Wieder ist ein schöner Chabo Rundblick (2017-1) heraus-gekommen.

 

Da gibt es viele interessante Aufsätze, die nicht nur für die kleinen Chabo Bedeutung haben.

 

 

Wir bedanken uns beim Chabo-Club, dass wir Artikel und Fotos hier übernehmen dürfen.

 

Wer gern die ganze Broschüre haben möchte (75 Seiten – 72 Fotos), wende sich an Manfred Bartl, Ingolstadt. 

 

 

Das Schlachten gehört dazu

 

Foto Bastian
Foto Bastian

Ist das wirklich so? Für die Zucht ist es unvermeidlich. Jedoch bei einer reinen Haltung aus Freude an den Tieren, nicht unbedingt. Hier nehmen die Urzwerge eine Sonderstellung ein, weil durch deren optischen Reize und auch das ihnen eigene Wesen, ein nicht kleiner Personenkreis den Tieren geradezu ein „Hühnerparadies“ bietet. Großzügige Unterbringungen und freie Bewegungen in Gärten lassen die Zwerge alt werden. Nach vier bis fünf Jahren beginnt die natürliche Fluktuation und die Bestände werden wieder aufgefrischt. Dies prägt die Einstellung zum Tier. Diese Menschen werden nicht automatisch Veganer oder Vegetarier, vielleicht aber „Flexitarier“. Es wächst die Sensibilität und führt zu einem bewussten Umgang mit den Tieren. Zu beobachten ist auch die Neigung zu traditionellen Handlungen. Dies gilt nicht nur für die Tierhaltung, sondern auch für die eigene Ernährung. Wo und wie ist da die Zucht der kleinen Haushühner, einzuordnen? Es ist sicher eine Vermehrung in kleinen Konditionen, bei der ein Fleischertrag zwar gegeben, jedoch eher unbedeutend ist. Natürlich fallen bei der Erbrütung nahezu gleich viel Hennen- wie Hahnenküken an. Für Letztere bedeutet es einen Überschuss zum Bedarf. Also muss auch geschlachtet werden. Betäuben, Kopf abtrennen und ausbluten lassen ist gewiss nicht jedermanns Sache. Allein aus diesem Grund wird die Vermehrung begrenzt. Was davon in der Küche landet ist dann von ausgezeichneter Qualität und ist Teil des eigenen Bedarfs nach dem Motto – lieber weniger, aber gut essen. Es zählt gewiss zur regionalen und fairen Ernährung.

 

 

Es gibt aber auch ein Tierschutzgesetz, das besagt: Niemand darf ohne vernünftigen Grund einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Was ist vernünftig? Wenn die Verankerung als Mitgeschöpf zählt, dann ist es doch egal, ob es ein Tier ist oder es Millionen sind. Die Gesetzgebung lässt offensichtlich viele Interpretationen zu und steht für die Einzel-, wie auch für die Massentötung, ohne auf das Verfahren einzugehen.

 

Gegenwärtig ist die Erdenbevölkerung auf 7,44 Milliarden (7.440.000.000) Menschen angestiegen und es kommen jährlich 70 bis 80 Mio. dazu. Man glaubt es einschätzen zu können, dass bei 12 Milliarden die Kammlinie erreicht wird und ab da die Bevölkerungszahl wieder abnimmt. Bis dorthin müssen für all diese Menschen die Fleischtöpfe gefüllt werden, was der Geflügelindustrie blendende Aussichten verspricht. Es gibt kaum einen Industriezweig, dem das Wachstum auf Jahre hinaus nur annähernd so gesichert ist. Erhalten bleibt auch der erdenweite Wettbewerb, dessen Wertbemessung am Ergebnis aus dem Endprodukt, d.h. in diesem Fall nach dem Tod des Tieres, genauer gesagt nach dem Erlös aus dem verkauften Nahrungsmittel erfolgt. Alles was davor in dem Prozess zur Produktion liegt, ist, bezogen auf schnelles Wachstum, Hygiene und Tiergesundheit nicht unbedeutend. Allerdings kommen die Hähnchen mit menschlicher Absicht seelenlos auf die Welt, werden gemästet und sterben einen programmierten Tod. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, jedoch die Geschwindigkeit, mit der gleichzeitig Lebensräume, auch solche für den Menschen, vernichtet werden, ist nicht hinnehmbar.

 

 

 

Dahinter steht eine Entwicklung, die vor 10.000 Jahren ihren Anfang genommen hat. Von dieser Zeit an breitete sich die Hühnerhaltung von Asien, dem heutigen Vietnam, nach Europa aus. Ein Vorgang, der mit ganz verschiedenen Motiven verbunden war – als Opfertier oder Nahrungsvorsorge. Jedenfalls auch eine Sinneswahrnehmung bei den Tieren unterstellte. Davon hat sich die heutige Zivilisation teils sehr deutlich entfernt. Es wird negiert, dass die Hühner sehen, riechen und fühlen können. Wir beobachten nach menschlichen Eigenschaften. Dies ist aber auch der Grund, warum es dazu keine allgemein gültige Klassifizierung gibt. Unstrittig ist sicherlich, dass Tiere Schmerzen empfinden. Es besteht sicher die Einsicht, dass Menschen sich angemessen gegenüber den Tieren verhalten. Jedoch was beinhaltet die Einsicht? Wo sind die Grenzen, auch, weil ohne Gefühle nicht zwischen Gutes und Böses geurteilt werden kann. Im Zweifel werden die Zahlen aus einer Kosten-Nutzen-Analyse entscheiden. Unausweichlich werden Machtinteressen sichtbar, die nur eines als Ziel haben: Über die Anderen zu herrschen. Im Klartext heißt das: die Großen fressen die Kleinen. Bis es soweit ist werden Abhängigkeiten geschaffen, um die Alternativen auszuschließen.

Wir befinden uns in einer doch noch sehr komfortablen Situation, weil wir ziemlich frei entscheiden können. Allerdings müssen wir dafür einiges tun:

 

 

• Auch im Kleinen kann wirksam der Fleischkonsum reduziert werden.

 

 

• Jeder von uns kann in der Öffentlichkeit zeigen, wie die Haltung im Kleinen, also auch die Rassegeflügelzucht betrieben wird.

 

 

• Vor dem Hintergrund, dass Klimaschutz nicht verhandelbar ist, gewinnt die von uns praktizierte und ressourcenschonende Tierhaltung deutlich an Bedeutung. Zur Erinnerung: mehr als 80% der Futtermittel in Deutschland bestehen aus Sojaschrot, importiert aus Südamerika, angebaut mit katastrophalen ökologischen Folgen.

 

• Wenn auch in geringen Mengen erzeugen wir gesunde und wünschenswerte Nahrungsmittel.

 

 

 

Manfred Bartl

 

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Ist das Krähen ein Problem?

 

 

Diese Frage lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten. Zu einem Problem wird das Krähen dann, wenn sich jemand daran stört, es als Lärmbelästigung empfindet und der Züchter oder Halter Abhilfe schaffen muss. Wir als Geflügelhalter können das in den seltensten Fällen verstehen, denn zu einer glücklichen Hühnerschar gehört ein Hahn – und der kräht nun mal.

 

Seit 1975 arbeite ich aktiv in unserem Ortsverein und Kreisverband als Vorstandsmitglied  und habe über die vielen Jahre eine Veränderung der Gesellschaft wahrgenommen, die uns immer mehr „zurückgedrängt“ hat.

 

Vor 30-40 Jahren liefen auf jedem kleinen Hof Hühner herum. Niemand störte sich daran, wenn die Hähne krähten. Das gehörte dazu, das war jeder gewohnt.

 

Heute ist diese Kleintierhaltung aufgrund unserer Baurechte kaum noch möglich. Selten gestattet das eigene kleine Grundstück eine Hühnerhaltung mit  Hahn. Und wenn doch, stört sich ein Nachbar, weil er das Krähen nicht kennt und deshalb auch nicht will. Nach dem sog. Verursacher-Prinzip muss dann der Hühnerhalter Abhilfe schaffen und die Hahnenzucht ist damit beendet.

 

Einige Straßen entfernt von mir wohnt eine junge Familie, die über einige Jahre in einer gewissen Regelmäßigkeit bei mir junge Chabohennen abgeholt hat. Die Kinder dieser Familie pflegten und umsorgten die Tiere und berichteten immer begeistert von den Erlebnissen mit ihnen. Eigene Küken zu ziehen, war der größte Wunsch der kleinen Hühner-liebhaber.

 

Ich gab ihnen beim letzten Besuch einen passenden kleinen Hahn mit. Nur zwei Wochen später standen Mutter und Tochter bei mir vor der Tür und brachten den Hahn zurück. Die Kleine war bitterlich am Weinen. Der Nachbar hatte sich am morgendlichen Hahnenschrei gestört und dafür gesorgt, dass der Hahn wegkommt. Beim Einpacken des Tieres in den Karton stand der Nachbar vor seiner Haustür und klatschte Beifall, berichtete die Mutter.

Dieser Nachbar hält auf seinem Grundstück und im Haus einen Hund, der natürlich auch bellt. Da sagt keiner was, ergänzte die Mutter. Warum ist das so? Ich denke, weil die Menschen zu einem Hund oder einer Katze eine andere, eine kleinere Distanz haben. Es ist die Entfernung, die Distanz zum Tier, was stört und den Unterschied macht.

 

Aber, was können wir tun, um in der heutigen Gesellschaft wieder mehr Akzeptanz zu finden? Wie sollen wir den Menschen klar machen, dass ein krähender Hahn oder die Vögel im Garten keine Krachmacher sind, sondern wichtige Bestandteile unserer Natur? Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um der Bevölkerung unser schönes Hobby ganz nah zu bringen.

 

Geflügelausstellungen sind seit Jahren die beste Möglichkeit Öffentlichkeits-arbeit zu machen. Vor einem Jahr habe ich eine Voliere, die auf dem Grundstück eines Altenheims errichtet wurde, mit einer Herde Chabo bestückt – auch mit Hahn. Es war der Wunsch der Bewohner diese Anlage zu schaffen. Täglich werden die Hühner auch von den Bewohnern versorgt und alle freuen sich, wenn der Hahn morgens kräht. Wir hatten früher immer Hühner auf dem Hof und die Hähne haben natürlich auch gekräht, höre ich von den Bewohnern. Diese Generation braucht nicht mehr für unser Hobby sensibilisiert werden. Viel wichtiger ist es, die jüngeren Menschen zu erreichen.

 

 

 

Hierbei hilft mir seit vielen Jahren das Projekt „vom Ei zum Huhn“, dass ich in mehreren Kindertagesstätten anbiete. Mit sehr viel Unterstützung und Hilfe der Erzieherinnen gelingt es mir wichtige Dinge zu vermitteln und Aufklärungs-arbeit zu leisten. Vor der Aufzuchtbox, in der die Küken nach dem Schlupf noch eine Woche in der Kita verbleiben, steht eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter und stellt fest, wie niedlich doch der kleine Nachwuchs ist. Dennoch käme eine eigene Hühnerfamilie für sie nicht in Frage, weil ja der Hahn kräht. Die Tochter zupft der Mama am Mantel und sagt: Mama, ohne Hahn gibt es keine Küken…!

 

Heinz-Hermann Huhs

 

 

 

... ohne Hahn gibt es keine Küken!

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Nachruf / (Text + Bilder von Manfred Loick)

 

  

Wilfried Detering   


Wilfried Detering aus Bielefeld ist am 1. Februar 2017 im Alter von 77 Jahren verstorben.

 

Schon aufgrund seiner Statur war er ein großer Züchter, aber seine wahre Größe wurde durch seinen unermüdlichen Einsatz und sein engagiertes Auftreten sichtbar. Er genoss internationales Ansehen, seine Stimme hatte Gewicht. Neben Deutschen Schautauben schlug sein Herz für die Plymouth Rocks einschl. Zwerge sowie für die Kampfhuhnrassen aus aller Welt. Er kannte sie alle, und alle Kampfhuhn-Freunde kannten ihn. Aufgrund seiner Liebe zur britischen Insel galt seine besondere Aufmerksamkeit den Altenglischen Kämpfern und den Modernen Engl. Zwerg-Kämpfern. Zur Erinnerung an den großen Wilfried Detering zeigen wir einen goldhalsigen Altenglischen Kämpfer-Hahn und drei Hennen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme noch die Freiheit genießen konnten. Kenner der Materie erkennen sofort, dass die Bilder schon sehr alt sind:

 

 

Der Hahn auf dem Bild ist kupiert, da die heranwachsenden halbstarken Hähne sich schon einmal einen "Zacken aus der Krone" picken. Um den Schauwert trotz Kammblessuren zu erhalten, wurden die Hähne kupiert, aus Tierschutzgründen ist das lange verboten. Das Kupieren war aber kein barbarischer Akt, denn Rangordnungskämpfe sind im Hühnerhof natürlich. Weil einige Ausstellungszüchter zur Erhaltung perfekter Hahnenkämme die jungen Hähne in Einzelhaft hielten, war Wilfried Detering gegen das Kupierverbot, um den Tieren die Freiheit zu erhalten. Heute haben wir ganz andere Sorgen, den Hühnern wird die Freiheit genommen, obwohl es dafür keinen vernünftigen Grund gibt. Im Freiheitskampf für die Hühner haben wir einen großartigen Mitstreiter verloren, wir werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

 ARGE Tierschutz Rassegeflügel - Vielfalt bewahren

 

Erich Koller

„Enten-Herbst“

 

Nebeldunst im Morgenrot sind des Herbstes Gnadenbrot.

