WASSERWILDGEFLÜGEL II

 

Graugänse, Foto: Dick Hamer
Graugänse, Foto: Dick Hamer

 

Beschriebenes Wasserwildgeflügel II:

 

Prachteiderenten - Löffelenten  -  Bergenten  -  Baikalenten  -  Bahamaenten  -  Kapenten  -  Zwergsäger  -  Schellenten - Schwarzenten  -  Rothalsgänse  -  Rotschulterenten  -  Afrikanische Zwerglanzente 

 

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Schellenten

 

 

Bucephala clanguia, wie die Schellente wissenschaftlich heißt,

hat ihre Brutheimat in der gesamten nördlichen Nadel-waldzone der alten und neuen Welt. Sogar in Deutschland sind einige Brutvorkommen bekannt. Die Schellente ist damit eine Art, die mit kalten Temperaturen zurechtkommt und somit auch für Züchter in mitteleuropäischen Gefilden besonders interessant ist. Erpel und Ente sind aufgrund ihres völlig unterschiedlichen Federkleides einwandfrei zu unterscheiden.

Auch ihr Stimmrepertoire ist sehr unterschiedlich. Wenngleich die Schellenten zuweilen in Deutschland brüten, wird ihre Anwesenheit vor allem im Winter offenkundig, denn Deutschland ist für diese Entenart ein beliebtes Winterquartier. Das gilt für die Nord- und Ostsee ebenso wie für zahlreiche Seen und Flussläufe bis in den Süden unseres Landes. Auch Großbritannien und Irland sind Überwinterungsquartier. In Asien trifft man sie in China, Japan, Myanmar, Indien und vielen anderen Ländern über den Winter an.

 

 

Für die Brut werden Waldseen oder bewaldete, langsam fließende Flussarme genutzt. Als anpassungsfähige Art weicht sie bei Bedarf auch auf andere Regionen aus, und auch geschützte Meeresbuchten sind kein Tabu. Schellenten kommen in aller Regel schon verpaart (Brutehe) in ihren Brutgebieten an. Als Höhlenbrüter suchen sie sich einen  geeigneten Baum in Gewässernähe, möglichst innerhalb eines Kilometers, selten bis zu drei Kilometer vom Wasser entfernt. Eine geeignete Nisthöhle zu finden ist nicht einfach, denn sie sollte ca. 45 cm tief sein und ein Einschlupfloch von etwa 10 cm haben. Aufgehängte Nistkästen werden gerne angenommen. Ohne ein besonderes Nest zu bauen, legt sie in den Baummulm der Nisthöhle sechs bis elf Eier, aus denen nach ca. 30 Tagen die Jungen schlüpfen. Bis dahin hält der Erpel Nestwache, dann wandert er ab, um zu mausern. Die Küken sind nach ca. zwei Monaten flugfähig. 

 

Mit ihren ausgeprägten Krallen

können die Enten problemlos ihre Bruthöhlen anfliegen. Die geschlüpften Jungen klettern mit Hilfe ihrer Krallen in der Bruthöhle hoch und springen dann, teils aus enormer Höhe, auf den Waldboden, um anschließend im Entenmarsch zu dem Gewässer zu marschieren, auf dem sie heranwachsen werden.

Obwohl die Schellenten vor allem im Herbst auf ihren Überwinterungsgewässern reichlich pflanzliche Nahrung, besonders Samen von Laichkräutern und Tausendblatt aufnehmen, ebenso Brutzwiebeln und –knöllchen von Pfeilkraut und anderen Pflanzen, liegt der Schwerpunkt ihrer Nahrungsaufnahme doch auf tierischer Kost. Alles, was der Schnabel erwischen kann, wird verzehrt: Wasserwanzen, Schwimmkäfer, Wasserasseln, Krebstierchen, Mollusken, Würmer, kleine Fische und Fischlaich, vor allem aber Insekten und ihre Larvenformen.  Dabei können sie um die 30 Sekunden unter Wasser bleiben und bis zu vier Meter tief tauchen.

