Vitamine frisch vom Strauch

 

                       Intensiv werden die Tagetes-Pflanzen bearbeitet und Teile davon aufgenommen.

Grünfutter hat in der Taubenzucht in den letzten Jahren einen hohen Stellenwert bekommen. Die Züchter wollen ihren Tieren ein möglichst vielfältiges Nahrungsangebot bieten. Gerade im Hinblick auf Grünfutter sind sie dabei äußerst ideenreich geworden. 

Bilder anklicken!

   Klein geschnittenes Grünzeug unter Erde und Mineralien gemischt, ist sinnvoll. So wird alles aufgenommen.

 

 

Die meisten Tauben mögen Grünfutter. Haben sie die Wahl, nehmen sie unterschiedlichste Pflanzenteile auf. Man ist als Züchter gut beraten, wenn man sich dieses Wissen zu Nutze macht und seinen Tauben immer wieder Grünfutter anbietet. Schließlich liegen in grünen Pflanzenteilen Vitamine in vielfältiger und vor allem frischer Form vor. Sie stehen den Tauben also sofort zur Verfügung. Bei vielen im Handel erhältlichen, getrockneten so genannten Croquetten besteht immer die Gefahr, dass sie sich verflüchtigen. Dazu reicht meistens schon eine nicht optimale Lagerung. Frisches Grün muss deshalb oberste Priorität haben. Wir können hier ruhig Vergleiche zur menschlichen Ernährung ziehen.

Schnittlauch, klein  geschnitten, ist der Klassiker unter dem Grünfutter.

 

Züchter, die ihre Tauben im Freiflug halten können, brauchen sich um Grünfutter keine Gedanken machen. Die Tauben nutzen ihre Chance und holen sich das, was sie wollen oder brauchen. Denn wie bei vielen Tierarten fällt auf, dass auch Tauben zuweilen ganz gezielt bestimmte Pflanzen fressen, wenn sie sich unwohl fühlen. Man hat den Eindruck, als wüssten sie, was gegen bestimmte Probleme hilft. Die Heilwirkung bestimmter Pflanzenbestandteile sollte nicht unterschätzt werden.

Klein geschnittener Schnittlauch wird gierig aufgenommen
Klein geschnittener Schnittlauch wird gierig aufgenommen

 

Die Taubenhaltung hat sich aber in den meisten Fällen grundlegend gewandelt. Freiflug ist nur noch in den seltensten Fällen möglich – die Volierenhaltung ist zur Regel geworden. Diese bietet den Tauben uneingeschränkten Schutz. Eine Tatsache, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Jeder, der Tauben im Freiflug hält, kann ein Lied davon singen, wenn wieder Verluste durch Greifvogelattacken zu verzeichnen sind. Im Umkehrschluss sind Volierentauben aber auch auf Gedeih und Verderb ihren Züchtern ausgeliefert. Das hört sich vielleicht etwas grob an, doch entspricht es der Tatsache. Als verantwortungs-bewusste Tierliebhaber unternehmen die Züchter natürlich alles, um es ihren Tauben gut gehen zu lassen. Gerade im Bereich der Fütterung hat sich in den letzten Jahrzehnten unendlich viel getan. Die Zeiten, in denen man den Tauben einfach eine Körnermischung gefüttert hat, sind wahrscheinlich überall vorbei. Man hat gelernt, dass eine vielfältige Fütterung den Tauben gut tut. Damit stehen alle Nährstoffe, Spurenelemente und Vitamine in ausreichendem Maß zur Verfügung.

Wird fortgesetzt!

 

Nutzen oder ausnutzen?

Der Züchter nutzt Veränderungen beim Geflügel, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern. Früher waren plötzlich auftretende Mutationen der häufigste Grund für Neuzüchtungen. Heute werden gern vorhandene Merkmale genutzt, um sie auf andere Rassen zu übertragen. Wir verfügen über eine ungeheure Vielfalt an Typen, Formen, Merkmalen und Farben. Manche Zeitgenossen, die wir gern etwas herablassend als vermeintliche Tierschützer bezeichnen, die aber nichts von unserer Passion verstehen, weil sie die Praxis nicht kennen, halten diese Kreationen manchmal für wahre Ungeheuer.

 

Da der Züchter nur seinem eigenen Gewissen unterliegt, jeder Mensch aber auch gern betriebsblind wird, müssen auftretende Kritik und geäußerte Vorwürfe sehr sorgfältig abgewogen werden, um seine eigene Objektivität nicht zu verlieren.

 

Gerade in der Rassegeflügelzucht, die wir seit mehr als 70 Jahren ohne Unterbrechung in Frieden und Freiheit betreiben, wurden manche Rassemerkmale so weit entwickelt, dass die Frage berechtigt ist, ob dabei nicht gewisse Grenzen überschritten werden und dies auf Kosten der Kreatur geht. Immer höher, immer größer, immer weiter – das ist unsere Devise. Wenn manche Beine immer länger werden, darf die Frage erlaubt sein, ob das Tier dadurch nicht vielleicht doch eingeschränkt und behindert wird. Manche Rassen sind andererseits schon so schwer geworden, dass die Beine kaum noch zu sehen sind. Beide Extreme verlangen nach einer objektiven Beurteilung, denn wir sind für unsere Lieblinge verantwortlich.

 

Einige Rassen haben auch ihre natürliche Flugfähigkeit eingebüßt, weil das Gewicht nicht mehr zu Flugzwecken taugt. Aber brauchen wir Flugvermögen, wenn Nachbarn keinen „Dachscheißer“ dulden und Greifvögel und Katzen unsere Bestände im Freiflug gefährden?

 

 

Weil es sich um eine Liebhaberei handelt, erkennen wir unsere Grenzen zum Teil aus eigener Kraft. Wir stellen unsere Lieblinge aber auch in den Vergleich, und wenn immer andere gewinnen, dann verlieren auch wir unsere natürlichen Bedenken gegen Übertreibungen. 

 

Bei den Pommerschen Kröpfern, die ich vierzig Jahre hielt und die immer meine Bewunderung behalten werden, wurde ich zum Fan wissenschaftlicher Forschung. Durch die Größe, die langen Beine, das enorme Blaswerk und die ausladende Fußbefiederung standen sie im Verdacht der Qualzucht. Durch die wissenschaftliche Forschung wurde uns einerseits bestätigt, dass Federfüßigkeit bei Hühnern und Tauben allein den Tatbestand der Qualzucht nicht erfüllt, gleichzeitig wurde uns mahnend mit auf den Weg gegeben, dass das Fußwerk seitwärts gerichtet sein muss, um das Tier in der Bewegung nicht zu behindern, während nach vorn reichende Fußfedern das Tier zum Stolpern bringen und die Bewegungsfreiheit beeinträchtigen. Züchterische Irrwege wurden dadurch aufgezeigt, gesunde und vitale Tiere hingegen stellen Lebensqualität für Mensch und Tier dar. 

 

Nicht nur die langbeinigen Pommernkröpfer standen auf dem Qualzuchtindex, auch das andere Extrem – die Kurzbeinigkeit – steht im Fokus des Tierschutzes. Da die Kurzbeinigkeit z. B. bei den Krüper-Hühnern und den Chabo-Zwerghühnern mit einem besonderen Gen in Verbindung gebracht wird, dem letale Wirkung nachgesagt wird, wurde die alte Frage wieder aufgeworfen, ob eine Rasse gezüchtet werden darf, bei der eine hohe Sterberate in der Nachzucht in Kauf genommen wird. Eine Frage, der sich die wissenschaftliche Forschung am Wissenschaftlichen Geflügelhof aktuell widmet. Ich hatte das Vergnügen, erste (überraschende) Forschungsergebnisse bei der Jahrestagung von JuWiRa (Verein zur Förderung junger Wissenschaftler/-innen in der Rassegeflügelforschung e. V.) zu erfahren. Ich will (und kann) das Ergebnis nicht vorwegnehmen, denn das ist der jungen Wissenschaftlerin vorbehalten, die ihre vorläufigen Ergebnisse noch durch weitere Auswertungen untermauern wird. Aber ein weiteres Mal wird bestätigt, dass wissenschaftliche Forschung gerade in der Rassegeflügelzucht von jedem einzelnen Züchter und von jedem Verein unterstützt werden sollte, da Wirtschaft und Politik sich nur für „Nutztiere“ interessieren. Wir haben ebenfalls einen unmittelbaren Nutzen, geben unseren Lieblingen aber auch ein lebenswertes Leben. Dieses wunderbare Hobby müssen wir verteidigen – jeder Züchter weiß warum! Denken Sie einmal darüber nach – zum Nutzen der Rassegeflügelzucht.

 

Unser ARGE-Mitglied Manfred Loick gibt gern weitere Auskünfte zur unabhängigen wissenschaftlichen Forschung am WGH. Durch eine Einzelmitgliedschaft in JuWiRa kann die Wissenschaft mit jährlich 25 € sehr einfach und sehr effektiv unterstützt werden.

 

 

Manfred.Loick@gmx.de

 

 

Lebensmittelskandal

 

 

reimt sich auf „wieder mal“

 

 

Der Skandal um verseuchte Eier weitet sich aus. In immer mehr Bundesländern tauchen Eier aus den Niederlanden aus. Aber auch Eier aus deutscher Produktion sind betroffen. Millionen mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier sind nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gelangt und wurden inzwischen aus dem Handel genommen. Möglicherweise wurden verseuchte Eier aus den Niederlanden auch nach Hessen und Bayern geliefert, im Bundesland Bremen tauchten ebenfalls belastete Eier auf. Auch Eier aus einem deutschen Betrieb in Niedersachsen wurden positiv auf Fipronil getestet. Als Auslöser des Skandals gilt das Desinfektionsmittel Dega-16, mit dem Blutläuse bei Geflügel bekämpft werden sollen. Darin wurde Fipronil beigemischt, was in der Geflügelzucht nicht verwendet werden darf. Ein belgischer Händler steht im Verdacht, dies getan zu haben.

 

 

Der aufmerksame Leser braucht nicht von der ARGE Tierschutz Rassegeflügelzucht auf den aktuellen Lebensmittelskandal aufmerksam gemacht zu werden, da es genügend andere Informationen dazu gibt. Stattdessen möchte ich einen anderen Gedanken anstoßen: Ich behaupte einmal, dass durch die monatelange Aufstallung auch für Plagegeister eine ideale Lebensgrundlage geschaffen worden ist. Diese „Begleiterscheinungen“ sind aber nicht nur lästig, sondern schädlich – und müssen deshalb bekämpft werden.

 

 

Wir Rassegeflügelzüchter haben nur Freude an unseren Tieren, wenn sie sich wohl fühlen. Saubere Haltung, strukturierter Auslauf, gehaltvolles Futter, frisches Wasser, saubere Ställe und ein regelmäßiges Staubbad – hier fühlen sich unsere Hühner wohl. Wenn wir Fehlentwicklungen erkennen, können wir leicht Gegenmaßnahmen ergreifen, denn das Tierwohl ist Grundvoraussetzung dafür, dass auch der Züchter zufrieden ist.

 

Anders in der Massentierhaltung. Natürlich werden auch da Plagegeister bekämpft, aber Massentierhaltung erfordert massiven Einsatz von Insektiziden. Im Einsatz der Mittel ist man da nicht wählerisch, denn wirtschaftliche Interessen stehen nicht nur über dem Tierwohl, da darf auch schon einmal der Verbraucher einer gesundheitlichen Gefahr ausgesetzt werden.

 

Uns vergeht dabei nicht der Appetit, als Selbstversorger haben wir einen zusätzlichen Grund, auf unser naturnahes Hobby stolz zu sein.

 

Die Bilder; Schöne und gesunde, von den eigenen Hühnern produzierte Eier.

 

 

Manfred Loick

 

Wasser,

das so ungemein wichtige Lebensmittel

 

Ein Erlebnis brachte mir wieder einmal in Erinnerung, wie wichtig etwas für uns so Alltägliches ist, nämlich sauberes Wasser. Ohne Flüssigkeitszufuhr überlebt ein Mensch angeblich nur wenige Tage, bei einem Tier ist es kaum anders.

 

In einer Zuchtanlage lief ich an einer Taubenvoliere mit Süddeutschen Kohllerchen, die auf dem Boden scheinbar Fressbares pickten. Vermutlich ausgestreutes Getreide als Beschäftigungstherapie. Oder doch nicht?

 

Der ganze Volierenboden war mit üppig mit Klee bestanden. In der Tat schon außergewöhnlich. Aber was noch ungewöhnlicher war, die Tauben nahmen kein Futter auf, sie pickten gierig die in der Sonne glitzernden Tautropfen von den Kleeblättern.

 

Ein faszinierendes Schauspiel. Vermutlich war die Tränke leer. Oder aber die Tauben hatten noch Wasser, aber der Züchter verdarb ihnen mit irgendwelchen, übel riechenden Zusätzen den Appetit. Später traf ich den Züchter, der mir versicherte, an diesem Tag die Tränke schon gefüllt zu haben.

 

 

Immerhin, diese Beobachtung habe ich nicht vergessen. Wann immer in unseren Fachzeitungen Werbung für allerlei Futterzusätze, Futterergänzungsmittel gemacht wird, mache ich mir so meine Gedanken. Meine Jameika-Erdtauben (Wildtauben) beispielsweise sind absolute Wasserspezialisten und wohl auch Feinschmecker. Jeglicher Wasserzusatz, seien es Vitamine oder Medizin (Wurmkur) wird hartnäckig mit Verweigerung der Wasseraufnahme quittiert. Lediglich eine Säuerung des Wassers, z. B. mit Essig wird nicht beanstandet.