Leuchten nun die bunten Farben, die im Rest des Sommers baden.

 

Gerhard Ledwina

 

Maler: Jakob Relovsky
Maler: Jakob Relovsky

Von den Stockenten stammen unsere Hausenten

 

Die tag- und nachtaktiven Stockenten fliegen gut und landen sicher. Foto: Pixabay "skeeze"/USA
Die tag- und nachtaktiven Stockenten fliegen gut und landen sicher. Foto: Pixabay "skeeze"/USA
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie

 

Die Stockente ist die größte und am häufigsten vorkommende Schwimm- und Gründelente Europas und die Stammform der Hausenten. Über lange Zeit war der Name Wildente gebräuchlicher, was aber aus ornithologischer Sicht eine unbefriedigende Bezeichnung ist, da dieser Name artübergreifend auch für alle übrigen wilden Enten gilt. In unseren Kreisen, wo wir diese Wildvögel halten und züchten, verwenden wir den Oberbegriff „Ziergeflügel“. Die Bezeichnung „Stockente“ hat sich erst im 20. Jahrhundert als die übliche deutsche Bezeichnung durchgesetzt, in älterer Literatur wird sie auch noch als „Märzente“ bezeichnet. Der heute Name kann als Hinweis auf ihre Brutplätze verstanden werden, zu denen gelegentlich auch auf Stock gesetzte Weiden, Weidengebüsch oder auch Reisighaufen gehören. 

 

Immer bereit die Küken zu verteidigen, Foto: Marek Juikja/Kutno Polen
Immer bereit die Küken zu verteidigen, Foto: Marek Juikja/Kutno Polen

 

Interessante Historie

 

 

Aus alten Plastiken und Schriften lässt sich schließen, dass schon in der Jungsteinzeit im Rahmen der ersten Ackerlandkultur domestizierte Enten existierten. Auf die Entenhaltung in Indien deuten Schriftzeichen in der Induskultur (3. Jahrhundert v. Chr.) hin. In Griechenland sollen zu Beginn des ersten Jahrhunderts v. Chr. An vielen Orten Stockenten gezähmt worden sein. Aus spätrömischer Zeit ist eine Entenrasse belegt, die als „Germanische Ente“ bekannt ist. Stockenten kommen im größten Teil Eurasiens, im äußersten Norden Afrikas sowie in weiten Teilen Nordamerikas vor und sind auf Neuseeland und in Australien als Brutvogel eingeführt. Ihre Häufigkeit ist darauf zurückzuführen, dass sie sowohl hinsichtlich ihrer Brutplätze als auch ihrer Aufenthaltsorte wenig anspruchsvoll sind, sofern irgendeine Art von Gewässer vorhanden ist.

Die stahlblauen Spiegel, korrekt eingefasst, Foto: Anna Polsky/Polen
Die stahlblauen Spiegel, korrekt eingefasst, Foto: Anna Polsky/Polen

Typischer Allesfresser

 

Das ausgeprägte Nahrungsbedürfnis hat Brehm (1926) treffend charakterisiert: „Die Stockente gehört zu den gefräßigsten Vögeln, die wir kennen. Sie verzehrt zarte Blätter und die Spitzen der Grasarten sowie die verschiedenen Sumpfgewächse, der Knospen, Keime und reife Sämereien, Getreidekörner, Knollenfrüchte, jagt aber auch eifrig auf alle Tiere, vom Wurm an bis Kaulquappen, Fische und Lurche, scheint an einem unersättlichen Heißhunger zu leiden und frisst um ihn zu stillen, solange sie wach ist und etwas findet“.

 

Eine genaue Analyse der Nahrung ergab jedoch, dass sich Stockenten in freier Wildbahn hauptsächlich von pflanzlichen Stoffen ernähren. Die Hälfte davon sind Getreideart en und im Herbst wird die vegetarische Kost durch Eicheln ergänzt.

 

Artenmerkmale und Gefieder

 

 

Beide Geschlechter sind unterschiedlich gefärbt. Der eher kleine, sportliche Körper im „Bootslook“ wird waagrecht getragen. Der Hals ist zart, der kleine Kopf flachstirnig und die Kopflinie straff gezogen. Sie besitzen relativ große Augen und derr Schnabelm ist proportional lang. Damit sind sie leicht von Kreuzungstieren, Stadt- und Mastenten (Brutanstaltstieren) zu unterscheiden.

 

Fotos: (c)Lietzow Naturfotografie
Fotos: (c)Lietzow Naturfotografie

 

Ente: Grundfarbe ist ein über den ganzen Körper verteiltes Goldbraun; jede Feder mit braunschwarzer, scharfer hufeisenförmiger Zeichnung. Vom Schnabel ziehen sich zu beiden Seiten des Kopfes bis zum Nacken goldfarbige Zügel hin. Der Flügelspiegel ist stahlblau, die Schwingen sind einfarbig braun. Schnabel gelbbraun mit dunklem First, Läufe dunkles Orangebraun.

 

 

Erpel: Kopf und Hals grünglänzend, Brust dunkelkastanienbraun, durch den weißen Halsring getrennt. Bauch- und Flankenbereich perlgrau mit feiner schwarzer Wellung. Bürzel und Schwanzlocken (Erpelung) schwarzgrün. Die Flügeldecken sind graubraun mit stahlblauen   Spiegeln, die mit schwarzen und schmalen weißen Streifen eigefasst sind. Die Flügelgelunterseite erscheint grau-weiß. Unterkörper und Bauchbereich sind von perlgrauer Färbung mit feiner schwarzer Wellung. Schnabel gelbgrün mit dunkler Bohne, Läufe leuchtendes Orangegelb. 

Nach der Brutzeit mausert der Erpel in ein der Ente ähnelndes Ruhekleid. Diese ausführliche Beschreibung soll dem Vogelfreund dienen, die artreinen Stockenten von den vielen Kreuzungstieren zu unterscheiden, die sich zunehmend auf unseren Seen, Teichen und Flüssen ausbreiten.

 

 

Die Brutplätze der Stockenten sind je nach regionalen Gegebenheiten sehr unterschiedlich. Die Ente legt 7- 16 Eier, die sie allein bebrütet und sehr umsichtig aufzieht. Nach der Paarung hat der Erpel die Ente verlassen. Die Küken schlüpfen alle gleichzeitig und streben sofort dem Wasser zu. Da Stockenten auch oft auf hohen Bäumen brüten, ist es ein besonderes Schauspiel, zu sehen, wie sich die gerade geschlüpften Küken todesmutig in die Tiefe stürzen und dort wohlbehalten ankommen. Die natürlichen Feinde der Stockenten sind Füchse, Waschbären, Greifvögel, Wanderratten, Marder, verwilderte Katzen und natürlich der Mensch. Einige Tierarten, z.B. der Igel haben es vor allem auf die Entengelege abgesehen.

 

 

Noch eine Bemerkung aus der Küche:

Das Fleisch ist feinfaserig und leicht verdaulich, reich an B-Vitaminen, Zink, Eisen und Kupfer.

Mit Kräuterbeigaben wie Majoran, Tymian, Salbei, Wacholderbeere, Lorbeerblatt und Rosmarin ein kulinarischer Hoch-genuss!

 

 

Quellen: Horst Schmidt „Puten-Perlhühner-Gänse-Enten“, Verlag NEUMANN-NEUDAMM; Wikipedia, Lietzow Naturfotografie und der Ziergeflügelstandard des BDRG.   

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Am Anfang ist das Ei . . .

 

 

 

Das gilt für das Huhn, den Fisch, das Krokodil

 

und für den Menschen.

 

                                                          Foto: Hubert und Stephan Spöker

Teil 1

 

Wir werden uns diesmal etwas intensiver mit dem Ei beschäftigen, es ist ein unerschöpfliches Thema, immer wieder gibt es neue Erkenntnisse und Erfahrungen, und es ist schon recht interessant, die unterschiedlichen Eiformen zu betrachten und zu erfahren, dass man auch bei pflanzlichen Einzellern von Eiern spricht. Vom Ei spricht man hauptsächlich in der Medizin und der Zoologie als auch in der Botanik. Als Fortpflanzungszelle ist das Ei Träger des gesamten mütterlichen Erbguts und damit eine der wichtigsten Zellarten. Seiner bedeutenden Aufgabe, der Arterhaltung, angepasst, stellt das Ei eine Riesenzelle dar. Der Größenunterschied zwischen Ei und Samenzelle beruht darauf, dass im Ei Reservesubstanz (Dotter) für den Embryo gespeichert wird. Hierdurch wird das Ei aktiv unbeweglich. Eier werden bei niederen Lebewesen an beliebiger Stelle des Körpers, bei höheren Pflanzen in Archegonien oder im Emryosack der Samenanlage, bei höheren Tieren z.B. beim Huhn, auch beim Menschen, im Eierstock gebildet.

 

Die Anzahl der produzierten Eier schwankt je nach dem Stand der Brutpflege und –fürsorge und der feindlichen Umweltbedingungen (hartes Klima, Räuber, Krankheiten u. a.) in weiten Grenzen.

 

Beispiele der Größe der Gelege:

 

Karpfen                    200 000  bis 700 000

Bienenkönigin           40 000  bis  50 000

Huhn/Jahr                      200  bis  300

Stichling                            80  bis  100

Rebhuhn                           10  bis  20

Auerhuhn                           6  bis  10

Graugans                            4  bis  9

Uhu                                      2  bis  4                    

 

Je nach Art der Verteilung und Menge des Dotters werden folgende Eitypen unterschieden:

 

1. alecithale oder oligolecithale Eier (in der Größenordnung von 0,1mm im Schnitt) die wenig gleichmäßig verteilten Dotter enthalten (bei Schwämmen, Hohltieren, Stachelhäutern und Säugetieren, also auch beim Menschen).

 

2. mesolecithale Eier (in der Größenordnung von 1mm) mit reichlichem Dotter, der sich meist an einem Pol, dem vegetative Pol, ansammelt (bei Weichtieren, Lurchen, Ringelwürmern)

 

3. telolecithale Eier( Größenordnung 1 cm) mit sehr reichlichem Dotter am vegetativen Pol (Bei einigen Fischen, Kriechtieren und Vögeln)

 

4. centrolecithale Eier, bei denen der Dotter im Eiinnern liegt (vor allem bei

Gliedertieren).

 

Der Eizellkern ist mindestens 200 mal größer als ein gewöhnlicher Zellkern. Er enthält im Gegensatz zu den meisten gewöhnlichen Zellkernen nur einen einfachen Chromosomensatz. Das Ei ist von der primären Eihülle, der Ei- und Dotterhaut umgeben, die Hühnereizelle besteht also aus der Keimscheibe (Plasmamasse mit Eizellkern), Dottermasse (Eigelb) und der Dotterhaut.

 

Teil 2

 

Unten: Die dunkelbraunen Eier der Marans, Foto: N. Weinberg

 

Auch bei pflanzlichen und tierischen Einzellern spricht man von Eiern bzw. Eizellen, wenn die weiblichen Fort-pflanzungszellen infolge ihres Dotter-reichtums und des Geißelverlustes unbeweglich werden. Die Entwicklung eines Eies beginnt normalerweise mit der Befruchtung. Die befruchtete Eizelle heißt Zygote. Die Eientwicklung kann in besonderen Organen vor sich gehen (z.B. Gebärmutter der Säuger) oder erst, nachdem das Ei abgelegt worden ist (und von Hühnern in Nester, von Schnecken in Gruben, von Fischen ins Wasser). Nach dem Verhalten während der Entwicklung werden Regulationseier und Mosaikeier unterschieden. Bei den Mosaikeiern ist die Entwicklung durch ein Mosaik bestimmter, organbildender Plasmabezirke bereits festgelegt. Während bei den Regulationseiern die Embryonen Entwicklungsstörungen noch ausgleichen können. Als Sinnbild der Fruchtbarkeit spielt das Ei in Volksbräuchen eine große Rolle.

Die Entstehung des Wunderwerkes Hühnerei beginnt im Eierstock der Henne. Im Laufe von zwei Wochen reifen dort einige der insgesamt 4.000 winzigen Eizellen durch Einlagerung von Nährstoffen zu Dotterkugeln heran. Jede Dotterkugel ist von einem dünnen Säckchen aus Membranen, dem Follikel, umgeben. Ist die Kugel groß genug, platzt der Follikel auf und der Dotter wandert in den Ei-Trichter de Eileiters. Hier wird das Ei von einem Spermium befruchtet und entwickelt sich zu einer Keimscheibe, aus der der Embryo heranwächst.

