnen entschwindet ein Eisvogel in geradem, aufsteigenden Fluchtflug, offensichtlich gestört durch das Kampfgetümmel. Völlig unbeteiligt ruht gleichzeitig auf dem Bretterzaun im Hintergrund eine Paduaner-artige Henne.

 

 

Abb. 5: Melchior d´Hondecoeter, "Der Krieg im Hühnerhof" 1668, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Abb. 5: Melchior d´Hondecoeter, "Der Krieg im Hühnerhof" 1668, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Abb. 6: Paduaner-artige Henne mit einem dreige-teilten Bart, die Haube liegt mit ihren Merkmalen zwischen Holländer-Haubenhuhn und Brabanter (Detail von Abb. 5)
Abb. 6: Paduaner-artige Henne mit einem dreige-teilten Bart, die Haube liegt mit ihren Merkmalen zwischen Holländer-Haubenhuhn und Brabanter (Detail von Abb. 5)

Die Hennen haben trotz unterschiedlicher Farbe große Übereinstimmungen: Beide tragen Hauben sowie einen Kinn- und Backenbart. Die schwarze links (Abb. 6) zeigt große Ähnlichkeit mit der ruhenden schwarzen Henne in dem Pendant Der Friede im Hühnerhof (Abb. 7). Dies könnte einerseits darauf beruhen, dass hier das gleiche Huhn nach einer Bewegungsskizze eingefügt wurde oder dass dieser Hühnertyp damals gar nicht so selten war. Sie zeigt sich Paduaner-artig mit einem dreigeteilten Bart. Die Haube zeigt Merkmale vom Holländer Haubenhuhn und Brabanter, die Nase ist leicht aufgetrieben. Das Junggefieder der Küken erscheint recht variabel, was auf ein hohes gene-tisches Material hinweist. Dieses bietet die Möglichkeit, aus solchen Haushühnern unter genetischer Isolation und gezielter Paarung der Elterntiere verschiedene Rassen zu züchten.

 

Die auf dem Zaun ruhende Henne ist in Farbe und Zeichnung der Paduaner-artigen Glucke im Bild Der Friede auf dem Hühnerhof verblüffend ähnlich (vgl. Abb. 3). Sie unterscheidet sich jedoch deutlich in dem drei-teiligen Kinn- und Backenbart. Auch wenn man die Möglichkeit einer künstlerischen Neuformulierung in Erwägung ziehen muss, legen die Details in der Ausgestaltung der Gefiederfarbe und Zeichnung ein weiteres Huhn als Vorbild des Meisters nahe.

 

Die im Zentrum des Bildes platzierten Hähne beleben in der wie in einem Schnappschusss festgehaltenen Kampfszene das Bild und lassen uns an der Streiterei unmittelbar teilnehmen. So sehr die in diesem Bild dargestellten Hennen jenen des Gegenstücks auch ähneln, so verschieden sind die im Kampf miteinander verstrickten Hähne. 

Abb. 8: Die zweigeteilten Kämme der Hähne erinnern an die Kämme der La Fléche, der Houdan oder Eulenbärte, besonders aber auch an die Kronen-kämme der Augsburger oder der Sizilianer Hühner (Detail von Abb. 5)
Abb. 8: Die zweigeteilten Kämme der Hähne erinnern an die Kämme der La Fléche, der Houdan oder Eulenbärte, besonders aber auch an die Kronen-kämme der Augsburger oder der Sizilianer Hühner (Detail von Abb. 5)

Auffällig ist, dass beiden Kämpen im Unterschied zum Hahn  im „Friedensbild“ die dekorative Helmhaube fehlt. Sie zeigen im Körperbereich deutlich größere wei-ße Federpartien, und der helle bis weiße Halsbehang sowie die üppigen schwarzen Schwanzsicheln heben sich kontrastreich gegen das Gefieder des Rumpfes ab. Die Flügel sind während der Aktion halb geöffnet und geben dadurch ihre Farbe und Zeichnung preis, die in Ruhestellung von darüber liegenden Federn verdeckt werden. Sowohl die deutlich gefächerten Handschwin-gen als auch der dunkle Schwanz zeigen eine un-gleiche Pigmentverteilung, die man heute als Schilf im Flügel benennen würde.