 

Wasser  -  Lebenselexier zu jeder Jahresazeit

 

Vielleicht sind unsere Rassetauben diesbezüglich weniger sensibel. Aber ich bin überzeugt, dass sie erstklassiges, frisches, reines Trinkwasser zu schätzen wissen. Nur widerwillig, und damit zu wenig aufgenommene Flüssigkeit führt vermutlich zu gesundheitlicher Beeinträchtigung. Insbesondere, wenn auch noch Nachwuchs versorgt werden muss. Wir dürfen nicht vergessen,  dass die Wasseraufnahme dazu dient, den ganzen Organismus einer Taube auf ca. 40 Grad herunter zu kühlen.

 

Ob alles, was an Wasserzusätzen und verschiedenen Taubentees angeboten und aufgebrüht wird, wirklich notwendig und vor allem sinnvoll ist, wer kann dies letztlich beweisen? Erstaunlich genug, was neben Tee ins Trinkwasser gekippt wird – Milchprodukte, Zucker, Honig und weiß der Teufel, was noch. Im günstigsten Fall wollen wir mal annehmen, dass es zumindest nicht (sehr) schaden wird.

 

In meiner eigenen Zucht arbeite ich lediglich mit Apfelessig als Zusatz, um das Trinkwasser im sauren Bereich zu halten. In diesem Milieu ist es Keimen nicht möglich, sich zu vermehren. In unserem Leitungswasser werden immer wieder viel zu hohe Nitratwerte gemessen und zig Schädlingsbekämpfungsmittel bzw. deren Abbauprodukte nachgewiesen, die in unserem wichtigsten Lebensmittel wirklich nichts zu suchen haben. Gut, wir haben ja unsere – wohl ziemlich willkürlich – festgelegten Grenzwerte, die bei Bedarf aufgehoben werden können. Da sind unsere Behörden flexibel.

 

Kühles, sauberes und frisches Wasser jeden Tag ist das Wenigste, was wir unseren Tauben anbieten müssen. Gedanken dürfen wir uns darüber hinaus über die handelsüblichen Tränken machen. Dass die heute im Handel angebotenen Kunststoff-Tränken das Nonplusultra sind, glaube ich eher nicht.  Steingut und Glas halten in der warmen Jahreszeit das Wasser sicherlich kühler und frischer. Mir schmeckt das Bier aus einem Steinkrug auch besser als aus einem Plastikbecher. Vielleicht waren die Kupfertränken, die früher verwendet wurden gar nicht so schlecht? Die Tränken sollten auf jeden Fall erhöht platziert werden, um Staub- und Schmutzpartikeleintrag deutlich zu mindern. Und natürlich sollte die Tränke nicht der Sonne ausgesetzt werden und an einem schattigen Platz stehen!

 

Unsee Tauben in der Voliere sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, was wir ihnen an Futter und vor allem Wasser vorsetzen. Grund genug sich immer wieder damit auseinander zu setzen.

Wasserist Leben – denkt daran!

 

 

Alois Münst            

 

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Teil 3

2007 – 2017:

Habe ich was verpasst?

 

 

Täuschung oder Panikmache?

 

Der Pest von 1348 fiel damals mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer – 25 Millionen Tote! Bazillen, Viren und andere Krankheitserreger kannte man im Mittelalter noch nicht, aber es gab sie schon. Man nannte die Pest, auch der „Schwarze Tod“.

 

Das Wort Pest leitet sich vom lateinischen Wort pestis für Seuche ab. Ausgelöst wurde der Schwarze Tod durch den Pesterreger Yersinia pestis und gelangte über die Handelsrouten von Asien nach Europa. Bei dem Pesterreger handelt es sich nicht um einen Virus, sondern um ein Bakterium.

 

Dennoch wird auch bei der durch einen Virus verursachten Vogelgrippe von Geflügelpest gesprochen. Wird hier zugegeben, dass auch schon die Schwarze Pest im Mittelalter aus Asien importiert worden ist? Seriöse Wissenschaftler weisen seit mehr als zehn Jahren darauf hin, dass nicht der Vogelzug, sondern die Handelswege für die Verbreitung der Vogelgrippeviren verantwortlich sind.

 

Zehn Jahre Fragen, zehn Jahre ungenügende Antworten

 

Das Robert-Koch-Institut geht von jährlich bis zu 15.000 Grippetoten allein in Deutschland aus, weltweit liegt die Todesrate zwischen 250.000 bis 500.000. Dennoch wird die Grippe von vielen Menschen nicht mehr als schwere Krankheit wahrgenommen, die Grippewelle kommt – und sie geht auch wieder. Die Spanische Grippe H1N1 forderte 1918 – 1920 weltweit 50 Millionen Opfer, die Asiatische Grippe H2N2 im Jahr 1957 etwa zwei Millionen und die Hongkong-Grippe H3N2 ca. eine Million Tote im Jahr 1968. Sowohl die Asiatische als auch die Hongkong-Grippe entstanden aus einer Kombination von Menschen- und Vogel-Influenza. Die Viren der Influenza des Menschen und der Klassischen Geflügelpest sind der gleichen Gruppe zuzuordnen. Müssen Menschen Angst vor Vogelgrippe-Viren haben oder wird die Angst nur geschürt?

 

Auch die Vogelgrippe forderte schon Todesopfer unter den Menschen, aber nur, wenn sehr enger Kontakt zu erkrankten Tieren bzw. mit ihren Exkrementen bestand. (In Asien leben Menschen und Hühner oft auf engstem Raum zusammen.) Von 2003 bis 2016 gab es in 13 Jahren 450 Todesopfer, also rd. 33 pro Jahr. Die Pandemie ist ausgeblieben.  Die Gefahr, durch ein Hühner- oder Putenprodukt aus der industriellen Massentierhaltung an einer bakteriellen Salmonelleninfektion zu sterben, ist tausendmal höher.

 

Die großen Grippe-Epidemien oder Pandemien waren aber nicht einem Todes-Virus geschuldet, denn ein Virus lässt seinen Wirt leben, um selbst weiter zu bestehen. Die Viruserkrankungen bereiteten den Boden für anschließende – tödliche – bakterielle Infektionen. Diesen könnte man heute – dank der Erforschung von Antibiotika – eigentlich ganz entspannt entgegensehen, aber durch die unkontrollierte Gabe von Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung ist diese Wunderwaffe stumpf geworden. Und auch die heute stark gefürchteten Multiresistenten Keime (MRSA) sind heute in jedem zweiten Turbo-Broiler aus industrieller Produktion nachweisbar.

 

Der Selbstversorger, der Freund von Bio-Lebensmitteln und von ländlicher regionaler Vermarktung soll in seiner kleinen Nische nicht geduldet werden, denn hier existiert der Beweis, dass es auch anders ginge. So geht es erst den Tieren und dann den Menschen an den Kragen. Dagegen müssen wir uns wehren.

 

 

Manfred Loick

 

Teil 2

 

bleibt alles anders

 

 

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wir sind immer wieder bereit, der Sache dienliche Gespräche zu führen, allerdings sind wir nun an einem Punkt angelangt, wo wir auch alle rechtlichen Mittel gegen diese ungerechtfertigte Verordnung ausschöpfen müssen. Dass der oft zitierte Wildvogelzug eine Gefahr darstellt, wird nicht nur von uns, sondern von vielen Experten als grober Unfug bewertet.“

 

Oder folgender Auszug:

„… beschreibt die unnötige Aufstallungspflicht als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wobei die vom BMELV herangezogenen Begründungen (Risikobewertung) offenkundig interessengeleitet sind. Es ist bisher zu keinem Ausbruch der Vogelgrippe in einem Zier- oder Rassegeflügelbestand bzw. bei einem nicht bei uns organisierten Freilandhalter gekommen. Die Übertragung des H5N1-Erregers ist in Europa in keinem Fall bewiesen. Die Ausbrüche in der Türkei, in Nigeria, Ungarn und Großbritannien in Wirtschaftsgeflügelbeständen haben Transporte von Tieren, Futter oder Kot als Ursachen. Ein Zusammenhang von Geflügel und der Vogelgrippe wird von namhaften Wissenschaftlern immer häufiger hervorgehoben.“

 

Nachzulesen im Kleintierzüchter Nr. 11/2007 im Bericht über die 170. Bundesversammlung des BDRG. Statt H5N1 sind wir inzwischen bei H5N8 angekommen, weitergekommen sind wir aber nicht. Was wird uns die 180. Bundesversammlung bringen?

 

Manfred Loick

 

 

 

Teil1:

 

2007 – 2017: Habe ich was verpasst?

 

Verdamp lang her

 

 

Mit diesem Lied von Wolfgang Niedeckens BAP aus dem Jahr 1981 bin ich inzwischen auch in die Jahre gekommen, es ist ein Lied meiner Generation. In Geflügel-Generationen gibt es eine andere Zeitrechnung. Seit 2007 sind zehn Tauben- oder Hühner-Generationen herangewachsen. Schon 2007 wurde über die Vogelgrippe geschrieben, ich habe einmal zurückgeblättert und werde darüber in loser Folge berichten.

 

Viruserkrankungen durch unzählige Viren

 

Im Kleintierzüchter Nr. 2/2007 dozierte der im Februar d. J. verstorbene Dr. Werner Lüthgen über die bedeutendsten Hühner-Viruserkrankungen und deren Bekämpfung. Zu den Viruserkrankungen der  Atemwege des Geflügels zählte er die Infektiöse Bronchitis (Entzündung der Bronchien, d. h. der oberen Lungenabschnitte durch einen Coronavirus) und die Infektiöse Laryngotrachetis (infektiöse Luftröhrenentzündung durch einen Herpesvirus). Auch die Newcastlekrankheit, die wir durch eine allgemeine Impfpflicht gut in Schach halten, geht auf eine Virusinfektion (Paramyxovirus) zurück. Beim Wassergeflügel sind chronische Erkrankungen der Atemwege durch Influenzaviren (Orthomyxoviren) beschrieben, da diese beim Wassergeflügel häufiger vorkommen, aber nur selten zu größeren Verlusten führen. Beim Huhn und bei der Pute dagegen führen Infektionen durch bestimmte Subtypen der Influenzaviren zu drastischen Verlusten, so dass diese Erkrankungen der Vogelgrippe dort als Klassische Geflügelpest bezeichnet werden. Zehn Jahre Forschung am Friedrich-Löffler-Institut haben uns über die Geflügelpest keine neuen Erkenntnisse verschafft.

 

 

Neben den bereits genannten Erkrankungen geht auch die von Hühnerzüchtern gefürchtete Marek`sche Krankheit auf Viren (Herpesvirus) zurück, wobei die Tumorform auch von der durch das Aviäre Leukosevirus (ALV) hervorgerufene aviären Leukose zu differenzieren ist.

 

 

Dadurch wird schon deutlich, dass es unzählige Viren gibt. Als Laien können wir da kaum mitreden, selbst  Fachleute vertreten unterschiedliche Auffassungen. Im täglichen Kampf ums Überleben haben wir uns mit 320.000 unterschiedlichen Virenarten auseinanderzusetzen. Ein einziges Virus ist lediglich 100 Nanometer groß,  10.000 Viren ergeben einen Millimeter. Der Mensch kennt Viruserkrankungen wie AIDS, Ebolafieber, Masern oder Polio. Auch hier ist die Furcht unterschiedlich groß, da die Krankheitserscheinungen unterschiedlich ausgeprägt sind. Das Erfolgsgeheimnis der Viren ist ihre ständige Veränderung. Das ist ein Erfolgsschlüssel in der Evolution, denn nur durch ständige Anpassung an eine sich verändernde Umwelt kann man das Überleben seiner Art sichern. Das wusste schon Charles Darwin, allerdings hat es lange gedauert, bis er als Ikone der Wissenschaft anerkannt wurde. 

 

Bei einem Virenangriff versucht das Immunsystem, die von Viren befallenen Zellen zu bekämpfen. Gelingt das, ist der Körper in Zukunft in manchen Fällen gegen dieses spezielle Virus immun. Deshalb erkranken Menschen an bestimmten Viruserkrankungen wie etwa Masern auch nur einmal in ihrem Leben.

 

Beim Geflügel wird hingegen entweder jeder Vogel staatlich gekeult oder es wird gewaltig geimpft, so dass natürliche Abwehrkräfte beim Hausgeflügel überhaupt nicht entstehen können.

 

Wildgeflügel hat sich schon längst mit dem Vogelgrippevirus arrangiert, sie leben mit ihnen im Gleichgewicht, denn Meldungen über große Todesraten bleiben selten. Wer seinen Wirt umbringt, entzieht sich seine (Über-)Lebensgrundlage. Der Winter ist ein Faktor natürlicher Auslese beim 'Survival of the Fittest'. Neben dem Winterwetter und dem Nahrungsmangel müssen auch Virenangriffe hier eingeordnet werden. Wir sollten mehr auf das Immunsystem setzen und dem tierschutzwidrigen Keulungssystem unsere sämtlichen Abwehrkräfte entgegensetzen.