              

 

Auf dem Weg durch den Eileiter bildet sich eine Haut um den Dotter, aus speziellen Drüsen tropft im Eileiter Eiklar, das sich um den Dotter anlagert. Es bewahrt den heranwachsenden Embryo vor mechanischen Verletzungen und enthält Stoffe, die das Wachstum von Bakterien hemmen.  Es ist von ganz besonderer Bedeutung, dass im Blut der Henne kreisenden Antikörper gegen alle möglichen Infektionen gleichfalls in den Eierstock wandern und anschließend im Eidotter zu finden sich. Wenn das Küken schlüpft, zieht es dann den Eidotter ein und resorbiert die dort befindlichen Antikörper, so ist es in den ersten Lebenswochen gegen viele Infektionskrankheiten geschützt. Man kann durch die Untersuchung des Eiinhaltes den Antikörperstatus  des Tieres bestimmen, das das Ei gelegt hat, ohne eine Blutprobe machen zu müssen. Denn im Eidotter findet sich das gleiche Antikörperspektrum wie im Blut des Vogels, der dieses Ei gelegt hat. Das Ei wird im Eileiter spiralförmig gedreht, damit das Eiklar gleichmäßig Schicht für Schicht aufgetragen werden kann. An den Enden bilden sich aus zähflüssigem Eiweiß die Hagelschnüre. Sie halten den Dotter in der Mitte des Eis und verhindert, dass er zu sehr geschüttelt wird. Wenn das Brutei gesammelt wird, muss man es 1 – 2 mal am Tag drehen, da sonst die Hagelschnüre ausleiern und der Dotter sich einseitig verschiebt. Im unteren Teil des Eileiters, dem Ei-Halter, bildet sich nun die Schalenhaut. Sie besteht aus zwei Schichten, zwischen denen sich nach der Eiablage am stumpfen Pol eine Luftkammer bildet.

 

Unten: Grüne Araucana-Eier, Foto: Hühner-Haltung>Hühnerrassen von A-Z

 

Nun beginnt die zeitraubendste Arbeit für die Henne, in 17 Stunden wird die Schale gebaut. Sie ist 0,2 – 0,4 mm stark und besteht zum größten Teil aus Calciumcarbonat und ist mit Poren durchsetzt, durch die das Küken atmen kann. Zuletzt entsteht ein dünnes Häutchen um das Ei -  die Cuticula. Sie schützt das Ei vor dem Austrocknen und vor Keimbefall.

 

Jetzt noch zu besonderen Formen des Eies.

Die Trottellumme brütet in Kolonien hoch auf den Felsen Helgoands. Dort hat sie meist nur wenige Zentimeter Platz, um seine Eier zu legen und auszubrüten. Deshalb sind die Eier auf einer Seite ausgesprochen spitz. Stupst man eines dieser Eier an, so rollte es im Kreis. Damit verhindert seine Form, dass das Ei bei einer unvorsichtigen Bewegung der Eltern vom Felsen stürzt. Manche Euleneier sind kugelrund. Warum das so ist, weiß man noch nicht genau. Möglicherweise liegt es daran, das einige Eulen auf dem Boden, andere dagegen in Baum- oder Erdhöhlen nisten. Auf jeden Fall haben sie dort viel mehr Platz als die Lummen und ihre Eier sind nicht ständig in Gefahr, herunter zu fallen.

 

 

Nun noch eine kurze Anmerkung zu Cholesterin. Bekannterweise ist im Eidotter in reichlichem Maße Cholesterin vorhanden und das wird ja für viele Krankheiten verantwortlich gemacht. In Eiern von Junghennen finden sich größere Mengen Cholesterin als in Eiern von älteren Tieren. Cholesterin spielt eine wichtige Rolle für die Schlupffähigkeit der Küken. Eine zu geringe Menge vermindert die Schlupfrate. Für den Menschen spielt Cholesterin eine nicht unbedeutende Rolle. Aber der menschliche Organismus ist normalerweise in der Lage, den Bedarf der Nahrungsaufnahme anzupassen. Allerdings ist bei einer Störung dieses Mechanismus zuviel Cholesterin in der Nahrung problematisch und muss dann genau beobachtet werden.

 

Weiter geht´s mit Rezepten in Teil 3!

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Ostern in anderen Ländern

 

 

In Frankreich bleiben die Glocken von Gründonnerstag bis Karsamstag im ganzen Lande stumm, um den Tod Jesu zu betrauern. Erst am Ostersonntag läuten die Glocken wieder aus Freude über die Auferstehung Christi. Wenn die Franzosen die Glocken am Ostersonntag hören, umarmen und küssen sie sich. Man erzählt sich, dass das Glockenläuten nach Rom geht, um den Papst zu besuchen. Bei seiner Rückkehr bringt es dann die Ostereier mit. Diese werden von den Kindern in die Luft geworfen. Das erste, das auf den Boden fällt, verliert. In manchen Gegenden Frankreichs halten die Kinder auch nach einer Kutsche Ausschau, die, gezogen von vier weißen Pferden, gefüllt mit Eiern ist.

 

In Italien isst man traditionell eine „Ostertorte“, einen salzigen Kuchen mit gekochten Eiern und Spinat, oder "Ostertaube" ("Paloma di Pasqua"). Dieser Kuchen ähnelt dem Gugelhupf. In vielen Orten gibt es Karfreitags eine Prozession, bei der das Kirchenkreuz durch die Straßen getragen wird. Die dunkel gekleideten Teilnehmer schreiten langsam durch die Gassen, die Straßenlaternen sind ausgeschaltet, überall brennen Kerzen. Menschen und Kirchenglocken schweigen. Die Auferstehung wird am zweiten Osterfeiertag bei einem Ausflug mit Freunden oder der Familie gefeiert: "Pasquetta".

 

 

Die Schweiz hat so viele Oster-Traditionen wie Kantone, deshalb hier nur die wichtigsten: Im Westen des Landes tragen "Les Pleureuses" (Klageweiber) am Karfreitag die Marterwerkzeuge Christi und das Schweißtuch der Heiligen Veronika durch die Straßen. Die Städte hallen von Gebeten und Gesängen wieder.

 

Im Wallis dagegen wird in den Dörfern Brot, Käse und Wein verteilt. Man durfte früher am Karfreitag nur barfuß auf die Straße gehen, um die Erde nicht zu stören. Heutzutage ziehen die Waliser kurz vor Sonnenaufgang am Ostermontag in kleinen Prozessionen auf die nahe gelegenen Hügel. Sie begrüßen die Sonne, Symbol für die Auferstehung Christi, mit einem Tanz. Gelenkige Landsleute machen drei Purzelbäume. In einigen Gegenden versucht man, mit einem Wasserbassin, die Reflexion der tanzenden Sonnenstrahlen einzufangen

 

In Bern kommen Jung und Alt am Ostersonntag auf dem Kornhausplatz in der Altstadt zum "Eiertütscha" zusammen. In dem Wettstreit werden die Ostereier aneinander geschlagen - das standhafteste gewinnt.

 

 

Sammlung Familie Bastian
Sammlung Familie Bastian

 

Deutschland hat die Ostereier: Der Brauch, zu Ostern Eier zu verschenken, hat verschiedene Ursprünge. Das Ei galt bereits früh in der Kulturgeschichte als Ursprungsort des Menschen oder gar des Universums. Bereits in der Urchristenzeit war es Sinnbild des Lebens und der Auferstehung, so dass in das Grab von Toten ein Ei mitgegeben wurde. Das Ei hält etwas verborgen, ist wie ein verschlossenes Grab. Aus einem scheinbar toten Körper schlüpft schließlich etwas Lebendiges. Damit wird die Beziehung zur Auferstehung Christi deutlich.

Auch die Frage nach der Ewigkeit kann durch die Form des Eies - ohne Anfang und Ende - und die Frage, ob zuerst Ei oder Huhn war, gedeutet werden. Daneben war das Ei im Mittelalter eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. An Ostern als feststehendem Zahlungs-termin wurden als Gegenleistung für gepachtetes Land den Grundherren Eier überreicht. Zudem war während der Fastenzeit auch der Genuss von Eiern untersagt. Bis zum Osterfest, das die Fastenzeit beendet, sammelten sich somit viele Eier an.

 

In Ägypten sind seit mehr als 1.000 Jahren farbige Eier bekannt. In der westlichen Welt ist seit dem 13. Jahrhundert Rot die traditionelle Farbe für das Ei. Es ist die Farbe des Blutes Christi, des Lebens, des Sieges und der Lebensfreude.

 

In Osteuropa findet man eher goldfarbene Eier, als Zeichen der Kostbarkeit. Bis heute gibt es regional viele verschiedene Grundfarben für das Osterei, die aus verschiedenen Bedeutungen heraus erwachsen sind. Der Fund eines bemalten Eies aus dem vierten Jahrhundert nach Christus lässt auf eine alte Tradition des Bemalens von Eiern schließen.

 

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„Bobtails“ bei den Zwerg-Cochin?

 

Die gibt´s doch gar nicht!

Foto: Checkpoint Charlies "Whoopie"
Foto: Checkpoint Charlies "Whoopie"

 

 

Doch, die gibt es, aber bitte, nicht erschrecken. Denn der Name „Bobtail“ kommt aus dem Englischen und bedeutet: „Stummelschwanz“ und Zwerg-Cochin mit Stummelschwanz, also kaulschwänzig, das würde ja den Typ total ruinieren. Wir wünschen uns doch gerade bei den Zwerg-Cochin eine voll ausgeprägte und abgerundete Kruppe, so nennt man bei den Zwerg-Cochin den Schwanz. Ein Zwerg-Cochin mit Stummel-schwanz gäbe sicherlich ein erschreckendes Bild, denn die Zuchtidee, der „Federball“ wäre so nicht mehr zu verwirklichen. Gott sei Dank hat aber für die Namensgebung dieser Zwerg-Cochin-Variante die Hunderasse „Bobtail“ Pate gestanden. Denn als die ersten Zwerg-Cochin in dieser Farbe auftauchten, wurde spontan der Name „Bobtailfarbig“ kreiert, so ähnlich ist die Farbauslegung bei Hund und Huhn. Nach unserem Kenntnisstand ist dieser Farbenschlag in der Hühnerwelt bisher einmalig.

 

Doch nun zum Werdegang: Vor ca. 15 Jahren sind beim Altmeister der Zwerg-Cochin-Züchter, Dieter Aschenbach, bei seinen Goldhalsigen erstmals Küken mit aschgrauem Dun aufgetreten. Da sie vom Typ sehr ansprechend waren, wurden sie nicht selektiert, sondern mit aufgezogen. Es entwickelten sich aus den Hennenküken prächtige Formentiere mit grauer Mantelfarbe, weißem Kopf und Hals. Manche zeigten auch ein weißes Flügeldreieck. Die Hähne dagegen waren vom Gefieder unansehnlich und zeigten ein schmutziges Weiß mit gelblichem Anflug im Schmuckgefieder. Vom Typ auch etwas lang bei aufgerichteter Haltung. Da die Hennen eine schöne breite Feder hatten, kamen sie in der Folgezeit bei einigen weiteren Farbenschlägen zur Verbesserung von Typ und Vitalität zum Einsatz. Dabei konnte man feststellen, dass sie sich rezessiv vererben. So haben diese Hennen einiges zur Vollendung des „Federballs“ beigesteuert. Die Hähne kamen nicht zum Einsatz.

 

 

 

Im Jahr 2000 zogen die ersten beiden Bobtailhennen in unseren Stall und es dauerte noch ein weiteres Jahr, bis auch zwei Hähne aus Berlin die Reise nach Nordwalde antraten. Bobtail x Bobtail = Bobtail, die Rechnung ging auf. Wie nicht anders zu erwarten, variiert das Mantelgefieder der Hennen natürlich von hell- bis dunkelgrau, aber immer im perfekten „Federball-Typ“. Hähne gab es von weiß bis schmutzig-weiß, alle mit stark gelbem Anflug im Schmuckgefieder. Manche zeigten auch eine geisterhafte Schaftstrichzeichnung. Leider waren fast alle Hähne etwas lang im Rücken, das hat sich inzwischen geändert. Sie verkörpern genauso  den Federballtyp wie die Hennen. Natürlich wurden auch weitere Experimente mit anderen Farbenschlägen der Zwerg-Cochin vorgenommen. Dabei konnten wir feststellen, dass sich der Typ der Hennen sehr gut vererbt, schon das Dungefieder der Küken und später auch das Gefieder der Alttiere ist weicher und die Federn sind breiter angelegt. Man kann quasi im Dunklen die „Bobtails“ wie auch die „bobtailblutführenden“ Tiere herausfühlen.

 

 

Auf Grund der bis jetzt durchgeführten Zuchtversuche kann man sagen, dass sich die Hennen, wenn nötig, zur Einkreuzung in viele Farbenschläge der Zwerg-Cochin eignen. Hähne sollte man nur in die Farbenschläge mit Goldfaktor einsetzen. Auch sie vererben Supertypen. Verpaart man allerdings perlgrau x bobtail, zeigt die Nachzucht ein spalterbiges blau und bei den gesperberten Zwerg-Cochin war, nach Auskunft des Züchters, der diesen Versuch durchgeführt hat, der Erfolg nicht so gravierend. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass unsere perlgrau-geperberten Zwerg-Cochin so entstanden sein könnten.

Abschließend kann man festhalten, dass Tiere mit Weißfaktor schon immer vereinzelt bei den goldfarbigen Hühnern aufgetreten sind. Schon 1932 schreibt in den Blättern für Vererbungskunde der „Geflügel-Börse“ Walter Rüst aus Nowawes über Weißlinge bei den Deutschen Zwergen, goldfarbig und wie man diese wieder aus der Zucht eliminieren kann. Dies ist hier aber nicht der Fall. Viele Züchter empfinden die „bobtailfarbigen“ Zwerg-Cochin als Bereicherung, und so sind auch schon einige Tiere mit dieser Farbe an andere Züchter abgegeben worden. Nicht nur innerhalb Deutschlands, auch ins benachbarte Ausland, oder besser gesagt, in andere EU-Länder, haben sie die Reise angetreten.

