Unter dieser Rubrik wollen wir Kurzaufsätze über Rassegeflügel veröffentlichen. Also „kurz und knapp“, ca. eine halbe Seite, gewürzt mit zwei, drei Bildern, die Lebensfreude vermitteln.

Wir wollen die Vielfalt von Haus- und Ziergeflügel zeigen, und darstellen, wie viel Freude die Geflügelfreunde mit ihrem Federvieh haben, wenn es in einer gut strukturierten, natürlichen Umgebung gepflegt wird. Eine Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt und gerade in unserer Computerzeit eine gute Möglichkeit Kindern naturnahe Alternativen aufzuzeigen.  

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Wunderbare Domestiken: Hausgänse

 

 Schon zur Zeit der ersten Begegnung der Römer mit den Germanen wurden überall in Mittel-europa Hausgänse gehalten und gezüchtet. Deshalb hat die Gans als Hausgeflügel in Deutschland eine engere und ältere Verbindung zum Menschen als alle anderen Federvieharten. Überall, wo es einen Fluss, Bach oder ein sonstiges Gewässer gab, wurden zu allen Zeiten in großer Zahl Gänse gehalten, vom äußersten Norden bis zum Süden Deutschlands (Quelle: BDRG-Chronik 1981).

  

Kinder kennen Gänse heute häufig nur noch aus den Geschichten von Nils Holgersson, Erwachsene schätzen die Weihnachtsgans und den Gänsebraten zu St. Martin. Die früher beliebte Gänseleber-pastete ist hingegen heute ein absolutes „No Go“, weil man nur Ekel empfinden kann, wenn die „Herstellung“ der Stopfleber bekannt ist. Auch die „Lebendrauf“ der Gänse zur Gewinnung von Bettfedern oder für Daunenjacken ist heute geächtet, aber noch immer trauriger Alltag. Die wun-derbare Vielfalt von der Lippegans über die Fränkische Landgans bis hin zur Pommerngans, insge-samt sind knapp 20 Rassen in Deutschland bekannt, kennen hingegen nur ausgesprochene Lieb-haber, selbst der Rassegeflügelzüchter interessiert sich oft sehr eingeschränkt nur für eine bestimmte Geflügelart.

  

Heute fürchten viele Menschen die wilde Graugans, die auf ihrem Vogelzug von Russland in wär-mere Regionen das Vogelgrippe-Virus mitbringen soll. Dabei sind sie einem Märchen aufgesessen, das von der Insel Riems deutschlandweit verbreitet wird, international aber nicht mehr geglaubt wird. Aber die Politik und die Öffentlichkeit haben die Lobbyarbeit der Geflügelindustrie noch nicht durchschaut.

  

Gänse brauchen nicht nur Wasser. Noch wichtiger ist, dass sie weiden können. Statt des Weide-gangs und dem obligatorischen Bad wurde ihnen Hausarrest verordnet. Das ist nicht artgerecht, es ist amtlich verordnete Tierquälerei!

  

Die Tradition der Gänsehaltung in Deutschland hängt am seidenen Faden. Die Aufstallung stellt nicht nur ein Damokles-Schwert dar, sondern das Schlachtmesser. Bevor wir das zulassen, sollten wir selbst den uns hingeworfenen Fehde-Handschuh aufnehmen und uns gegen diese Tierquälerei und Rassenausrottung zur Wehr setzen. Wir müssen unsere geflügelten Freunde als Haustiere bewahren und dürfen sie nicht der Geflügelindustrie überlassen.

  

Domestik (frz. domestique von lat. domesticus: „zum Haus gehörig“)

  

Hausgeflügel – zum Haus gehörig

Massentierhaltung – ungehörig 

 

Manfred Loick

 

Bild (Repro Loick): Artgerechte Gänsehaltung von Tschechischen Gänsen bei Anita Neukirchner in Zwönitz (Geflügel-Börse Nr. 16/1990
Bild (Repro Loick): Artgerechte Gänsehaltung von Tschechischen Gänsen bei Anita Neukirchner in Zwönitz (Geflügel-Börse Nr. 16/1990

 

Rassegeflügelzucht – ein guter Plan

 

                                Junge Rheinländer-Hähne genießen ihr Junggesellenleben 

 

Wir nennen uns Rassegeflügelzüchter, weil wir nicht nur Geflügel halten, sondern es nach einem bestimmten Plan gezielt vermehren. Die Geflügelindustrie vermehrt ihr Geflügel auch planmäßig, ist es dann Rassegeflügelzucht? Nein, denn wenn unser Geflügel sich innerhalb unserer Zuchtlinie vermehrt, kommt Gleichwertiges heraus, die Rasse ist gefestigt, hat ihre besonderen inneren und äußeren Werte. Die Industrie produziert hingegen mit einer Ausschussquote von 50 % ein Endprodukt, mit dem man nicht weiterzüchten kann.

 

 

Egal ob Hühner im eigenen Garten oder in der Industrie, der ungeklärte Weg des Vogelgrippe-Virus stellt Geflügel aller Arten unter Hausarrest und nimmt auch unserem Hausgeflügel die Freiheit. Der Wissenschaftliche Geflügelhof des BDRG untersucht jetzt die Auswirkungen der nicht artgerechten Aufstallung. Hühner sind wie Menschen fühlende Lebewesen, dabei fühlt sich jedes Lebewesen an der frischen Luft sehr wohl, vor allem aber braucht es Bewegung und Beschäftigung. Das vergessen wir manchmal, beim nächsten Spaziergang sollten wir wieder Sauerstoff tanken und uns freuen, dass wir nicht unter Hausarrest stehen. 

 

                                      Siesta im Grünen, hier fürchten wir keinen Grippe-Virus

 

Für die wissenschaftliche Untersuchung wurden mit den Rheinländern und den Deutschen Sperbern alte einheimische Zweinutzungsrassen ausgewählt. Zweinutzungsrassen haben sowohl von der Legeleistung als auch im Fleischansatz gute Nutzeigenschaften. Die Nutzlinien der Geflügelindustrie sind allein auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Die Hennen der Legelinien sind auf Eierlegen spezialisiert, ihre Brüder werden als Eintagsküken vernichtet, weil sie natürlich keine Eier legen können und sich auch als Schlachthähnchen nicht eignen. Die Hähne der Schlachtlinien sind auf Wachstum spezialisiert, ihre Schwestern werden als Eintagsküken vernichtet, weil sie schlecht legen und auch schlecht Fleisch ansetzen würden. Unwirtschaftlich, Ausschuss – weg damit.

 

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                                    Auch die Junghennen haben viel Platz zum Wohlfühlen

 

Tierlieben Menschen ist diese Vernichtungsmaschinerie schon lange sauer aufgestoßen, aber diese unwürdigen Methoden sind, obwohl die Tiere unter dem Schutz des Grundgesetzes stehen, immer noch erlaubt! Diese lebensverachtende Wirtschaftssicht wird in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Die Hühnerindustrie arbeitet deshalb am dualen Huhn, das 1. Eier legt und 2. einen Schlachtwert aufweist. Eine tierliebe Entscheidung ist das nicht, denn das Huhn lebt weiterhin nur so lange, wie es sich rechnet, und auch die Lebensbedingungen bleiben erbärmlich. Die Hühnerindustrie hat also wie die Rassegeflügelzucht einen Plan. Aber nur in der privaten Hühnerhaltung hat das Huhn Rechte auf ein würdiges Leben, als soziales Lebewesen einen Platz in der Gesellschaft anderer Hühner und nicht nur einen einzigen Lebenszweck. Das ist der Sinn der Rassegeflügelzucht: Lebensqualität für Mensch und Tier!

 

Text und Fotos aus dem WGH

 

Manfred Loick

 

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Hinter der Tür …

 

Keiner sieht da unser schönes Rassegeflügel, schade!
Keiner sieht da unser schönes Rassegeflügel, schade!

 

Die ersten Gärten wurden von unseren Vorfahren angelegt, um Früchte, Gemüse und Kräuter anzubauen. Zum Schutz der kostbaren Pflanzen wurden Gärten eingegrenzt. Die Eingrenzung bestand vorwiegend aus Weiden- und Haselflechtzäunen, da die elastischen Gerten ein gutes Flechtmaterial abgaben. Der Name Garten leitet sich vom germanischen „garda“ ab – umgerten mit Weidenruten. Ein klassischer Garten hat damit immer einen Zaun oder eine Mauer. Um hineinzukommen braucht man einen Eingang – eine Gartentür. So ist der Garten immer auch etwas privates, ein Rückzugsbereich, der nicht jedem offen steht. An der Pforte wird entschieden, wer hinein darf und wer nicht.

 

 

Eine Gartentür macht neugierig. Was steckt hinter der Tür? Aus meinem Garten kommen Geräusche. Flügelschlagen, Taubengegurre, im Frühling und Sommer piepende Jungtauben. Die zuletzt genannten Geräusche locken Nachbarkinder an. Natürlich gucken auch die Eltern, aber weniger aus Neugierde, sondern mehr aus Sorge. Wir haben ein harmloses Freizeitvergnügen, für Unwissende ist es erst einmal ein möglicher Krankheitsherd. Wenn in einem Garten etwas keimt, sind es keine Krankheitskeime. Eine echte Gesundheitsgefahr geht eher von der Massentierhaltung aus und nicht von einem Hobbytaubenzüchter. 