 

Bei einer Haltung in Menschenhand kommt es natürlich auf die richtige Ernährung an. Körnerfutter, auf einem Futterbrett unter Wasser angeboten, wird gerne aufgenommen. Daneben ist tierische Nahrung sehr wichtig, hier gibt es entsprechende Angebote im Futtermittelhandel. Wasser ist ihr Element, unabkömmlich für ihre Gesundheit und muss deshalb immer aufgesucht werden können. Ein Stall oder ein zugfreier Unterstand schützen im Winter. Je nach Flugfähigkeit der Schellenten werden die Nistkästen in der richtigen Höhe angebracht. Hygiene im Auslauf und erstklassige Wasserqualität des Schwimmteiches sind für eine gesunde Aufzucht der Küken unbedingt erforderlich.

 

In der Natur wird ihr Lebensraum durch Rodungen immer mehr eingeschränkt. Dennoch ist die Art noch sehr gut verbreitet. Allerdings könnte die Klimaerwärmung ihre Verbreitungsgebiete einschränken. Da sie sehr problemlos zu halten sind, wäre es schön, wenn sich die Züchterschaft verstärkt dieser attraktiven Entenart zuwenden würde.

 

 

Thomas Schneider, Geflügel-Börse 21/2015   

Fotos: (C) Lietzow Naturfotografie      

 

 

Prachteiderenten

 



Die Prachteiderente gehört zu den Meeresenten. Verwandt ist sie mit der bei uns heimischen Eiderente, ist aber viel weiter nördlich in der Subarktis zu Hause. An den polaren Küsten Europas, Asiens und Nordamerikas haben die Prachteiderenten ihr Brutgebiet. Von dort wandern sie bis 100 km flussaufwärts ins Landesinnere und besiedeln zahlreiche Seen. Vegetationsmäßig ist ihre südliche Verbreitungsgrenze die Strauchtundra. In Europa, wenn man einmal von Russland absieht, trifft man sie auf Spitzbergen als Brutvogel an. Im milderen Nordskandinavien und Island finden wir sie im Winter, genauso wie auf den nordschottischen Inseln und Grönland. Um in der Subarktis überleben zu können, sind sie Allesfresser, die tierische Nahrung der pflanzlichen vorziehen. Muscheln, andere Weichtiere, Krebse, Seeigel und Seesterne stehen auf ihrem animalischen Speiseplan genauso wie Insekten und deren Larven. Auch junge Mäuse und Amphibien werden nicht verschmäht. Um an ihre Nahrung zu gelangen taucht die Prachteiderente bis zu 15 Meter Tiefe und hat mit einer Tauchzeit von zwei Minuten keine Probleme. Die pflanzliche Kost beschränkt sich weitgehend auf Wasserpflanzen und deren Samenstände.


Mitte Mai bis Anfang Juni erreichen die Prachteiderenten ihr Brutgebiet. Die schon verpaarten Enten zeigen ein auffälliges Balzspiel. Sie bilden kleine Brutkolonien, dabei können die Nester gelegentlich sehr nahe beieinander sein. Gerne nisten sie auch in Möven-, Gänse- oder Eiderentenkolonien. Dabei kann es sogar zu Mischverpaarungen kommen. Das Nest wird mit Daunen gut ausgepolstert, die vier bis sieben olivgrauen Eier werden, wenn das Gelege vollständig ist, was bis in den Juli hinein dauern kann, ca. 23 Tage bebrütet. Die Ente führt die Kleinen zu einem nahe gelegenen Gewässer, wo sich Kükentrupps zusammenschließen. Die Mütter verlassen sie bald, einige bleiben aber als „Kindergärtnerinnen“ zurück. Sie fliegen später, wenn die Küken nach sieben bis acht Wochen flügge sind, mit ihnen ans Meer, wo sie bleiben, bis das Eis zu einer festen Decke wird. Dann beginnt die Reise in die Winterquartiere.


