Der Hahnenkampf

von Wilhelm Busch

 

Ach, wie vieles muss man rügen,

weil es sündhaft und gemein.

So, zum Beispiel das Vergnügen,

zuzusehen bei Prügeleien.

 

Noch vor kurzem hab´ ich selber

mir zwei Gockel angesehn.

Hier ein schwarzer, da ein gelber,

die nicht gut zusammen stehn.

 

Plötzlich kam es zum Skandale,

denn der schwarze macht die Kur.

Was dem gelben alle Male

peinlich durch die Seele fuhr.

 

Mit den Krallen, mit den Sporen,

mit dem Schnabel, scharf gewetzt,

mit den Flügeln um die Ohren

hat es Hieb auf Hieb gesetzt.

 

Manche Feder aus dem Leder

reißen und zerschleißen sie

Und zum Schlusse ruft ein jeder

triumphierend:“ Kikeriki!“

 

Voller Freude und mit wahrem

Eifer sah ich diesen Zwist.

Während jedes Huhn im Harem

höchst gelassen weiter frisst.

 

Solch ein Weibervolk mit Flügeln

meint, wenn Gockel früh und spät

seinetwegen sich verprügeln,

dass sich das von selbst versteht!

  

Eingesandt von Familie Bastian

 

 

Augenzwinkern

 

Vor ein paar Jahren hat Karlheinz Sollfrank für die Freunde des Taubenmuseums ein kleines Heftchen aufgelegt. Der bekannte Taubenmaler Max Holdenried hat die lustigen und etwas nachdenklichen Zeichnungen gemacht, Gottlob Wolfer die Texte dazu geschrieben. Hier einige Auszüge.

 

 

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Jannis und die Felsentaube

 

 

 

Dies ist eine Geschichte von der Art, die heute kaum noch erzählt wird. Ich selbst mag sie sehr gerne, weil ich weiß, dass das, was hier erzählt wird, wahr ist. Ich habe die Geschichte meinen Kindern

vorgelesen und werde sie auch meinen Enkelkindern erzählen.

Die Fischerfamilie Haliaus

 

Jannis lebte vor sehr langer Zeit mit seiner Familie auf einer griechischen Insel mit dem Namen Ikaria. Sein Vater war ein großer, kräftiger Kerl, sehr wortkarg und etwas eigenbrötlerisch. Seinem Sohn

Gegenüber war er sehr streng und trug ihm ständig Arbeiten auf, die sofort erledigt werden mussten.

Seine Mutter war von einer völlig anderen Natur. Sie war sehr zart, wirkte fast zerbrechlich und brachte Jannis ihre ganze Liebe entgegen. Es gab nicht einen Kummer, den Jannis seiner Mutter nicht erzählen konnte. Oft war die Mutter krank, sie litt unter einer starken Schwäche, aber auch diesen Zustand kannte Jannis schon von klein auf.

            Über den Grund, warum seine Eltern schon vor seiner Geburt von der Hauptinsel hierher umgezogen sind, wurde nie gesprochen. Jannis traute sich aus Angst vor seinem Vater nie danach zu fragen. Die Insel war nur gering bewohnt, und das Leben dort war voll von Entbehrungen und Arbeit. Jannis Vater war Fischer, wie fast alle anderen auch, die auf dieser Insel lebten. Dinge, die nicht selbst hergestellt werden konnten, aber unbedingt für das Leben gebraucht wurden, holte man sich im Tauschgeschäft von der Hauptinsel.

            Jannis war wie sein Vater ein großer, stattlicher Bursche, der nur so von Kraft strotzte. Den Spielen seiner Altersgenossen auf der Insel konnte er nur wenig abgewinnen. Jannis hasste die wilden Raufereien, mit denen die anderen ihre Stellung und Kraft bewiesen. Wenn er nicht mit dem Vater aufs Meer hinausfahren musste, um zu fischen, ging Jannis gerne hinüber zu den Klippen. Die Umgebung dort faszinierte ihn; neben vielen Buchten, steilen Felsen und Höhlen gab es auch Felsentauben, die er dort beobachten konnte.