 

 

Manfred Loick

 

Gegen die Langeweile ist ein Kraut gewachsen

 

        Junge Voorburger beim Kräuterfrühstück

 

Als ich der Empfehlung folgte, dass man seinen Tauben klein geschnittenen Schnittlauch und ähnliches Grünzeug reichen sollte, wurde der größte Teil welk und dreckig. Als nächstes versuchte ich es mit Kropf-Mix, Kräuter in Pulverform, eingerührt in feuchtes Körnerfutter. Der Hunger trieb´s hinein, kein Höhepunkt im Taubenleben.

 

Nun habe ich verschiedene Kräuter in einzelne Töpfchen eingepflanzt, täglich hänge ich meinem kleinen Tauben- bestand ein anderes Töpfchen in die Voliere, gestern Koriander, heute Anis, morgen Oregano…

 

Welches Kraut ist heute dran?

 

Das Kräutertöpfchen darf (und muss) sich danach wieder regenerieren, denn meine Tauben haben schnell Spaß daran gefunden, am frischen Grün zu zupfen.

 

Auch für mich als Züchter ist es schnell zu einem Vergnügen geworden, dem bunten Treiben zuzusehen. Im früheren Freiflug war Grünzeug selbstverständlich, in den oft sehr sterilen Volieren muss für Abwechslung gesorgt werden.

 

Es geht nicht darum, dass die Kräuter besonders gesund sein müssen. Es ist nur wichtig, dass die Pflanzen den Tieren nicht schaden. Es gibt schließlich giftige Pflanzen. Bei Kräutern besteht keine Gefahr. Über Tipps, welche Kräuter für unsere Tauben zum Lieblingsschnapper werden, können wir an dieser Stelle gern berichten.

 

 

Text und Fotos: Manfred Loick

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Text und Fotos: Wilhelm Bauer

 

Wichtige Vitaminquellen im Frühling

Teil 1:

Nach dem Winter freut man sich auf den Frühling. Für die Taubenzüchter ist es die Zeit des Zuchtbeginns – also der Entstehung neuen Lebens. Genauso wie im Taubenschlag regt sich auch die Natur von neuem. Typische Frühlingspflanzen können den Futterplan der Tauben ergänzen und durch wertvolle Inhaltsstoffe zur Gesundheitsvorsorge beitragen.

 

Als man das erste Mal den Kropfinhalt von Tauben untersuchte, war man überrascht. Hatte man doch bis dahin gemeint, dass Tauben reine Körnerfresser sind. Heute weiß man es besser: Neben Getreidekörnern findet man kleine Samen, Erdkrümel, kleine Steinchen, Teile von Grünpflanzen und sogar tierische Kost in Form von Würmern und Schnecken. Kann man seine Tauben im Freiflug halten, besorgen sie sich dies alles selbst. Man sieht die Tauben eigentlich den ganzen Tag auf Futtersuche. In früheren Zeiten hat man durch eine knappe Fütterung sogar gezielt darauf hingewirkt, dass die Tauben feldern gehen. Mit veränderten Haltungsbedingungen in Volieren wurden die Tauben von diesem vielfältigen Nahrungsangebot abgeschnitten. Die Rolle des Züchters ist in gleichem Maß gestiegen, will er seine Tauben umfangreich ernähren.

 

Es gibt heute wohl kaum noch einen Züchter, der seine Tauben nur mit einer Körnermischung füttert. Darauf hat sich auch die Futtermittelindustrie eingestellt und bietet eine geradezu unüberschaubare Anzahl an Ergänzungsmitteln an. Wer will, kann also darauf zurückgreifen. Im Gegensatz dazu ist aber auch bei Taubenzüchtern ein Trend zur naturnahen Fütterung deutlich erkennbar. Gerade im Bereich der Fütterung von Grünzeug ist das zu spüren.

 

Als Züchter kann man mit wenig Aufwand seinen Tauben hier sehr viel Gutes tun. Haben doch Pflanzen meistens eine große Anzahl an wertvollen Inhaltsstoffen, die den Organismus der Tauben positiv beeinflussen. Gerade Bärlauch und der wilde Schnittlauch stehen jetzt im Frühling zur Verfügung und werden von Tauben gerne aufgenommen.

 

Teil 2

 

Wilder Schnittlauch als erste Powerquelle

 

Während das umgebende Gras noch im Ruhestand ist, hat sich der Wiesenschnittlauch schon voll entwickelt. 

 

Der kultivierte Schnittlauch ist neben Petersilie das häufigste Küchenkraut. Es gibt wohl kaum einen Garten, in dem man sie nicht findet. Seltener und meistens auch unbekannter ist der wilde Schnittlauch. Er wächst schon im zeitigen Frühjahr und ist zuweilen sogar schon zu sehen, wenn noch geringe Schneemengen vorhanden sind. Er reagiert auf die ersten geringen Erwärmungen und ist als Büschel schon reichlich hoch, wenn das umgebende Gras noch mehr oder weniger im Winterschlaf steckt. Da er meistens auf Wiesen anzutreffen ist, nennt man ihn auch Wiesenschnittlauch. Auch als Knolauch ist er bekannt, da sein Geruch doch stärker an Knoblauch erinnert, als das beim normalen Schnittlauch der Fall ist.

 

< Wiesenschnittlauch (unten) und

   kultivierter Schnittlauch (oben)

 

Im Gegensatz zum Gartenschnittlauch wächst er schon viel früher, sodass man ihn zeitiger ernten kann. Seine Röhrchen sind deutlich feiner und deshalb weniger Standhaft. Darin liegt wohl auch ein Grund, dass man den Wiesenschnittlauch kaum noch findet, wenn die Vegetation weiter fort-schreitet.

 

 

Der Wiesenschnittlauch hat im Grund die mehr oder weniger gleichen Inhaltsstoffe wie der kultivierte Schnittlauch. Neben wertvollen ätherischen Ölen ist er vor allem ein wichtiger Vitaminlieferant, und zwar zu einer Zeit, wenn andere Kräuter noch im Winterschlaf stecken. Man kann den Wiesenschnittlauch klein schneiden und seinen Tauben als Zusatzfutter anbieten. Mit etwas Gewöhnung nehmen ihn die Tauben sehr gerne an. Findet man eine größere Ansammlung, kann man ihn auch auf Vorrat sammeln und ihn durch einfrieren haltbar machen. Selbstverständlich kann man ihn auch trocknen, doch gehen dann die ätherischen Öle weitestgehend verloren. Da zu späterer Zeit aber der frische Gartenschnittlauch zur Verfügung steht, kann man sich diesen Aufwand eigentlich sparen. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass sich der Wiesenschnittlauch fortpflanzen kann und im nächsten Jahr wieder sprießt. Ein vollständiges Abernten sollte deshalb nicht passieren.

Teil 3:

Bärlauch hilft auf vielfältige Weise

 

Bärlauch wächst bevorzugt an lichten und humosen Stellen.

Eine weitere typische Frühlingspflanze ist der Bärlauch. Ihn findet man normalerweise in lichten Wäldern oder auch Auen. Seit Jahren findet man den Bärlauch mit seinem typischen Koblauchgeruch saisonal auf den Speisekarten der Restaurants. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis man ihn auch an die Tauben verfütterte. Seine wichtigsten Inhaltsstoffe sind ebenfalls ätherische Öle, die aber intensiver als die des Wiesenschnittlauchs sind. Hinzu kommen reichlich Vitamin C und Eisen. 

Zum Füttern verwendet man den ganzen Bärlauch samt Stengel

 

Für die Tauben sind die starken ätherischen Öle besonders wichtig. Sie haben nämlich eine befreiende und desinfizierende Wirkung im Bereich der Atemwege. Das merkt man auch als Spaziergänger, wenn man durch ein Gebiet mit üppigem Bärlauchbestand läuft. Der ziemlich starke Knoblauchgeruch ist auch das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zu den Maiglöckchen. Sie sind giftig, sodass sie auf keinen Fall verfüttert werden dürfen. Die Folgen wären fatal. Ist man sich also nicht sicher, ist die Geruchskontrolle noch immer am effektivsten.

 

In diesem Zusammenhang muss man auch mit dem Märchen aufräumen, dass Bärlauch nicht mehr genießbar beziehungsweise giftig ist, wenn er blüht. Er bildet lediglich mehr Bitterstoffe aus, was natürlich zu einem anderen Geschmackserlebnis führt. Bei Tauben ist aber keine verminderte Aufnahme festzustellen. Aufpassen sollte man, dass man nicht auf einmal zu viel Bärlauch erntet. Die Regeneration der Bestände für das nächste Jahr muss man nämlich auch hier im Auge behalten. 

Leider ist Bärlauch nur im Frühjahr zu bekommen. Aufgrund der vielen Vorzüge ist es aber von Vorteil, wenn man ihn das ganze Jahr über seinen Tauben anbieten kann. Beim Trocknen gehen die meisten Inhaltsstoffe verloren, sodass dies von vorne herein nicht in Frage kommt. Die Züchter sind deshalb dazu übergegangen, ein so genanntes Bärlauch-Pesto herzustellen. Dazu wird der Bärlauch mit Öl und einer Prise Salz in einem Mixer zerkleinert und dann in fest verschlossenen Gläsern an einem dunklen Ort aufbewahrt. Dieses Pesto wird dann mit Körnerfutter vermischt und etwas Futterkalk abgebunden.

 

Klein geschnitten wird Bärlauch von Tauben gern gefressen.

Hat man Bärlauch frisch zur Verfügung, kann man ihn einfach kleinschneiden und den Tauben direkt verfüttern. Viele Tauben haben damit aber zu Beginn noch Probleme. Streut man etwas Salz darüber, nehmen die Tauben den frischen Bärlauch problemlos an.

 

Es steht außer Frage, dass das Sammeln und Aufbereiten von Wiesenschnittlauch und Bärlauch mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Dennoch sollte man dies in Kauf nehmen. Gerade im zeitigen Frühjahr sind sie wertvolle Quellen ätherischer Öle und frischer Vitamine. Dies alles ist für Tauben wichtig und sorgt für eine vielfältige Ernährung. Schließlich sind Tauben nicht nur Körnerfresser. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen.

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Michael von Lüttwitz

Grüne Antibiotika

 

 Kohlgewächse und Kapuzinerkresse enthalten viele grüne Antibiotika

 

Geschossene Rettiche sollte man auf Grund ihrer Inhaltsstoffe als Hühnerfutter verarbeiten.
Geschossene Rettiche sollte man auf Grund ihrer Inhaltsstoffe als Hühnerfutter verarbeiten.

 

Antibiotika sind Substanzen, die zuverlässig bakterielle Krankheitskeime töten. Antibiotika sind im menschlichen und tierischen Bereich im Einsatz. Doch neben der Krankheitsbekämpfung haben die Antibiotika auch eine dunkle Seite. Werden sie nicht richtig eingesetzt, bewirken sie eine Resistenzbildung. Mit anderen Worten: Antibiotika wirken nicht mehr. Sie sind keine Substanzen, die der Mensch erfunden hat. Antibiotika sind Stoffe, die zum natürlichen Arsenal von Bakterien und Pilzen gehören. Sie führen mit diesen Stoffen sozusagen Krieg gegeneinander, denn in der Natur gibt es nur eine Devise: Fressen oder Gefressen werden. Nachdem die Wissenschaft herausgefunden hatte, dass sich Bakterien und Pilze untereinander und gegeneinander mit Antibiotika bekämpfen, boomt in der Pharmazie die Antibiotika-Herstellung. Myriaden von Bakterien, teils Gen manipuliert, fertigen in riesigen Tanks Antibiotika. Diese Stoffe werden gereinigt und zu Tabletten gepresst.

Nicht nur das Rettichlaub, auch der Rettich darf ins Geflügelfutter einfließen
Nicht nur das Rettichlaub, auch der Rettich darf ins Geflügelfutter einfließen

 

Im Dienst der Gesundheit werden sie eingesetzt, wobei Antibiotika drei Funktionen ausüben: Bakterien zerlöchern, Bakterien vergiften und Bakterien in der Fortpflanzung blockieren. Mit diesen Mechanismen töten sie nach der Einnahme krankmachende Bakterien. Die Sache hat aber einen Haken. Sie töten auch die nützlichen Bakterien, genauso die, welche der Mensch oder das Huhn braucht. Aus diesem Grund muss immer abgewogen werden, ob die Verabreichung von Antibiotika sinnvoll ist, oder mehr Schaden anrichtet als nützt. Liegt eine ernsthafte Erkrankung vor, hilft ein Antibiotikum die krankmachenden Bakterien zu töten. Das Immunsystem wird dadurch in die Lage versetzt, mit den übrig gebliebenen Krankheitskeimen fertig zu werden.   

Meerrettich sollte als Geflügelfutter fein zerkleinert ins Weichfutter in geringen Mengen integriert werden.
Meerrettich sollte als Geflügelfutter fein zerkleinert ins Weichfutter in geringen Mengen integriert werden.

 

Der Preis für die Krankheitsbekämpfung ist eine veränderte Darmflora, welche für die Gesundheit des Verdauungstraktes von entscheidender Bedeutung ist. Sie muss über einen langen Zeitraum wieder aufgebaut werden, um die ursprüngliche Vielfalt zu erreichen, sofern dieses überhaupt gelingt. Manche Regionen des Verdauungstraktes reagieren problemlos, andere wiederum können dauerhaft verändert bleiben. Dramatisch wird es, wenn schlechte Keime die Plätze der normalerweise guten Keime einnehmen. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft, immer eine Vitamingabe mit der Antibiotikagabe zu kombinieren. Bei jeder Antibiotikagabe gibt es Bakterien, die derart mutiert sind (ihr Erbgut verändert haben), dass das Antibiotikum nicht mehr wirkt. Kann sie das Immunsystem nicht mehr in Schach halten, kommt es zu einem Krankheitsausbruch, bei dem das normalerweise wirksame Antibiotikum keine Wirkung mehr zeigt.