 

Dabei haben wir doch was herzuzeigen! Hier: Voorburger Schildkröpfer.
Dabei haben wir doch was herzuzeigen! Hier: Voorburger Schildkröpfer.

Gartenzäune bieten heute kaum noch Einblicke. Man zieht sich ins Private zurück. Gerade Geflügelzüchter verbarrikadieren sich geradezu sprichwörtlich. Wenn wir uns in den Hinterhof zurückziehen, dürfen wir uns nicht wundern, dass wir in der Öffentlichkeit nicht positiv wahrgenommen werden. Was haben wir zu verbergen? Die beste Werbung für unser Hobby sind schöne Gärten mit schönem Geflügel.

 

Schöne Fotos werden gern auf unserer Homepage veröffentlicht.

 

 

Manfred Loick

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Spätsommerliche Gedanken

 

 

Es ist gerade mal Mitte August und unser diesjähriger Sommer ist in Rekordlaune. Neuer Hitzerekord für Deutschland und seit zehn Wochen Sonne satt.

 

Nach dreistündigem Wasserschleppen im Garten, sitze ich nun auf der Terrasse, nur mit einer kurzen Hose bekleidet. Und nun genehmige ich mir noch ein leckeres Weizenbier zum viel zu späten Abendessen, weil´s grad so schön ist. Obwohl es bald auf Mitternacht zugeht, ist die Nacht warm und verführerisch, wie wir es sonst nur vom Italienurlaub her kennen. Da bleibt man gerne noch etwas länger sitzen, genießt diesen unglaublichen Sommer und hängt noch einigen Gedanken und Eindrücken nach. Zum Beispiel dem abendlichen Rundgang durch die Zuchtanlage.  Zufriedenheit, gar richtig Freude empfand ich, wie seit Tagen!

 

 

Eigentlich ist es viel zu warm in den Schlägen, zumindest nach meinem Gusto. Aber die vielen Jungen in verschiedenen Altersstufen scheinen sich pudelwohl zu fühlen. Mit einem, wie mir scheint, breiten, zufriedenen Grinsen hocken vor allem die etwa zehn Tage alten Jungen in den Nestern und schauen mich vergnügt und interessiert an. Wie Dampfnudeln gehen sie auf! Die Federn stecken noch in den Papillen, was den Küken ein Aussehen verleiht, als hätte ein Designer Hand angelegt. Zufrieden knapsen sie mit den Schnäbeln.

 

Mehr Reaktion kann ich kaum erwarten, schließlich zwingen die zum Platzen prall gefüllten Kröpfchen zur Ruhe. Gibt es etwas Sinnbildlicheres für Entwicklung, pralles Leben, Vitalität und Gedeihen, als solche Taubenjungen?

 

In anderen Nestern liegen noch Eier, jetzt noch! Darf man das laut sagen, gar schreiben? An diesem Abend, und überhaupt ist mir das sch…egal! Soll ich mir die Freude nehmen lassen, die mich jeden Tag befällt, wenn ich in die Nester schaue? Wenn ich sehe, wie die Jungen förmlich aus den Nestern quellen. Eines gesünder und vitaler wie das andere.

 

 

Endlich Tauben in einer Qualität, wie ich sie mir zu Beginn der Zuchtsaison träumen oder malen musste.  Soll ich konsequent und energisch dazwischen gehen und die Zucht beenden, weil man dies heute so macht?

 

Ich beschließe an diesem traumhaften Sommerabend der Natur ihren Lauf zu lassen. Wohl oder übel werde ich ältere Junge minderer Qualität schlachten, um Platz zu schaffen und an die Ringe zu kommen. Mir ist natürlich bewusst, dass diese Jungen für die kommende Ausstellungssaison zu spät kommen, nicht mehr völlig abmausern. Aber diese prächtigen Jungen, die so gut und schnell heranwachsen, die nehme ich noch mit. Ich werde sie nicht zu früh verpaaren. Aber sie werden mich in der Zucht hoffentlich voranbringen. Warum auch nicht? Sie sind in der schönsten und besten Jahreszeit herangewachsen, sie sind keine im Winter geborenen, mit Vitaminen zugeschütteten und mit allen Tricks aufgepäppelten Frühjungen.

 

Wenn die täglich anfallenden Federn in den Ecken meiner Schläge weiter zunehmen, dann wird paraallel dazu der Trieb, die Lebhaftigkeit meiner Zuchttauben abnehmen und schließlich ganz versiegen. Die Natur wird´s richten, so wie immer. Und darauf genehmige ich mir noch eine Flasche und freue mich auf morgen, wenn ich wieder neugierig in die Nester schauen werde, gerade so, als ob sich über Nacht Entscheidendes getan hätte. Ich werde den so typischen Geruch gesunder, frohwüchsiger Taubenkinder einatmen, sie in die Hand nehmen, Zeichnung und Latschen betrachten und auf den großen Teller hoffen. Ebenso, wie gestern, wie letztes Jahr, wie die ganzen Jahre. Und alles wird gut.

 

Text und Fotos Alois Münst

 

 

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Platz schaffen, jetzt !

 

            Foto: Günter Keil

Auch wenn ich schon öfter darüber geschrieben habe, das Thema ist und bleibt aktuell. Wo man um diese Jahreszeit hinkommt, es sitzen Tauben über Tauben. Was anderseits davon zeugt, dass die Vermehrungsrate vielfach in Ordnung ist. Nur, es sitzen für den vorhandenen Lebensraum einfach zu viele Tauben in den  Schlägen. Die Folge sind gestresste und gemobbte Tauben, die für Krankheiten aller Art umso anfälliger sind. Das ist keine  Frage. Ich möchte diesbezüglich nur an die „so genannte“ Jungtaubenkrankheit erinnern. In manchen Zuchten ist auch jeden Herbst der Taubenschnupfen ein Thema. Gut, vielleicht stimmt es von Haus aus mit der richtigen Belüftung nicht. Aber vielleicht ist auch nur der Schlag hofnfungslos überbesetzt.

 

Ich kalkuliere mit zwei Tauben je Kubikmeter Stall und habe mit Taubenschnupfen noch nie ein Problem gehabt. In einem Schlag mit 2 x 3 Meter Grundfläche bei 2 Meter Höhe dürften höchstens 24 Tauben sitzen. Aber dies betrachte ich wirklich als absolute Höchstgrenze, wenn die Tauben Freiflug haben oder wenn eine große Voliere vorhanden ist.

 

Wie viele Tauben sitzen bei Euch um diese Jahreszeit?  Bitte nachzählen!

 

Alttauben, die schlecht vererbt haben oder in der Zucht durch Unzuverlässigkeit aufgefallen sind, sollten eigentlich schon längst den „Abflug“ gemacht haben. Oder auf was wartet Ihr noch? Ich für meinen Teil hoffe nicht, dass mit solchem Ausschuss andere Züchter beglückt werden. Wer erst auf den Taubenmärkten im Februar/März seine überzähligen Tauben für ca. 10,- Euro anbietet und verkauft, ist mit Sicherheit kein guter Geschäftsmann, es sei denn, er bekommt das Futter zum Nulltarif. Überzählige Tauben sind nutzlose Fresser und Schei…, d.h. sie machen auch noch nutzlos Arbeit.

 

Sind wir doch mal ehrlich. Großteils sitzen zu viele Tauben in unseren Zuchtanlagen, weil

entweder das Geld den Leuten immer noch zu locker in der Tasche sitzt, oder weil wir die Auslese immer wieder hinausschieben, weil wir im Moment zu faul sind, unsicher sind oder wirklich keine Zeit haben. Ein probates Mittel ist es, die Tauben in regelmäßigen Abständen morgens in Ausstellungskäfige setzen und sie am Nachmittag dann begutachten, wenn sich die Tiere an den Käfig gewöhnt haben. Wetten dass Euch ein Drittel des Bestandes keine echte Freude macht? Also weg damit! Die Küche wartet schon.

Alois Münst

         Freiflieger haben selten Probleme. Hier Feldlerchen bei J. Willerer

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Im Nestbau zeigt sich

der Charakter der Taube

 

 

Jede triebhafte Handlung der Taube zeigt etwas von ihrem Charakter. Im Triebleben is t sie noch ganz das unverfälschte Tier, die Felsentaube. Hier zeigt sie ihre Eigenschaften noch ganz natürlich. Derr Nestbau der Taube ist eine solche triebhafte Handlung. Der starke Fortpflanzungstrieb drängt die Taube zum Nestbau. Ohne guten Nestbau ging früher das Gelege verloren. Es ist schon lehrreich die Taube bei dieser Arbeit zu beobachten. Man kann an der Art und Weise, wie sie dabei ist, manchen Rückschluss ziehen. Die Tauben sind im Nestbau sehr verschieden. Manche Tauben legen einen ungeahnten Eifer an den Tag, andere sind recht schludrig und nehmen es mit der Nestbauarbeit nicht sehr genau. Hier lässt sich die Täubin bedienen. Das heißt, der Täuber trägt das Nistmaterial heran, und die Täubin baut unter und um sich herum das Nest. 