            Jannis bewunderte diese Vögel, weil deren Flug so kraftvoll und gewandt war. Er staunte über die Intelligenz der Tiere, wenn es darum ging, Feinden auszuweichen, die sie zu erbeuten versuchten. Es gab einige Raubvögel, die mit häufigen Attacken die eine oder andere Taube erhaschen wollten, was aber nur in den seltensten Fällen klappte. Die Tauben flogen ständig im Schwarm, der ihnen Schutz bot. Dieser Schwarm wirkte wie von Geisterhand gesteuert. In Gegenden, wo es Habichte gab, flogen die Tauben einfach so hoch, dass der Greifvogel sie nicht erreichen konnte. Kamen die Tauben in das Gebiet der Falken, stürzten sie fast im Sturzflug und gaben so den Luftjägern keine Möglichkeit zum Angriff. Vor den Brutrevieren hoch oben in den Klippen, lauerten die Raubmöven, aber auch die wurden geschickt umflogen.

            Jannis bewunderte diese Tauben, weil sie so friedlich waren und Möglichkeiten gefunden hatten, ihren Jägern zu entkommen. Jannis stellte fest, dass die Tauben zur Aufnahme von Futter oder Süßwasser oft viele Kilometer zurücklegen konnten. In den Zeiten, wenn sie Junge hatten, mussten sie diese Strecken oft zweimal fliegen. Im Gegensatz boten diese Klippen den Küken perfekten Schutz vor Fressfeinden wie Mardern oder Füchsen. Die Sorge um ihre Jungen musste wohl der Grund dafür sein, dass die Tauben diesen unwirtlichen Ort für ihr Leben gewählt hatten.

Jannis dachte oft darüber nach, ob seine Eltern damals eine ähnliche Entscheidung getroffen hatten. Häufig beobachtete er die Tauben im Flug vor den Felsen, er konnte sich an dem Vergnügen, das die Tauben in der Luft hatten, kaum satt sehen. Sie stürzten in die Tiefe, zeigten vereinzelte Überschläge und flogen dann gleitend mit weit gespreizten Flügeln fast schwerelos in den Himmel. Beim Zuschauen träumte Jannis oft davon mit den Tauben zur Hauptinsel zu fliegen, um sich dort mit Dingen zu versorgen, die seine Familie dringend gebraucht hätte. Er dachte darüber nach, diese Aufgabe mit demselben Geschick und der gleichen Kraft zu erledigen, wie es diese Felsentauben anscheinend mühelos bewerkstelligten. Wenn Jannis dann bemerkte, dass die Sonne schon sehr tief stand und der Vater bald vom Meer zurückkommen würde, machte er sich auf den Weg nach Hause, denn sein Vater brachte nur wenig Verständnis für seine Träumereien auf.

            Einige Wochen später fand sich wieder die Gelegenheit zu den Klippen zu gehen und die Tauben zu beobachten. Jannis wollte sich gerade auf einen vorstehenden Felsen setzen, als er kleines Etwas im Sand vor seinen Füßen sah. Es war ein kleines Taubenküken, das von der Sonne halb vertrocknet dort am Boden lag. Obwohl sich das Küken kaum noch bewegte, sah Jannis den Lebenswillen in dessen Augen, während er es aufhob. Er überlegte, wie er dem Küken helfen könnte, sah aber keine Möglichkeit, die Nester weit oben zu erreichen. Nach einigem Überlegen kam er zu dem Entschluss, das Junge mit zu nehmen und es aufzuziehen. Er trug es vorsichtig in der Hand nach Hause und zeigte es seiner Mutter, die ihm mit fragenden Augen gegenüber stand. Er bat sie, es behalten und sich darum kümmern zu dürfen. Seine Mutter konnte ihm diesen Wunsch nicht abschlagen, worauf er überglücklich war und sich gleich daran machte, dem Jungen mit einem abgeschnittenen, trockenen Grashalm Wasser in den Kropf zu füllen. Das Taubenküken ließ dies vor Schwäche mühelos über sich ergehen. Anschließend suchte Jannis in der spärlichen Vegetation nach reifen Gräsern und anderem Fressbaren für sein Täubchen.