Grüne Antibiotika helfen seit Jahrtausenden, die Hühner in menschlicher Obhut fit zu halten.
Grüne Antibiotika helfen seit Jahrtausenden, die Hühner in menschlicher Obhut fit zu halten.

 

Ein anderes muss her, aber auch hier gibt es wiederum mutierte Bakterien … ein Teufelskreis beginnt, Im Endeffekt können Tier und Mensch erkranken, aber kein Antibiotikum hilft mehr. Obendrein werden so gut wie keine neuen Antibiotika mehr entwickelt, weil das Geschäft sich für die Pharmaindustrie heutzutage kaum noch lohnt. Ursache für die Antibiotikaunwirksamkeit ist nicht nur die verantwortungslose Antibiotikumverschreibung im menschlichen Bereich, sondern vor allem im tierischen Sektor. Bis 2006 war es in der EU erlaubt, Antibiotika als sogenannte Leistungssteigerer einzusetzen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich unter anderem, dass sie eingesetzt werden, um die unhygienischen Bedingungen in der Massentierhaltung in den Griff zu bekommen – ansonsten hätte es ein Massensterben gegeben. 

Die Inhaltsstoffe des Lauchs mögen Bakterien gar nicht.
Die Inhaltsstoffe des Lauchs mögen Bakterien gar nicht.

 

Auch heute noch werden Antibiotika in der

Geflügelmassenhaltung eingesetzt,

allerdings nicht mehr als Leistungssteigerer (sozusagen vorbeugend), sondern nur noch um einen Krankheitsausbruch nach tierärztlicher Begutachtung zu unterbinden. Selbst in Bio-Geflügelhaltungen werden Antibiotika eingesetzt, wenngleich mit einer festgelegten Höchstmen-genbegrenzung. Wird sie überschritten, muss das vermeintliche Bio-Produkt als normales Geflügelprodukt über die Ladentheke gehen.  Mit anderen Worten, selbst wenn der Mensch keine Antibiotika zu sich nimmt, kommt es bei ihm zur Resistenzbildung, denn das Fleisch von Geflügel und anderen Nutztieren führt ihm Antibiotika zu. Aus diesem Grund ist es von unendlichem Vorteil, wenn man sein Geflügelfleisch und seine Eier selbst erzeugt, natürlich ohne den Einsatz von Antibiotika, was bei einer kleinen Haltungsgröße problemlos möglich ist.

In der antibiotischen Wirkung liegt Knoblauch weit vorn
In der antibiotischen Wirkung liegt Knoblauch weit vorn

 

Wer meint als Erhaltungs- und Rasse-geflügelzüchter Antibiotika auf gut Glück einsetzen zu müssen, weil es vielleicht helfen könnte, handelt verantwortungslos. Dennoch kann man seinen Tierbestand vorbeugend mit Antibiotika versorgen, ohne dass es zu irgendwelchen schädlichen Nebenwirkungen kommt. Das gelingt mit pflanzlichen Antibiotika, Substanzen, die der Pflanzenorganismus erzeugt. Interessanterweise gelingt es den Bakterien nicht, gegen diese „grünen Antibiotika“ resistent zu werden. Der Nachteil dieser Pflanzenantibiotika ist, dass sie nur vorbeugend Krankheitskeime in Schach halten können, im Ernstfall aber für eine Therapie zu schwach sind. Hier muss dann in der Tat ein Antibiotikum aus dem Pharmaschrank herhalten. In aller Regel kommt es aber erst gar nicht so weit, weil die grünen Antibiotika das Immunsystem derart unterstützen, dass es zu keinem Krankheitsausbruch kommt.

Das gilt auch für Zwiebeln
Das gilt auch für Zwiebeln

 

Antibiotikapflanzen sind in erster Linie Knoblauch und Zwiebeln. Aber auch alle Kohlgewächse haben antibiotische Wirkung, genauso der Rettich und das Radieschen. Deshalb wandern Rettich- und Radieschenlaub nicht auf den Kompost oder gar in die Bio-Tonne, sondern in den Geflügelmagen. Kapuzinerkresse, eine beliebte Blume, aber auch Meerrettich sind des Weiteren zu nennen. Ihre Inhaltsstoffe sind derart antibiotisch, das sie schon als Futtermittelergänzungsstoff hergestellt werden. Das gilt auch für die ätherischen Öle des Oreganos bzw. Majorans. Generell sollten Gartenkräuter immer mit ins Futter integriert werden, ebenso die Ringelblume, Kamille oder der Salbei. In ähnlicher Weise wirkt der Saft des Löwenzahns gegen Kokzidien oder das Capsaicin der Paprikas gegen Salmonellen. Mit einer entsprechenden Verfütterung wird der Geflügelorganismus in die Lage versetzt, das Immunsystem derart zu unterstützen, dass es mit Krankheitserregern von alleine fertig wird bzw. es zu einem gesunden Gleichgewicht kommt, vor allem, wenn auch die Haltungsbedingungen tier- bzw. artgerecht sind.

 

 

Text und Fotos: Michael von Lüttwitz, Geflügel-Börse 22/2015     


Komplett zu,


das ist völlig falsch!


Tauben brauchen viel frische Luft, auch im Winter

Wer im Winter die Schlagfront abdeckt (hier mit Transparentplatten), muss für eine gute Be- und Entlüftung sorgen, und er sollte bei Sonnenschein die Abdeckung abnehmen.
Wer im Winter die Schlagfront abdeckt (hier mit Transparentplatten), muss für eine gute Be- und Entlüftung sorgen, und er sollte bei Sonnenschein die Abdeckung abnehmen.


Kurz vor dem Wintereinbruch neigen nicht wenige Züchter dazu, die Vorderseiten ihrer Schläge mit Plastikfolien abzudecken. So wollen sie vermeiden, dass bei einem Sturm Regen oder Schnee durch den Draht in die Voliere dringen. Und schön warm sollen´s die Tauben auch noch haben. Wichtig ist aber die Lage des Stalls. Wind und Schnee kommen aus Norden bzw. Osten, die Voliere muss also genau anders ausgerichtet sein. Um ein Restrisiko zu vermeiden, genügt es die unteren 80 bis 100 cm abzudecken. Tauben frieren im Winter nicht, dagegen schützt sie ihr Gefieder mit rund 6000 Federn bestens. Auch in der Kälteperiode sind Tauben an schönen Tagen aktiv, sie müssen nur auch die Gelegenheit dazu bekommen. Und gerade an frostigen Tagen genießen sie die Sonne besonders. Das tun sie zwar auch hinter der Folie, sie wissen ja nicht, dass da die ultraviolette Strahlung nicht durchkommt (auch nicht durch Glasscheiben). Der Züchter sollte es aber wissen!

 

Das Abdecken der Volieren birgt noch ein anderes Risiko: Die Frischluftzufuhr wird weitgehend unterbunden, der Staub wird nicht mehr richtig abgeführt. Es entsteht ein staubiges Schlagklima. Die Gefahr aerogener Krankheits-keime nimmt zu. Tauben brauchen frische Luft! Sie hält die Tauben auch im Winter fit und gesund. „Geschlossene“ Anlagen sind das Schlimmste, was man den Tauben antun kann. Hinter der Plane sammelt sich auch gern Feuchtigkeit, es entsteht eine ungesunde Treibhausatmosphäre, was besonders schlecht ist, denn Tauben brauchen trockene und frische Luft Lassen Sie also die frische Luft auch im Winter in den Taubenschlag. Das tut dem Schlagklima und den Tauben gut. Also weg mit den unnötigen Plastikfolien und für schwache Belegung der Schläge und vor allem auch im Winter für genügend Bewegung der Tauben sorgen.

 

Quelle:

Remco de Koster, Geflügel-Börse 3/2015, Fotos: privat

 


Rote Bete

Kraftquelle für unser Geflügel

 


Rote Bete kennt nahezu jeder. Letztlich war die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Pflanze schon den Menschen in der Jungsteinzeit bekannt. Damals wurde das Blattwerk verzehrt.  Ab dem 13. Jahrhundert aß man nach entsprechender Züchtung auch die verdickte Sproßachse, gemeinhin Rübe genannt. Nach Deutschland kam die Rote Bete durch die Römer. Ab dem 16. Jahrhundert hatte sie sich als Nutzpflanze europaweit durchgesetzt. Beliebt ist sie als Wintergemüse, da sie gut eingelagert werden kann. Dieser Umstand, aber natürlich auch ihre Inhaltsstoffe machen sie nicht nur als Lebensmittel begehrt, sondern auch als Futterpflanze in der Geflügelzucht. Verfüttert wird wie anno dazumal im menschlichen Bereich das Laub inklusive Stängel in klein geschnittenem Zustand oder das Blattwerk kommt in einen Häcksler (Muser) bei der Weichfutterherstellung. Hier kann auch die Knolle in rohem als auch in gekochtem Zustand integriert werden.  

Die Wirkung der Rote Bete lässt sich im Allgemeinen mit den Schlagworten Wohlbefinden, Fitness, Abwehrstärkung, Kreislaufstabilisierung, Leberstoffwechselförderung und Stärkung des Appetits beschreiben. Mit zur Abwehrstärkung gehört auch die Bekämpfung entarteter Zellen, also die Krebsbekämpfung. Die Nahrung soll Heilmittel sein, ist ein altes Sprichwort. Das  gilt besonders für die Rote Bete. Rote Bete ist deshalb so gesund, weil sie Biostoffe und Mineralstoffe in hohem Maße enthält. Neben den Vitaminen hat die Rote Bete als Wirkstoffgruppe bei den Biostoffen die sekundären Pflanzenstoffe. Sie alle greifen im Stoffwechsel wie Zahnräder ineinander und fördern so die Gesundheit und Lebenskraft. Der rote Farbstoff der Roten Bete gehört zur sekundären Pflanzenstofffamilie der Betacyanine. 


Rote Knollen enthalten das Betanin. Je höher der Gehalt ist, desto dunkelroter ist sie. Dem Betanin ist es zu verdanken, dass entartete Zellen durch das körpereigene Abwehrsystem in Schach gehalten werden können. Zugleich aktivieren sie die Zellatmung und recyceln Vitamin C, wodurch die Bekämpfung entarteter Zellen dynamisiert wird. Auch die Saponine der Roten Bete greifen in den Zyklus der Krebsbekämpfung ein. Ein durch Rote Bete gestärktes Immunsystem ist nicht nur in der Lage, entartete Zellen zu bekämpfen, es vernichtet auch in den Körper gelangende Krankheitserreger aufgrund seines sekundären Pflanzenstoffgehalts. Zudem üben sie einen positiven Einfluss auf die Zellkommunikation aus, die entscheidend ist für die Koordinierung von Vorgängen innerhalb und außerhalb der Zellen – letztlich auch für die Erkennung von Krebszellen und die Weitergabe von Informationen zur Struktur und Lage der Krebszellen für das körpereigene Abwehrsystem. Dieses kann sofort eingreifen, sofern es alle Stoffe zur Verfügung hat, die es zur Krebsbekämpfung benötigt. Sind sie unterrepräsentiert, läuft die Bekämpfung der entarteten Zellen nur untertourig. Die Rote Bete liefert als Powerknolle ein ganzes Arsenal an solchen krebsbekämpfenden Stoffen.

Zudem greifen sekundäre Pflanzenstoffe in den hauptsächlich von Vitamin K1 gesteuerten Blutregulierungskreislauf ein, das heißt, sie halten das Blut dünn (Blutgerinnselschutz), fördern bei einer Blutung aber zugleich die Blutgerinnung und verhindern im Anschluss an die Gerinnung durch den Abbau der geronnenen Strukturen ein Verstopfen der Gefäße. Beim Mensch würde man sagen, sie schützen wie Vitamin K1 vor Schlaganfall und Herzinfarkt, sofern sie in ausreichender Konzentration vorhanden sind. Bedauerlicherweise hat die Rübe relativ wenig Vitamin K1, ganz im Gegensatz zum Blattwerk. Rote Bete hat den gesamten Vitamin-B-Komplex. Dieser ist von elementarer Bedeutung, denn ohne B-Vitamine funktioniert der Kohlehydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel nicht so, wie es die Natur vorgesehen hat. Diese Stoffwechselzyklen laufen in jeder Zelle ab. Umso bedeutungsvoller ist es, dass die B-Vitamine stets zur Verfügung stehen. Da sie zur wasserlöslichen Gruppe gehören, haben sie nur eine begrenzte Speicherkapazität. Sie sollten jeden Tag dem Geflügelorganismus zugeführt werden. Die Rote Bete stellt dafür eine gute Grundlage.