 

Was verwenden die Tauben alles zum Nestbau? Dies ist ganz aufschlussreich. Manche Tauben im Freiflug tragen das Material von weither an, andere verwenden das Erstbeste. Zum Beispiel starke Federn, die sie im Schlag gerade finden. Die Sorgfalt, mit der das Nest gebaut wird, sagt einiges aus. Der Züchter sieht es gern, wenn die Tauben mit Eifer und Sorgfalt dabei sind. Von diesen Tauben können wir erwarten, dass sie mit zäher Liebe an dem erbauten Nest hängen, das Gelege ebenso betreuen und verteidigen. Diese Gefühlsbindung ist vor allem für freifliegende Tauben sehr wichtig und wir sollten uns freuen, wenn sie noch in natürlicher Form vorhanden ist.  Es gibt aber auch Tauben, die im Nestbau sehr liederlich sind. Oft sind es Tiere aus überzüchteten oder degenerierten Stämmen, bei denen der natürliche Trieb infolge falscher Selektion weitgehend verloren gegangen ist.  Es mag kurzfristig noch helfen, diese Tauben mit einem „intakten“ Partner zu verpaaren. Allerdings ist Aufmerksamkeit angesagt.

 

 

Alois Münst     

 

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Ein selbstgebauter Hühnerstall

 

Diese "Hühner-Immobilie" fügt sich gut in die Gartengestaltung ein.

Unten: Zweckmäßig gebaut, so dass zwei bis drei Tage die Tiere ohne weitere Aufsicht untergebracht sind.

 

Drei Anforderungen sollte mein Hühnerstall erfüllen. Die da sind:

- Dieser soll akustisch so gut gedämmt sein, dass ein Hahnenschrei außen nicht zu hören ist.

- Er soll sich harmonisch in das Gesamtbild des Gartens einfügen.

- Nicht sehr groß werden und den Tieren eine sehr gute Unterbringung bieten.

 

 

Dieses Anforderungsprofil verlangt doch einige sehr spezielle Lösungen. Diese auszudenken und Wirklichkeit werden zu lassen, war für mich ein besonderer Anreiz. Ausgangspunkt waren einige unliebsame Gespräche mit der Nachbarin wegen der Krährufe am frühen Morgen. Es gab also schon einen Zwang zumindest bei diesem Kriterium erfolgreich zu sein. Ich nehme das Ergebnis an dieser Stelle vorweg. Man hört den Hahn zwar noch krähen, jedoch nur, wenn man ganz in der Nähe beim Stall ist. Nicht jedoch in einem Abstand von 8 - 10 Meter Metern.

 

    Die Innenausstattung wird durch die Lärmdämmung bestimmt.      Einfallsreichtum auch bei der Fütterung

 

Einige technische Hinweise und vor allem die Bilder können den Aufbau und den gewonnenen Gesamteindruck vermitteln.

 

• Die sechseckige Grundfläche mit ca. 6 m² ist mit einer Fichtenholz-Konstruktion überbaut.

 

• Der Boden wurde mit einem Hasengitter als Unterkriechschutz und Unkrautfolie belegt. Darauf   ist eine Lehm- und Sandschicht, die mit einer Einstreu bedeckt ist.

 

• Die Wände des Stalls bestehen aus 39 mm starken, handelsüblichen Seekieferplatten. Darauf   erfolgte eine Innenverkleidung mit 40 mm starken Trittschutzplatten, die wiederum mit einer  Noppenfolie an den Wänden und Decke ausgekleidet wurde. Der Boden wurde mit      Butylkautschukfolie belegt, auf der die Einstreu zu liegen kommt.

 

• Die Füllung der Tür wurde mit Styropor gedämmt und mittig mit Isolierglas versehen.

 

• Das Schließen und Öffnen der automatischen Hühnerklappe übernimmt ein umgebauter      Jalousien-Antrieb mit digitaler Steuerung.

 

• Die Dachschalung wurde aus Seekieferplatten angefertigt und mit einer Unterspannbahn    versehen, sowie dreilagig mit beschieferten Bitumenschindeln gedeckt.

 

• Das Futtersilo und die Wassertränke sind aus HT Rohren hergestellt worden. Letztere wurde      mit einem Edelstahlnippel versehen.

 

 

Mathias Gottschling

 

 

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Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht!

 

Falsch verstandene Tierliebe,

 

das Füttern von Wildwassergeflügel

 

 an Seen, Weihern und Flüssen.

 

 

Immer wieder ist zu beobachten, dass altes Brot in rauen Mengen ins Wasser geworfen wird, um Enten und andere Wasservögel zu füttern. Ist das nun ein Zeichen gut gemeinter, aber schlecht gemachter Tierliebe, einfach Gedankenlosigkeit oder etwa eine Methode, den eigenen Abfallbehälter zu entlasten? Man tut jedenfalls weder den Tieren noch der Wasserqualität einen Gefallen!

 

Das übermäßige und regelmäßige Füttern mit Brot und Brötchenschadet nachweislich sowohl den Wasservögeln als auch der Wasserqualität und damit gegebenenfalls auch dem Fischbestand. Brot, salzhaltiges sowie feuchtes (im Winter vereisendes) Futter sind für die Enten schädlich. Verschimmeltes Brot als Futter verbietet sich sowieso. Die häufige, einseitige und damit nicht artgerechte Fütterung bewirkt zudem übermäßige Verfettung und Stoffwechselstörungen.

 

 

Normalerweise finden die Enten und ihre anderen Kollegen auf dem Wasser in unseren heimischen Gewässern oder an Land genügend natürliches Futter, seien es nun Wasserinsekten, Wasserpflanzen oder Gras. Strenge Winter sorgen gerade in Ermangelung natürlicher Feinde für eine natürliche Auslese unter den Wasservögeln. Durch infolge falsch verstandener Tierliebe überflüssiges und falsches Füttern wird diese natürliche Entwicklung aber behindert. Überbevölkerung und dadurch bedingte Überdüngung der Gewässer sind die Folgen. Darüber hinaus werden Ratten ebenso magisch angezogen wie die Enten. Also wird so auch die Vermehrung der Ratten gefördert. Futterreste sinken im Wasser ab, faulen munter vor sich hin, zehren dabei Sauerstoff und beeinträchtigen erheblich die Wasserqualität und damit das Wohlbefinden anderer Wasserbewohner. Um beispielsweise anderthalb Kilogramm Brot im Wasser biologisch abzubauen, wird mehr als ein Kilogramm Sauerstoff im Gewässer verbraucht. Auch hochgiftige Botulinus-Bakterien können sich im entstehenden Faulschlamm entwickeln und evtl. sogar zu tödlichen Vergiftungen bei den Wasservögeln führen. 

 

 

Generell bewirken die überzähligen Nährstoffe ein starkes Algen- und Bakterienwachstum, was wiederum zu einem erhöhten Reinigungs- und Beseitigungsaufwand führt. Auch Fischsterben durch Sauerstoffmangel und das ökologische „Umkippen“ von Gewässern können im Extremfall eine Folge sein. Durch die Futtergaben werden immer mehr Enten und andere Wasservögle (auch Ratten) angelockt und diese Versammlungen auf engstem Raum an den Futterplätzen erhöhen natürlich das Risiko ansteckender Krankheiten. Wer Wasservögel also wirklich mag, füttert nicht, sondern begnügt sich mit dem

Beobachten des Verhaltens dieser schönen Tiere in ihrem natürlichen Element.

 

Altes Brot und Brötchen sollten keinesfalls verfüttert werden! Nur in strengen Wintern, wenn Wasserflächen und Uferbereiche zufrieren und die Tiere kaum noch Futterquellen erreichen, kann man in Maßen Getreide, Wassergeflügelfutter, Kleie, Eicheln, Obst- und weiche Kartoffelstücke geben. Aber auch dann muss man sich im Klaren sein, dass damit der natürlichen Bestandsregulierung und Auslese zuwider gehandelt wird.