In Menschenobhut finden wir Prachteiderenten selten. Sie brauchen einen großen Teich mit klarem, am besten stetig zulaufendem Wasser. Wird das Wasser nur umgewälzt, braucht es eine sehr gute Filterpumpe, denn die Wasserqualität ist für den Zuchterfolg ausschlaggebend. Ein eiweißreiches Futter hält die Prachteiderenten fit, dazu getrocknete Garnelen und eine Körnerration. Das Futter muss von guter Qualität sein und der Futterplatz sehr sauber gehalten werden. Um den Teich nicht zu verunreinigen, sollte das Schwimmfutter etwas entfernt in einem Gefäß neben einem größeren Futterwasserbecken gereicht werden. Für die Brut wollen diese Enten ein deckungsreiches Gehegeareal mit Sträuchern und Stauden. Prachteiderenten vertragen keine Stallhaltung, sollten aber in der kalten Jahreszeit einen trockenen Unterstand aufsuchen können. Die Einstallung im Zuge der äußerst fragwürdigen Aufstallungsverordnung in Verbindung mit der Vogelgrippe bei allen Eiderenten ein Akt ausgesprochener Tierquälerei.

Bärbel Schneider – Geflügel-Börse 12/2015

Fotos: Michael von Lüttwitz          

 


LÖFFELENten

 

AUF FÜNF KONTINENTEN ZU HAUSE

 

Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz


Löffelenten sind sehr eindrucksvolle Vögel. Sie gehören zur Gruppe der Schwimmenten und sind etwas kleiner und schmaler als Stockenten. Bis auf eine Art haben die Erpel ein Prachtkleid. Alle Arten haben hellblaue bis graublaue kleine Flügeldecken, die im Flug sehr eindrucksvoll zu sehen sind und grüne Spiegel. Die bei den Erpeln schwarzen und den Enten unterschiedlich braunen Schnäbel wirken wuchtig. Die Iris der Erpel ist gelb, die der Enten braun. Löffelenten sind sehr scheu und gelten als die schnellsten Flieger unter den Enten. Ihr Lebensraum sind Gewässer mit gut bewachsenen flachen Uferrändern und schlammigen Schilfgürteln, in denen sie gut schnattern können. Waldseen und vegetationsarme Seen meiden sie. Nach der Brutzeit finden wir die in Deutschland lebende Art auch an der Nordsee im Watt. Alle Arten sind in ihrem Bestand nicht gefährdet und werden in ihren Verbreitungsgebieten bejagt.

 

Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz

Löffelenten haben den perfektesten Seihschnabel von allen Entenarten. Die Hornlamellen bilden im geschlossenen Schnabel einen Kamm. Wenn die Enten das Wasser mit der Zunge aus dem Schnabel drücken, bleiben die Nahrungsteilchen wie Wasserflöhe, Hüpferlinge usw. hängen und können abgeschluckt werden. Schnattern und Gründeln ist anders als bei anderen Entenarten. Beim Schnattern bewegen sie den Kopf seitlich hin und her, die Schnabelspitze unter Wasser. Interessant ist ihr „Schwimmgründeln“. Sie schwimmen, stecken den Kopf unter Wasser, schwimmen weiter und stecken den Kopf wieder unter Wasser. Auf einem großen Gewässer sieht man bei der Nahrungsaufnahme in der Gruppe ein Synchronverhalten – alle machen das Gleiche. Löffelenten sind keine niedlichen Entlein. Mit ihrem derben, spatelförmigen Schnabel wirken sie etwas utopisch, sind aber sehr attraktiv und eine Zierde für jeden Gesellschaftsteich.