            Nach Stunden kehrte der Vater vom Fischen zurück. Er war froh, weil er einen ganz besonderen Fang gemacht hatte. Die Ausbeute von seinem Fischfang würde die Familie für einige Tage versorgen. Jannis nutzte die gute Stimmung des Vaters und fragte im Beisein seiner Mutter, ob es denn möglich sei, das Küken bei sich aufzuziehen. Völlig unerwartet stimmte der Vater mit einem strahlenden Lächeln Jannis Vorhaben zu. Er durfte sich nun um das Tierchen kümmern, musste es aber, wenn es stark genug sein würde, in die Freiheit entlassen. „Nun werden wir aber erst einmal unsere Arbeit verrichten“, meinte der Vater, worauf Jannis sein Küken in einen vorbereiteten Korb legte und dem Vater folgte. Nachdem sie das Boot und den Fang verstaut hatten, ging Jannis zu seiner jungen Taube und stellte freudig fest, dass sich das Kleine in der kurzen Zeit schon recht gut erholt hatte. Jannis schaute ihm in die Augen und sah die Reinheit und Friedfertigkeit, die in dem Tier steckten.

            Er nannte die Taube Irini, das so viel wie Frieden bedeutet. Jannis kümmerte sich um seine Taube, gab ihr Wasser und das zu essen, was er an Grassamen und Beeren fand. Einen kleinen Teil seines spärlichen Abendbrotes behielt er im Mund und steckte es heimlich in den Kropf der Taube. Die Zeit verging wie im Fluge und Irini wuchs zu einem prächtigen Tier heran. Als Irini vollständig ausgewachsen war, meinte der Vater, dass es nun Zeit sei, die Taube in die Freiheit zu entlassen. Doch für Jannis war es fast unmöglich sein gegebenes Versprechen zu erfüllen. Die Tränen schossen ihm in die Augen, aber er wusste, dass es auch für Irini das Beste war. Jannis nahm Irini auf die Hand und ging mit seiner Mutter und dem Vater vor die kleine Hütte, in der sie wohnten. Irini sah sich um, machte aber keine Anstalten weg zu fliegen. Vater sagte: „Wirf ihn hoch und gib ihm seine Freiheit zurück“. Schweren Herzens tat der Sohn, wie es der Vater gesagt hatte, und Irini flog hinüber zu den Klippen, wo seine Artgenossen lebten. Jannis schaute seinem Pflegling lange nach, konnte ihn aber in dem Taubenschwarm nicht mehr erkennen.

            Die Sonne ging unter, und Jannis folgte seiner Mutter in die Hütte, um ins Bett zu gehen. Jedoch er konnte vor Kummer nicht einschlafen, bis ihm einfiel, mit welcher Freude sich die Tauben in der Luft bewegen, und wie schrecklich es für Irini sein müsste, sein Leben in einer Fischerhütte zu verbringen. Jannis kam zu dem Entschluss, dass es so für das Tier das Beste war und schlief ruhig ein. Am nächsten Morgen wurde Jannis schon kurz nach Sonnenaufgang wach. Er ging vor die Hütte und traute seinen Augen nicht; Irini saß auf dem First der Hütte und flog dann eilig auf seine Hand. Jannis schaute die Taube an und spürte die starke Verbundenheit und Vertrautheit, die von der Taube ausging, mehr als je zuvor.

                   Im Laufe des Sommers entwickelte sich echte Freundschaft zwischen Jannis und Irini. Eines Tages flog Irini zu den Felsen, bei denen er geboren wurde. Jannis hatte Angst, dass es sich seine Taube doch noch anders überlegt hätte und nun weg bleiben würde. Doch schon nach wenigen Stunden kam Irini mit einer hübschen, blauen Täubin zurück. Die Beiden bauten in den darauf folgenden Wochen ein Nest, direkt neben Irinis Schlafplatz. Das Nest war nicht sehr komfortabel, aber den Beiden schien es zu gefallen, und Jannis erfreute sich an dem emsigen Treiben seiner Tauben.