Durch die Wirkungsweise der B-Vitaminefunktioniert das Gehirn-Nerven-Muskelspiel bestens, die Vitamine geben der Haut eine erstklassige Konsistenz, nicht zu Letzt auch der Schleimhaut, die eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger darstellt. Da diese Vitamin-Gruppe auch für die Hormonbildung benötigt wird, erkennt man schnell ihre Wichtigkeit. Auch für die Zellerneuerung beim ausgewachsenen Geflügel und fürs Wachstum beim jungen Geflügel ist der Vitamin-B-Komplex wichtig. Für die Zellkerneiweiß -herstellung ist Vitamin B ein wichtiges Rädchen im Gesamtgefüge. Rote Bete hat die Vitamine C, E, K und Beta-Karotin. Aus Beta-Karotin stellt der Geflügelorganismus Vitamin A her. Diese Vitamine gelten als erstklassige Antioxidantien. Das bedeutet, sie vernichten schädliche Stoffwechselprodukte auf der Basis aggressiver Sauerstoffatome, die auch als freie Radikale bezeichnet werden. Diese Radikale entstehen beim Stoffwechsel. Da sie ein notwendiges Übel bei der Energieproduktion sind, hat der Körper verschiedene Abwehrmechanismen entwickelt. Zu den effektivsten gehört die Aufnahme der erwähnten Vitamine, die in der Roten Bete reichlich enthalten sind.

Die einwandfreie Arbeit der Antioxidantien ist wichtig, denn freie Radikale greifen nicht nur die Zellmembranen (Abgrenzungen der Zellen) an, sondern in vorangeschrittener Schädigung auch das Erbgut und schädigen den Enzymaufbau. Außerdem schützen die Vitamine Transportmoleküle des Cholesterins. Dank Vitamin K1, wenn auch in nicht in hoher Konzentration enthalten,  wird die Blutregulierung in einem guten Gleichgewicht zwischen Gerinnung und Blutgerinnselabbau gehalten. Zudem wirkt das Vitamin auf die Bindegewebestabilität, die Knochenfestigkeit, die Spermienbildung und die Zellkommunikation ein, um nur ein paar Funktionen zu beschreiben. Vitamin E ist wichtig für den Energiestoffwechsel, die Zellorganisation im Gewebe oder für die Funktion der roten Blutkörperchen. Vitamin A hat eine ausgesprochen positive Wirkung auf die Abwehrkraft und die Augenfunktion. Vitamin C bewirkt eine prima Abwehrkraft, kann aber vom Geflügel selbst hergestellt werden. Wird es jedoch per Nahrung zugeführt, entlastet es die körpereigene Produktion.

In aller Regel geht man davon aus, dass die Vitamine hauptsächlich in der Knolle stecken, da sie im menschlichen Verzehr favorisiert wird. Das ist jedoch nicht der Fall. Im Laub ist die Konzentration an gesundheitsfördernden Stoffen oftmals um ein Vielfaches höher, weshalb das Laub stets verfüttert werden sollte. Gegenüber der Knolle hat das Laub den sechsfachen Vitamin-C-Gehalt, den 200-fachen Beta-Karotin-Gehalt und den 2000-fachen Vitamin-K1-Gehalt. Auch bei den Mineralstoffen haben die Blätter gemeinhin höhere Konzentrationen als die Knolle. So ist das Siebenfache an Kalzium in den Blättern vorhanden und das Dreifache an Magnesium. Das Kalzium der Roten Bete liefert eine gute Basis für ein stabiles Zellmilieu, in welchem die Stoffwechselabläufe bestens funktionieren. Es hat ferner eine zentrale Funktion für das Knochengerüst und beim legenden Geflügel spielt es für die Eierschale eine Rolle. Aber auch für die Blutbildung und die Muskulatur ist es unentbehrlich. 



Der Phosphor der Roten Bete ist notwendig, damit das Wachstum des Geflügels reibungslos funktioniert, ebenso der Stoffwechsel, vor allem der Energiestoffwechsel, und die Zellmembranen eine gute Struktur und Funktion aufweisen. Entscheidende Bedeutung hat Phosphor für das Blut. Kalium ist wie Natrium für den Wasserhaushalt unentbehrlich, zudem spielt Kalium im Nerven- und Muskelstoffwechsel eine elementare Rolle. Das Eisen der Roten Bete nimmt eine wichtige Rolle bei der Blutbildung und dem Sauerstofftransport durch das Blut ein. Zink ist für zahlreiche Enzyme ein wesentlicher Partner, ohne den das jeweilige Enzym nicht existieren kann. Ist zu wenig Zink vorhanden, werden nur entsprechend wenige zinkhaltige Enzyme hergestellt. Entsprechend zäh läuft der Stoffwechsel. Da Zink maßgeblich in das Abwehrsystem eingreift, hat es wesentlichen Einfluss auf die Robustheit des Geflügels.


Auch Mangan ist für zahlreiche Enzyme ein entscheidender Partner, ohne den nichts läuft. Zudem spielt es bei der Blutgerinnung und dem Knochenstoffwechsel eine Rolle. Kupfer ist ebenfalls Bestandteil zahlreicher Enzyme und spielt in den Eisenstoffwechsel (Aufnahme und Transport) hinein. Wie Mangan ist Kupfer wesentlich für die Melaninbildung. Melanine sind im Federkleid zahlreicher Rassen bzw. Farbschläge vorhanden. Schwefel hat eine elementare Funktion im Sauerstofftransport vom Blut in die Zelle. Zudem spielt es im Eiweißstoffwechsel und bei der Entgiftung eine grundlegende Rolle. Selen ist ein zentraler Mineralstoff bei der Stärkung der Immunkraft, wozu auch die Erkennung und Beseitigung mutierter Zellen (Krebs) gehört. Es ist Bestandteil der effektivsten körpereigenen Krebsabwehrsubstanz Glutathionperoxidase. Aber auch für zahlreiche andere Enzyme erfüllt es eine Partnerfunktion. Da es Schwermetalle bindet, hat es eine erstklassige Entgiftungsfunktion.  Der Gehalt an Magnesium macht die Rote Bete zu einem wichtigen Futtermittel für die Nerven- und Muskelfunktionen. Zudem sind zahlreiche Enzyme auf die Anwesenheit von Magnesium angewiesen. 

 

Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Eine Schattenseite ist die Oxalsäure, welche die Rote Bete aufweist. Das bedeutet, sie bindet Kalzium und reduziert die Aufnahme von Eisen im Verdauungstrakt. Allerdings hat die Rote Bete reichlich Eisen, sodass eine Limitierung der Aufnahme verkraftbar ist, zu-mal Rote Bete nicht die einige Pflanzenkost des Geflügels darstellt.

Ein weiterer Nachteil ist der zuweilen hohe Gehalt an Nitrat. Dieser ist hoch, wenn der Garten mit Stickstoffdünger verbessert wird. Da Sonne den Nitratgehalt abbaut, sollten Rote-Bete-Beete  immer eine sonnige Lage aufweisen. Zudem kann man die zur Ernte vorgesehenen Roten Beten morgens mit einer Grabgabel anheben und am späten Nachmittag ernten. Dadurch verringert sich der Nitratgehalt nochmals. Beim Erhitzen, also Kochen von den Knollen, bildet sich aus Nitrat Nitrit, der nachteilig für den Sauerstofftransport ist und Krebs erzeugen kann. Bei einer rohen Verfütterung oder beim Verfüttern der Blätter hat man das Problem nicht. Zudem kann ein hoher Vitamin-C-Gehalt die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit verhindern. Und hiervon Hat die Rote Bete selbst sehr viel und das Geflügel stellt ohnehin Vitamin C selbst her.


Die Vorteile einer Rote-Bete-Verfütterung, egal ob Rübe oder Blätter, sind unübersehbar. Deshalb sollte die Rote Bete in der Geflügelfütterung eine wichtige Rolle spielen, zumal die Knolle als Wintergemüse eingelagert werden kann, wodurch das Geflügel im Winter, der oft die Bruteierproduktionszeit darstellt, eine gute Frischkost hat. Aber auch als Kükenfutter und als Stärkungsfutter fürs Jung- und Altgeflügel ist Rote Bete ein Futtermittel mit Heilwirkung.



Michael von Lüttwitz


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Die Brennnessel


eine Premium-Futterpflanze

 


Mit Brennnesseln zieht man Gänse groß. Diese alte Züchterweisheit hat ihren Grund, denn Brennnesseln sind, ob frisch oder getrocknet, die besten Futterpflanzen in der Geflügelhaltung. Hauptgrund für das gute Wachstum des Geflügels durch die Brennnessel ist ihr Eiweißgehalt.

6 - 9 % die Feuchtmasse und 40 % die Trockenmasse. Das ist mehr als die hoch gelobte Sojabohne. Im Frühjahr ist der Eiweißgehalt der Brennnessel besonders hoch. Um gut aufgenom-men zu werden, sollten die Brennnesseln sehr klein geschnitten werden (evtl. mit einem Grünfutterschneider). Appetit anregend wirkt auch ein leichtes Besprühen mit einer Blumenspritze. Wer im Winter oder bei frühem Zuchtbeginn die wertvolle Brennnessel verfüttern will, der muss sie im Frühjahr zuvor getrocknet haben. Um ein Kilogramm Brennnesselheu zu bekommen, braucht man vier Kilogramm Brennnesseln. Zum Trocknen werden sie armdick gebündelt und an einem schattigen Ort zum Trocknen aufgehängt. So bleiben die Inhaltsstoffe am besten erhalten, zu beachten ist, dass die Blätter grün bleiben und sich nicht schwarz verfärben.

 

 Die getrockneten Brennnesseln kann man mit der Hand pickgerecht zerreiben. Man kann die Nesseln auch grün schneiden und die geschnittene Ware trocknen. Dabei gehen aber mehr Wirkstoffe verloren, auch muss man darauf achten, dass es zu keiner Schimmelbildung kommt. Auch Brennnesselsamen sind sehr gesund. Sie enthalten wertvolle Biostoffe und Fettsäuren. Ihre Schleimstoffe schützen die Schleimhäute und stärken damit die Wider-standskraft. Ihre Flavonoide wirken wachstums-hemmend auf Bakterien, Viren und Pilze. Hinzu kommen pflanzliche Hormone, Enzyme und ätherische Öle sowie Vitamine, Hauptsächlich Vitamin E und K1(!), und Mineralstoffe. Gerade das Vitamin K1 ist für das Wachstum sehr wichtig, weil es im herkömmlichen Geflügelfutter völlig unterrepräsentiert ist. Gut getrocknet sind die Samen ein Jahr haltbar. Die Brennnessel sollte auch ins Weichfutter eingearbeitet werden.       

 

 Das Blattgrün schützt vor Stress  und hemmt das Bakterienwachstum. Bekommen die Hühner neben der Grünpflanze, egal ob frisch oder getrocknet, auch noch Brennnesselsamen, dann kann die Brennnessel ihre volle Wirkungskraft entfalten. Die Gesundheit wird nachdrücklich gefördert und die Nessel wird voll ihrem Ruf als Premiumpflanze gerecht. Dass Brennnesseln sehr gesund fürs Geflügel sind, ist schon immer bekannt. Bei den Taubenzüchtern hat sich das noch nicht so sehr herumgesprochen. Aber auch Tauben nehmen klein geschnittene Brennnesseln, evtl. mit ein wenig Salz eingestäubt, gern auf. Die Brennnessel ist nicht nur eine gute Futterpflanze fürs Geflügel, sie wird auch an andere Nutztiere verfüttert und ist für viele Schmetterlingsarten unentbehrlich. Sie lässt sich zu Schädlingsbekäm-pfungsmitteln und Dünger verarbeiten und spielt auch in der Volksheilkunde eine Rolle. Sie dient als Wildkraut im Lebensmittelsektor, liefert Öl und Gewebefasern und ist eine Färberpflanze.       

 

Fotos und Quelle:

Michael von Lüttwitz, Geflügel-Börse 18/2014



Der Hühnerauslauf


und worauf es ankommt

 

 

Hühner lieben Freiflächen. Um sich wohl zu fühlen, müssen Schutzzonen immer schnell erreichbar sein.
Hühner lieben Freiflächen. Um sich wohl zu fühlen, müssen Schutzzonen immer schnell erreichbar sein.
Unter einem Baum lässt sich gut relaxen.
Unter einem Baum lässt sich gut relaxen.

 

 

Eine Hühnerhaltung ohne Auslauf ist nicht artgerecht. Doch Auslauf ist nicht gleich Auslauf. Es gibt Ausläufe, in denen sich Hühner rundum wohl fühlen, und es gibt Ausläufe, in denen die Hühner Aus-laufstress haben. Es liegt also am Hühnerhalter hier den richtigen Weg zu finden. Hühner wollen im Auslauf auf Nahrungssuche gehen und dabei scharren. Vor allem in den Morgenstunden finden sie allerlei Getier in der Grasnarbe. Um die aber zu erhalten, sollte es Scharrflächen mit offener Erdkrume geben, in die immer wieder Körner eingebracht werden. Hier können die Hühner dann ihr Scharrbedürfnis ausleben. Der Auslauf sollte groß-zügig bemessen und auf keinen Fall überbesetzt sein. Dann bleibt die Grasnarbe, die natürlich auch einer gewissen Pflege bedarf und im Sommer bewässert werden sollte, auch erhalten. Ideal sind natürlich Wechselausläufe, die sich abwech-selnd regenerieren können. 