 

Fotos: Michael von Lüttwitz
Fotos: Michael von Lüttwitz

Löffelenten sind einfach zu halten.  Sie durchsieben laufend die Wasseroberfläche nach Fressbarem, Wasserlinsen sind eine optimale Nahrung. Deshalb ist auch ein größerer Teich bei der Haltung angebracht. Der Auslauf sollte gut bewachsen sein mit Hochgräsern und Sträuchern. Das erleichtert auch die Nistplatzsuche und ermöglicht die Nachzucht zur Freude des Züchters. Das Nest wird weit vom Teich entfernt angelegt. Die Eier haben eine grünliche Färbung. Nach nur 24 bis 26 Tagen schlüpfen die Jungen, die wie ihre Eltern ein eiweißreiches Futter brauchen. Den Kleinen reicht man in den ersten Tagen feinkörniges Schwimmfutter und Wasserlinsen. Später werden sie wie andere junge Enten gefüttert. Löffelenten sind mit einem Jahr fortpflanzungsfähig, beginnen aber meist erst im zweiten Jahr mit dem Legen. Will man Nachzucht erhalten, sollte nur eine Art der Löffelenten auf  dem Teich gehalten werden. So können wertlose Kreuzungstiere vermieden werden.

 

Es gibt fünf Arten Löffelenten:

 

Europäische Löffelente (Anas clypeata). Die Europäische Löffelente, schlicht Löffelente genannt, ist in ganz Europa und darüber hinaus, wie im Norden Nordamerikas und in Asien verbreitet. Im Winter trifft man sie in China, Indien, Afrika, Mittelamerika, Südeuropa selbst in Australien an. Die Erpel gehören im Prachtkleid, das sie von August/September bis Juni/Juli tragen, zu den schönsten ihrer Art. Die Enten ähneln in Farbe und Zeichnung der Stockente.

 

Südamerikanische Löffelente (Anas platalea). Sie findet man in Argentinien und Chile; im Winter in Südbrasilien, Uruguay, Bolivien und Südwestperu. Die Erpel tragen ganzjährig ihr Prachtkleid, die Enten sind bedeutend heller als die Enten der anderen Löfflerarten.

 

Südafrikanische Löffelente (Anas smithii). Sie ist in der Kap-Provinz und in anderen Gebieten Südafrikas, in Namibia, in Botswana und in Zimbabwe verbreitet. Der Erpel trägt ganzjährig kein Prachtkleid, was ihn recht unattraktiv macht. Von der im Vergleich mit anderen Löfflerarten dunkleren Ente unterscheidet er sich nur durch den graueren Kopf, die purpurblau glänzenden Armschwingen und die schwarzen Schwanzfedern.

 

Australische Löfflerenten (Anus rhynchotis rhynchotis) sind eine Unterart im Südwesten und Südosten Australiens. Der Erpel trägt ein besonders attraktives Prachtkleid mit blauem Kopf und weißem Halbmond zwischen Auge und Schnabel. Die eher dunkelbraunen Enten zeigen nicht das helle Braun der Europäer.

 

Neuseeländische Löffelenten (Anas rhynchotis variegata) findet man als Unterart auf den beiden Hauptinseln Neuseelands. Erpel und Ente entsprechen der australischen Unterart, die Erpel sind aber etwas kräftiger gefärbt. Es ist durchaus möglich, dass australische Löffelenten einfliegen und sich die beiden Unterarten vermischen.

 

Quelle:

Hans-Günther Kaiser, Geflügel-Börse 10/2015   

 

 



BEI UNS NUR Wintergäste

 

Die bergenten


Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz



Die Bergente ist keine heimische Entenart.Mit dem Herbstzug aus dem nördlichen Europa treffen wir sie aber in den deutschen Küstengebieten als Wintergäste an. Im Frühjahr verlässt die Bergente ihre Überwinterungsge-biete wieder, Zu gelegentlichen Bruten in Mitteleuropa kommt es selten. Es gibt zwei Unterarten, die Eurasische Bergente (Ayhya marila marila), die im gesamten Tundragürtel von Nordskandinavien bis zum sibirischen Fluss Lena ihre Brutgebiete hat, und die Amerikanische oder Pazifische Bergente (Ayhya marila mariloides), die man im restlichen Sibirien bis Nordamerika in einer etwas kleineren Form antrifft. Sie unterscheidet sich von ihrer eurasischen Verwandten auch durch ihr markanteres Rückengefieder und den schwarzen Kopf mit purpurnem Glanz. In den Überlappungsgebieten der Lena kommt es zu Mischformen der beiden Arten dieser zur Gruppe der Tauchenten gehörenden, mittelgroßen Enten.

Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz

Im April bis Mai, nach Eintreffen der Bergenten in ihren Brutgebieten,beginnen Paarbildung und Balz. Mitte Mai bis Juni beginnt entsprechend dem Klima in der Tundra die Brut. Die Jungen entwickeln sich rasch und wachsen in 50 Tagen vom Kücken zur flugfähigen Jungente heran. In ihrem Brutgebiet verwandelt die Schneeschmelze das im Untergrund gefrorene Land in eine üppige Seenlandschaft. Die guten Bedingungen, welche die Bergenten hier vorfinden, kann man am besten bedenken, wenn man weiß, dass allein die Lena, die Trennungslinie der beiden Unterarten ein Einzugsgebiet hat von der siebenfachen Größe Deutschlands. Das ganze Leben ist in dieser Zeit in Fortpflanzungslaune, der Tisch also reich gedeckt, und daher auch das schnelle Wachstum der Jungenten. Tierische Nahrung (Weichtiere, Wasserinsekten, Frösche, kleine Fische) bevorzugen sie, aber auch Blätter, Knospen, Blüten und Samenstände der Wasserpflanzen ergänzen die Nahrungspalette.

 

Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie

Ihre Nester bauen Bergenten in guter Deckung in der Nähe von Gewässern.Der Erpel hält Nestwache, beteiligt sich gelegentlich auch anfangs auch an der Aufzucht der Kücken. Meistens verlassen sie aber schon in der zweiten Bruthälfte ihre Partnerinnen. Die Ente zieht die Kleinen also allein groß und begibt sich mit ihnen, wenn sie flugfähig geworden sind, zu den Küstengebieten, wo gehaltvolle Muscheln zur Hauptnahrung werden. Bergenten lassen sich auch in Menschenhand gut halten. Zur Brut schreiten sie ab dem dritten, zuweilen auch ab dem vierten Lebensjahr. Der Teich sollte groß und die Umgebung gut bepflanzt sein. Diese Enten sind sehr robust und ihre Fütterung komplikationslos. Grundfutter ist ein gutes Hühnerkörnerfutter mit Kleinsämereien ange-reichert. Der Eiweißbedarf kann mit Schwimm-futter für Meeresenten gut abgedeckt werden, auch Forellenfutter kann hilfreich sein. Vor allem die Jungtiere brauchen tierische Kost. Dazu Wasserlinsen und klein geschnittenes Grünzeug, und die schönen Bergenten gedeihen prächtig.

 

Quelle:

Bärbel Schneider, Geflügel-Börse 3/2015         



BAIKALENTEN


Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz

Die Erpel der Baikalenten fallen sofort ins Auge, denn ihr farbenfrohes Prachtkleid ist einfach ein Hingucker. Ihr wissenschaftlicher Artenname Anas formosa bedeutet schöne Ente. Wie im Entenreich üblich, hat die Ente ein schlichtes und einfaches Tarnkleid. Sie muss sich ja während der Brut gut an die Umgebung des Nestes anpassen, um nicht aufzufallen, während für den angeberischen Erpel auffallen alles ist. Der Ente genügt als besonderes Erkennungs-zeichen ein kleiner, heller, runder Fleck direkt nach dem Oberschnabelansatz. Die besonderen Laute des Erpels während der Balz haben der Art auch die Bezeichnung Gluckenenten beschert. Dagegen quakt die weibliche Baikalente ganz in Entenmanier. Die Brutheimat dieser Entenart ist vornehmlich Sibirien und erstreckt sich vom Baikalsee bis zum Nordmeer, gelegentlich bis Alaska. Ihre Überwinterungsgebiete liegen in China und Japan. Dort findet man große Ansammlungen von Baikalenten, oft vergesell-schaftet mit anderen Entenarten.