 

Besonderes Augenmerk verdienen die Köpfe, vor al-lem die Kämme der Hähne (Abb. 8). Der charak-teristische Kopf mit dem roten Gesicht und den hellen weißen Ohrscheiben wird von einem zweigeteilten, auffallend fleischigen Kamm und den großen roten Kinnlappen betont. Die Eleganz und Leichtigkeit, mit der die beiden Hähne ihren Streit austragen, hielt der Künstler wohl bewusst fest. Es liegt nahe, dass es sich um keine besonders schwere Exemplare handeln kann, ein Eindruck, der durch die Größe des über dem Kampfgeschehen aus dem Bild herausfliegenden Eisvogels unterstrichen wird. Trotz der abweichenden Kammformen zeigen die Hähne etwas Sprenkelhuhn-artiges, insbesondere der am Boden liegende Hahn. Auf den ersten Blick denkt man zuerst an Ostfriesische Möwen, Westfälische Totleger oder Brakel. Die deutlich erkennbaren hellen Bereiche der ansonsten dunklen Handschwingen zeigen bereits die Richtung an, in welche sich die spätere Rassehuhn-Zucht bei der Festlegung der Rassestandards entwickelt hat. Beide Hähne tragen jedoch weder einen Einfachkamm wie Ostfriesische Möwe oder Brakel noch einen Rosenkamm wie die Westfälischen Totleger.

 

Der Kamm des am Boden liegenden Tieres wirkt insgesamt kompakter. Er erinnert in seiner Zweiteilung an die Kämme der La Flèche, der Houdan oder Eulenbärte, in erster Linie aber an die Kronenkämme der Augsburger oder der Sizilianer Hühner. Der aufgeflogene, im Rumpfbereich deutlich dunklere Hahn hat mehr Gefiederzeichnung, wodurch er zunächst den westfälischen Totlegern und den Brakeln ähnelt. Trotz der fehlenden Haube zeigt dieses Tier deutliche Merkmale des Schmetterlingskamms, wie wir ihn von den Houdan kennen.

 

 

 

Die Entwicklung der Hühnerrassen im Einzelnen

 

Auf Grund der für einige moderne Hühnerrassen bekannten Rassegeschichte wissen wir im Groben, welche Rassen in den Niederlanden, im holländisch-deutschen Grenzgebiet, in Belgien oder in Frankreich entstanden sind. Ihre typischen Merkmale zeichnen sich schon in d´Hondecoeters Bildern ab (8).

 

 

Paduaner (Abb. 9 – 11):

 

Abb. 9: Rassestandard der goldfarbigen                     Abb. 10: Rassestandard der silberfarbigen

            Paduanerhühner,                                                        Paduanerhühner, 

aus: Jean Bungartz, Geflügel-Album, Abteilung I, 1884                          Bilder bitten anklicken!

 

Abb. 11: Kopf eines Paduanerhahns
Abb. 11: Kopf eines Paduanerhahns

 

Man nimmt heute an, dass das Paduaner-Huhn nicht – wie man früher glaubte – spontan in Polvera bei Padua entstanden ist (9), sondern es sich um aus Russland nach Italien eingeführte Pawlowa-Hühner als Stamm-form sämtlicher Haubenhuhn-Rassen handelt (10). Diese später im italienischen Polvera gezüchteten Barthaubenhühner nannte man entsprechend ihrer Herkunft Polverahühner. Die Hühner hatten vorzüg-liches Fleisch. Daher verbreitete sich ihre Haltung in Europa  ab dem 15. Jahrhundert. Seit dem 18. Jahr-hundert kennt man sie als Paduanerhuhn auch in Deutschland. Viele der Hühner in d´Hondecoeters Gemälden zeigen den für diese Rasse typischen Kinn-  und Backenbart.

 

 

 

Holländer-Haubenhühner (Abb. 12, 13):

 

Abb. 12: Rassestandard der Holländer-Haubenhühner   Abb. 14: Rassestandard der Crève Coeur

aus: Jean Bungartz, Geflügel-Album, Abteilung I, 1884                             Bilder bitte anklicken!

 

 

 

 

Holländer-Haubenhühner sind direkte Nachfahren der Paduanerhühner, die bereits im 17. Jahrhundert in der heute noch bestehenden Zuchtrichtung auf Gemälden dargestellt wurden. Von den heutigen Paduanern unterscheiden sie sich durch den fehlenden Bart und die stattlichen Kehllappen. Bereits Jean Bungartz (1894) (11) schreibt über das Holländer-Haubenhuhn: „Dieses […] schmucke Huhn ist […] hinsichtlich seiner Eigenschaften mit dem Pduaner identisch, gehört aber nicht zur gleichen Gruppe.“ Ein Holländer-Huhn mit weißer Haube wird, neben anderem Geflügel, bereits auf einem Gemälde von Jacob Bogdany (1660 – 1724) abgebildet (12).