            Da der Sommer sehr heiß und trocken war, begann in dem kleinen Gemüsegarten, den seine Mutter vor der Hütte bestellte, alles zu vertrocknen. Nachdem zwei Eier im Nest lagen, machte sich Irini mehr und mehr an den Resten der kümmerlichen Ernte zu schaffen. In den ärmlichen Verhältnissen, in denen die Familie lebte, war es natürlich schwer, dies zu übersehen. Jannis Mutter war es, die ihm zeigte, dass es auf keinen Fall ginge, dass ihre Arbeit im Garten weiterhin von Irini kaputt gemacht werden könne. Jannis verstand das natürlich und versprach, auf Irini besser aufzupassen. Als er sich einen kleinen Käfig aus Olivenzweigen gebaut hatte, konnte er von da an Irini auf das offene Meer mitnehmen, wenn er den Vater beim Fischen unterstützen musste.

            Der Herbst meldete sich mit ungewöhnlichen Stürmen an und machte das Fischen auf der See immer schwieriger. Zudem schien es, als ob die Fische diesen Unwettern ausweichen würden. Es begann eine unwirtliche Zeit, in der die Familie oft nichts zu essen auf dem Tisch hatte. Jannis Vater war ein sehr guter Fischer, der auch die Gefahren bei schlechten Wetterlagen auf See einschätzen konnte. Gerade in einer Woche, in der er früher nie auf das Meer gefahren wäre, entschied er sich für den Fischfang, weil die Teller seit Tagen fast leer waren. Er bat Jannis ihn zu begleiten; alleine konnte er bei so einem Wetter nicht gleichzeitig das Boot kontrollieren und sich um die Netze kümmern. Jannis hatte kein gutes Gefühl bei der Sache, schlug dem Vater die Bitte aber nicht ab. Er packte Irini in seinen Käfig und schützte das Tier mit einem Leinentuch vor dem Regen.

            Die Drei waren erst etwa zwei Stunden auf See, als ein kräftiger Sturm einsetzte. Der Vater kämpfte gegen die Wellen und versuchte das Boot in Richtung des Ufers zu steuern. Aber statt in die Nähe der Insel zu kommen, trieben die Drei immer weiter auf die raue See hinaus. Jannis kroch an den Bug des Bootes, hielt sich mit einer Hand fest und mit der anderen fasste er um den Käfig von Irini. Jannis hatte Todesangst. In einiger Entfernung sahen sie eine kleine Insel, die völlig unbewohnt war. Im Sommer fuhr der Vater manchmal mit Jannis zu dieser Insel, weil dort eine Pflanze wuchs, die sie zur Herstellung ihrer Netze brauchten. Diese Insel war umgeben von hohen Felsen, das Anlanden bei diesem hohen Wellengang war völlig unmöglich. Der Versuch war aber ihre einzige Chance; Jennis und sein Vater wussten das nur zu gut. Sie kamen dem Steilufer immer näher, Jannis verzurrte den Käfig an der Reling des kleinen Bootes und machte sich daran dem Vater bei dem Anlanden zu helfen.

            Jannis hielt eine lange Stange in der Hand, während der Vater das Boot steuerte. Sie kamen dem Ufer immer näher, und gerade, als sie die Hoffnung hatten, es zu schaffen, wurde das Boot von einer großen Welle angehoben und gegen die Klippen gedrückt. Die Zwei wurden aus dem Boot geschleudert, das an einem Felsen zerschellte, so dass nur noch einzelne Planken auf dem Meer trieben. Beide versuchten nun die Insel zu erreichen und schwammen um ihr Leben. Jannis gelang es zuerst, er blieb unverletzt. An einer Stelle, die von einem vor gelagerten Felsen geschützt war, konnte er das Steilufer erreichen und sich retten. Wo wohl sein Vater geblieben war? Jannis suchte verzweifelt das Ufer nach ihm ab, konnte aber nichts entdecken. Doch plötzlich sah er ihn, wie er versuchte, an den rutschigen Felsen des Ufers hinauf zu klettern. Die Bemühungen seines Vaters blieben jedoch ohne Erfolg, die Wellen waren zu stark und der Fels zu glatt, um auf die Insel zu gelangen. Jennis, der nur wenig Meter von seinem Vater entfernt war, sah, wie ihn seine Kraft langsam verließ.