 

Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie


Ihr Brutgebiet ist immer ans Wasser gebunden. In Ufernähe baut die Ente im Gras oder im Schutz von Wurzeln, Sträuchern und Steinen ihr mit Federdunen und Gras ausgepolstertes Nest. Mit dem Gelege hat der Erpel keine Verwendung mehr für sein Prachtkleid, er fliegt mit seinesgleichen zum Nordmeer, um dort zum schlichteren Ruhekleid zu wechseln. Bald schlüpfen die kleinen Entlein und wachsen im kurzen Sommer in Sibirien enorm schnell heran. Vom Schlupf weg finden sie einen reich gedeckten Tisch an pflanzlicher und tierischer Kost, denn in der kurzen Sommerzeit „explodiert“ geradezu das Leben in der arktischen Region. Mit 35 Tagen sind sie voll befiedert. Bei dem guten Nahrungsangebot verläuft auch die Mauser der Ente sehr zügig, und schon im September setzt sie mit ihrem Nachwuchs zum Flug in die Winterquartiere an, wo sie sich mit den inzwischen recht schmucklosen Herren der Schöpfung zu großen Schwärmen vereinigen. 

Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz



Für die Haltung in Menschenhand ist die Baikalente ideal geeignet. Sie ist sehr robust und verträgt mitteleuropäische Winter problemlos. Ein trockenes Schutzhaus oder ein geschützter Unterstand sind schon nötig und vor allem der tägliche Zugang zum Wasser. Weil sie sehr verträglich ist, kann man sie in einem größeren Gehege gut mit anderen Enten- und Gänsearten vergesellschaften. Die Fütterung ist einfach, vorgequollenes Körnerfutter wird gern genommen und natürlich auch alle Arten von tierischem Futter. Auch viel pflanzliche Kost, vor allem Wasserlinsen, ist für eine gesunde Ernährung sehr wichtig. Kleine Baikalentenkücken sollten grundsätzlich von der Mutter aufgezogen werden. Für ihr Nest braucht die Baikalente einen guten Bewuchs in Ufernähe, auch Bruthütten werden gern angenommen. Brutbeginn ist Ende Mai, nach ca. 26 Tagen schlüpfen die Kücken. Die Populationen der Baikalenten in der Natur sind zwar rückläufig, aber zurzeit nicht gefährdet.

 

Quelle:

Bärbel Schneider, Geflügel-Börse 23/2014      

 



SCHÖN UND BELIEBT

 

Bahamaenten





Die Bahamaenten (Anas bahamensis) leben auch auf den Bahamas, wie der Name ja schon vermuten lässt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich aber über die gesamte karibische Inselwelt, die Küstenregionen und das Hinterland im Norden von Südamerika und man trifft sie auch in Nord-Chile und Süd-Peru, Bolivien, Paraguay, Süd-Brasilien und Nord-Argentinien an. Bei diesem riesigen Verbrei-tungsgebiet haben sich natürlich verschiedene Unterarten ausgebildet, die sich aber nur geringfügig unterscheiden. Das auffälligste Merkmal aller Bahamaenten ist sicherlich der schwarze Schnabel mit dem auffallenden, leuchtend roten Fleck an der Basis des Oberschnabels. Die blaugraue Grundfarbe ist eher unscheinbar, die weiße Zeichnung von der Schnabelbasis ausgehend, unter dem Auge vorbei in einem Bogen zum Halsansatz verlaufend, verleiht dem Kopf ein markantes Aussehen. Farblich unterscheiden sich die Geschlechter 

Der Lebensraum der Bahamaenten ist je nach Vorkommen sehr unterschiedlich. Sie leben in Küsten- bzw. Mangrovensümpfen und Lagunen ebenso, wie auf Flüssen, vor allem deren Deltas, und auf flachen Süßwasserseen. Hier finden sie ausreichend Nahrung, sie verzehren viel pflanzliche Kost und holen sich als Ergänzung Kleinlebewesen gründelnd und seihend aus den flachen Wasserbereichen. In der wassernahen Vegetation baut die Ente ein gut verborgenes Nest, in das sie acht bis zwölf Eier legt. Nach ca. 26 Tagen schlüpfen die Jungen, die als Nestflüchter schnell den Weg ins Wasser suchen, wo sie vor allem von ihrer Mutter sehr fürsorglich betreut werden. Bei dem guten Nahrungs-angebot wachsen sie schnell und kräftig heran. Spätestens nach acht Wochen sind sie flugfähig und nach einem Jahr sind sie geschlechtsreif. Eine neue Generation dieser attraktiven Wildenten ist herangewachsen.