 

Helmut Demler

Fotos: ©Lietzow Naturfotografie     

 

    

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Hühnerhaus für ca. sechs Tiere

 

mit Wintergarten (WiGa)

 

 

zur Eigenversorgung mit Frühstückseiern

 

Entwurf:         Helmut Sachsenhauser, AELF Pfaffenhofen/Landshut  Tel. 0871-603191

 

Realisierung: Hubert Scherz, LfL Kitzingen

 

Überbaute Fläche Gesamt-Haus:                  2,50 m Länge, 2,43 m Breite = 6,08 m²

Grundfläche Stall:                                      1,70 m Länge, 1,15 m Breite = 1,96 m² nutzbar Stallfläche                                                 Besatz ca. 2,5 – 3,5 Tiere/m²  

Schwerkraftlüftung

Wintergarten                                       ca. 2,95 m ² mit Staubbad (Staubbad im Winter im Stall)

Unterbau Stall und WiGa                              Betonverbundsteine (6 cm hoch)

Konstruktionshölzer:                                    fertiges Maß: 5,0 cm x 5,0 cm (gehobelt)

Außenhaut:                            Nut- und Federbretter (18 mm), Sperrholzplatte: 10 mm wasserfest,

Dach:                                     20 mm Sperrholz wasserfest, Nut- und Federbretter (ausgesteift)

Stallboden                                              Holzdielen NuF (OSB?) Glatt, fugenlos, gut zu reinigen

                                                                  Siebdruck-Platte (Betoplan, SFU)

Fenster                                                       Leichter Rahmen, unten nach außen aufklappbar                                                      Maß: 80 cm Breite, 100 cm Höhe, Doppel-Stegplatte 10 mm

Auslauf-/Stallschieber                                  Betoplan-Platte, 6-8 mm stark (über elektrischen “Pförtner“                             automatisierbar oder Stegplatte 10 mm : Maße: 35 cm hoch, 40 cm breit

Schieberführung                                          Aluschienen  (z.B. Fenster-Rollladen-Führungen)

Geflecht für Wintergarten                         max. 12 mm Masche, Quadrat- oder Sechseckgeflecht

                                                                  „Spatzen-Mäuse-Marder-sicher“

Stalldach                                                  Dach gleich Decke (wegen ausreichend Luftraum)

Eindeckung Dach                                        Bitumenschindeln, Onduline, Alutrapezblech,

Dachneigung                                               21 º (zw. 20º und 25°)

Zuluft- Abluft-Klappen                     An der Rückwand und im Firstbereich des Stalls (verstellbar)

 

-Kot-Brett: Material: Betoplan (10 mm), darauf Rahmen (8 cm hoch), bespannt mit Kotgitter,

  darauf: Sitzstange, rund (5 cm Durchmesser), oder 5 cm breites Kantholz, Kanten gerundet. (Holz ohne Risse)

 -Kleines Fenster in 1,40m Höhe vom Vorraum in den Stall (Plexiglas), ca. 40 cm hoch, 30 cm breit

 -Gesamter Stall auch in Wärme-gedämmter Ausführung möglich. Dämmung v.a. der Decke mit gesteppter Steinwolle oder PU-Schaumplatten. Abdeckung innen: OSB oder Sperrholzplatte.

-Außenanstrich: Wasserfeste Farbe, Sockelunterseite nicht vergessen!!

-Fugen im Stallinneren mit Silikon oder Acryl ausspritzen (wg Roter Vogelmilbe), Anstrich Innen mit abgelöschtem Kalk.     Schuhe können im Vorraum gewechselt werden (wegen „Hennadreg“).

-Auslauf: Versetzbares Netzgewebe: ca. 25 – 50 m lang, ca. 1,60-1,80 m hoch (Fachhandel)

-stark frequentierte Stellen um den Stall ohne Bewuchs mit Hackschnitzeln abdecken.

-Dachflächenwasser mit einfacher Dachrinne ableiten.      

- Aufbewahrung der Gerätschaften im Vorraum

-Beleuchtungskörper an Aussparung im Zwischenwandgiebel: ca. 40 Watt- Glüh-Birne, oder

 2-4 Watt LED warm-weiß. (Steckdose für Tränken-Wärmer (Winter), Zeitschaltuhr für zusätzliche Winterbeleuchtung (eventl. mit Gangreserve), Lichtschalter im Vorraum, ....).

Staub-Bad:  

Quarzsand Nr. 9 (fein, Baustoffhandel) zu 5 Teilen vermischt mit 1 Teil Urgesteinsmehl

 

 

Viel Spaß mit den eigenen (Rasse-)Hühnern

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Fuchs und Gans

von Wilhelm Busch

 

Es war die erste Maiennacht, kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht.

Da hielten wie es stets der Fall, die Tiere ihren Frühlingsball.

 

Die Gans, die gute Adelheid, fehlt nie bei solcher Festlichkeit.

Obgleich man sie nach altem Brauch, zu necken pflegt. So heute auch.

 

Frau Schnabel, nannte sie der Kater, Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater.

Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl, hüllt sich in sanftes Selbstgefühl.

 

So saß sie denn in ödem Schweigen, allein für sich bei Spiel und Reigen.

Bei Freudenlärm und Jubeljux, sieh da, zum Schluss hat auch der Fuchs

sich ungeladen eingedrängelt. Schlau hat er sich herangeschlängelt.

 

„Ihr Diener“, säuselt er galant, „wie geht´s der Schönsten in Brabant?“

„Ich küss der gnäd´gen Frau den Fittich. Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt´ ich.“

 

Sie nickt verschämt: “O Herr Baron!“ Indem, so walzen sie auch schon.

Wie trippeln die Füße, wie wippeln die Schwänze,

im lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze.

 

Da tönt es vier mit lautem Schlag. Das Fest ist aus, es näht der Tag.

Bald drauf im frühen Morgenschimmer, ging Mutter Urschel, aus wie immer

mit Korb und Sichel, um verstohlen, sich etwas fremden Klee zu holen.

 

An einer Hecke bleibt sie stehen: „Herrje, was ist denn hier geschehen?

Die Füchse, sag ich, soll man rädern. Das sind wahrhaftig Gänsefedern!“

Ein frisches Ei liegt dicht daneben. "Ich bin so frei, es aufzuheben".

„Ach armes Tier,“ sprach sie bewegt, „dies Ei hast du vor Angst gelegt“.

 

Toulousergans, Foto: Heidi Schuhmann                     Fuchs in einem dänischen Tierpark, Quelle: Wikipedia

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Die Felsentaube
(Columba livia livia)

 

Stammform unserer Haustauben

 

Die Anfänge der Taubenzucht in Menschenhand liegen vor ca. 5000 Jahren in Ägypten und in Zentralasien noch früher. Schon im ersten Jahrhundert hatten die Römer in ihren Taubentürmen bis zu 5000 Tauben. Von Anfang an hat sich der Mensch die Standorttreue der Felsentauben zu Nutze gemacht; denn sie sind die Vorfahren aller Haustaubenarten, die wir heute kennen. In der Größe entspricht die Nominatform etwa der Hohltaube. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Nordatlantischen Inselgebiet zwischen Skandinavien und Großbritannien über Schottland, Irland, die Küstenländer des westlichen Mittelmeergebietes, bis Dalmatien. Osteuropa mit Kaukasus und Ural. Es gibt mehrere Unterarten, die bei uns bekannteste ist Columba livia neglecta, die sich durch ein etwas dunkleres Blau und ihren grauen Bürzel von der Nominatform unterscheidet. Ihr Vorkommen liegt in Turkestan bis zum südlichen Iran und Belutschistan, Afghanistan, Pakistan und das Himalajagebiet bis 4000 m Höhe.

 

Eine eigene Art bildet die Klippentaube (Columba rupestris), die Gebiete in der Mongolei bis hin zum Amurgebiet und weiter im Süden über Tibet bis zum Sichuangebirge nach Nordchina und Korea bewohnt. Im Grundpigment ist sie etwas heller als die Felsentaube und hat im Unterschied zu dieser eine weiße Binde quer über den Mittelteil des Schwanzes. Die Unterarten der Felsentaube sind untereinander fruchtbar, das gilt auch für die Klippentauben und natürlich auch für die Stadttauben. In der Natur leben sie ja weit getrennt, aber bei Haltung in Menschenhand sollte sehr darauf geachtet werden, dass die Unterarten rein gezüchtet werden. Natürlich ist ein Flug Felsentauben ein wundervoller Anblick und mit etwas Mühe auch gut zu bewerkstelligen, aber es besteht halt immer die Gefahr, dass sie sich Brieftauben anschließen und es zu Fremdbefruchtungen kommt. Das geht bei den temperamentvollen Täubern und paarungsbereiten Weibchen sehr schnell. Erkennbare Kreuzungstiere sollten deshalb gleich ausgemerzt und der Küche zugeführt werden.

 

Um die Felsentauben rein zu erhalten, kann also eine großzügige Volierenhaltung der sicherste Weg sein. Der sicherste, aber für die Tauben natürlich nicht der beste Weg. Sie sind nun mal für den Feiflug geschaffen, und nur da können sie ihren Bewegungs- und Beschäftigungstrieb ausleben. Hier holen sie sich auch viele Nahrungsergänzungen, wie Schnecken, Würmer usw., Dinge, die wir in der Voliere nie so anbieten können, wie die Tauben es sich selbst suchen würden. Felsentauben brüten je nach Witterung von März bis August, das richtet sich natürlich auch nach der Region und den Klimaverhältnissen in denen sie leben. Das Gelege besteht wie bei allen Tauben aus zwei Eiern, aus denen nach einer Brutdauer von 17 bis 18 Tagen Kücken (Nesthocker) schlüpfen, die gut gefüttert schnell heranwachsen und nach ca. 25 Tagen flügge sind. Hoffen wir, dass die urigen Ahnen unserer Haustauben in ihren Ursprungsgebieten immer genügend Lebensraum haben und in ihren verschiedenen Unterarten erhalten bleiben.     

 

Quelle: Bodo Dangela, Geflügelzeitung 15/2014



Extravagante Hühner:

 

Fell oder Feder?