 

 

Abb. 13: Kopf einer Holländer-Haubenhuhn-Henne

 

 

 

 

 

 

 

Crève Coeur (Abb. 14,15)

 

 

Die Rasse der Crève Coeur soll aus Kreuzungen von La Flèche, einem aus der Normandie stammenden Haushuhn, mit dem Houdan entstanden sein. Die bei diesen Hühnern vorhandene Vollhaube und der Kinnbart sind wohl das Erbe einer Kreuzung von La Flèche mit Paduanern.

 

 

Abb. 15: Kopf eines Crève Coer-Hahns

 

 

Brabanter Bauernhühner

 

 

Die Rasse der Brabanter Bauernhühner (Brabantes Boerenhuhn) kennt man seit dem 17. Jahrhundert, einen Rassenstandard gibt es seit 1903. Die Hähne der Brabanter Bauernhühner haben einen aufrechten Stand und eine sehr kleine Haube hinter dem Einfachkamm, während die Hennen eine voll entwickelte Haube hinter dem Kamm haben. Die heutige Ausprägung der Rasse ähnelt noch besonders stark den bei d´Hondecoeter abgebildeten Hühnern.

 

 

Brabanter (Abb. 16,17)

 

Die in der Grafschaft Brabant entstandene Rasse der Brabanter wird seit 1854 auf Geflügelaus-stellungen gezeigt (13). Sie unter-scheidet sich vom Brabanter Bauernhuhn vor allem durch ihren Bart, eine Spitzhaube und einem V-förmigen Hörnerkamm.

 

Abb. 16: Rassestandard der Braban-ter Hühner, aus: Der Große Geflügel-standard in Farbe, 1991

 

 

Abb. 17: Kopf eines Brabanter Hahns                    Abb. 19b Fuß eines Dorking Hahns mit fünf Zehen

 

 

Eulenbärte (Abb. 18)

 

Eulenbart ähnliche Hühner sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt, werden aber erst seit 1990 als Rasse Eulenbärte gezüchtet. Sie ähneln den Brabantern, haben aber eine sehr kleine Haube.

 

 

Abb. 18: Rassestandard der Eulen-bart Hühner aus: Der große Geflügel-standard in Farbe, 1991

 

 

 

Abb. 19a: Rassestandard der Houdan-Hühner, aus: Jean Bungartz, Geflügel-Album, Abteilung I, 1884
Abb. 19a: Rassestandard der Houdan-Hühner, aus: Jean Bungartz, Geflügel-Album, Abteilung I, 1884

Houdan (Abb. 19a)

 

Die Houdan sind in Nordfrankreich nahe der belgischen Grenze ent-standen und nehmen eine Sonder-stellung ein. Sie besitzen fünf Zehen und passen damit nicht mehr zu den Hühnern, wie sie in d´Hondecoeters Gemälden dargestellt sind, obwohl sie rein äußerlich deutliche Ähnlich-keiten zeigen. Vermutlich hatten die ursprünglichen Houdan im 17. Jahr-hundert wie alle Hühnervögel noch vier Zehen. Die Fünfzehigkeit wur-de erst mit der Einkreuzung von englischen Dorking-Hühnern, die als ein aberrantes (von der Normalität abweichens) Zuchtmerkmal fünf Ze-hen besitzen (Abb. 19b), in die Population eingebracht und später nach dem Erstellen eines Rasse-standards durch konsequente Zuchtauslese erblich gefestigt.

 

 

Abb. 20: Rassestandard der Westfälischen Totleger, aus: Zucht- und rassekundlicher Bilderatlas des Geflügels, 1954
Abb. 20: Rassestandard der Westfälischen Totleger, aus: Zucht- und rassekundlicher Bilderatlas des Geflügels, 1954

 

 

Westfälische Totleger (Abb. 20, 21)

 

Die Westfälischen Totleger zählen zu den Brakeln, Friesenhühnern, Hamburgern und Ostfriesischen Mö-wen zu den Sprenkelhühnern (14). Von den erwähnten Sprenkelras-sen, die einen Einfachkamm tragen, unterscheiden sie sich wie auch die fasanenartigen Hamburger Hühner vor allem durch ihren Rosenkamm (15).

 

 

 

 

Brakel (Abb. 22)

 

Brakel stehen den westfälischen Totlegern und Ostfriesischen Mö-wen recht nahe. Sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts aus Campi-nern und anderen bodenständigen Landhühnern herausgezüchtet. Die-se einfachkämmige Rasse ähnelt in der Färbung sehr den Westfälischen Totlegern (16).