Seit 1850 wird über Bahamaenten in Menschenhand berichtet. Sie sind problemlos zu halten und vertragen sich gut mit anderen Entenarten. Mutationen, die das farbliche Bild verändern kommen immer wieder vor. Vom Menschen geschützt können sie sich festigen und vermehren. Auch bei den Bahamaenten gibt es inzwischen in der Privathaltung einige farbliche Abweichungen. Im Vordergrund der Zucht sollte aber immer die Naturform stehen. Diese Enten haben sich inzwischen recht gut an das mitteleuropäische Klima angepasst, es muss aber im Winter immer eisfreies Wasser und bei größerer Kälte ein Schutzhaus vorhanden sein. Die Enten fressen ein abwechslungsreiches Körnergemisch als Grundfutter, daneben sollte aber auch viel Grünfutter, z.B. Wasserlinsen, gereicht werden. Tierische Kost fördert vor allem das Wachstum der Jungen. Das Gehege sollte gut bepflanzt sein, fühlt sich die Ente wohl, wird sie bald in einer geschützten Ecke ihr Gelege zuverlässig bebrüten. Kommt sie zur Jungenaufzucht in ein Einzelgehege, wird sie dort ihre Kleinen sehr fürsorglich aufziehen.

 

Fotos:

Michael von Lüttwitz

 

Quelle:

Bärbel Schneider, Geflügel-Börse 16/2014        



KAPENTEN

 

SCHÖN UND ANSPRUCHSLOS





Die Kapente (Anas capensis) ist eine Afrikanerin, die vom subtropischen Südafrika (Mitte und Osten) über die Tropen bis nach Äthiopien verbreitet ist. Man trifft sie in tropischen Regenwäldern und Feuchtsavannen genauso an wie in tropischen Trockenwäldern  und Trocken- sowie Dornsavannen. Ihr Vorkommen ist stets an ein Gewässer gebunden, das Schutz und Nahrung gleichermaßen bietet. Dabei trifft man sie an Fließgewässern genauso an wie auf Seen, an Brackgewässern, Meeresküsten und sogar Salzseen. Sie ist also sehr anpassungsfähig und so nutzt sie auch Stauseen und andere künstliche Gewässer sowie überschwemmte Grasflächen. Je nach den Gegebenheiten in ihrem Verbreitungsgebiet ist sie mal Stand-, Strich- oder Zugvogel. Kappenten leben in kleinen Gruppen oder paarweise, zur Mauserzeit bilden sie größere Trupps.

 


Im Wasserbereich gehen sie gründelnd und seihend auf Nahrungssuche, tauchen aber auch nach Fressbarem und suchen zuweilen an Land nach Nahrung. In schlammigen Flachwasserzonen finden sie neben Wasserpflanzen und Algen vor allem tierische Kost, wie Insekten und deren Larvenformen, Schnecken, Würmer und Kaulquappen. In der Regenzeit explodiert das Nahrungsangebot geradezu. Jetzt ist die beste Zeit für die Brut, denn nun ist tierische und pflanzliche Nahrung für die Kükenaufzucht im Überfluss vorhanden. In der Nähe des Wassers in Ufernähe oder im Riedgürtel sucht sich die Ente einen geschützten Platz zur Ablage ihrer sechs bis elf Eier. Der Erpel hält während der Brut Wache, und wenn nach 25 bis 27 Tagen die Küken schlüpfen, beteiligt er sich fürsorglich an der Aufzucht, wie es bei Entenarten bei denen Männchen und Weibchen gleich gefärbt sind, üblich ist. Bereits mit sieben Wochen können die Jungen fliegen.  