            Jannis musste etwas tun. Er suchte in der näheren Umgebung nach einem langen Stück Holz. Endlich hatte er etwas gefunden und lief zurück zu seinem Vater. Jennis stützte das Holz so gegen den Felsen, dass der Vater sich daran hinaufziehen konnte; er war gerettet. Völlig erschöpft ließen sich beide an einer etwas geschützteren Stelle nieder. Jannis Vater blutete stark an seinem rechten Bein, weil die Felsen, die er erreichen konnte, sehr scharf waren. Da kam Jannis Irini in den Sinn, er fragte seinen Vater, ob er ihn kurz alleine lassen könnte, um nach Irini zu schauen.

            Jannis suchte das nahe Ufer nach dem Korb ab und fand ihn kurze Zeit später. Irini war zwar völlig durchnässt, aber er war am Leben. Nach einigen Stunden besserte sich das Wetter, doch dem Vater ging es zunehmend schlechter. „Was soll ich tun?“ fragte Jannis seinen Vater. Beide waren völlig ratlos. Plötzlich hatte Jannis eine Idee. Er holte ein Stück von der Pflanze, welche die Beiden immer von der Insel besorgt hatten, und band sie Irini um den Fuß. Er ließ Irini frei, in der Hoffnung, dass die Taube den Weg nach Hause finden würde, um der Mutter den Ort anzuzeigen, an dem die Beiden gefangen waren. Irini flog wenige, kleine Runden und steuerte dann sicher in die Richtung, in der die Hütte stand. Der Täuber kämpfte gegen den Wind und schaffte mit letzter Kraft den Weg nach Hause.

            Die Mutter, die in großer Sorge um die Beiden war, stand vor der Hütte und sah Irini ankommen. Sie verstand sofort das Zeichen, das ihr Jannis mit der Pflanze um Irinis Fuß gegeben hatte und lief zum Nachbarn, um ihn um Hilfe zu bitten. Die Wellen des Meeres hatten sich gerade geglättet, da machten sich die Mutter und der Nachbar auf den Weg, die Zwei von der Insel zu retten. Für die Familie Haliaus ging dieses gefährliche Abenteuer noch einmal gut aus, der Vater konnte sich in kurzer Zeit erholen und wurde wieder völlig gesund. Irini aber starb wenige Tage danach an den Anstrengungen des Heimfluges.

Jannis war sehr traurig darüber, er machte sich Vorwürfe, dass er es war, der die Taube auf die Reise geschickt hatte. Doch was hätte er in dieser Situation machen sollen? Es war die einzige Möglichkeit, um seinen Vater zu retten. Der Täubin von Irini sah man es deutlich an, dass ihr der Tod ihres Partners das Herz gebrochen hatte. Doch sie bewachte die Eier, brütete sie in zuverlässiger Taubenmanier aus und zog mit Jannis Hilfe zwei schöne Taubenjungen auf. Jannis freute sich über die jungen Tauben, aber seinen Freund Irini hatten sie nie ganz ersetzen können.

            Wir kennen den weiteren Verlauf dieser Geschichte nicht. Was wir aber mit Sicherheit wissen, ist, dass Tauben über viele Jahrhunderte den Menschen eine große Hilfe waren. Sie halfen mit ihrem Dung die Gärten fruchtbar machen, wurden als Botentauben eingesetzt und erfreuten viele Leute durch ihre besonderen Flugspiele. Eine der Brieftauben, die im ersten Weltkrieg für Deutschland eingesetzt wurden, wurde bei ihrem Heimflug viermal von einer Kugel getroffen. Die Taube kehrte schwer verletzt nach Hause zurück und konnte die wichtige Mitteilung, die sie trug, sicher ans Ziel bringen. Sie verstarb an ihren Verletzungen wie viele hundert Jahre vorher Irini. Diese Taube wurde mit Salutschüssen wie ein Offizier begraben. Ob sie ein Nachfahre von Irini war, lässt sich nicht nachvollziehen, aber der eiserne Wille, die Kraft und die Treue der Felsentauben lebt noch heute in den Herzen unserer Haustauben.

 

Reinhold Deubelli