 

Es besteht die Auffassung, dass es sich bei den „Bobtails“ um eine rezessive Mutation handelt, die sich bei den Goldhalsigen investiert hat. Es handelt sich vermutlich um eine Farbverdünnung. Das Phäomelanin fällt bei der Henne fast völlig aus, das stärkere Rotpigment kommt beim  Hahn leicht zum Vorschein. Die Hauptwirkung hat das Gen auf das Schwarz, es wird verdünnt, beim Hahn viel stärker. Deshalb ist zu vermuten, dass es sich um eine geschlechtsgebundene Verdünnung handelt, die sich beim Hahn mit zwei Geschlechtschromosomen stärker auswirkt. Es bleibt damit ein Geschlechtsdimorphismus erhalten, wenn auch in anderer Ausprägung als bei Goldhalsigen. In einer Veröffentlichung von Prof. Hollander und M. Ziehl wird auch in Kurzform über die Verdünnung Dun bei Hühnern berichtet. Darin steht auch, dass doppelfaktorische Hühner aschfarbig bis weißlich sind. Die Vermutung besteht aber, dass es sich hier um eine eigenständige, geschlechtsgebundene Mutation handelt.

 

 

 

Bisher wurden die „Bobtails“ von uns nur aus lauter Liebhaberei gehalten und gezüchtet. So haben sie auch dazu beigetragen, ein Zipfelchen der Vererbungslehre für uns zu lüften und mit einigen Zuchtversuchen unser Wissen darum gestärkt. Bei Züchtern, die uns besuchten, haben sie jedenfalls Anklang gefunden und viele Federbälle dieser Farbe sind, wie schon eingangs erwähnt, auch in internationale Ställe umgezogen. Seit dem Jahr 2014 ist dieser sehr aparte Farbenschlag nun auch nach Holland, der Schweiz, Italien in Deutschland anerkannt.

 

ZG Bärbel und Horst Bastian

Fotos Zwerg-Cochin: Horst Bastian

 

 

 

 

 

 

 

Warum Chabo? Warum Club?

 

Mein Name ist Conny Kellermann, lebe in der Nähe von Ingolstadt/Bayern und züchte seit Längerem Orpington in gelb schwarz gesäumt, Zwergpaduaner gestruppt, Chabo in perlgrau mit weißen Tupfen, gelockt und Okina. Bevor ich mich 2014 für die beiden Letzteren begeisterte, waren meine Erfahrungen in der Züchterszene oftmals begleitet von einer gewissen Arroganz der Züchter gegenüber Jüngeren und Laien. Ignoranz, was das zukunftsorientierte Umdenken und das Aufbrechen veralteter Strukturen betrifft und fehlende Toleranz gegenüber Anfängern und Liebhabern. Über die Jahre frustrierte das nicht nur, sondern demotivierte immer wieder aufs Neue. Oft blieb der Spaß auf der Strecke.

 

Ganz anders schien das Klima im Club der Chabozüchter... Hier hatte ich schon weit vor meiner Mitgliedschaft das Gefühl, hier zieht alles an einem Strang. Modernes Denken und Handeln statt Jammern und Verharren. Hier bekam ich ohne große Umschweife (obwohl noch kein Mitglied) Tipps, Infos und vielversprechende Tiere für Freunde und Bekannte. Ausschlaggebend dem Club beizutreten war allerdings das Gefühl, dass Frau dort sowohl als ehrgeizige Züchterin als auch (zugegebenermaßen etwas verrückte) Liebhaberin ihrer Rassen willkommen ist. Hier wird versucht die Brücke vom Züchter zum Halter zu schlagen... ohne mit Vorurteilen behaftet zu sein. Eigentlich brachte es der letzte Rundblick 2015-1 mit seinen Artikeln „Neue Wege in Vereinen und Clubs“ sowie „Man(n) ist ängstlich“ so richtig auf den Punkt. Genau diese alten Muster wie oben angesprochen und noch mehr werden dort moniert. Ich finde mich dort zu 100 % wieder..., fühle mich sowohl als ernsthafte Züchterin als auch absolute Liebhaberin ihrer Rassen. Liebe es, mich auf Ausstellungen rum zu treiben, liebe den Austausch mit Gleichgesinnten ...

 

 

ABER... der Spaß steht bei mir im Vordergrund. Will nicht nur das Tier im Käfig begutachten. Will seinen Charakter kennen lernen. Will es im Garten beobachten, wie es seine Instinkte auslebt und sich wohlfühlt. Will es Anderen näher bringen, wie reizvoll es sein kann, diese Tiere zu halten. Dass ist mein Ausgleich und meine Freude am Hobby Rassegeflügelzucht. Das Eine muss doch das Andere nicht ausschließen... und genau das ist es, was mir der Club vermittelt... Ich für meinen Teil fühle mich hier von Anfang an gut aufgehoben und akzeptiert.

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei allen bedanken, die mich mit Rat, Tat und Tieren unterstützt und mir somit den Einstieg in die Chabozucht ermöglicht und erleichtert haben. Positiv zu erwähnen wäre natürlich noch der Austausch mit Lerneffekt inklusive auf der sehr lebendig gehaltenen Facebookseite. Außerdem unsere Gruppentreffen hier im Süden... Ich habe es sehr genossen, mich mit Gleichgesinnten zu treffen und den Geschichten Manfred Bartls zu lauschen...

 

Hoffe, es werden noch viele solcher Treffen folgen...

 

Conny Kellermann

 

 


Neues Buch aus bekannter Feder


 

 

Für viele von uns begann der Einstieg in die Farbgenetik der Tauben mit den ersten  Büchern von Prof. Dr. Axel Sell. Die heute vorzustellende Schrift richtet sich sowohl an genetisch Interessierte, die einen gründlichen Überblick über den aktuellen Wissensstand in der Taubengenetik erhalten wollen, als auch an den praktischen Taubenzüchter, der Erkenntnisse in der Zucht umsetzen möchte.

 

Taubenfärbungen haben von Beginn der Taubenhaltung an ein großes Interesse gefunden. Schon in den ersten Aufzeichnungen werden die unterschiedlichen Färbungen herausgestellt und in den Bildern alter Maler dokumentiert. Schon vor Jahrhunderten haben Züchter nach Zuchtstrategien gesucht, um Färbungen gezielt zu vermehren und zu verbessern. Nach Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze wurden  nach 1900 Haustauben für einige Jahrzehnte zu einem bedeutenden Forschungsobjekt an Universitäten und anderen Institutionen. Auch Taubenzüchter wurden motiviert, an diesem Entdeckungsprozess teilzunehmen und haben mit ihren Erkenntnissen zum heute vorhandenen Fundus an Wissen beigetragen. Damit lassen sich Zuchtziele schneller als früher erreichen und es muss nicht mehr so viel Zeit mit der Verfolgung unrealistischer Ziele verschwendet werden.

 

Der Verfasser dieses Buches ist kein Genetiker, der sich für Tauben interessiert, sondern seit Jugend an ein Taubenzüchter, der sich auch für Taubengenetik interessiert und die Literatur über Taubenzucht, Taubenrassen und Taubengenetik über Jahrzehnte verfolgt und gesammelt hat. In dieses Buch sind viele Beobachtungen aus der eigenen Zucht und aus bewussten Erbversuchen eingeflossen. Viele Informationen aus wissenschaftlichen Quellen, sowie Mitteilungen und Erfahrungen von Züchtern wurden ausgewertet, und so wurde dieses Buch auch geschrieben, um diesen Fundus an Wissen vor dem Vergessen zu bewahren und die Erinnerung an diejenigen wach zu halten, die am Entdeckungsprozess aktiv teilgenommen haben.

 

Im Buch „Genetik der Taubenfärbungen“ wird auf 384 Seiten und mit vielen Fotos der Weg zum heutigen Wissensstand aufgezeigt. Mehr unter: //www.taubensell.de/taubenfaerbungenbuch.htm


Remco de Koster

Tauben fliegen gerne!

Foto: Wilhelm Bauer
Foto: Wilhelm Bauer

 

Der Flug gehört zum Alltag der Tauben. Ohne Flug kein Taubenleben und Überleben. Die Taube ist dafür erstklassig ausgerüstet. Im Flug wirkt der Körper tropfenartig und ist stromlinienförmig – perfekt für einen schnellen Flug mit geringer Widerstandskraft! Ein langes Brustbein dient der Unterbringung von Flug- und Brustmuskulatur, auch ansonsten ist der Taubenkörper mit allen feinen Muskeln und Häuten auf die Flugbewegung abgestimmt. Selbstverständlich ist die Taube mit einem glatten und geschlossenen Gefieder dafür bestens gerüstet. Biegsame und geschlossene Flügelflächen eignen sich für schnelle Flüge, auch der Schwanz trägt dazu bei. Die Steuerfedern lenken den Flug und sorgen mit für eine Richtungsänderung. Sie verhindern, dass die Taube sich im Flug um die Querachse drehen würde, bremsen den Flug bei Bedarf und haben eine zusätzliche Hubwirkung.

Foto: Jörg Walter
Foto: Jörg Walter

Schnelle, kraftvolle Flügelschläge sorgen für eine hohe Geschwindigkeit. Diese hohe Leistung sorgt bei der Taube für ein hohes Atmungsvolumen, damit im Flug ausreichend Sauerstoff dem Körper zugeführt wird. Tauben haben eine hohe Körpertemperatur von zirka 41,4 Grad Celsius. Um diese im Flug zu halten, muss für eine ausreichende Wärmeabgabe gesorgt werden, die zu einem wesentlichen Teil über die unbefiederten Beine abläuft. Nackte Beine sind bei hoher Leistung bzw. Körpertemperatur von Vorteil. Bei kaltem Wetter werden die Beine während des Flugs eingezogen, und bei hoher Temperatur nach Bedarf gestreckt, so dass sie als Wärmeregulatoren wirken.

Foto: Remco de Koster
Foto: Remco de Koster
Für eine Kühlung des Körpers bei sehr hoher Leistung hilft nach dem Flug das Hecheln, so dass die Tauben nach intensivem Einsatz – gleich ob nun für kurze oder lange Dauer – mit geöffneten Schnäbeln auf dem Schlagdach ruhen. Auch stehen ihre Flügel für eine weitere Temperaturregulierung dann leicht ab. Für den Flug ist der Wärmehaushalt des Körpers sehr wichtig. Dazu gehört auch, dass die Taube regelmäßig trinkt. Tauben, die eine weite Strecke fliegen, müssen diese zur Wasseraufnahme gegebenenfalls unterbrechen. Die Tauben landen und können mittels Saugtrinken schnell Wasser aus einer Pfütze aufnehmen und nach kurzer Ruhe ihren Flug fortsetzen.

Teil 2:

Fotos oben und unten: Kjell Jungnickel
Fotos oben und unten: Kjell Jungnickel

Der Flug der Tauben lässt sich generell gut beobachten, und so fand der Mensch neben dem Nutzen der Tauben als Lieferanten für Fleisch und Dünger und als Überbringer von Botschaften auch Gefallen am Taubenflug. Er machte sich das zunutze, um daraus verschiedene Flugtauben zu gestalten.    Die Leistung an sich führte zu Rassen die extrem hoch fliegenoder zu Dauerfliegern wurden, Kunstflüge mit Purzel- und Rollbewegungen vorführen und nicht in wenigen Fällen auf der Basis der Balzflüge zu Rassen, die im Flug besonders mit den Flügeln klatschen, rudern und segeln. Mit vielen Rassen wurden einst Distanzflüge veranstaltet, so dass die Haustaube nicht nur Nutztier, sondern auch Sporttaube wurde. Keine dieser Sporttauben entwickelte sich derart spezialisiert wie die heutige Reisetaube, die auf Heimfindevermögen und dies kombiniert mit kurzen und weiten Strecken und vor allem Geschwindigkeit zu Höchstleistungen geführt hat.

Foto: Remco de Koster
Foto: Remco de Koster

Für viele Sportzüchter ist diese intensive Beschäftigung heute zu viel, so dass sie zu den Taubenrassen finden, die im Flugtraining weniger intensiv sind. An vielen Orten werden die Tauben in Schwärmen gejagt, u. a. am östlichen Mittelmeer. Hier finden die Tauben auf den Dächern ihrer Besitzer gute Bedingungen vor in einem trockenen Klima und mit leichtem Aufwind, so dass hier auch Tauben mit längeren Schwung- und Schwanzfedern, wie die Seglertauben, geflogen werden können.

In Europa entstanden vom Balkan bis zum Nordwesten kleinere Rassen, die in Hoch-, Dauer- und Kunstflug kombiniert wurden. Typische und bekannte Vertreter sind die Birmingham-Roller und die englischen Flugtippler. Je weiter man in östlicher Richtung blickt, umso mehr liegt die Wertschätzung auf dem Vorführen von Stilflügen und Flugfiguren, ob nun bei den türkischen Klatschtümmlern, den Nikolajewer Hochfliegern oder den vielen, sich im Senkrechtflug nach oben überschlagenden Tümmlern.

Foto: Dr. Uwe Oehm
Foto: Dr. Uwe Oehm

Im Südwesten Europas, auf der Iberischen Halbinsel, legten die Züchter Wert auf ausgeprägte Balzflüge, um – wie vielerorts in Europas – das Abfangen fremder Tauben zu vervollkommnen. Das Fangen fremder Tauben war oft Grundlage für die Taubenhaltung, das Optimieren der Leistung, zum Beispiel im Hoch- und Dauerfliegen, eine andere. Das alles hat zu einer enormen Diversität geführt. Die Grundlage für all diese Schwerpunkte im Flugverhalten der einzelnen Rassen sind dennoch die ursprünglichen und natürlichen Flugbewegungen der Taube.