 

Abb. 22: Rassestandard der Silber-brakel-Hühner, aus Zucht- und rasse-kundlicher Bilderatlas des Geflügels, 1954

 

 

Abb. 23: Rassestandard der Ostfriesischen Möwen-Hühner, aus: Zucht- und rassekundlicher Bildatlas des Geflügels, 1954
Abb. 23: Rassestandard der Ostfriesischen Möwen-Hühner, aus: Zucht- und rassekundlicher Bildatlas des Geflügels, 1954

 

Ostfriesische Möwen (Abb. 23)

 

Die nächsten Verwandten der Ostfriesischen Möwen sind die Sprenkelhuhnrassen. Sie tragen wie die Brakel einen Einfachkamm, wodurch sie sich von den West-fälischen Totlegern abgrenzen. Das Obergefieder der Ostfriesischen Mö-wen ist sehr aufgehellt, was bereits bei oberflächlicher Betrachtung auf-fällt. Bei den Hennen reicht die Sprenkelung nur bis in die halbe Höhe der Brust, während der Hahn auf der Oberseite ganz weiß ist. Eine schwarze Binde ziert den Flügel und der Schwanz ist grün glänzend schwarz (17). Im 20. Jahrhundert setzten die Züchter der Rasse neue Akzente in Farbe und Zeichnung und nannten diese Flockung. Sie unterscheidet sich von den farblich scharf abgegrenzten Bereichen der Brakel und Westfälischen Totlegern, deren Erscheinungsbild insgesamt heller wirkt (18).

 

 

Tauben

 

Abb. 24: Die Federstoppel an den Läufen der Tauben zeigen die Entwicklung der Rassebildung bis hin zum heutigen Französischen Kröpfer (Detail von Abb. 1)
Abb. 24: Die Federstoppel an den Läufen der Tauben zeigen die Entwicklung der Rassebildung bis hin zum heutigen Französischen Kröpfer (Detail von Abb. 1)

 

Neben  der  Analyse  der  Hühner  ind´Hondecoeters Gemälden bringt die Betrachtung der dort darge-stellten Tauben überraschende Auf-schlüsse zur Entwicklung der Tau-benzucht: Im Hintergrund des Bildes Der Friede auf dem Hühnerhof sitzen zwei glattfüßige Tauben mit kugelig aufgeblasenem Kropf auf einem hölzernen Weidezaun (Abb. 24). Der Kropf ist namensgebend für die Kropftauben, die vor ungefähr 400 Jahren vor allem in Holland und Spanien aus domestizierten Felsen-tauben (Columba livia) herausge-züchtet wurden. Manche Kropftau-ben zeigen im Gegensatz zur Fel-sentaube eine sehr aufrechte, fast senkrechte Haltung, die bei Fran-zösischen und bei Englischen Kröp-fern mit ihren zu einer eindrucks-vollen Kugel aufgeblasenen Kröpfen besonders auffällig ist. Im Vergleich zu Stadt- oder Feldtauben sind sie durch diese Kröpfe behindert und eher ungeschickte Flieger. Heute werden Kropftauben entweder mit unbefiederten oder befiederten (Beinen) gezüchtet. Die unbefie-derten Beine beim Französischen Kröpfer (Abb. 25) sind das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu den mit  befiederten Läufen gezüchteten Englischen Kröpfern (Abb. 26). Bei einer starken Vergrößerung der Tauben in d´Honde -coeters Bild (Abb. 24) erkennt man, dass deren Läufe aber noch Federstoppeln tragen. Mit diesem Merkmal vermitteln sie zwischen den beiden unterdessen hochgezüchteten Taubenrassen. Damit gewinnt man einen guten Eindruck vom Stand der Taubenzucht zur Zeit d´Hondecoeters.

 

Abb. 25/26: Rassestandard der Französischen Kröpfer (links) und der Englischen Kröpfer (rechts)

aus Emil Schachtzabel. Illustriertes Prachtwerk sämtlicher Tauben-Rassen, Würzburg 1925

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Ergebnis

 