 

Bambuspflanzung, idealer Schutzraum für die Zwerghühner von Alois Münst
Bambuspflanzung, idealer Schutzraum für die Zwerghühner von Alois Münst


Hühner haben Angst vor Greif-vögeln. Erkennen sie am Himmel eine Greifvogelsiluette oder stößt eine einen Warnruf aus, begeben sie sich sofort in Deckung. Die muss aber auch im Auslauf ausreichend vorhanden sein. Die schönste Wie-se nützt nichts und wird auch nicht genutzt, wenn die Hühner sich nicht sicher fühlen. Hühner wollen ja auch Schatten, darum gehören Sträucher, Bäume und Büsche in einen artgerechten Hühnerauslauf. Wir haben ja schon erfolgreiche Beispiele gesehen, z. B. einen schö-nen „Wald“ aus verschiedenen Bambusgehölzen, oder für 3000 Hühner ein Feld mit Meerrettich-büschen, unter deren Schutz die Hühner das ganze Areal nutzen. Bei einer guten Bepflanzung verlieren sich die Hühner auch etwas aus den Augen, was das soziale Zu-sammenleben vereinfacht. Sind die Sträucher noch nicht groß genug, kann man mit Bretterwänden für Strukturierung sorgen. Diese kön-nen auch gut zum Auffliegen ge-nutzt werden. Spanntücher und Planen bieten in diesem Falle Schatten und Schutz von oben.

 

 

Gras- oder Getreideinseln strukturieren den Auslauf
Gras- oder Getreideinseln strukturieren den Auslauf


Sandbaden gehört zum Komfort-bereich der Hühner und hat auch einen medizinischen Effekt. Es ist für Hühner in jeder Hinsicht Well-ness pur. Das Sandbad darf bei Regen nicht nass werden. Am bes-ten ist ein überstehendes Dach auf der Regen abgewandten Seite, gleichzeitig auch Unterstand bei Regenwetter. Die obere Erdschicht sollte hier öfter mal erneuert wer-den. Um Verunreinigung durch Spatzen zu vermeiden, sollte grundsätzlich nur im Stall gefüttert werden. Ein Plastikstreifenvorhang, hält die aufdringlichen Vögel davon ab, den Hühnern in den Stall zu folgen. Wasser sollte etwas erhöht auf einem Rost gereicht werden, am besten mit einer Auffangwanne darunter, so stehen die Hühner nicht in der Nässe. Noch ein Tipp: Ein abgenagter Knochen mit Fleischresten in einem mit Gitter über-spannten Brettergeviert zieht eine Menge Insekten an, willkom-mene und wertvolle tierische Kost für die Hühner.

 

 

Da geht kein Fuchs und kein Marder drüber.
Da geht kein Fuchs und kein Marder drüber.

Große Ausläufe, die die Hühner nicht abfressen können, müssen von Zeit zu Zeit gemäht werden. Einzelne Grasinseln sollte man zur Strukturierung stehen lassen. In Trockenzeiten sollte der Auslauf gewässert werden. Statt der Gras-inseln kann man auch Brennnes-selhorste oder Meerrettichstauden wachsen lassen. Bambus haben wir gelesen, bringt besonderen Schutz und Strukturierung für unsere Hühner. Sträucher schützen gegen Raubvögel, sind die aber allzu aufdringlich, sollte man den Auslauf mit einem Netz überzäunen. So sind auch Kücken vor Elstern und Krähen geschützt. Auf dem Boden verlegte Estrichgitter halten Fuchs und Marder fern. Das gilt vor dem Einschlupfloch, kann aber auch um die ganze Umzäunung außen verlegt werden. Gegen Waschbär-en hilft nur ein Elektrozaun. Den besten Schutz bietet natürlich ein aufmerksamer Hund, da hält schon der Geruch meist Marder und Co auf Abstand.

 

Wo ist da ein Fuchs? (Foto: Reinhold Welsch)
Wo ist da ein Fuchs? (Foto: Reinhold Welsch)

Quelle und die meisten Fotos:

Michael von Lüttwitz, Geflügel-Börse 20/2014

 



Brot für die Tauben?





Jeder Hühnerzüchter weiß, dass seine Tiere gern Brot fressen. In der Taubenzucht hört man nur selten davon – warum? Brot liefert viel Energie, wenn man so will, ist es ja auch ein noch gesteigertes Getreideprodukt. Weil Tauben aber sehr variable Körnermischungen brauchen, kann Brot hier immer nur ein Zusatz sein. Viele Brote und Brötchen enthalten heute zusätzliche Samen, deshalb sollte Brot bei Volierentauben, die sich wenig bewegen, nur in geringen Mengen ge-geben werden, bei Tauben im Freiflug ist das kein Problem. Brot, die verarbeitete Form des Kör-nerfutters, sollte den Tauben als kleine Abwechs-lung gereicht werden. Für die Tauben gilt da dasselbe wie für uns; Brot vom Bäcker aus der Region, ohne Zusätze für Geschmack und längere Haltbarkeit, ist gesund für uns und unsere Tauben. Konsistenz und Geschmack des Brotes mögen unsere Tauben, sie picken zuerst das weichere Innere heraus, bevor sie sich an die Rinde machen. Damit sie es besser bearbeiten können, sollten wir die Brotstücke festklemmen. Zu den gesundheitlichen Aspekten kommt noch die Beschäftigung mit den trockenen (also nicht angefeuchteten) Brotscheiben.

 


Der Wert der Brotzusatzfütterung zeigt sich am besten während der Zucht. Das von den Tauben aufgenommene Brot vermischt sich mit dem Kör-nerfutter, mit dem anschließend aufgenommenen Wasser gibt das einen kraftvollen, weichen Futterbrei. Dabei ist wesentlich, dass der Haupt-anteil immer die Körner sein müssen. Es ist zu empfehlen, zuerst das Körnerfutter zu geben und das Brot als Nachspeise zu reichen. Die Menge einer Zufütterung mit Brot, muss der Züchter für seinen Bestand herausfinden. Das hängt von der Rasse ab, aber auch ob die Tauben im Freiflug oder in der Voliere gehalten werden. Brot ist ein Zusatz, sollte also nicht zu viel, und vielleicht auch nicht jeden Tag gegeben werden. Es wird ja für uns Menschen gebacken, hat also in aller Regel eine hohe Qualität. Früher war Brotfütterung für Tauben aus mancherlei Gründen ganz selbstverständlich und für uns bedeutet das, auch wieder ein wenig „zurück zu den Wurzeln" zu gehen, was in diesem Fall gar nicht schlecht ist. Warum also nicht mal öfters an das gute Brot für die Tauben denken?

 

Quelle und Fotos:

Remco de Koster, Geflügel-Börse 18/2014

 

 

Grünfütterung für Tauben

 

Niederländische Hochflieger fressen Kleeblüten
Niederländische Hochflieger fressen Kleeblüten
Auch Samen von Gräsern sind interessant
Auch Samen von Gräsern sind interessant

 

Bei Hühnern ist Grünfütterung ein Muss, aber auch bei Tauben zur natürlichen Ernährung notwendig. Tauben reagieren dabei sehr unter-schiedlich. Während die einen mit Be-geisterung Grünes aufnehmen, können andere dem gar nichts abgewinnen. Und das kann von Rasse zu Rasse sehr unterschiedlich sein. Das Grünfutter muss ganz frisch sein, man sollte deshalb mit kleinen Mengen beginnen. Und man darf nicht locker lassen, denn, einmal daran gewöhnt, gehen die Volierentauben sofort an das Grün. Dabei kann man alles geben, was im Garten so wächst, giftige Pflanzen natürlich ausgenommen. Grünes aus dem Supermarkt sollte man waschen, solange man nicht weiß, ob es gespritzt ist. Wer die Möglichkeit hat, sollte ein Beet mit Futterpflanzen für die Tauben anlegen, da ist alles frisch,  besser geht es nicht. Freiflugtauben können sich da selbst nach Lust und Laune bedienen.

 

 

Auch junge Triebe der Weinrebe sind interessant
Auch junge Triebe der Weinrebe sind interessant

 

 

Wie wird Grünes in der Voliere ge-füttert? Am besten ist es, wenn Tauben das Grünzeug abzupfen können. Dazu eignet sich ein Drahtkorb, in den die Futterpflanzen gesteckt werden. Alles andere wird klein und schnabelgerecht geschnitten. Auch Schnittlauch und andere Gartenkräuter sind gesund und werden gern genommen. Zerkleinerte, frische Brennnesseln schmecken nicht nur Küken und Gösseln. Etwas Salz über das geschnittene Grünzeug gestreut, regt den Appetit an. Tauben lieben auch Blumen, bei Freifliegern nicht immer zur Freude der Dame des Hauses. Hier sollte man Blumen im Futterpflanzenbeet inte-grieren, und dabei Wert auf die gesun-den Ringelblumen legen. Eine Weinrebe direkt an der Voliere lässt deren junge Triebe in die Voliere wachsen, die Tauben fressen sie ab, und die Triebe wachsen kräftig nach.

Für alle wichtig: Viel Grünes auf dem Speisenplan!
Für alle wichtig: Viel Grünes auf dem Speisenplan!

 

Frische Grassamen sind beliebt. Wer im Rasen den Klee wachsen lässt, sollte diesen blühen lassen. Viele Tauben lieben die Kleeblüten, und die kleinen Blü-tenblätter werden problemlos verschluckt. Beim Nach-wuchs findet das bald Nachahmung und auch neu erworbene Tauben schauen sich das ab, und widmen sich bald den Kleeblättern und Gänseblümchen. Die Zuchttauben verfüttern das alles an die Küken – einfacher geht es nicht. Für die Freiflieger sollte man immer eine Ecke des Rasens stehen lassen, die Gräser bilden Samen, die von den Tauben gern abgepickt werden. Sämereien sind ja ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, nur harte Körner aus dem Futtersack alleine sind als Kropfinhalt nicht geeignet. Tauben sind Be-wegungstiere, die möglichst den ganzen Tag unterwegs sind. Grünes zupfen und Sämereien suchen, sind deshalb wichtig für ihr Wohlbefinden, und eine viel-seitige Ernährung wird durch Grünfütterung entschei-dend verbessert.

 

Quelle:

Remco de Koster, Geflügel-Börse17/2014   

               

 

Möhren für die Küken

        

 

 

Möhren sind ein wertvoller Grünfutterersatz im Winter. Für Küken sollten sie immer klein ge-schnitten mit etwas Öl verfüttert werden, damit die wertvollen Inhaltsstoffe besser zur Wirkung kommen. Wegen des Öls, das schnell ranzig wird, darf immer nur so viel davon gereicht werden, wie die Küken in kurzer Zeit aufnehmen. Länger als zwei, drei Stunden sollten die so angerichteten Möhren (in Bayern „gelbe Rüben“, in anderen Landesteilen „Karotten“ genannt) nicht im Trog liegen. Vermischt mit Schrotfutter bringen die Möhren einen guten Wasseranteil mit ins Futter. Dieses Zellwasser können Küken viel effektiver verwerten als normales Trinkwasser. Zusammen mit Quark spricht man von Powerfutter. Beimi-schen kann man noch ein Vitamin-Mineralstoff-Gemisch, Algenpulver, Bierhefe, Honig, Schnitt-lauch, Weizenkeime, Weizenkleie, Garnelenpulver, zerkleinerten Knoblauch und vieles mehr. Mit solchem Powerfutter versorgt, sieht man die Jungen förmlich wachsen.

 

 

 

 

Das gilt natürlich nicht nur für Hühnerküken. Ich denke für kleine Puten, Gänse und Enten sind diese Powergaben genauso vorteilhaft. Und das gilt auch für Tauben. Man muss halt sehen, wie man es am besten übers Körnerfutter bringt. Eine Methode ist, es zu zerkleinern und dann mit Apfelessig zu einem Brei zu mixen. In Schraub-gläsern kann man dieses „Pesto“ in einem kühlen Raum lange vorhalten. Zur Fütterung feuchtet man das Körnerfutter mit etwas Holundersirup oder Öl an und mischt den Powerbrei dazu. Natürlich kann man noch alle möglichen Gemüsearten wie Sel-lerie, rote Rüben, Zwiebel und Knoblauch dazu geben. Karottensuppe im Trinkwasser stärkt den Magen-Darmtrakt und hilft keimbedingte Krankhei-ten schneller zu überwinden. Im Futterhandel gibt es auch getrocknete Möhren, angereichert mit anderem getrockneten Gemüse. Karottenpellets sind gesund, und werden von Tauben gern ge-nommen.

 

 

 

Ein Möhren-Algen-Cocktail stärkt das Gleichge-wicht von sauren und basischen Stoffen, was für den Stoffwechsel sehr wichtig ist. Eine gute Kombination für ein optimales Wachstum sind auch Möhren und Bierhefe. Die Möhrenfütterung hilft nicht nur den Küken auf die Beine, sie soll auch schon während der Bruteiersammlung gegeben werden, weil hierdurch eine einwandfreie Embryo-nalentwicklung im Ei unterstützt wird. Aus dem Beta-Karotin der Möhre gewonnenes Vitamin A spielt eine Rolle bei der Ausprägung von Haut- und Knochengewebe. Es dient dem Fortpflanzungs-kreislauf und hat Einfluss auf die Entwicklung der Spermien, der Eizelle und später auf den Embryo im Ei sowie das Wachstum der Küken. Vitamin A bzw. das Beta-Karotin fördert das Sehvermögen und ist der entscheidende Stoff bei der Stärkung der Abwehrkräfte. Wie wichtig gute Abwehrkräfte sind. wissen die Taubenzüchter in Hinblick auf die Jungtaubenkrankheit nur zu gut.