Heute werden viele Tauben in Volieren gehalten. Das geht aufgrund veränderter gesellschaftlicher Werte und durch den Greifvogeldruck oft nicht mehr anders. Dabei ist der Flug für diese Tauben wichtig, um in Form zu bleiben – auch ohne außergewöhnliche Flugleistung. Im Freien (auf dem Schlagdach oder im Garten)  können die Tauben die Sonne genießen und beim wichtigen Putzen und Ordnen ihres Gefieders das Komfortverhalten ausleben. Hier finden sie mehr Freiheit und Individualdistanz, trotzdem suchen die Tauben die Nähe der Artgenossen und bleiben in der Gruppe.

Foto: Klaus Seifert
Foto: Klaus Seifert

Auch wenn die Tauben rund um den Taubenschlag wenig unterwegs sind, wird dennoch Energie verbraucht, und die Taube bekommt eine bessere Kondition. Sie beschäftigt sich intensiv mit ihrem Umfeld. Im Garten wird am Boden alles untersucht und angepickt, gebadet und geruht, das Sonnenbad auf dem Schlagdach dient dem Wohlbefinden, und aufmerksam schauen die Tauben nach oben, wenn dort eine Silhouette zu sehen ist; bald unterscheiden die Tauben zwischen der eines Greifvogels und etwa eines Reihers.


Günter Stach                   

 

Bepflanzung und Gestaltung von Ausläufen

 

Teil 1:

Obschon die Haustierwerdung der Tauben, Hühner, Gänse und Enten einige Jahrtausende zurückliegt, die der Trut- und Perlhühner sich jüngeren Datums vollzog, hat sich dieses Nutzgeflügel einige ihrer artspezifischen Eigenheiten bewahrt, die nach wie vor in ihrem Verhaltensrepertoire verankert geblieben sind.  So beispielsweise das Staubbaden, Scharren und nächtliche Aufbaumen  der Hühner. Sie dösen auch tagsüber gern im Geäst von Büschen und Bäumen – vorzugsweise im Schatten liegend auch darunter. Auf ihr ureigenes Naturell, das der wirklich „glücklichen Hühner“, wollen sie nämlich ganz und gar nicht verzichten. Darin unterscheidet  sich die Lebensweise des von uns gepflegten Geflügels  zu der in der Wirtschaftsgeflügelhaltung gravierend, wo in eingepferchten Haltungssystemen praktiziert, mit diesem Slogan unehrlich geworben wird. Selbst wenn der Auslauf auf so wohl gepriesener Bodenhaltung viel Freiheit vorsieht, sind die Mindestansprüche für das auf  reizlosen Bewegungsflächen gehaltene Nutzgeflügel  nicht einmal nur annähernd  erfüllt. 

 

Inwieweit der Bewegungstrieb von Hühnern sie neugierig in die Ferne schweifen lässt, unterliegt zunächst einmal ihrer Vorsicht gegenüber der zu erwartenden Gefahren. Hühner in neuen Ställen und ungewohnten Ausläufen hadern lange, sich ins Freie zu wagen. Wenn sie  zum ersten Mal  den Stall verlassen, inspizieren sie zunächst nur zögerlich das Vorfeld,   auf dem sie sich aufhalten. Es kann eine Zeitlang dauern, bis sie noch  dicht beieinander bleibend zu Ausflügen in die nächste Umgebung aufbrechen. Und Hühner, die sehr lange eingestallt waren, benötigen Tage, sich auf den scheinbar grenzenlosen Geländegegebenheiten zurechtzufinden. Nach ersten Erkundungen kehren sie sehr bald zurück. Je nach Jahreszeit wahrscheinlich auch getrieben von den ungewohnten Windverhältnissen und dem Temperaturempfinden.


Fotos: Günter Stach


 Teil 2:

 Der Mut der Hühner – bis die Auslaufentfernung zur Gewohnheit geworden ist – wird zum einen von der Bindung zum Stall (solange sie ihn sehen) und zum anderen von der Beschaffenheit/Gestaltung ihres Lebensraumes/Auslaufes  bestimmt. Große Freiflächen werden von Hühnern eher gemieden. Zu ihrem Schutz vor Feinden aus der Luft lieben sie deshalb ein Terrain mit Gruppen von Büschen und Bäumen, auch wenn sie dabei Umwege laufen müssen. Ausläufe, bestehend aus kahlen, pflanzenlosen Bodenflächen, die draußen jeden Aufenthalt öde und schutzlos erscheinen lassen, müssen in Kenntnis ihrer Bedürfnisse der Vergangenheit angehören. Schließlich führt Beschäftigungslosigkeit zum Verkümmern der Sinne, regt es die Artgenossen zum Federnpicken an! Wer die Geflügelhaltung oder in Fortsetzung die spannende Rassegeflügelzucht verantwortungsbewusst betreibt, wird es bei diesem Wissensstand nicht nur beim Unterbringen, Füttern und Tränken der Tiere belassen. Noch dazu es ausnahmslos Gesetz ist, ihnen ein artgerechtes Dasein zu gewähren. Sie werden es uns danken. Mit:  Vitalität, mit wunschgemäßen Leistungen also.  Wo diese  Erwartungen nicht erfüllt werden, kann die monotone  Umweltcharakteristik eine Ursache sein.

 

Wohlbefinden wird neben anderen Attributen  durch  abwechslungsreich angelegte Ausläufe gefördert. Deshalb dürfen  Unterschlupf- bzw. Rückzugmöglichkeiten nicht fehlen und es nicht an schattenspendenden Bäumen mangeln. Als Sicht- und Windschutz sogleich entlang der Zäune gepflanzt - das können zum Verzehr vitaminreiche Brennnesseln und Topinambur-Stauden und andere sein. Auch übliche Heckenpflanzen. Sie wirken auf die Tiere beruhigend und animieren zu gegebener Zeit  die Such- und Fresslust zu befriedigen.


Foto Chabo-Archiv
Foto Chabo-Archiv

Teil 3:

 

Bei der Wahl der Bepflanzung wird man die erreichbare Endwuchshöhe bedenken müssen. In dem in den Bundesländern wahrscheinlich nur gering voneinander abweichenden Nachbarrecht ist festgelegt, welche Abstände von Büschen und Bäumen zur Grundstückgrenze und deren Höhe – wegen der Beeinträchtigung des Lichteinfalles bzw. Wegnahme von Sonneneinwirkung – weder unter- noch überschritten werden dürfen. Sträucher wie Flieder, Hibiskus, Forsythie und andere im Abstand von 3 Metern gesetzt, sind sehr bald ähnlich hoch gewachsen. Holunder und Haselsträucher, Eberesche, sind des Weiteren geeignet, vor allem Obstbäume beliebt. Die Tiere werden sich später am Fallobst gütlich tun. Nicht selten suchen sie tagsüber auf den Zweigen der grünen Inseln im Auslauf ein Plätzchen zum Verweilen auf. Immergrünes Buschwerk (Kirschlorbeer) neben Nadelgehölzen verleiht Zuchtanlagen außerdem ein attraktives Aussehen.

 

Unterstände für Tränken, auch für Futtertröge und Mineralien, dürfen nicht fehlen, wo im Freien gefüttert wird. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ansehnlich dürften zwei zu einem Satteldach gegenüber gestellte Tafeln aus widerstandsfähigem Material wie behandeltes Holz, Blech und Kunststoff sein. Mit einem hölzernen First versehen, bietet er den Tieren eine willkommene Sitzmöglichkeit. Schattenspender in Form von Schirmen, Planen, Schilfmatten verhelfen zu Wohlbefinden; bei strenger Sonneneinstrahlung halten sie sich mit Vorliebe darunter auf. Unerlässlich für Hühnervögel ist die Bereitstellung eines Staubbades. An regengeschützter Stelle angelegt, kann es im Auslauf integriert werden. Ein solches dem Zufall überlassen, wo es die Tiere selbst auswählen – das werden sie ohnehin zusätzlich tun – wird bei ungünstigem Wetter nur zeitweise benutzbar sein.


Foto: Nawrotzky
Foto: Nawrotzky

 

Teil 4: 


Die Gestaltung der Ausläufe für das klassische Hühnergeflügel: Puten, Perlhühner, Hühner und Zwerghühner ist freilich abhängig von seiner Lage und Größe. Unschwer für Leute mit Geschick, in Anlehnung an natürlichen Beispielen orientiert, speziell Kleinbiotope nachahmend herzurichten. Das trifft im Übrigen auch für Wassergeflügel-Ausläufe zu. Und auch Tauben, wenn sie nicht den Freiflug genießen können, ziehen natürlich naturnah gestaltete Volieren stupiden und langweiligen Unterkünften vor. Besuche bei Zuchtfreunden, in Zoologischen Gärten und Tierparks geben Anregungen, sich solche Gestaltungswünsche zu erfüllen. Ohne großen Aufwand; die kostenlosen Angebote sind in der Natur reichlich vorhanden. Bedarf es im übertragenen Sinne doch nur einen Anschub zur Verwirklichung. Übrigens: Den Tieren zuliebe und: Rassegeflügelzucht soll bei unseren Mitmenschen Neugier auslösen – auch das ist ein vorgegebenes Satzungsziel unserer Organisation. Denn: Zuchtanlagen sind die Visitenkarte des Rassegeflügelzüchters!


Voraussetzung für natürlichen Rasen-, Pflanzen- und Baumwuchs sind substanziell geeignete Untergründe. Also Böden in aufbereiteter Qualität. Wo sie oberflächenwassermäßig  nur schwer durchlässig oder von Grund auf feucht sind, bedarf es einer Regulierung. In Bedarfsfällen ist der Rat eines Fachmannes sehr hilfreich. In der weiterführenden Literatur: „Geflügelställe und Ausläufe“ von Günter Stach;  Verlagshaus Oertel und Spörer, Reutlingen, ist diesem Thema zur Einführung ein besonderes Kapitel gewidmet, erfolgversprechende Ratschläge zu diesem Beitragsthema sind ebenfalls dort zu finden.


Foto: Lietzow - Naturfotografie
Foto: Lietzow - Naturfotografie


Erwin Sedlmeier, Teil 1


Schönheit zwischen Traum und Wirklichkeit

 

der Brünner Kröpfer

 

Europaclub verbindet Züchter und Rasse


Brünner Kröpfer können ausgezeichnet fliegen
Brünner Kröpfer können ausgezeichnet fliegen

 

Der Europaclub der Brünner Kröpfer-Züchter besteht nun im fünften Jahr.  Das grandiose "Feuerwerk", das die europäischen Brünnerzüchter 2010 in Essenbach gezündet hatten, war für viele Züchter der Höhepunkt ihrer Züchterlauf-bahnBetrachten wir  die letzten Jahre, so können wir feststellen, dass sich der Brünner Kröpfer nach wie vor in ganz Europa ungetrübter Beliebtheit erfreut. Diese Tatsache ist natürlich vor allem ein Verdienst der führenden Züchter, die mit ihren großartigen Leistungen Jahr für Jahr für Furore sorgen und damit immer wieder neue Züchter begeistern können. Nicht vergessen dürfen wir dabei aber die nationalen Clubvorstandschaften, die mit Akribie und vorzüglicher Arbeit ihre Mitglieder bei Laune und bei der Rasse halten.

 

Der Europavorsitzende Erwin Sedlmeier (rechts) mit seinem Stellvertreter Jiri Veltrusky (CZ)

 

Ehrenmitglied Anton Walter (links) mit dem Clubvorsitzenden Frank Böckenfeld
Ehrenmitglied Anton Walter (links) mit dem Clubvorsitzenden Frank Böckenfeld


Standards, die wegweisende Vorgabe.

 

Der Weg unseres Brünner Kröpfers war bis zur Gründung der nationalen Clubs sehr unterschiedlich. Der Kröpfer, der weit über 150 Jahre hinaus gezüchtet wird, ist anfangs, wie so viele andere Taubenrassen auch, regional sehr unterschiedlich gesehen und gezüchtet worden. Einen ersten Ansatz auf eine gleiche Sichtweise der Rasse konnte im Buch „Die Arten der Kropftaube“ nachgelesen werden. Der bekannte Taubenexperte und Buchautor Gustav Prütz beschrieb 1904 den Brünner Kröpfer. „Die Brünner Kropftaube ist nach Dietz in ihrer Vollkommenheit die kleinste und zierlichste aller Kropftauben-Arten. Ihr Körper soll bei hoch und aufrecht gestellter Haltung gestreckt und so schmal sein, dass man ihn mit der Hand umspannen kann“! Diese Aussage war eine erste Richtschnur für die Beurteilung unseres Kröpfers. Doch erst mit der Standardisierung in Deutschland im Jahre 1910 gab es klare Vorgaben über das angestrebte Ziel, über das Aussehen, über das Traumbild des Brünner Kröpfers. 

alte Postkarte
alte Postkarte


Das Erstaunliche dabei ist, dass die Urväter bei der ersten Erstellung des Stan-dards schon eine sehr genaue Vorstellung über das heutige Erscheinungsbild der Rasse hatten. Dies ist umso erstaunlicher, wenn wir uns vor Augen führen, wie der „Kröpfer“ damals in der Realität aussah. Der „Brünner“ war zu dieser Zeit eine breitstehende, kurzhalsige und sehr flüchtige Taube. Etwas Blaswerk, bei weitem nicht kugelförmig, zeigten nur die Täuber. Aus diesem Grunde ist es auch nicht verwunderlich, dass es eine geraume Zeit dauerte, bis sich wirklich etwas Entscheidendes im Aussehen tat. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen des 1961 verstorbenen Altmeisters Josef Erber, München, einem ausgemachten Kenner des Brünner Kröpfers in seiner Zeit, die 1954 veröffentlicht wurden. Nach seiner Aussage befand sich 1924 das Niveau der gezeigten Farbenschläge (egal ob einfarbig oder weißbindig) auf einem gleichmäßigen Qualitätsstand! Erst ab diesem Jahr, so Erber, änderte sich das Erscheinungsbild des Brünner Kröpfers gewaltig.