Das bei Melchior d´Hondecoeter abgebildete Hausgeflügel ähnelt in Vielem heute anerkannten Rassen. Die Einzeltiere lassen sich aber nicht einer einzigen Rasse zuordnen. Das zur damaligen Zeit in den Landschlägen vorhandene Erbgut wurde in der Zwischenzeit durch züchterische Maßnahmen eingeengt und auf mehrere Rassen  aufgeteilt. Dennoch lassen sich bei den einzelnen abgebildeten Individuen schon charakteristische Merkmale moderner Rassen nachweisen. Diese Tiere könnten durchaus aberrante Exemplare einer heutigen Rasse sein, wie sie alljährlich ungewollt bei der Rassegeflügelzucht auftreten und aus dem Genpool der Zuchtstämme entfernt werden, um deren Erbgut zu festigen. Meister wie

d´Hondecoeter haben durch die künstlerische Darstellung von Geflügel – im Grunde Motive niederen Ranges – wichtige Spuren und Belege für den Werdegang der Haustierzucht hinterlassen, die in der Kunstgeschichte jedoch bislang weitgehend unbeachtet blieben.

 

 

Quellenangabe:    

1         Holger Jakob-Friesen, Tierstillleben – Definition, Geschichte, Rezeption. Zur Einführung in Ausstellung und Katalog, in: Von Schönheit und Tod- und Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne, Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Heidelberg 2011, S. 15 – 37.

2         Horst Schmidt, Hühner und Zwerghühner. Handbuch Rasse- und Ziergeflügel, 2. Aufl. Stuttgart 1999.

3         Vgl. Jan Lauts (Bearb.), Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Katalog Alte Meister bis 1800, Karlsruhe 1966, Textband S. 151: „Der Friede im Hühnerhof“ (Inv.-Nr.344) misst 88,5 x 110 cm und ist am Zaun bezeichnet „M D Hondecoeter 1668“. Sein ebenfalls signiertes Pendant: „Der Krieg im Hühnerhof“ (Inv.-Nr.345), misst 87,7 x 110,1 cm.

4         Aristoteles, Geschichte der Thiere, übers. und mit Anm. begleitet von Friedrich Strack, Frankfurt am Main 1810. Lusius Junius Moderatus Columella: De re nustika, übers. von Heinrich Oesterreicher, hrsg. von Karl Löffler, Tübingen 1914, 2 Bde. (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).

5         Don Brothwell, Roman Evidence of a Crested Form of Domestic Fowl, as Indicated by a Skull Showing Associated Cerebral Hernia, in: Journal of Archaeological Science 6. 1979, S. 291 – 293.

6         Hors Schmidt, Handbuch der Nutz- und Rassehühner, Melsungen 1985, S. 154; Schmidt 1999 (wie Anm. 2) S. 101f. und 160f.: Esther Verhoef und Aad Rijs, Hühner-Enzyklopädie, Utting 2001; Carl Witzmann/Max Holdenrieth/JacobRelowsky, Der große Geflügelstandard in Farbe. Bd. 1: Hühner, Truthühner, Perlhühner, 4 …überarb. und erg. Aufl. Reutlingen 1991: Zucht- und ressekundlicher

      Bilderatlas des Geflügels, nach Aquarellen von Carl Witzmann und Edmund Zurth, hrsg. von Helmut  Risler,             Reutlingen 1954, S. 5-72       

7      Der große Geflügelstandard in Farbe, Bd. 1, 1991 (wie Anm. 6), S. 110f.

8     Wir danken Frau Dr. Gabriele Lehari, Verlag Oertel und Spörer, Reutlingen, für die Genehmigung, hier                    Abbildungen des heutigen Standards wiederzugeben.

9      Jean Bungartz, Geflügel-Album, Abteilung I: Hühner, Lechenich 1884, 60 Abb. , S. 1 - 62

10    Der große Geflügelstandard in Farbe, Bd. 1, 1991 (wie Anm. 6), S. 48 - 197f.

11    Jean Bungarts, Hühnerrassen - Illustriertes Handbuch zur Beurteilung der Rassen des Haushuhns,

        Leipzig 1893, S. 24 -26

12    Foto im Besitz von Wilfried Detering, Bielefeld.

13    Ebd., S. 160f

14    Heinrich Lammerich u. a., Nachfahren der Sprenkelhühner Nordwesteuropas, Reutlingen 1994, S. 201

15    Zucht- und rassekundlicher Bilderatlas 1954 (wie Anm. 6). S. 32 - 36, hier S. 23

16    Ebd.,S. 32 -36

17    Der große Geflügelstandard in Farbe, Bd. 1, 1991 (wie Anm. 6), S. 32; Schmidt 1999 (wie Anm. 29,

       S. 201

18    Zucht- und rassekundlicher Bilderatlas 1954 (wie Anm. 6), Nachfahren der Sprenkelhühner

       Nordwesteuropas (wie Anm. 14), S. 91.