 

 

 

 

Wer zu diesem Thema mehr nachlesen will, dem sei der ausführliche Beitrag von Michael von Lüttwitz in der Geflügel-Börse 4/2014 empfohlen. 

 

 

 

 

Fotos:

Michael von Lüttwitz                                                                                                                                                                                                

 

 

Frische Luft im Taubenschlag

 

 

Wer bei einem nächtlichen Schlagbesuch trotz frei gebliebener Sitzplätze am Boden schlafende Tauben antrifft, muss davon ausgehen, dass es für sie in den oberen Rängen an Sauerstoff mangelt! Ein gesundheitsbedrohlicher Zustand, zu dem es nie kommen darf.

 

Luft und Sonnenstrahlung finden hier durch bedienbare Öffnungen im Bereich der gesamten Außenwand-fläche ungehinderten Eintritt. Durch den Austausch von Wechselrahmen mit Glas im Winter und einer Verdrahtung während der restlichen Jahreszeit sind hervorragende Raumklimaverhältnisse auf natürliche Weise gegeben. Die Tauben sind im Freiflug, so dass sie auch genügend UV-Strahlung abbekommen.

Grundsatz: Die Schlagverhältnisse sind dort in Ordnung, wo zwischen der Außenwelt und dem Schlagin-neren kein Unterschied auszumachen ist! Bei Holzschlägen lässt sich das Raumklima besser regulieren als bei Massivbauten. Licht, Luft und ungefilterter Sonnenschein sind unverzichtbare Faktoren für alle Lebewesen. Deshalb stellen unterschiedliche Lagen und Regionen auch unterschiedliche Anforderungen an den Stallbau. Bauphysikalisch bedürfen Taubenbehausungen keiner aufwändigen Wärmestrategie. Ein Grund, warum Offenfrontschläge immer mehr an Beliebtheit gewinnen. Sie gewährleisten eine optimale Frischluftzufuhr. Stickige Schlagluft entsteht unweigerlich in überbesetzten Ställen durch vermehrte Kotanhäufung. Spanplatten im Stall sind zwar gut zu reinigen, absorbieren aber die Feuchtigkeit deutlich weniger als Naturvollholz. Auch Massivställe, besonders Beton am Boden müssen besonders gut durchlüftet werden.

Zwei Systeme mechanischer Lüftung (aus "Taubenschläge und Volieren" von Günter Stach, Verlag Oertel & Spörer, Reutlingen)

Besser ist es, sie umzurüsten und mit Feuchtraumplatten oder auf Massivholzbasis gefertigten Holzplatten auszustatten. Auch eine geeignete Einstreu, welche die Feuchtigkeit im Kot bindet, kann hilfreich sein. Direkter Sonnenzutritt (nicht durch Scheiben oder Folien ohne UV-Licht) ist für das Gedeihen der Tauben sehr wichtig. „Wo die Sonne nicht hinkommt, muss der Tierarzt kommen“, heißt ein alter Spruch, der sich immer wieder bestätigt. Die Tauben sind unlustig und apathisch, wohlgemeinte Vitamingaben und das beste Futter bleiben wirkungslos. Wo Sonne und Sauerstoff fehlen, erlahmen die Lebensgeister.

 

Funktionieren Entweichen verbrauchter Schlagluft und vermehrte Frischluftzuführung nicht, muss die Technik in Form einer mechanischen Lüftungsanlage zum Helfer werden. Da können bei kleinen Schlägen Badlüfter aus dem Wohnungsbau ausreichen, bei größeren Ställen empfiehlt sich der Rat eines Spezialisten. Wir sind verantwortlich für unsere Tauben, und also müssen wir auch alles für ihr Wohlbefinden tun.

 

Foto und Zeichnungen: Günter Stach

 

Quelle und ausführlicher Text: Günter Stach, Geflügel-Zeitung 24/2013   

 

 

  

 

 

Jungtaubenkrankheit und Forschung

 

 

Die Jungtaubenkrankheit, schon in vielen Fachbeiträgen dargestellt, ist immer wieder Thema. Wir wollen ihren Werdegang mit einer Darstellung des Institutes für Virologie in Leipzig aufzeigen.

 

Wir sehen also, dass wir die Circoviren nach dem Motto „einmal Virus immer Virus“ größtenteils in unseren Beständen haben. Das kennen wir ja von vielen Viren, Herpes usw. auch. Diese Viren machen nichts, wenn der Bestand vital und widerstandsfähig ist. Die Widerstandskräfte können aber durch Stressfaktoren geschwächt werden. Auch E.coli-Formen haben Lebewesen häufig in sich. Sie sind meist unbedeutend, können sich aber bei geschwächtem Immunsystem generalisieren und massiv auftreten. Kommen dann noch Sekundärinfektionen dazu, haben wir die Jungtierproblematik.

 

Das Institut für Virologie in Leipzig beschäftigt sich mit den Grundlagen dieser Erkrankung. Herr Halami hat mir gesagt, dass für den Moment genügend Blutproben und Kloakentupfer von den Züchtern eingesandt worden sind. Die werden jetzt ausgewertet. Wenn eine neue Untersuchungsrunde gestartet wird, werden wir darauf hinweisen.

W. Schr. 

 

 

Dinkeleinstreu in der

 

Geflügelhaltung

 

 

 

 

Bei Hühnern und anderem Geflügel, aber immer öfter auch bei Tauben, wird im Stallbodenbereich eingestreut. Sinn und Zweck der Einstreu ist die Bindung von Feuchtigkeit. Im Ausgleich mit der Stalltemperatur entsteht so ein angenehmes, trockenes Stallklima. Wenn Geflügel von der Stange springt, landet es weich auf federndem Boden. Werden dann noch Körner in die Einstreu geworfen, hat unser Federvieh jede Menge Beschäf-tigung. Auch Tauben suchen in der Dinkeleinstreu gern nach Futter, und was die Hühner scharrend mit den Beinen erledigen, machen die Tauben mit dem die Streu hin und her werfenden Schnabel. Dinkelspelzen sind eine gute Alternative zum Stroh, das es ja nur noch in großen Gebinden gibt. Seit die Nachfrage nach Dinkelprodukten wieder gewachsen ist, ist es leichter geworden, diese Dinkelspreu zu bekommen.

 

Im Handel erhältliche Dinkeleinstreu wird aus den Spelzen gewonnen. Diese werden unter hohem Druck in einer Pelle-tieranlage bei einer Temperatur von 90 Grad Celsius zu Pellets gepresst, dabei wird der überwiegende Teil von Keimen und Pilzsporen abgetötet, so dass wir eine Einstreu bekommen, die der üblichen Unterlage aus Stroh, Laub oder Sägemehl in dieser Hinsicht deutlich überlegen ist. Aufgrund der weichen, aber dennoch griffigen Struktur der Dinkelstreu ist das Einbringen von Futterkörnern besonders hervorzuheben. Hühner, aber auch Tauben, werden durch die Beschaffenheit dieser Einstreu zum Scharren und Suchen motiviert, das bedeutet Bewegung und Beschäftigung, und fördert den Anreiz nach Futtersuche. Die Dinkelstreu wird dadurch zu einer Erlebniswelt für das Federvieh und erfüllt eine wesentliche Komponente für eine artgerechte Haltung.

 

Im wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG wurde auch Dinkelstreu eingesetzt, und die Leiterin Dr. Inga Tiemann schreibt dazu: „Dinkelstreu setzen wir insbesondere in der Kü-kenaufzucht, aber auch in der Zuchtgruppenhaltung aller Geflü-gelarten ein (Anmerkung: Im WGH sind als Geflügelvertreter Hühner, Enten und Gänse untergebracht). Besondere Vorteile bestehen unserer Meinung nach in der lange anhaltenden Lockerheit des Substrates. Dies ermöglicht sowohl eine gute Kotbindung wie auch eine gute Durchlüftung über längere Zeit. In der Saugfähigkeit steht Dinkelstreu den üblichen Einstreu-arten in nichts nach, vielmehr regt sie insbesondere die Küken zum Scharren und zur weiteren Beschäftigung an. Deshalb ist uns Dinkelstreu zur Unterstützung der artgerechten Geflügel-haltung eine Empfehlung wert.“

 

 

 

 

Text und Fotos:

Michael von Lüttwitz

 

 

Quelle: 

Geflügel-Börse, Ausgabe 16/2013

 

 

 

Hühner fressen Erde.

 

Immer auf Suche: Hühner im Freilauf
Immer auf Suche: Hühner im Freilauf

 

Nicht nur Hühner werden die Taubenfreunde jetzt denken. Richtig! Michael von Lüttwitz ist halt nun mal Hühnermann, also drehen sich seine Ernährungstipps auch meist um die Frühstückseier-Lieferanten.

 

 

Hauptgericht Wurm, Beilage Erde
Hauptgericht Wurm, Beilage Erde

 

Beobachtet man die Hühner bei Freilauf, erkennt man, dass sie beim Scharren unter dem Gebüsch auf der Suche nach tierischer Kost und Keimlingen mit ihrer Nahrung auch Erde verzehren. Nach Regenfällen stillen sie ihren Durst aus Regenpfützen, die sich in Senken gebildet haben. Oft sind die Pfützen mit Schwebestoffen durchsetzt. Diese Stoffe und die Erde an der Nahrung kommen ins Verdauungssystem und erfüllen dort wertvolle Dienste.

 

Wir kennen das ja auch aus der menschlichen Ernährung in Form der Heilerde, die wertvolle Mineralien enthält. Große Überschwemmungen, zum Beispiel am Nil, liefern nährstoffreichen Schlamm für die Felder. Bleibt eine Nilüberflutung aus, folgt eine Missernte. Was der Nil für die Felder ist, ist die Heilerde für den Darm!

Schmeckt und ist gesund, Wasser aus der Pfütze
Schmeckt und ist gesund, Wasser aus der Pfütze

 

Heilerde hat viele Substanzen, die wichtig für das Wohlbefinden unseres Geflügels sind. Sie liegen aber in der Heilerde nicht einfach als Mineralstoffe vor, sondern gehen ein dynamisches Wechselgefüge ein, wovon der Organismus profitiert. Aufgrund dieser Eigenschaft werden Krankheitskeime wie Bakterien, Viren oder Pilze aufgesaugt und ausgeschieden. Versetzt man beispielsweise eine bakterienverseuchte Flüssigkeit mit Heilerde, ist das Wasser, nachdem sich die Erde am Boden abgesetzt hat, keimfrei. Entsprechend effektiv ist die Erde im Darm. Durch die Heilerde erfolgt eine Darmreinigung, Parasiten sollen ausgetrieben werden, kurzum, es findet eine Optimierung der Darmtätigkeit statt. Denn, wie sagt ein altes Sprichwort: „Der Tod sitzt im Darm!“ Im Gelände Erde aufnehmen und aus Pfützen trinken ist also eine gesunde Sache. Für kleine, hoch kotbelastete Ausläufe gilt das natürlich nicht.

 

Fotos: Michael von Lüttwitz

 

Wer das genauer nachlesen will, dem ist der Aufsatz von Michael von Lüttwitz in der Geflügel-Börse 5/2013 zu empfehlen.                              

 

 

 

Johannisbeeren im Hühnerauslauf

 

 

 

 

Johannisbeersträucher, in mittleren Bereich eines Hühnerauslaufs gepflanzt, haben viele Vorteile. Sie spenden Schatten, unterteilen den Auslauf in Eigenbereiche, so dass sich die Hühner auch mal aus dem Weg gehen können, unter den Büschen fühlen sie sich sicher und können in der lockeren Erde entspannt ein Staubbad nehmen. Im Herbst halten sich unter dem abgefallenem Laub Insekten und allerlei Kleingetier auf, viel Beschäftigung für die scharrenden Hühner. Aber auch schon vorher bringen ihnen die reifen Beeren viel Spaß. Die unteren sind bald abgeerntet, dann müssen sich die Hühner anstrengen, um mit immer höheren Sprüngen die oberen Früchte zu erreichen.

 

Vornehmlich die schwarzen Johannisbeeren sind Vitamin-C-Powerpakete. Daneben enthält die Johannisbeere reichlich Beta-Karotin, aus welchem der Körper Vitamin A herstellt, das zusammen mit dem Vitamin C sehr wichtig für das Immunsystem ist und somit Vitalität und Abwehrkräfte steigert. Magnesium und Mangan sichern eine gute Muskel- und Herzfunktion, der hohe Kalziumanteil ist für die Knochenstabilität und den gesamten Stoffwechsel von Bedeutung. Was sonst noch alles in der Johannisbeere steckt, kann man in dem Aufsatz von Michael von Lüttwitz in Geflügel-Börse 11/2012 nachlesen. Fazit: Wir sehen auch an diesem Beispiel, dass die Natur alles bietet, was unser Federvieh für ein gesundes Leben braucht. Wir müssen nur dafür sorgen, dass Natur und Geflügelhaltung in Einklang stehen.  

alle Fotos: Michael von Lüttwitz
alle Fotos: Michael von Lüttwitz

 

 

Rosmarin

 

 

 

Rosmarin ist ein wertvolles Gewürz in der Küche, es ist aber auch ein prima Heilkraut für die Gesundheit, also gut für den Züchter und sein Federvieh. Diese auch schön blühende, niedere Strauchpflanze stammt aus dem Mittelmeerraum und muss bei uns im Winter vor zu großer Kälte geschützt werden. Geerntet wird ab dem zweiten Jahr; dabei ist Gefühl erforderlich, denn es darf kein Radikalschnitt vorgenommen werden. Die Blätter werden getrocknet, dazu hängt man sie als Bündel in einem trockenen Raum auf, oder man breitet die Blätter auf einem Drahtrost aus. Je nach Geflügelart werden die getrockneten, gehäckselten oder gemahlenen Blätter über Weichfutter oder mit Öl bzw. Sirup angefeuchtetem Körnerfutter gegeben.