Freunde aus Ost und West vor 25 Jahren auf der Deutschen Brünnerschau in Nürnberg

Einen Riesenschritt vorwärts machte die Rasse mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Lockerung der europäischen Grenzen. Ein wesentlicher Meilenstein in der Geschichte des Brünner Kröpfers war die gemeinsame Erstellung des Europastandards für die Rasse im Jahre 2010. Unter der Federführung und mühevollen Kleinarbeit vom Ehrenvorsitzenden des deutschen Clubs, Wolfgang Schreiber, einigten sich die nationalen Vertreter der Rasse bzw. der Clubs auf einen gemeinsamen Standard in Europa. In diesem Zusammenhang ist besonders den verantwortlichen in Tschechien, namentlich dem Clubvorsitzenden Jiri Veltrusky, zu danken, die konstruktiv und loyal an der Erstellung mitgearbeitet haben. Mit diesem großartigen, gemeinsamen Standardwerk haben nun alle Züchter in Europa die gleichen Vorgaben, zur gleichen Sichtweise, bzw. zur gleichen Bewertung.

 

Teil 2:

Was wissen wir nun über diesen filigranen Kröpfer?


Wir wissen, dass die Herkunft unseres Brünner Kröpfers – lt. gültigem Standard – Böhmen und Mähren ist. In der Neufassung des Europastandards vom 3. März 2010 wird dem hinzugefügt, dass die Rasse schon Mitte des 19. Jahrhunderts von Sachsen aus in Deutschland verbreitet wurde. Unter Gesamteindruck können wir lesen, dass der Brünner Kröpfer der kleinste und zarteste der Kröpferrassen ist. Durch sein faszinierendes Temperament wirkt der Kröpfer sehr anziehend. Charakteristisch sind sein Treiben, das Verbeugen und Springen bei der Balz sowie das Stehen und Laufen auf den Zehenspitzen. Verlangt werden hoher Stand und aufrechte Haltung, Vorderpartie lang und schmal (im Verhältnis zur Hinterpartie etwa 2/3 zu 1/3). Die Flügel sind hoch angesetzt und die Schwingen über dem Bürzel gut gekreuzt. Rücken und Schwanz bilden eine gerade Linie. Der Kropf ist kugelförmig.



Eine  klasse Täubin von Maik Frank 

Frei fliegende Störche bei Friedl Struck auf Fuerteventura

Wenn wir diese knappen, aber klaren Vorgaben unseres Europa-Standards für unseren faszinierenden Kröpfer lesen, dann sollte man meinen, dass einer deckungsgleichen Bewertung nichts mehr im Wege steht. Die Realität zeigt bei den nationalen Clubschauen manchmal ein ganz anderes Bild. Dabei ist im Standard die Reihenfolge der Gewichtung bei der Bewertung vorgeben. Als erster und wichtigster Punkt ist hier der Gesamteindruck niedergeschrieben. Dem folgen Haltung, Zartheit, Hals- bzw. Vorderlänge und Blaswerk, Standhöhe und Beinstellung. Erst am Schluss finden wir Farbe und Zeichnung.

 

Wie muss ich diese einzelnen Punkte verstehen?


Betrachten wir zunächst den Gesamteindruck. Unter diesen Begriff fallen die wichtigsten Eigenschaften dieser Rasse, nämlich, dass der Brünner Kröpfer der kleinste und zarteste unter den Kröpferrassen ist, der sich stets temperamentvoll präsentiert. Was ist aber unter diesen Aussagen: „kleinste und zarteste“ zu verstehen? Ist es der Körper, die Figur, die gesamte Taube? Nun, alle drei müssen hier im Zusammenhang gesehen werden. Ohne zarten Körper, der auch schmal in den Schultern und im Flügelschild ist, gibt es keine filigrane Figur und damit keinen zarten Kröpfer. Verstärkt wird diese Feinheit der Figur, wenn die Flügelschilder schmal und  hoch angesetzt sind, und sich die Schwingen über dem Bürzel deutlich kreuzen. Enorm beeinflusst wird der Gesamteindruck durch die Proportionen von 2/3 Vorder- und 1/3 Hinterpartie. Gerade hier werden oft entscheidende Fehler bei der Beurteilung gemacht. Täubinnen, denen es an Hals- und Vorderlänge mangelt, können keine brauchbare Nachzucht bringen, ja sie führen zur Stagnation, zum Rückschritt. Aufgrund dieser Tatsache müssen hier die strengsten  Maßstäbe angelegt werden.


Ein schwarzer Kavalier von Mani Fuchs (+) 


Entscheidend für die richtige Beurteilung ist die aufrechte Haltung. Damit sind wir beim nächsten wichtigen Hauptrassemerkmal. Je nach Haltung des Kröpfers verändert sich nämlich die Vorderlänge. Zeigt sich der Kröpfer waagerecht, was bei paarigen Täubinnen sehr oft vorkommt, wirkt die Hinterpartie fast doppelt so lang. Andererseits steht der Kröpfer zu steil, besteht die Gefahr, dass er nach hinten weg kippt, oder – und das ist auch nicht schön – das Tier in den Fersengelenken durchdrückt. Um hier ein Fehlurteil auszuschließen, ist es zwingend erforderlich, den Kröpfer nach der Handbewertung in den Käfig laufen zu lassen. Dabei setze ich die zu bewertende Taube an der Käfigöffnung auf ihre Beine, halte sie kurz am Schwanzgefieder fest, bevor ich sie mit gurrendem Lockruf  in den Käfig laufen lasse. Bei guter Käfiggewöhnung wird sich das Täubchen mit fächerndem Schwanzgefieder ihrem Betrachter präsentieren. Bei dieser Aktion ist noch vieles mehr erkennbar. Ich erkenne sofort das Geschlecht, ob der Körper zart und ob eine optimale Flügellage vorhanden ist.

 

                                                                                   Silber ist im Kommen, hier eine Täubin von Ludwig Putz

Teil 3:


Ein weiteres Hauptrassemerkmal ist natürlich das Kugelblaswerk. Hier werden die meisten Fehlurteile gefällt. Viele unserer Zeitgenossen sehen oft nur das Blaswerk einer Taube, was ja grundsätzlich nicht falsch ist, wenn wir über eine Kropftaube sprechen. Beim Brünner Kröpfer ist dies aber ein wenig komplizierter, denn, wie wir vorher schon gelesen haben, ist die Figur bei der Betrachtung mit einzubinden. Natürlich hat eine kräftigere Taube auch mehr Kropfvolumen. Nur: Hier ist die Gesamtkomposition, die Harmonie der einzelnen Hauptrassemerkmale in Betracht zu ziehen. Ja, entscheidend ist der Einklang zwischen zartem Körper und markantem Kugelblaswerk. Letzteres muss von allen Seiten betrachtet rund sein, nicht auf den Schultern aufsitzen und es sollte in der Taille gut geschnürt sein, ohne, dass das Brustbein scharf hervortritt. Bei optimaler Ausprägung wirkt das Kugelblaswerk wie auf dem Rumpf schwebend. Merke dabei: Die zarte Figur mit feinem Kugelblaswerk ist dem großen Körper und einem großen Kugelblaswerk unbedingt vorzuziehen!


Kugelblaswerk in Perfektion hat dieser rote Täuber von Nick Davyd aus England









Für ein schönes, von allen Seiten rundes Blaswerk kommt es vor allem auf ein sehr deutlich ausgeprägtes Nackenblaswerk an. Bei guten Jungtieren zeigt sich das schon mit Beginn des Blasens, wie wir bei diesen beiden Jungtieren von Erwin Sedlmeier sehen.       

 

Nicht unwichtig sind die Standhöhe und die Beinstellung. Oft höre ich von Betrachtern, welche die Rasse nicht so genau kennen: „Dieser Täuber ist aber schon reichlich groß!“ Ein Urteil, das schnell gefällt ist, aber genauso schnell falsch sein kann, denn es gibt heute schon Brünner Kröpfer, die einen enorm hohen Stand aufweisen und trotzdem im Körper sehr zart sind. Wichtig ist hier, dass sich der hoch geforderte Stand durch eine parallele Beinstellung auszeichnet. Die Beine müssen dabei fließend aus dem Körper kommen und in den Fersen leicht gewinkelt sein. Tiere mit stark vorgebogenen Schenkeln (Froschschenkel), die bodenbreit, mit X-Beinen oder mit durchgedrückten Fersengelenken im Käfig stehen, sind rigoros zurückzusetzen. Ein besonderes Problem gibt es beim Brünner Kröpfer hinsichtlich der Zehenspreizung. Aufgrund der anatomischen Zusammenhänge hinsichtlich der Länge von Lauf und Zehen, kommt es nicht selten vor, dass bei kalten Schauen, die langen, feingliedrigen Zehen nur schwach durchblutet sind. Dies hat zur Folge, dass die Zehen nicht optimal gespreizt werden, was zu Punktabzügen führen muss, wenn sich die Zehen berühren. Aber Vorsicht: Der Brünner Kröpfer sollte – und das ist ein Rassemerkmal – auf den Zehenspitzen balzen und treiben und nicht plattfüßig im Käfig stehen. Keine Rücksicht ist bei untergelegten Zehen zu nehmen.

Auch Standhöhe und auf den Zehenspitzen balzen zeigen Nicks Brünner, hier eine gelbe Täubin. 

 

Ein besonderes Rassemerkmal ist das unbändige Temperament des Brünner Kröpfers.

Besonders elegant wirkt der Brünner Kröpfer mit gepflegtem, straff anliegendem Gefieder an Körper und Schenkeln. Lockeres Kropf- und Schenkelgefieder ist genauso entwertend, wie nackte Innenschenkel. 

Teil 4:

Blick auf die Farbenschläge

Ein blauer Prachtkerl
Ein blauer Prachtkerl


Kommen wir jetzt zu den Farben und zur Zeichnung. Der Brünner Kröpfer ist – nach dem nun auch noch die Störche in blau anerkannt sind – mit 46 verschiedenen Farb- und Zeichnungs-varianten überreich gesegnet. Wir unterscheiden in Einfarbig, Weißbindig, Getigert, Gestorcht, Geherzt, Geganselt und Schimmel. Grundsätzlich rangieren bei der Bewertung die Farbe und Zeichnung relativ weit unten in der Skala. Klar sollte auch sein, dass bei so vielen Varianten sich nicht alle auf dem gleich hohen Level befinden. Farbenschläge, die sich besonders hoch in der Züchtergunst stehen, sind naturgemäß auch in den Hauptrassenmerkmalen besser durchgezüchtet. Dies hat zur Folge, dass bei diesen Farbvarianten auch ein höherer Maßstab angelegt werden muss. Wenn heute  ein Weißer nicht die Schwingen über den Bürzel kreuzt, dann kann er keine 93 Punkte erhalten. Gleiches gilt bei Schwarzen, wenn der Augenrand zu hell ist. Hochfeine Figurenvertreter sehen wir heute laufend bei den Gelben. Aufgrund dieser Tatsache ist die Farbe ein wichtiger Entscheidungsfaktor bei der Bewertung geworden. Diese tolle Figur sehen wir wiederum bei den Weißbindigen und Geganselten nicht. Hier müssen eben Zugeständnisse diesbezüglich gemacht werden, was aber voraussetzt, dass der amtierende Preisrichter auch den Zuchtstand der einzelnen Farbenschläge kennt – das ist bei der Vielzahl gar nicht so einfach.

Gehen wir intensiver auf die einzelnen Variationen ein: 

 



Die Weißen haben sich in allen europäischen Clubs wunderbar verbreitet. Die Spitzentiere sind elfengleiche Wesen. Schon Nuancen führen bei ihnen zu Punktabzügen. Auch die Schwarzen sind markante Typen und  haben einen großen Liebhaberkreis. Manchmal wirken sie aber schon zu groß für die Rasse. Noch feiner in Figur müssen die Andalusierfarbigen werden. Viel züchterische Arbeit gibt es auch noch bei den Silbernen, obwohl sie sich Jahr für Jahr etwas verbessern. Klasse haben sich die Roten gemacht. Die figürlich Besten haben ein sattes Rot mit glattem Gefieder. In weiten Teilen Europas werden die Gelben mit enorm feiner Figur gezeigt. Ihr Verbesserungspotential liegt in der Farbe. Viele Züchter haben auch die Blauen mit schwarzen Binden. Ihr Sorgenbereich ist nach wie vor  die Zartheit. Gleiches gilt für die Blaufahlen mit dunklen Binden. Rückläufig ist die Züchterschar bei den Rot- und Gelbfahlen, obwohl sie mit ihrer wunderbaren Pastellfarbe sehr anziehend wirken. Gut angenommen werden die relativ jungen Farbschläge der Gehämmerten. Zu verbessern ist neben dem Typ, die Klarheit der Farbe und Hämmerung. 

Neu in der Farbpalette: 1,0 balugehämmert von Rüdiger Schmidt

Bilder bitte anklicken!