Fell oder Feder? Foto: Michael von Lüttwitz
Fell oder Feder? Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: SV-Archiv
Foto: SV-Archiv



Im Reich der Haushühner gibt es im In- und Ausland auch extravagante Hühnertypen, die sich vom Klischee des Huhns auf dem Bauernhof deutlich abheben. So gibt es Hühner mit Seidengefieder; Inbegriff dieser Variante ist das aus China stammende Seidenhuhn. Und was auf Ausstellungen für unbedarfte Besucher wie ein Fell aussieht, ist eine besondere Federstruktur. Es fühlt sich ganz weich an, daher der Name. Das Flauschige der Feder ist darauf zurückzuführen, dass der Verzahnungsmechanismus der Federstruktur, der zur festen Feder führt, nicht funktioniert. Die Feder rollt sich ein, wird weich und wirkt zerschlissen. Seidenfiedrige Hühner sind flugunfähig. Der Zaun braucht also gerade mal so hoch zu sein, dass sie ihn nicht überspringen können. Wenn sie nicht die Nacht am Boden des Hühnerhauses verbringen sollen, muss die Sitzstange über eine Treppe zu erreichen sein.

 

Siamesische Zwerg-Seidenhühner, Foto: Michael von Lüttwitz
Siamesische Zwerg-Seidenhühner, Foto: Michael von Lüttwitz


Seidenhühner, Zwerg-Seidenhühner und Sia-mesische Zwerg-Seidenhühner gibt ausschließ-lich in Seidenfiedrigkeit, bei einigen anderen Arten gibt es neben der Normalfiedrigkeit Seidengefieder als Variante. In Tschechien wurde vor mehr als einem Jahrzehnt das seidenfiedrige Prager Huhn kreiert, das grüne Eier legte. Eine Anerkennung hat es aber nie gegeben. Seidenhühner sind wegen ihrer Kuscheligkeit gute Werbeträger und vor allem bei der weiblichen Bevölkerung überaus beliebt. Seidenfiedrigkeit verhält sich gegenüber der Normalfiedrigkeit rezessiv, d. h. bei der Kreuzung mit Hühnern mit normalem Federwerk, fallen erst mal normalfiedrige, spalterbige Tiere. Diese untereinander gepaart, gibt es wieder einen gewissen Anteil seidenfiedrige Kücken. Seidenhühner sind kuschelig, anhänglich und doch auch sehr lebhaft. Ein kleiner Stamm von ihnen ist eine Bereicherung für jeden schönen Garten.

 

Quelle: Michael von Lüttwitz, Geflügel-Börse 21/2014    

 


Das Rheinländer-Huhn

 

Seit mehr als hundert Jahren in Voerde zu Hause

 


Vor etwa 120 Jahren (1893) suchte Dr. Hans Rudolf von Langen nach einem Huhn, das widerstandsfähig war und viele Eier lieferte. Das deutsche Landhuhn aus der klimatisch rauen Eifelregion schien ihm geeignet. Mit einer Jahr­hunderte langen Zuchtaus-lese durch die Natur selbst hatte sich ein Typ durchge-setzt, der auch in seiner äußeren Erscheinung ziemlich konstant war. Unterschiede gab es lediglich in der Farbe des Gefieders und in der Kammform (Einfach- und Rosenkamm). Die ursprünglichen „Eifeler Landhühner“ waren silberhalsig und rebhuhnfarbig, es folgten schwarze und weiße. Als Industrieller und Gutsbesitzer hatte von Langen die besten Voraussetzungen, seine Idee zu verwirklichen. Schon um 1900 legten die besten Hennen 180 Eier im Jahr, das angestrebte Leistungshuhn war da!




1908 wurde die Rasse offiziell als „Rheinländer“ benannt, im selben Jahr wurde in Köln auch der „Rheinländerzüchterklub“ gegründet. Das Huhn ist auch heute noch sehr vital mit straffem Gefieder, Rosenkamm, weißen Ohrscheiben und schieferblauen Läufen sowie mit mehrjähriger, hoher Legeleistung und gutem Fleischansatz. Im Gegensatz zu reinen Lege- oder Masthühnern ist das Rheinländerhuhn somit eine typische Zweinutzungsrasse. Ein solches Zwiehuhn kann nur mittelgroß sein, weil nur solche Hühner eine hohe Legeleistung mit guter Fleischnutzung verbinden können. Auch die Jungtiere sind problemlose Pfleglinge mit frohwüchsigen Eigenschaften, die in der Befiederung schnell zulegen. Rheinländer haben mit 1,75 bis 2,5 kg auch ein gutes Schlachtgewicht. 

Die weißen Ohrscheiben sind dafür verantwort-lich,dass Rheinländer weißschalige Eier legen, egal ob das Huhn schwarz, weiß oder anders gefärbt ist. Die Eier wiegen etwa 60 Gramm. Heute gibt es Rheinländer in den neun Farbenschlägen Schwarz, Weiß, Rebhuhn-halsig, Blau-Rebhuhnhalsig, Silberhalsig, Orangehalsig, Blaugesäumt, Gesperbert und Weiß-Schwarzcolumbia. Bei dem vollen, straffen und breiten Gefieder mit dem breit angesetzten Schwanz kommen die einzelnen Farben sehr schön zur Geltung.

 

Nicht nur die unterschiedlichen Farbenschläge gefallen uns, auch die Form des Rheinländerhuhnes spricht den Liebhaber besonders an. Der Rumpf entspricht dem Bild eines liegenden Rechtecks (Kastenform) mit abgerundeten Ecken im Verhältnis von 8 : 5, das heißt acht Teile lang und fünf Teile tief. Man spricht hier vom „Goldenen Schnitt“ als Begriff des Schönen, wir erfreuen uns also an der ästhetischen Figur des Rheinländers. Der schöne Anblick ist aber erst dann perfekt, wenn ein Huhn sein Leben nicht in einem engen Käfig oder einer winzigen Voliere fristen muss, sondern wenn es sich – wie zu Beginn der Rassebildung – im Grünen frei bewegen kann. Diesen Platz haben die Rheinländer seit mehr als hundert Jahren auf dem Hof Sarres- Erlemann in Voerde.

 

Text: Manfred Loick, Fotos von Zfr. Schröer


 

 

 

Von urigen Feldlerchen aus Bayern

 

Bei den Feldlerchen handelt es sich um eine kräftige, normal gebaute Taube mit ockerfarbiger Lerchenbrust und der entsprechenden Zeichnung auf den Flügeln. Beschrieben wurde sie von Wilhelm Bauer, der ihr im Südosten Oberbayerns begegnete, im Geflügel-Spezialheft Tauben (2013). In dieser Gegend hat sich der „Landtyp“ wohl über zumindest Jahrzehnte gehalten – auch ohne Standard. Geschichtliche Informationen über diese Tauben gibt es wahrscheinlich kaum. Vielleicht, dass sich in der Literatur der eine oder andere Hinweis (unter anderem Namen) ausfindig machen lässt – das darf man nie ausschließen. 

 

 

0,1 Feldlerche, die 1975 auf der Ausstellung in München als Neuzüchtung vorgestellt wurde. Foto: Archiv GB
0,1 Feldlerche, die 1975 auf der Ausstellung in München als Neuzüchtung vorgestellt wurde. Foto: Archiv GB

Neu sind die bayerischen Feldlerchen nicht. Sie wurden im Januar 1975 anläs-slich der 14. Europaschau und 23. Deutschen Taubenschau in München als neue Rasse vorgestellt. Aussteller war A. Grimm aus Fischbachau, also aus der genannten Region. Über die acht vorge-stellten Feldlerchen schrieb der Bericht-erstatter J. Vögeli: „Figürlich gewöhnliche Feldflüchtertypen mit feurig orangefarbigen Iridien. Sehr unreine Grundfarbe, beson-ders im Kopf- und Bauchgefieder. Wenig präzise umrissene Lerchung, dazu oftmals noch sehr dunkel, in der Schwingenfarbe große Unterschiede, das Brustgold an-nehmbar.“ Fotografiert wurde eine Täu-bin, die die Note „gut“ erhielt und links abgebildet ist. Aus einer Anerkennung wurde nichts. Der Autor Joachim Schütte erwähnte die Feldlerchen in seinem Handbuch der Taubenrassen. 

Die Feldlerchen sind eine regionale Rasse, die sicherlich bei einigen Taubenzüchtern Interesse findet, wenn sie darüber lesen. Dass sie keinen Standard haben, macht ihre Existenz etwas „spannender“. Mit einer Standardbeschreibung wären sie so gesehen nur halb so interessant, zumal es einige Landrassen gibt, die in nahezu perfekter Form vorhanden sind. Genannt seien die Nürnberger Lerche, die Berner Lerche und die beliebte Coburger Lerche. Bei diesen Rassen sind die Gefiederfarben und die Flügeldeckenzeichnung genau vorgegeben.