 

An Wirkstoffen besitzt der Rosmarin vor allem ätherische Öle, Harze, Gerb- und Bitterrstoffe, auch Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Eisen. Die ätherischen Öle, die auch im Rosmarienöl enthalten sind, haben eine bakterien- und pilzhemmende Wirkung. Sie fördern die Wundheilung und sind im Allgemeinen stärkend für Kreislauf und Verdauung.  

Gefördert wird auch die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen. Rosmarin wirkt im Körper entgiftend, für die Haut vitalisierend und fördert schlichtweg die Lebenskraft.

 

Beim´Rosmarin kommt es wie bei den anderen Heilkräutern nicht auf die Wirkung der Einzelstoffe an, sondern auf die Wirkung aller Stoffe im Verband. Sie wirken um ein Vielfaches besser, wie die Summe der Einzelstoffe vermuten lassen würde, denn viele Stoffe fördern und ergänzen sich gegenseitig in ihrem Wirkungsspektrum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Aufsatz ist ein Auszug aus dem Artikel von Michael von Lüttwitz aus Geflügel-Börse Nr. 19 vom 5. Oktober 2012. Dort kann alles über Rosmarin ausführlich nachgelesen werden.

W. Schr.  

 

 

 

Dr. Hans Schingen (li) erklärt Gesundheit
Dr. Hans Schingen (li) erklärt Gesundheit

Dr. Hans Schingen:

 

Vitale Tauben

 

Als Taubenzüchter möchte man Freude an der Zucht von Tauben erlangen, mit den Tieren züchten und standardgerechte Nachzucht erzeugen. Letztendlich möchte man sich mit seinen Zuchtprodukten dem Wettbewerb der Ausstellungen stellen, den Vergleich mit anderen Züchtern suchen. Ausstellungen sind Ernte im Zuchtgeschehen, sie währen aber nur wenige Tage im Jahr. Die ganze übrige Zeit des Jahres sind die Züchter verantwortlich für Wohlergehen, Pflege, Zuneigung und gesundheitliche Vorsorge ihrer Schützlinge. Dieses Verantwortlichsein muss nicht Last, sondern kann Quelle der Entspannung und Inspiration sein. Freude und Erholung bei der Taubenzucht kann nur gelingen, wenn die Lebensumstände der Tauben so gestaltet werden, dass Vitalität, Vermehrungsfreudigkeit, Gesundheit und Bewegungsfreude garantiert werden. Nichts ist für einen Züchter belastender, als Misserfolge und Krankheiten im Taubenbestand. Einige Faktoren als Voraussetzung einer erfolgreichen Taubenzucht sollen im Weiteren dargestellt werden.

 

Zuchtanlage

 

Zumeist ist der Lebensraum unserer Tauben auf die Zuchtanlage beschränkt. Freiflug ist leider in den letzten 30 Jahren zur Ausnahme geworden. Dabei hat der Freiflug viele Vorteile gegenüber der Volierenhaltung, vorausgesetzt Greifvögel und Katzen bringen uns nicht zur Verzweiflung, von Nachbarn ganz zu schweigen. Die Vorteile liegen im geringeren Infektionsdruck, in der Vitalitätssteigerung durch erhöhte Bewegungsmöglichkeit und der Möglichkeit viele Vitalstoffe in Hof und Garten aufnehmen zu können. Auch der Eintönigkeit und Langeweile wird begegnet, die geistige Fitness gestärkt.

 

Vielen wird Freiflug nicht möglich sein. Dann sollten Tauben in möglichst geräumigen, nicht überbesetzten, lichthellen und gut belüfteten Räumen gehalten werden. Hohe Luftfeuchtigkeit und Schadstoff belastete Räume sind Gift für Vitalität und Gesundheit. Einstreu kann für Trockenheit sorgen und das Wohlbefinden deutlich verbessern. Offenfrontschläge haben sich in vielen Gegenden bewährt: Licht, Luft, Trockenheit und Sonneneinstrahlung sind wichtiger als Temperaturwerte! Eintönigkeit sollte vermieden werden. Schaffen wir Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeiten durch Einstreu, durch Verstreuen von Kleinsämereien, durch Anbringen unterschiedlicher Sitzmöglichkeiten, wie Laufbretter, Stangen oder Schaukeln. Auch das Anbieten von geschrotetem Futter (Junghennenfutter) kann die Tauben sehr beschäftigen, wie auch Grünfutter in jeder Form und regelmäßige Bademöglichkeiten die Aktivität steigern. Um alle Möglichkeiten der Vitalitätssteigerung zu nutzen, müssen wir der Verarmung von Bewegungsmustern vorbeugen.

 

Der Jahresablauf sollte bei der Fütterung Berücksichtigung finden. Nach Mauser und Ausstellungen sollten wir den Tauben eine Ruhepause gönnen. Ruhe im Lichtregime und Runterfahren der Geschlechtsfunktion durch knappe Fütterung sind natürliche Abläufe und mitverantwortlich für die folgende, erfolgreiche Zuchtperiode. Die Ruhephase sollte mindestens vier bis sechs Wochen ausmachen.

 

Genetik

 

Vitalitätsschwäche kann umweltbedingt sein, hat aber zumeist auch einen genetischen Hintergrund. Ist die Zucht einseitig auf Standardmerkmale ausgerichtet, der Inzuchtgrad hoch, die allgemeine Fitness nicht im Mittelpunkt der Selektion, kann der ganze Stamm innerhalb weniger Jahre mangelnde Widerstandskraft aufweisen. Zur Zucht sollten nur gesunde, vor Vitalität strotzende Tiere eingesetzt werden. Frühe Selektion aller sich schlecht entwickelnden, zur Trägheit neigenden, mit verzögertem Mauserverlauf behafteten Tiere, muss zum Grundsatz werden. Dabei sollten Brut- und Aufzuchtverhalten in die Selektionsentscheidung einfließen. Brütende Tiere erleichtern die Zuchtplanung und den Zuchtverlauf. Auf die Mithilfe von Ammen sollte man weitgehend verzichten. Wir sollten bedenken, dass vom Aufzuchtverhalten die Zukunft unserer Rasse abhängen kann. Alle Vitalitäts- und Abwehrmechanismen sind auch genetisch verankert, deshalb sind die Fittesten gerade gut genug für die Zucht, und über die anderen freut sich die Köchin.

 

Krankheitsvorbeuge

 

Gesunde Tauben können wir nicht durch eine sterile Umwelt garantieren. Übertriebene Sauberkeit, Haltung auf Gitterrosten oder beheizte Schläge sind eher kontraproduktiv und behindern die Ausbildung einer belastbaren Immunität. Vorsicht ist natürlich geboten. In den Bestand unbedacht eingeschleppte Erreger wie Würmer, Salmonellen, Chlamydien u. a. sind nicht mit hygienischen Maßnahmen aus der Welt zu schaffen, da hilft auch tägliche Reinigung nicht. Im Vorfeld muss durch Quarantänemaßnahmen und diagnostische Untersuchungen eine Einschleppung verhindert werden. Sind die Erreger erst im Bestand, müssen sie mit aller Konsequenz mit geeigneten Mitteln bekämpft werden. Gegen Allerweltskeime müssen die Tiere sich wehren, sich mit ihnen auseinandersetzen, eine Immunität aufbauen. Wichtigstes Ziel ist Vitalität und Immunität auf einem hohen Niveau zu halten. Hilfen können wir gewähren durch möglichst optimale Versorgung mit Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen und anderen Vitalstoffen. Hilfreich sind Impfungen, da diese Erreger die Tauben plötzlich und unvorbereitet treffen, ohne, dass sie eine Chance der Abwehr besitzen. Impfungen geben Schutz vor Salmonellen, Paramyxoviren und Pocken, trainieren aber auch das allgemeine Immunsystem. Brieftaubenzüchter muten den Jungtauben alle drei Impfungen in 14-tägigen Abständen zu und erkennen ein verbessertes Abwehrverhalten gegen die schwer zu kalkulierende Jungtaubenkrankheit. Der Erstimpfung gegen Salmonellen sollte eine bakteriologische Untersuchung vorausgehen, um nicht blind in eine bestehende Infektion hinein zu impfen.

 

Die Jungtaubenkrankheit ist primär eine Virusinfektion (Circoviren), die stark schwächend auf das Immunsystem (Bursa fabricii) wirkt. Dadurch können viele an sich beherrschbare Erreger nicht mehr kontrolliert werden. Erkrankungen und Todesfälle, zumeist nach den ersten Ausstellungen, sind die Folge. Es gibt weder ein Patentrezept, noch sichere Möglichkeiten das Szenario zu verhindern. Man kann im Vorfeld vieles tun, eine Garantie die Krankheit sicher zu verhindern, gibt es nicht. Versuche einer Schutzimpfung gegen Coli-Bakterien brachten kein überzeugendes Ergebnis. Wahrscheinlich wäre ein Impfstoff gegen Circoviren die Lösung, der ist aber z. Zt. nicht in Sicht. Weshalb die Immunität der Alttiere die Jungtiere nicht ausreichend schützt, ist unklar. Die Durchseuchung des Vorjahres hat offensichtlich keine Auswirkungen auf die Immunität der Jungtiere. Bei Belastungen und massivem Erregerkontakt (erste Ausstellungen) sind regelmäßig Erkrankungen zu erwarten. Uns bleibt nur, mit allen Mitteln die Abwehrkräfte der Tauben zu stärken. Sollte es Erkrankungen geben, dann sofort reagieren und alle in den letzten Jahren diskutierten Mittel berücksichtigen: Kamillentee und Traubenzucker, Möhrensuppe, Elektrolyte, kolostrale Antikörper (Adenosan, Kolsal), Vitamine. Bei schweren Verlaufsformen ist es notwendig Antibiotika einzusetzen oder auch Mittel gegen Trichomonaden.

 

Zum Medikamenteneinsatz muss gesagt werden: So wenig wie nötig! Keine vorbeugenden Kuren. Behandlungen nur, wenn die entsprechenden Erreger nachgewiesen wurden. Bei bakteriellen Erkrankungen sollten Resistenztests einer Behandlung vorausgehen. Viren sind nicht durch Antibiotika zu bekämpfen, nur durch Schutzimpfungen ist Virusinfektionen vorzubeugen.

 

Die in den letzten Jahren diskutierten Zusätze zum Trinkwasser haben sich in der Praxis bewährt. Verschiedene Firmen bieten entsprechende Produkte (Avidress, Soft Acid u. a.). Sie wirken regulierend auf den Magen-Darm-Trakt und reduzieren deutlich das Trichomonaden-Problem. Tägliche Anwendungen sind möglich, aber auch Zyklen von drei Tagen pro Woche ergeben gute Ergebnisse.

 

Durch vielfältige vitalitätsfördernde Maßnahmen wird es gelingen, ohne wesentlichen Medikamentenaufwand, die Tauben leistungsfähig und vermehrungsfreudig zu halten. Erfolge werden nicht ausbleiben.

 

 

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Vorschau:

          Vitamine vom Strauch/2

 

14.10. Neues Editorial 

08.10. Vitamine vom Strauch/1

03.10. Bild Oktober

30.09. Gedanken (2)

25.09. Gedanken (1)

18.09. Chicken Day

10.09. Leidenschaft (4)

02.09. Bild September

28.08. Leidenschaft (3)

23.08. Lebensmittelskandal

20.08. Zeltlager Essenbach

13.08. Leidenschaft (2)

09.08. Bild August

05.08. Leidenschaft rotgeherzte Brünner (1)  

26.07. Rotgeherzte Brünner (2)

22.07. Rotgeherzte Brünner (1)

13.07. Dick Hamers Federvieh

10.07. Kinderspaß

06.07. Bild Juli

03.07. Brünner Kröpfer aktuell

29.06. Wasser

24.06. Dick Hamers Federvieh

20.06. Dick Hamers Federvieh

13.06. Lietzows Nonnengänse

09.06. Jugendzeltlager

09.06. Hühnerauslauf (4)

05.06. Hühnerauslauf (3)

01.06. Bild Monat Junni

29.05. Hühnerauslauf (2)

25.05. Hühnerauslauf (1)

20.05. Jakob Relovsky

15.05. Manfred Loick - Viren (3)

11.05. Manfred Loick - Viren (2)

08.05. Manfred Loick - Viren (1)

04.05. Bild Monat Mai

30.04. Schlachten gehört dazu 

27.04. Krähen, ein Problem?

22.04. Lietzow - Kleiber

09.04. Alternative Fakten

           (Teil II)

06.04. Bild Monat April

04.04. Alternative Fakten (Teil I)

25.03. Safran - ein Farbgen aus Indien (Teil V)

19.03. H5N8 Vogelkundler 

18.03. Wir sind nicht allein

15.03. Neu im Sprecherteam

          Udo Ahrens

14.03. Prof. B. Grzimek (Teil II)

12.03. Prof. B. Grzimek (Teil I)

09.03. Safran - ein Farbgen aus
           Indien (Teil IV)

06.03. BDRG informiert

04.03. Bild März