1,0 blaufahl, Lothar Müller    1,0 rotfahl, Jörg Walter 1,0 andalusierfarbig, Martin Wolf   0,1 gelbfahl, Jörg Walter


Teil 5:


Obwohl sie zu den ursprünglichen Farbenschlägen des Brünner Kröpfers gehören, werden die Weißbindigen leider immer weniger. Wer eine Herausforderung sucht, der könnte hier ein breites Betätigungsfeld vorfinden. Die Besten finden wir bei den Blauen mit weißen Binden und bei den Isabellen

      0,1 schwarz m.w.Bd              0,1 gelb m.w.Bd.                 0,1 blau m.w.Bd.                  1.0 isabell

            Jörg Walter                           Peter Rogner                       Günter Dietze                       Jörg Walter

                       

Anders sieht es bei den Getigerten aus. Sie profitieren seit jeher davon, dass sie meist mit den jeweiligen Einfarbigen gezüchtet werden. Die Gestorchten sind ebenfalls eine der Traditionszeichnungen der Rasse. Auch sie sind äußerst abhängig von einigen wenigen Unentwegten, die sich ihrer angenommen haben und sie zu beachtlicher Qualität geführt haben.

     1,0 schwarzgetigert           0,1 gelbgetigert                     0,1 rotgestorcht                   0,1 gelbgestorcht

           Fritz Kleine                        Helmut Fahl                          Friedl Struck                         Friedl Struck


Unglaublich gut angenommen wurden in Europa die Geherzten. Sie stellen zwischenzeitlich fast die größte Farbvariante bei Clubschauen. Dementsprechend hoch ist auch der Zuchtstand in dieser Zeichnungsvariante.  Heraus ragen die Schwarz-, Rot-, Blau- und Blaufahlgeherzten. Etwas eingebrochen sind die Geganselten in der Qualität obwohl es immer wieder einzelne Perlen bei den Blau- und Schwarzgeganselten gibt. Die Fördermaßnahmen haben offensichtlich nicht so gegriffen, wie es sich die Verantwortlichen in den Clubs vorgestellt haben. Subventionen haben eben nur kurzfristige Wirkung.

      0,1 schwarzgeherzt               0,1 rotgeherzt                     0,1 blaugeganselt           0,1 blaufahlgeganselt

            Erwin Sedlmeier                    Josef Wetzel                        David Laurenz                 Lothar Müller


Sehr gut angekommen sind dagegen die vier Schimmel-Varianten. Sie finden sicher weitere Züchter, die ihnen in der Zukunft noch mehr Zartheit anzüchten. 

     0,1 blauschimmel           0,1 blaufahlschimmel            0,1 gelbfahlschimmel           1,0 rotfahlschimmel

           Manfred Müller                Herbert Flohr                        Udo Chocholaty                    Herbert Flohr


AOC-Brünner in A und B

AOC-B Täubin von Rudi Baswald, nur der Typ zählt
AOC-B Täubin von Rudi Baswald, nur der Typ zählt



Mit der Zulassung der AOC – Klasse („All other colors“ – was auf Deutsch bedeutet: „alle anderen Farben“), durch den BDRG im Jahre 2000, kam ein neues belebendes Element in die Ausstellung. Diese neue Klasse ist meines Erachtens von großer Bedeutung. Hier können  genetisch wertvolle Tiere der Öffentlichkeit vorgeführt werden. Für viele Sondervereine ist die AOC-Klasse aber nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Das gilt nicht für unsere nationalen  Brünner-Clubs, denn wie so oft, waren die Brünnerleute ihrer Zeit voraus und hatten die AOC - Klasse schon vor der offiziellen Zulassung bei reinen Brünnerschauen praktiziert. Die Verantwortlichen erkannten den Wert dieser Klasse schon in den 90er Jahren. Sie erkannten auch, dass diese Klasse einer Unterteilung in zwei verschiedene Gruppen  bedarf. Das wurde vom Zucht- und Anerkennungs-Ausschuss des BDRG und von der ESKT (Europäische Standard-Kommission für Tauben in der EE) 2005 übernommen, leider nicht von allen nationalen Verbänden. Diese Kommission hat am 6. Mai 2005 in Mondorf les Bains in Luxemburg beschlossen:

 

In der Abteilung Rassetauben kann auf nationalen Großschauen und Sonderschauen, hinter der jeweiligen Rasse eine AOC-Klasse angeschlossen werden. Diese Klasse beinhaltet zwei untergruppierte Sonderklassen:

 

A)    Rassetauben mit nicht für diese Rasse anerkannten Farben (hier wird bei der Bewertung auch die Farbe beurteilt).

B)    Rassetauben mit nicht spezifizierten Farben, Zeichnungen und Scheckungsmustern (hier wird ausschließlich der Typ bewertet).

 

Entscheidend ist aber die Klasse „B“. Hier können die früher verborgen gebliebenen „Übertypen“ ohne Rücksicht auf Farbe, Zeichnung oder Augenfarbe vorgestellt werden. Nicht selten finden sich für diese faszinierenden Kreationen neue Liebhaber, die mit diesen Tieren weitere Zeichen in der Entwicklung des Brünner Kröpfers setzen. 


                          Brünner machen in jeder Größe Spaß, hier mit Michael van Onnas Töchterchen

Sicher hat der Brünner Kröpfer durch die vorzügliche Zusammenarbeit der Züchter in Europa immens an Ausstrahlung gewonnen. Gemeinsame Ausstellungen der nationalen und des europäischen Brünnerclubs, bei denen die Brünner Kröpfer nach einem gemeinsamen Standard von einem internationalen Kollegium beurteilt werden, fördern die Rasse ungemein. Trotzdem dürfen wir auf dem Erreichten nicht stehen bleiben – Stillstand ist Rückschritt! Dies bedarf aber weiterhin der Arbeit vieler Hände und Toleranz vieler Züchter. Dazu ist es notwendig, dass wir uns immer wieder hinterfragen: Sind wir wirklich auf dem richtigen Weg? Tun wir genügend für die Rasse und deren Züchter? Dies gelingt nicht immer. Doch viele Probleme lösen sich bereits dadurch, dass sie nicht als Probleme betrachtet werden. Oftmals ist es nur ein kleiner Gedankensprung, der ein halb leeres Glas zu einem halb vollen macht. Allzeit schöne Brünner Kröpfer, und dies nicht nur im Traum, sondern in der Wirklichkeit, wünscht im Januar 2015

 

Erwin Sedlmeier

1.Vorsitzender des Europaclubs der Brünner-Kröpfer-Züchter

 

 

 



Der BDRG-eigene Wissenschaftliche Geflügelhof und JUWIRA,

der Förderverein wissenschaftlicher Projekte

JUVIRA-Vorstandschaft: v. re.: Horst Kramer, Ralf Kramer, Karl Stratmann, Erwin Loos, Günter Stach
JUVIRA-Vorstandschaft: v. re.: Horst Kramer, Ralf Kramer, Karl Stratmann, Erwin Loos, Günter Stach

Der Wissenschaftliche Geflügelhof (WGH) erfreut sich seit seinem Bestehen  (2004) über Deutschland hinaus weltweiter Anerkennung. Das integrierte Bruno-Dürigen-Institut als sein geistiges Zentrum ist auf dem Gebiet der Rassegeflügelforschung mit seinen großartigen Studienergebnissen  in aller Munde. Ein Merkmal, das unseren Dachverband, den BDRG, in besonderer Weise auszeichnet. Der BDRG sind wir, alle seine Mitglieder, die in den Ortsvereinen und Fachverbänden organisiert sind – eben: organisiert Rassegeflügel züchten.

 


JUWIRA – der Förderverein junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Rassegeflügelforschung e.V. ist sein zweites Standbein. Seine Mitglieder sind der BDRG, der Schweizer Rassegeflügel- und Schweizer-Taubenzuchtverband, die deutschen Landes-, sowie Kreis- und Fachverbände, Firmen und in der Überzahl Privatpersonen. Nach Prüfung und Empfehlung durch das JUWIRA-Vorstandsteam in Übereinstimmung mit einem wissenschaftlichen Experten-Gremium – beide unentgeltlich tätig - werden spendenbescheinigungswürdige Mitgliedsbeiträge dafür aufgewendet, wissenschaftliche Geräte und Instrumente anzuschaffen.

 


Forschung am Tier ist Forschung für das Tier – ist die grundsätzliche Maxime, der sich  WGH und JUWIRA verschrieben haben. Aus der Not geboren, war es notwendig geworden, zur Abwehr von massiven Bedrohungen und sogar Verboten von Geflügelrassen diese Institutionen ins Leben zu rufen. Parallel zur  JUWIRA-Mitglieder-Werbung macht der WGH mit öffentlichen Veranstaltungen auf sich aufmerksam. Ein attraktives Ausflugsziel für Vereine und Interessengemeinschaften ist er allemal empfehlenswert; seine Stallungen und Ausläufe sind demonstrative Vorbilder, die sich anbieten, sie nachzuahmen. Bei rechtzeitiger Kontaktaufnahme mit der wissenschaftlichen Leitung sind Terminvereinbarungen  möglich.   

Günter Stach  

Kontaktadressen :

 

Wissenschaftlicher

Geflügelhof des BDRG                   

Bruno-Dürigen-Institut

Am Landwirtschaftsmuseum  10

Telefon  : 02183 – 414115    

Telefax : 02183 -414710

E-Mail :   

team@wissenschaftlicher-gefluegelhof.de

Internet:   

www.wissenschaftlicher-gefluegelhof.de 

 

JUWIRA  -  www.juwira.de

Karl Stratmann; Tel. 05245 - 12283

E-Mail :  stratmann@vzv.de

 

Günter Stach;  Tel. 07084 - 6198

E-Mail :  tauben-stach@t-online.de

 

 

 

Dick Hamer

 

Weltenbummler in Sachen Tauben

 

 

Der Niederländer Dick Hamer, Weltenbummler und international gefragter Preisrichter hat uns von einer Reise mit Richterauftrag nach Annam und Umgebung jede Menge Fotos geschickt. Wie in allen Ländern dieser Region lieben die Jordanier ihre Tauben, die Rennpferde der einfachen Bevölkerung. In lockerer Reihenfolge werden wir die Fotos hier zeigen. 

 

Herrliche Taubentürme, besetzt mit Tauben, zeugen von der Liebe zu den gefiederten Freunden.

 

 

 

ÄHRENTRÄGERPFAUEN

 

Ein Jahr in ihrem natürlichen Lebensraum

 

Text und Fotos: Friedrich Esser, Thailand

Quelle: Geflügelzeitung 10/2013 

"Ich bin der Größte!" (Pavo muticus muticus Java)
"Ich bin der Größte!" (Pavo muticus muticus Java)

Ährenträgerpfauen gelten als scharfäugige, scheue Dschungelbewohner, ihnen entgeht nichts, was in ihrem Umfeld geschieht. Meine Beobachtungen in Thailand habe ich zu 90 % nur aus Tarneinrichtungen heraus tätigen können. Auch habe ich die Tiere dafür über einen langen Zeitraum an bestimmte Futterplätze gewöhnt, die ich an Wildwechseln angelegt hatte, denn der Pfau ist ein Gewohnheitstier und sehr standorttreu.

 

Pavo muticus imperator, Thailand
Pavo muticus imperator, Thailand

Es ist Mitte März und drückend heiß, die Tagestemperaturen betragen zu dieser sehr trockenen Jahreszeit um die 35°C. Selbst in der Nacht sind es in der Regel 20 bis 30°C. An einem Berghang unterhalb eines aus dem Boden ragenden Steines hat eine Pfauhenne vor zwei Wochen in einer kleinen Mulde, die sie mit den Füßen ausgescharrt und mit einigen trockenen Grashalmen ausgepolstert hatte, ihre Eier abgelegt. Fünf Stück an der Zahl, jeweils alle zwei Tage in den Nachmit-tagsstunden. In der natur bestehen die Gelege aus drei bis maximal fünf Eiern. Die Henne bebrütet die Eier rund 28 Tage lang bis die Jungen schlüpfen. Sie verlässt ihr Nest nur kurz zur Wasser- und Nahrungsaufnah-me. Die ersten Jungtiere schlüpfen Ende März, Anfang April. Die erst Eiablage der Pfauhenne erfolgt in der Regel ab dem zweiten Jahr. Kurz nach dem Schlupf, zumeist innerhalb von 24 Stunden, verlässt die Henne mit ihren Küken das Nest und begibt sich mit ihnen auf Nahrungssuche. Während dieser ersten Tage sind die Küken extrem gefährdet, da sie noch kein Feindbild haben und erst ab dem 2. bis 5. Tag auf niedrigem Strauchwerk aufbaumen. Ab dem 5. Tag sind die Küken in der Lage 2 m hoch zu fliegen.

 

Die Nahrung der Jungpfauen besteht aus allerlei kleinen Insekten und unreifen Sämereien, die sie vom Schnabel ihrer Mutter  hingereicht bekommen. Sie gibt dabei einen leisen Lockruf von sich, die Küken lernen so, was für sie genießbar ist und was nicht. Die Henne führt die Küken auf die ihr altbekannten Wege durch die Vegetation der Wälder, Fluss- und Seeuferregionen. Nach einigen Tagen schließt sie sich meist mit einer anderen Kükenführenden Henne zusammen. Bei den meisten älteren Hennen liegen die Brutzeiten zeitlich nahe beieinander, so dass im Beobachtungsgebiet innerhalb von drei Wochen bei fünf Hennen die Küken schlüpften. Bei der Nahrungsaufnahme halten sie jedoch immer einen gewissen Abstand zueinander ein. Die Rangordnung der Hennen untereinander wird sehr schnell an die Küken weitergegeben. So sind die Küken einer im Rang hohen Henne auch einen Rang höher gegenüber gleichaltrigen Artgenossen.