 

Bei den Feldlerchen gibt es eine hellere und eine dunklere Grauvariante und weitere Schwankungen, was verständlich ist, aber die Zucht nicht einfacher gestaltet, zumal eine genaue Ockerbrustausprägung, gute Schwingenfarbe und so weiter hinzukommen. Es wäre daher schade, würde man die Feldlerchen in ein „Standard-Korsett“ zwängen; es ist nach der Meinung des Autors viel schöner, wenn die Feldlerchen so bleiben, wie sie sind – flotte und urige Landtauben, die eine schöne Heimat bewohnen und bereichern. Es ist natürlich erfreulich und notwendig, dass sich dortige Taubenzüchter nicht nur an ihren Feldlerchen erfreuen, sondern sie auch in der Tradition ihrer Zucht und heute im Sinne der Biodiversität erhalten. Dazu gehört, dass Feldlerchen prädestinierte Hofbewohner für den Freiflug sind, die Vitalität ausstrahlen und gute Vermehrer sind.

R. de Koster

 

Quelle: Geflügel-Börse 11/2014

Kontakt: Franz Heiß, Tel.: 0177 2841639

 

 

Vom Wild- zum Haushuhn

 

Bankivahühner, Foto: WPA Deutschland
Bankivahühner, Foto: WPA Deutschland

 

Was haben Mensch und Elster gemeinsam? Beide sind Eierräuber! Auf so einen einfachen Nenner könnte man die Beziehung des Menschen zu seinen Hühnern bringen. Noch immer ist der Sinn des Eierlegens die Fortpflanzung, und das glauben vermutlich auch die Hybridhennen in der Massenhaltung. Es hat sie ja niemand aufgeklärt.

 

Die Stammform aller Hühner ist das Bankivahuhn (Gallus gallus), beheimatet in Ost- und Südostasien. Domestiziert wurde es vor gut 4000 Jahren. Doch was heißt das schon? Ich denke, die Beziehung des Menschen zu seinen gefiederten Mitgeschöpfen ist so alt wie die Menschheit. Geflügel und Eier waren zu allen Zeiten wichtige Nahrungsmittel, das Geflügel wurde gejagt, und die Eier wurden gesucht und den Brutnestern entnommen. Je weiter der Embryo im Ei entwickelt war, desto besser. In einigen asiatischen Ländern gilt das heute noch als Leckerbissen.

 

Da lag es doch nahe, dass Mensch und Bankivahuhn sich näher kamen. Beide suchten Schutz in der dicht bewaldeten Landschaft. Diese Hühner waren wohl nicht so scheu wie Fasanen und Rebhühner. Möglich, dass sie auch nach Abfällen suchten, die von den Menschen hinterlassen wurden. Vielleicht wurden gelegentlich niedliche Küken nicht gleich verspeist, sondern aufgezogen. Domestikation hört sich  immer so großartig an. In Wirklichkeit war das ein Prozess, der sich über viele Generationen hingezogen hat.

 

Sind Wildtiere erst mal lange genug in Menschenhand, verändern sich Form und Farbe. Es sind Mutationen, die diese Veränderungen herbeiführen. Veränderungen, die unter den harten Bedingungen des natürlichen Lebensraums keine Chance zur Reproduktion hätten. Unter Schutz und Pflege des Menschen gedeihen sie, können sich weiter vermehren und ihre neuen Anlagen festigen. Als sich Mensch und Bankivahuhn erst mal zusammengetan hatten, ist genau das passiert. Es ging weiter und weiter, manches geschah gezielt, vieles zufällig.

 

Heute leben allein in Europa über 180 Hühnerrassen. Da gibt es schwere und leichtere, die einen haben mehr Fleisch, die anderen legen mehr Eier. Es ist schön, dass wieder zunehmend das Zweinutzungshuhn entdeckt wird, also Fleisch und Eier. Neben den Großen, gibt es zu vielen Rassen eine verzwergte Art, geschaffen für die kleinflächige Gartenhaltung und durchaus wirtschaftlich was Schlachtgewicht und Eierertrag betrifft.

 

 

Chabo, Foto: Udo Ahrens
Chabo, Foto: Udo Ahrens

 

Besonders interessant sind die Urzwerge. Das sind kleine Hühnchen, die keine großen Ebenbilder haben. Es gibt in Europa an die fünfzehn Arten und ihre nächsten Verwandten sind nach wie vor die Bankivahühner. Zu dieser Gruppe gehören auch die Chabo. Früher wurden sie japanische Bantam genannt, was auf ihre Herkunft hindeutet. Seit fünf Jahrhunderten kennt und pflegt man sie in kleinen Einheiten. Trotz dieser langen Periode ihrer Entwicklung, trotz der Ausrichtung auf Schönheitsmerkmale, wozu auch die Kurzbeinigkeit gehört, haben sich bei ihnen alle Attribute der Bankivahühner erhalten. Natürlich sind sie nicht scheu wie Wildhühner, sondern ruhig und freundlich, aber in ihrem robusten Verhalten, ihrer Zurückhaltung offene Flächen zu nutzen, ihrem guten Brutverhalten und dem fürsorglichen Umgang mit den Küken, an dem sich auch der Hahn beteiligt, zeigen sie noch immer viele Eigenschaften, die ihre wilden Vorfahren zum Überleben brauchten.     

 

Diese Chabo stehen stellvertretend für alle Urzwerge, ja im Grunde für alle Hühner, egal ob groß oder klein. Wie weit auch immer die Beziehung Mensch – Huhn zurückgeht (mit der planmäßigen Zucht sollen die Römer begonnen haben), in den Grundansprüchen an Ernährung, Schutz, Bewegung und Beschäftigung hat sich nichts verändert. Denken wir also über das Bankivahuhn nach, wenn wir über artgerechte Hühnerhaltung sprechen. Unser Frühstücksei soll doch von einer zufriedenen Henne stammen, und das Hähnchen am Grill sollte bis dahin glücklich gelebt haben.

 

Wolfgang Schreiber

 

 

Das kleine Hühnerhaus

 

Bilder bitte anklicken!

Die kleine Hühnerhaltung ist wieder im Kommen. Da weiß man, wo das Frühstücksei und des Huhn für eine gesunde Suppe herkommen. Helmut Sachsenhauser hat sich deshalb Gedanken gemacht, wie ein einfaches und kleines Hühnerhaus aussehen soll. Dieses Musterhaus kann leicht nachgebaut werden. Es ist auch gedacht für Geflügelzuchtvereine, die in Kindergärten und Schulen Werbung für das Hausgeflügel machen wollen. Ein paar dieser Hühnerhäuser sind schon vor Ort, so steht eins seit kurzem beim Hans Leinberger Gymnasium in Landshut. Die für dieses Haus angegebene Zahl von sechs Hühnern gilt für die Großen, Zwerghühner können es natürlich ein paar mehr sein. Auf unserer Homepage sind die abgebildeten Skizzen natürlich  nicht maßstäblich. Die Baulängen sind leider auch nicht zu erkennen. Aber die Maße finden sich ja im Text und natürlich sind Varianten zu diesem Haus auch möglich. 

 

Hühnerhaus mit Wintergarten

 

Für ca. sechs Tiere zur Eigenversorgung

 

Entwurf:         Helmut Sachsenhauser, AELF Pfaffenhofen/Landshut, Tel.: 0871 603191

Realisierung: Hubert Scherz, LfL Kitzingen

 

Überbaute Fläche gesamt:  2,50 m Länge, 2,43 m Breite = 6,08 m².

Grundfläche Stall:  1,70 m Länge, 1,15 m Breite = 1,96 m² nutzbare Stallfläche.

Besatz:  ca. 2,5 – 3,5 Tiere /m²  → Schwerkraftlüftung.

Wintergarten:  ca. 2,95 m² mit Staubbad (Staubbad im Winter im Stall).

Unterbau Stall und Wintergarten:  Betonverbundsteine 6 cm stark.

Konstruktionshölzer:  5 x 5 cm gehobelt.

Außenhaut:  Nut- u. Federbretter 18 mm, Sperrholzplatte 10 mm wasserfest.

Dach:  20 mm Sperrholz wasserfest, Nut- u. Federbretter, ausgesteift.

Stallboden:  Holzdielen Nut und Feder (OSB?), glatt, fugenlos, gut zu reinigen, Siebdruck-Platten (Betoplan, SFU).

Fenster:  Leichter Rahmen, unten nach außen aufklappbar, 80 cm breit, 100 cm hoch, Doppelstegplatte 10 mm.

Auslauf-/Stallschieber:  Betoplan-Platte,  6 – 8 mm oder Stegplatte 10 mm, 35 cm hoch, 40 cm breit, über elektrischen „Pförtner“ automatisierbar.

Schieberführung:  Aluschienen (z. B. Fenster-Rollladen-Führungen).

Geflecht für Wintergarten:  max. 12 mm Masche, Quadrat oder Sechseckgeflecht „Spatzen-sicher“ „Mäuse-sicher“.

Stalldach:  Dach gleich Decke wegen ausreichendem Luftraum.

Eindeckung Dach:  Bitumenschindeln, Onduline, Alutrapezblech.

Dachneigung:  21° (zwischen 20° und 25°).

Zu- und Abluftklappen:  An der Rückwand und im  Firstbereich des Stalls (verstellbar).

Kotbrett:  Betoplan 10 mm, darauf Rahmen 8 cm hoch, bespannt mit Kotgitter, darauf mittig die Sitzstange rund (5 cm Durchmesser) oder 5 cm breites Kantholz mit gerundeten Kanten.