 

Henne mit Wüchslingen (Pavo muticus imperator Thailand)
Henne mit Wüchslingen (Pavo muticus imperator Thailand)

Die Revierhähne sind am eigentlichen Brutgeschäft nicht beteiligt. Sie fliegen im Gleitflug oft lautlos noch im Morgengrauen von ihren Schlafplätzen zur Erde und begeben sich dann zur Wasserraufnahme, picken hier und dort ein wenig, bevor sie an einem ihrer Balzplätze eintreffen und dort erst einmal ein weithin hörbares kooohoo, kooohoo ho ho ho ho von sich geben. Oder ein waao waao beides signalisiert: „Dieses Revier ist besetzt“. Den noch nicht zur Brut geschrittenen Hennen weist es den Weg zu den geschlechtsreifen Hähnen. Vom frühmorgens bis zur Dämmerung sind die Hennen mit ihren Küken unterwegs. Immer auf der Suche nach Nahrung verharren sie nie zu lange an einem Ort; nur in den Ruhephasen der heißen Mittagsstunden suchen sie oft einen Bambushain auf und nehmen dort ausgiebige Sandbäder.

 

Auf ihren Wanderungen durchstreifen sie die Gebiete vieler Revierhähne, die sie oft an der Reviergrenze sozusagen abholen und mit ihnen gemeinsam das Revier auf der Suche nach Fressbarem durchstreifen. Die Althähne stellen dabei auch ihr buntes Rad zur Schau, wobei sie bei den Jungtieren viele Nachahmer finden – ob Hähnchen oder Hennchen, alle beteiligen sich, mit Ausnahme der Althenne. Manchmal stehen die Althähne etwas abseits und sichern das Gelände. Ich habe jedoch nie beobachten können, dass ein Hahn sich direkt an der Aufzucht beteiligt, oder Jungtiere der Henne des Vorjahres betreut, wie in manchen Foren zu lesen ist. Die Jungtiere des Vorjahres habe ich nicht bei solchen Verbänden gesehen, sie durchstreifen alleine oder in Trupps zumeist für sie unbekannte Gebiete.

 

Aufbaumender Hahn (Pavo muticus imperator Thailand)
Aufbaumender Hahn (Pavo muticus imperator Thailand)

 

Die Hennen beginnen während dieser Phase der Aufzucht mit der Mauser, bei den meisten Hähnen setzt sie auf dem Höhepunkt der Balz mit dem Wechsel der hellbraunen Federn der Handschwingen schon im Februar ein. Solange es genügend Nahrung, Wasser und keine Störungen von außen gibt, benut-zen Pfauen mit einer gewissen Regelmä-ßigkeit die von ihnen selbst vorgegebenen Wege. So werden auch Schlafplätze, beson-ders die von Hähnen über Jahre benutzt. Werden sie dort während der Nachtruhe gestört, verlassen sie ihn für eine Zeit und suchen einen anderen auf. Später kehren sie zu ihrem alten Schlafplatz zurück.

 

Die Hennen benutzen oft mehrere Schlafplätze, da sie ja nicht wie die Hähne an ein bestimmtes Revier gebunden sind. Sie brauchen oft zwei Tage, um eine Runde auf ihrem Wildwechsel zu drehen. Ich habe solche Verbände beobachten können,die fünf verschiedene Reviere durchquerten, und sie waren überall gut angesehen. Ob sich die Hennen von mehreren Hähnen vor ihrer Eiablage treten lassen, müsste einmal an Hand einer DNA-Untersuchung festgestellt werden, denkbar ist es.

Im Laufe des ersten Monats ihres Daseins, etwa von März bis Juni gibt es immer wieder Verluste unter den Küken durch Schlangen, Wildkatzen und Raubvögel. Beim Angriff eines Adlers, den ich einmal beobachten konnte, stießen die Hennen ein weit hörbares tok tok tok krrrok krroh hoh hoh hoh als Warnruf aus und verschwanden mit ihren Jungen im dichten Unterholz. So bleiben zumeist von fünf geschlüpften Küken, in Habitaten, die noch von allen Wildarten bewohnt werden, ein bis drei übrig. Dort, wo der Mensch die Landschaft durch Kulturland geprägt und viele Fressfeinde ausgerottet hat, sieht man auch schon einmal, aber sehr selten, eine Henne, die fünf Küken bis ins Erwachsenenalter führt.

 

Mit zunehmendem Alter der Jungtiere werden auch die Eiweißportionen größer, die gefressen werden. So finden sich auch Frösche, Schnecken, Eidechsen und kleine Schlangen auf dem Speiseplan, die oft als Ganzes verschluckt werden. Die Dunghaufen der Banteng-Rinder werden regelmäßig nach Käfern untersucht. An Obst werden Bananen, Mangos, die Frucht des Jackobaums, Früchte von Schlingpflanzen und vieles mehr gefressen, an Grünpflanzen Gras, Klee und viele Blätter der verschiedensten Pflanzen. Reife und unreife Samen von den verschiedensten Gräsern werden mühevoll von den Rispen gestreift und auf den Feldern der Farmer werden Mais, Reis, Bohnen und Erdnüsse fast in Teamarbeit geerntet. Man kann fast sagen, der Pfau ist ein Allesfresser, denn so vielseitig ist seine Ernährung. Etwa ab Juli sind die Verluste unter den jungen Pfauen geringer und sie haben viel gelernt, was Nahrung, Feinde und Sozialverhalten betrifft.

 

Pavo muticus muticus Java
Pavo muticus muticus Java

Die Hähne verbringen zumeist am Morgen viel Zeit mit der Gefiederpflege. Es ist schon eingroßer Arbeitsaufwand die langen Oberrückenfedern zu trocknen und in Form zu bringen; hierbei sieht man sie schon auch mal in der Sonne, die ansonsten gemieden wird. Sie durchwandern ihr Gebiet und verweilen an bestimmten Punkten, ich nenne sie mal Balzplätze, längere Zeit. Sehr lautlos kommen sie an und sichern nach allen Seiten. Ist für sie augenscheinlich keine Gefahr vorhanden, geben sie das bekannte koohoo koohoo koohoo von sich, auf dem Höhepunkt der Brutzeit oft nur ein waao waao waao. Auch stellen sie dabei ihr Rad zur Schau, obwohl weit und breit keine Henne für mich sichtbar war.

 

Ab Mitte Mai, bei einigen auch ein paar Wochen später, verlieren die Hähne fast innerhalb von zwei Wochen ihre gesamte Schleppe. Zumeist setzt dann auch die Regenzeit ein. Im Juli/August sieht man die Hähne kaum. Es ist, als würden sie sich bewusst zurückhalten oder verstecken. Es ist für sie sicher von Vorteil in der Regenzeit ohne das schwere nasse Gefieder sich im jetzt dichten Unterholz und Grünzeug zu bewegen. Rufe von ihnen konnte ich während dieser Zeit nicht vernehmen, höchstens hier und da einmal einige Warnrufe. So vergehen die Tage bis Ende Oktober. Ein Großteil des Gefieders ist dann erneuert und das sonst lange Oberrückengefieder hat auch schon wieder eine ansehnliche Länge von einem Meter und mehr erreicht. Ab jetzt sind in den Abendstunden wieder vereinzelte Rufe zu hören, und auch die Kämpfe um die Reviergrenzen entfachen von neuem.

 

Henne mit fast ausgewachsenen Jungvögeln (Pavo muticus imperator Thailand)
Henne mit fast ausgewachsenen Jungvögeln (Pavo muticus imperator Thailand)

Die Jungtiere haben jetzt schon die Größe der Hennen erreicht und sind von weitem nicht mehr von der Mutter zu unterscheiden. Einige Merkmale möchte ich jedoch aufführen: Die Haut der unbefiederten Gesichtsteile ist orange und ändert sich erst im zweiten Lebensjahr, die Ähren sind kürzer, die Junghähne sind etwas hochbeiniger und ihr Flügelgefieder ist nicht so leuchtend, wie das der Hennen.

 

Es sind jetzt auch des Öfteren größere Verbände zu beobachten, die gemeinsam ergiebige Futterstellen aufsuchen, wie Reis- oder Maisfelder.Ab Mitte November, die Regenzeit ist vorbei, wird die Balz der Hähne intensiver, die Rufe nehmen noch mehr zu, auch in der Nacht sind sie zu hören. Auf den Kulturflächen kann man jetzt, wenn man genügend Ausdauer und Geduld mitbringt, große Familienverbände beobachten, sogar mit mehreren balzenden Hähnen. Ich habe an solchen Plätzen schon 30 und mehr Hennen mit ihren Jungtieren und drei bis vier adulten Hähnen beobachten können. Auch überjährige Hähne gesellen sich dazu, die man sonst fast nicht zu sehen bekommt und hier etwas abseits von der Gruppe geduldet sind. Kleine und größere Rangeleien um die Rangordnung werden bei solchen Zusammenkünften immer mal wieder ausgefochten.   

 

Größere Gruppe auf Futtersuche (Pavo muticus imperator Thailand)
Größere Gruppe auf Futtersuche (Pavo muticus imperator Thailand)

Im Dezember und Januar gehen die Temperaturen herunter, oft sind es nur 7°C in der Nacht. Die Tagestemperaturen steigen jedoch auf 25 bis 32°C, je nach Höhenlage. Die Gräser sind mittlerweile verdorrt und das Nahrungsangebot geht zurück. Vermehrt werden die Felder der Farmer heimgesucht und mancher Pfau wird Opfer seines Hungers. Obwohl er in vielen asiatischen Ländern als Staatssymbol gilt und auch eine religiöse Rolle spielt, werden viele vergiftet oder bejagt und gegessen.

 

Ende Januar/Mitte Februar sind die Tage der Familienverbände gezählt. Die Hennen verweilen jetzt bewusst länger auf den Plätzen der Hähne, denn ab dieser Zeit dulden diese keine Jungtiere mehr in der Nähe der Mütter. Das ist für die Jungtiere die schlimmste Zeit des Lebens, denn jetzt sind sie auf sich alleine gestellt, zwar gut gerüstet für ihr zukünftiges Leben, aber ohne die Fürsorge der Mutter – sie leiden sehr. Wenn man sie sieht, rennen sie oft planlos umher, und besonders Einzeltiere haben es jetzt schwer. Nach einigen Tagen schließen sie sich zu kleinen Gruppen zusammen und erkunden neues Territorium. Erst jetzt haben die Hennen die Möglichkeit, auf die Suche nach einem Nistplatz und zur Eiablage zu gehen. Einen Tretakt konnte ich in freier Natur nie beobachten.

... und wieder beginnt das beeindruckende Schauspiel der Balz (Pavo imperator Thailand)
... und wieder beginnt das beeindruckende Schauspiel der Balz (Pavo imperator Thailand)

Das Jahr endet hier und der Kreis schließt sich. Ich habe aber noch einige Gedanken dazu. Wie weit sich die Jungen nach den Attacken der Hähne entfernen, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. In einem der Gebiete, das ich über Jahre beobachtet habe, ist die Anzahl der Revierhähne und Hennen über drei Jahre gleich geblieben. Von den dort jährlich gezüchteten ca. 20 Jungtieren habe ich nach den Attacken später keine mehr gesehen. Selbst keine zweijährigen Hähne, dafür war vielleicht das Gebiet zu klein, und sie sind alle abgewandert, was auch einer gewissen Inzucht vorbeugen würde. Brut und Mauser sind von der Regenzeit abhängig und sind gebietsweise verschieden. Die Hähne nehmen bis zu einem Alter von sechs bis sieben Jahren an Schönheit zu. Konkrete Angaben über eine Reviergröße kann ich nicht machen, da sie von äußeren Umständen abhängt. In der Regel konnte ich von meinen Beobachtungspunkten mehrere rufende Hähne feststellen. Auch Hennen geben gelegentlich das koohoo koohoo hoo hoo von sich. Es ist nicht nur den Hähnen vorbehalten, aber es ist sehr selten zu hören und in einer anderen Tonlage.

 

Ich habe mit dem Beitrag versucht einen kleinen Einblick über das Leben der grünen Pfauen in der Natur zu vermitteln und hoffe, dass es für Sie interessant war.

Friedrich Esser.

 

 

                                    Über den Autor

 

Friedrich Esser wurde 1956 in der Nähe von Köln geboren und hat bis 2008 dort gelebt. Seit seiner Kindheit züchtet er  u. a. Fasane, Wachteln, Pfauen und Tauben. Seit dem Frühjahr 2008 lebt er in Chiang Mai, im Norden Thailands. Dort hat er ab 2009 eine Erhaltungszuchtanlage für Ährenträgerpfauen aufgebaut. Ziel dieser Anlage ist es, eine blutsfremde Gefangenschaftspopulation auf-zubauen und Nachzuchten an erfahrene Züchter weiter zu geben, vor allem auch zur Blutauffrischung für die Bestände in Europa und Übersee. 2011 erfolgte erstmals ein Export von Nachzuchttieren nach Deutsch-land, im Jahre 2012 folgte ein zweiter. In den 30 Volieren der Zuchtanlage werden auch verschiedene andere Fasanen- und Wachtel-arten gezüchtet.

www.prani-breeding-center.comwww.parvo-muticus.com