Kleines Fenster in 1,40 m Höhe vom Vorraum in den Stall:  Plexiglas, ca. 40 cm hoch, 30 cm breit.

Gesamter Stall auch in wärmegedämmter Ausführung möglich.  Dämmung vor allem der Decke mit gesteppter Steinwolle oder PU-Schaumplatten. Abdeckung innen: OSB oder Sperrholzplatte.

Außenanstrich:  Wasserfeste Farbe, Sockelunterseite nicht vergessen!

Fugen im Stallinneren:  Mit Silikon oder Acryl ausspritzen (wegen Roter Vogelmilbe), Anstrich innen mit abgelöschtem Kalk.

Schuhe können im Vorraum gewechselt werden!

Auslauf:  Versetzbares Netzgewebe: ca. 50m Gesamtlänge, 1,60 – 1,80 m hoch (Fachhandel), stark frequentierte Stellen um den Stall ohne Bewuchs mit groben Hackschnitzeln abdecken.

Dachflächenwasser:  Mit einfacher Dachrinne ableiten.

Aufbewahrung der Gerätschaften:  Im Vorraum.

Beleuchtungskörper:  An Aussparung im Zwischenwandgiebel: ca. 40 Watt-Glühbirne oder 2 – 4 Watt LED warm-weiß. Steckdose für Tränkenwärmer (Winter), Zeitschaltuhr für zusätzliche Winterbeleuchtung (evtl. mit Gangreserve), Lichtschalter im Vorraum.

Staubbad:  Quarzsand Nr. 9 (fein, Baustoffhandel) zu fünf Teilen vermischt mit einem Teil Urgesteinsmehl.

     

 

  

 

 

 

Bewegung und Beschäftigung

 

Brünner Kröpfer, Foto: Jörg Walter
Brünner Kröpfer, Foto: Jörg Walter

Neben einem Dach über dem Kopf und der richtigen Ernährung zählen Bewegung und Beschäftigung zu den Grundbedürfnissen aller Lebewesen. Das gilt natürlich auch für unser Hausgeflügel im Allgemeinen und für unsere Tauben im Besonderen. Dabei sollten wir uns ein paar grundsätzliche Gedanken machen. Ca. 5000 v. Chr., also vor etwa 7000 Jahren begann die Domestikation der Tauben (Elena Tillmann, B.Sc – Bundesversammlung des BDRG – Schneverdingen Juli 2012). 7000 Jahre sind in der Evolution nur ein winziger Schritt, der praktisch noch keine wesentli-chen, umweltbedingten Veränderungen be-wirkt. Wenn dem so ist, dann haben unsere schönen Rassentauben noch immer die Grundbedürfnisse ihrer Vorfahren, der Felsen-tauben.

Wie sieht das nun in der Realität aus? Ein Dach über dem Kopf haben unsere Tauben, meist sogar ein sehr schönes. Richtig ernährt werden sie auch, da lassen wir uns ja einiges einfallen. Doch wie sieht es mit Bewegung und Beschäftigung aus? Ein Aspekt, dem heute bei den Wildtieren in der Zootierhaltung sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, weil man erkannt hat, dass Bewegung und Beschäftigung für das Lebensgefühl und damit für die Gesunderhaltung der Tiere äußerst wichtig sind. Felsentauben sind Vögel, die fliegen wollen, die feldern und den halben Tag mit der Futtersuche verbringen. Wir halten unsere Tauben seit ca vierzig Generationen fast ausschließlich in der Voliere. Wie gesagt, wir versorgen sie sehr, sehr gut. Aber sie können nicht fliegen, und vor allem, sie haben keine Beschäftigung. Zweimal täglich zehn Minuten fressen, alle paar Tage ein Massenbad. Eigenschaften – auch Abwehr-kräfte – verkümmern, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Die Anfälligkeit gegen Viren

                                                    und Keime nimmt zu. Wir sollten darüber nachdenken!                             

Kumru, Fotos: Daniel Schreiber
Kumru, Fotos: Daniel Schreiber

 

 

Freude mit Hühnern

 

Ein schöner, naturnaher Garten, eine bunte Flora und dazwischen ein paar zutrauliche Hühnchen. Das ist Wohlfühlen und Entspannung pur. Und immer mehr Menschen entdecken ihre Begeisterung wieder. Unsere Homepage will diese Gefühle sammeln und weiter transportieren. Dieses schöne Hühnerhaus haben wir im Chabo-Heft 2009/2 gefunden.

 

 

 

über_Sie

 

Die Österreicherin Barbara Kanzian bezeichnet sich selbst als typische Stadtpflanze mit allen möglichen Gewürzpflanzen auf ihrem kleinen Balkon. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, legt sie großen Wert auf frische, regionale und gesunde Lebensmittel, die sie sich auf dem nahen Bauernmarkt besorgt. Sie interessiert sich, woher ihr Essen kommt, und für die Menschen, die hinter den Produkten stehen. Sie mag Betriebe, die einen neuen Weg einschlagen und mutige Bauern, die mit viel Ehrlichkeit das Beste aus dem Boden, aus Tieren und Pflanzen herausholen. Für diese Landwirte und entsprechend interessierte Verbraucher hat sie die Plattform über_Land geschaffen.

 

über_Land

 

steht für ein gutes Bauerntum, für Menschen mit Begeisterung für das Land. über_Land zeigt eine menschliche Landwirtschaft, ohne dabei zu verklären, ohne Kitsch und romantisches Gefasel. Der Bauer, der seine Scholle liebt und das Beste herausholen will, ist nicht hinterwälderisch und konservativ, sondern modern und für die Zukunft aufgeschlossen. über_Land ist offen, innovativ und grenzenlos; deshalb richtet sich die Online-Plattform www.ueber-land.eu als privates, objektives und unabhängiges Projekt auch an den gesamten deutschsprachigen Raum. Wir bedanken uns bei Frau Kanzian, dass Sie uns einen interessanten Beitrag für eine gut durchdachte Hühnerhaltung überlassen hat.

Innovative Ideen aus der 

 

Hühnerhaltung

Anton Tropper hat eine Geflügelfarm im steirischen Hügelland (Ö). Um seinen 3500 Legehennen einen geschützten und anregenden Aufenthalt im Freien zu ermöglichen, hat sich Tropper für die Bepflanzung und Gestaltung der Aussenanlagen etwas Spezielles ausgedacht. Seit 1992 besitzt Anton Tropper seine Geflügelfarm. Die Hühner hatten zwar Zugang ins Freie, aber diese Fläche war kahl und unbepflanzt. Es gab für die Tiere weder genug Schatten noch Anregendes zum Scharren und Picken.

 

Tropper probierte viel aus, bis er auf die richtige Pflanze stieß: Kren (Meerrettich)! Der Landwirt baute reichlich davon an, und der Kren wuchs zu ordentlichen Pflanzen heran. Dieser kleine Krenwald sieht nicht nur hübsch aus, er bietet vor allem den Tieren den notwendigen Schatten und schützt die Hühner vor tierischen Räubern von oben. Und noch einen Vorteil bringt der Kren: Er entzieht dem Boden Phosphor und Stickstoff und stellt so eine umweltfreundliche Alternative zu anderen Pflanzen dar. Um den Auslauf weiter zu optimieren, schuf Tropper Flächen mit blühenden Pflanzen, und vor dem Stall sorgt eine eigene Pappelallee für die natürliche Beschattung des Gebäudes. Für dieses Gesamtkonzept wurde die Familie Tropper mit dem österreichischen Bundestierschutzpreis 2012 ausgezeichnet.

Das blaue Hühnerhaus

 

 

 

 

 

In einem großzügigen, bestens strukturierten Areal steht das blaue Hühnerhaus von Katrin Korth und Andrea Seyfried. Zu Hause sind sie in Lichtenau-Scherzheim , das liegt in der Nähe von Straßburg in der Rheinebene. Handwerklich sind die beiden Damen wohl gut drauf, denn ihren schönen Hühnerstall haben sie im Frühjahr 2008 innerhalb von zwei Tagen, überwiegend aus Rest-materialien, gebaut.

 

 

 

Die Holzrahmenkonstruktion wurde mit Fichten- und Kiefernplatten eingeschlagen, für die Innenauskleidung kamen OSB-Tafeln zur Verwendung. Alte Styropor-Platten gaben die Isolierung für den Boden und das Dach, das rustikal mit alten Ziegeln gedeckt wurde. Die großen Glasfenster, die auch schon mal an einem anderen Ort eingesetzt waren, verleihen dem kleinen Häuschen ein großzügiges Ambiente und bringen den Hühnern viel Licht in den Stall.

 

 

 

Eine bunt zusammen gewürfelte Hühnerschar bewohnt das schöne, blaue Haus und den großen, weitläufigen Garten. Es gilt lebenslanges Wohnrecht und die Hühner danken es je nach Persönlichkeit mit großen oder kleinen, weißen, braunen oder grünen Eiern. Hühnerhaltung macht Spaß, und bei Katrin Korth und Andrea Seyfried spürt man diesen Spaß, wenn man die vielen, schönen Bilder sieht.

 

W. Schr.                       Bilder anklicken!

 

 

 

Den nachfolgenden Aufsatz haben wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Magazins "Landlust" der Ausgabe März/April 2010 entnommen. Mit ihrem hübschen Hühnerhaus haben die Besitzer erfolgreich an einem Fotowettbewerb der Zeitschrift teilgenommen. 

 

Romantische Alleinlage mit Spitzdach

 

in Nordseenähe

 

 

< Alte Technik: Ein Holzriegel verschließt die Tür zum Hühnerstall

 

 

Seit 2001 lugt das stolze Dach dieses Hühnerstalls zwischen den grünen Sträuchern hervor. Edda Harms und Hannes Kunde aus Butjadingen fertigten ihn aus sägerauem Lärchenholz. Eine verzapfte Balkenkonstruktion aus 10 x 10er Kantholz gibt dem Bau Halt. Zum Schutz vor Bodenfeuchtigkeit stellten sie den 2 x 2,50 Meter großen Stall auf vier Findlinge – der entstandene Raum wird von den vier Hennen gern als Versteck genutzt. Das Dach ist an seinem höchsten Punkt vier Meter hoch und wurde passend zu ihrem denkmalgeschützten Gulfhof mit alten Hohlpfannen gedeckt. Auf einer Giebelseite sorgen zwei Fenster für ausreichend Licht im Stall.

 

Kleine Hühner- und Entengeschichte

 

Das bunte Hühnerhaus der Familie Fanter (Fotowettbeberb März/April 2010 "Landlust")

 

 

Im Sauerland, auf dem Lande, wohne ich seit 16 Jahren, und nach der Katze kamen auch gleich die Hühner. Auf einer Geflügelausstellung in der Nähe haben wir uns auf Anhieb in die Australorps verliebt. Groß, gemütlich, ruhig, zahm und Eier legend. Wunderbar! Erst war es eine kleine Hütte, die wurde aber bald durch eine größere und besser zu säubernde ersetzt. Die Hühner hatten von Anfang an einen großen Auslauf, im Winter dürfen sie den ganzen Garten erkunden.

           

Im Laufe der Zeit kamen noch gelbe Orpingtons dazu, und ab und zu mal aus der Nachbarschaft ein neuer, anders gefärbter Hahn. So haben wir jetzt schwarze, gelbe, weiße und gestreifte Hühner; die Australorps setzen sich am meisten durch. Irgendwann wurde der Zaun auf 1,80 m erhöht und das kleine Hühnerhaus durch einen bunt bemalten Hühnerpalast ersetzt; auch bei schlechtem Wetter sollen die Tiere genug Platz haben.

           

Die Hühner halten wir zum einen der Eier wegen, die sie uns fast jeden Tag schenken, aber es ist auch unglaublich beruhigend, ihnen zuzuschauen und zuzuhören, wenn sie mit ihrem ruhigen Verhalten nach Würmern, Insekten und anderem Essbaren suchen und scharren. Die Hähne geben gutes Fleisch, der Althahn wird ja alle zwei Jahre ausgetauscht und auch die jungen Hähne müssen wir dann schlachten, wenn wir niemanden finden, der gerade einen Junghahn sucht. Ein weiterer Punkt ist die Verwertung von Essensresten. Obwohl wir und auch schon unsere Tochter sehr darauf achten, angesichts der weltweiten Verschwendung von Lebensmitteln, vernünftig mit Essen umzugehen, ist es doch ein gutes Gefühl, dass die Hühner noch die letzten Reste verwerten; dafür dürfen sie solange leben wie sie wollen.

           

Die Laufenten, die sich mit den Hühnern den Stall teilen, haben wir überwiegend wegen der Schnecken angeschafft. Sie sind gute Wächter, und die Laufentendamen kommentieren jeden Besucher lautstark und sehr rechtzeitig. Leider sind sie nicht so zahm wie die Hühner, und man kann sie weder streicheln noch auf den Arm nehmen. Laufenten glucken sehr gut und gründlich, sehr viel besser als die Hühner. Die Erfolgsquote lag bisher immer bei 100 %. Auch, wenn mal ein Marderhund, wie in diesem Jahr, ein Tier holt, haben wir viel Freude mit unserem Federvieh.

 

Kristina Fanter                                                                                     Fotos anklicken! 

 

Chabo-Liebhaberei

 

Mit diesem schönen Foto hat sich Familie Chalupka erfolgreich am Fotowettbewerb 2010 des Magazins "Landlust" beteiligt.
Mit diesem schönen Foto hat sich Familie Chalupka erfolgreich am Fotowettbewerb 2010 des Magazins "Landlust" beteiligt.

 

Zwanzig Jahre ist es her, da haben Heidi und   Michael Chalupka aus Hestoft an der Schlei bei Freunden die Chabo, muntere Zwerghühner aus Japan, entdeckt und waren bald stolze Besitzer einer kleinen, bunten Chaboherde.   Als sie dann im   Freilichtmuseum in Rahden ein kleines Häuschen entdeckten, wussten sie gleich,  dass das die ideale Unterkunft für ihre Zwerge inmitten ihres schönen Gartenambientes wäre.  Michael  Chalupka nahm Maß und baute 1999 auf seinem Grundstück das Häuschen nach.   Das Fachwerk aus Eichenständern wurde mit alten Feldbrandsteinen ausgemauert und mit Reed abgedeckt.  Der knapp  3,30 Meter hohe  Stall hat eine Grundfläche von 2 x 2,35 Meter und ruht auf groben Findlingen.

Den schönen, kleinen Stall teilen sich neun bunte Hühner mit zwei Hähnen und dem gemeinsamen Nachwuchs. Sie bringen viel Leben in den schön bepflanzten Garten, und können im Schutz der Bäume und Sträucher, vor Raubvögeln sicher, ihre Küken aufziehen. Dabei spielen die beiden Hähne eine wichtige Rolle. Sie kümmern sich mit großer Hingabe und Aufmerksam um das Jungvolk. Die Chabo, als sehr alte Rasse, zeigen noch in vielen Punkten das Verhalten ihrer Vorfahren, der Bankiva-hühner. Den Chalupkas machen die „kleinen Grotesken“ viel Spaß. Sie pflegen im ihrem großzügigen Gelände gern alte, gefährdete Rassen. Zur Zeit tummeln sich Pommersche Wollschafe auf den Weiden um ihr Haus. 

                                                                                                                                            W. Schr.

K R O P F T A U B E N

 

 

 

 

 

Kropftauben haben eine lange Geschichte. Wie weit diese zurückgeht, wissen wir nicht. Das Blaswerk ist sicherlich aus dem Aufplustern des Halses beim Balzgebaren der Täuber entstanden. Ob es durch eine oder mehrere Mutationen gefördert wurde, ist eine offene Frage. Sicher ist, dass gut blasende Täubinnen erst in neuerer Zeit gezüchtet wurden. Vorher war der Täuber das Sinnbild von Kraft und Stärke, immer bereit sein Heim und seine Familie zu verteidigen. Die Täubin sollte betont zarte Weiblichkeit ausstrahlen.

 

 

J. F. Engelhard – Künstler, Verleger, Redakteur und leidenschaftlicher Geflügelzüchter. Isabellen, 1883 nach im Besitz von E. Mengering befindlichen Brünnern gemalt.

Das älteste Bild, das ich gefunden habe, ist das von Hondekoeter 1665. Damals wurden Landschaften und Tiere sehr wirklichkeitsbezogen gemalt, und wir sehen zwei Großkröpfer vor 350 Jahren mit kräftigem Blaswerk. Dieses Blasvermögen ist ja in die Kritik gekommen, und ich bezweifle, dass die Kritiker sich jemals mit der langen Geschichte unserer Kropftauben beschäftigt haben.

           

Im Vergleich zu dem Bild von 1665 hat sich das Blasvolumen unserer Kröpfer sehr positiv entwickelt, und gerade in den letzten zehn Jahren wurden von einigen Sondervereinen große Anstrengungen unternommen, die Kropfdarstellung auf ein vernünftiges und kompaktes Maß zurückzuführen. Durchhängende Kröpfe sollten der Vergangenheit angehören. Da dürfen auch noch so viele „V“-Bewertungen kein Argument sein.

 

 

Blau- und schwarzgeherzte „Oplopers“. Ausschnitt aus dem Originalgemälde von Melchior Hondekoeter, 1665

 

Auch der Einsatz von Ammen ist nicht mehr zeitgemäß. Ich behaupte, dass alle Kröpfer ihre Jungen selbständig aufziehen, wenn man ihnen nur Gelegenheit gibt, ordentliche Nester zu bauen und sie den Brutbeginn selbst bestimmen können. Ich weiß, die Ausstellungen …, aber da müssen wir eben Prioritäten setzen, und naturgemäßes Verhalten sollte Vorfahrt haben. Taubengerichte sind schmackhaft und gesund. Das müssen unsere Kröpfer wissen, wenn sie über ihr Brutverhalten nachdenken! Freuen wir uns auf einen demnächst in der Geflügel-Börse erscheinenden Artikel von Christian Reichenbach über die Geschichte der Kropftauben.          Wolfgang Schreiber