Die Haltung von Kapenten gilt als problemlos. Sie hat sich an unser Klima gut gewöhnt, braucht aber für kalte und nasse Witterung ein Schutzhaus. Wichtig ist ein immer zugänglicher Teich, auch im Winter, denn nur mit Wasserkontakt bleibt das Gefieder fest und isolierend. Der Bereich um den Teich sollte gut und naturnah bepflanzt sein. Nisthütten werden gern angenommen, gelegentlich wird das Nest aber auch gut versteckt in der Pflanzung angelegt. Schon vor der Brutzeit, und das kann zwischen Februar und August sein, sollte das Paar ein eigenes Gehege haben. Weil die Küken nicht allzu sehr an die Mutter gebunden sind, könnte es bei einer Gemeinschaftshaltung Verluste geben. Schwimmfutter für Enten oder ein Körnergemisch mit reichhaltigen Kleinsämereien ist die Grundnahrung der Kapenten, klein geschnittene Grünkost und gelegentlich tierische Kost runden die Fütterung ab. Vor allem bei der Kükenaufzucht ist auf einen hohen Anteil an tierischem Eiweiß Wert zu legen.

Fotos:

1 – 4: Michael von Lüttwitz

5: Lietzow Naturfotografie ©

 

Quelle:

Bärbel Schneider, Geflügel-Börse 20/2014

   

 

 

 

 

 

 

ZWERGSÄGER

 

TAUCHEN LANGE

 

UND TIEF

 

 

Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie

Die Zwergsäger (Mergellus albellus) sind die kleinsten Vertreter der Sägerarten. Ihr Brutge-biet zieht sich von Schweden über Finnland über Russland bis zu dessen Pazifikküste. Die Überwin-terungsgebiete liegen in Japan und China, an den Küsten des Schwarzen und Kaspischen Meeres, dem Baltischen See, in Mitteleuropa, in England und an der nordöstlichen Mittelmeerküste. Auch an der Nord- und Ostseeküste trifft man sie von Oktober bis April an. Dabei halten sie sich immer am Meer, an Binnenmeeren, sehr großen Seen oder Flüssen auf. Aus vielen Richtungen also kommend suchen sie im Frühjahr ihre Brutgebiete in der Taiga und die Übergangsgebiete zur Tundra auf. Ihr Lebensraum ist das Wasser, und so nehmen sie als Brutgebiete auch stehende Ge-wässer, Auwälder und überschwemmte Landzo-nen an. 

 

Foto: MIchael von Lüttwitz
Foto: MIchael von Lüttwitz

Ausschließlich im Wasser gehen sie auf Nah-rungssuche. Dabei tauchen sie ca. 20 Sekunden bis zu vier Meter unter Wasser und greifen mit ihrem mit hornartigen Sägezähnen ausgestatte-ten Schnabel ihre Beute. Fische, Schalen- und Weichtiere, Würmer, Insekten und deren Larven sind ebenso begehrt, wie Frösche, Kröten und auch mal ein ins Wasser gefallener Jungvogel. An pflanzlicher Kost sind sie weniger interessiert. Zwergsäger schließen monogame Saisonehen. Um ein Entenweibchen abzubekommen, beginnt be-reits in den Überwinterungsgebieten eine heftige Balz zur Paarbildung. Dazu haben die Erpel ein prächtiges Hochzeitskleid bekommen, die Enten eine schwarze Gesichtsmaske. Zwergsäger sind Höhlenbrüter. Sie bevorzugen ganze und halbe Baumhöhlen, brüten aber auch am Boden, zwi-schen Steinen, umgefallenen Bäumen, Wurzel-werk. Überall also, wo sie gut geschützt sind, und diese Bedingungen finden sie besonders gut in der Taiga.

 

 

Foto: Michjael von Lüttwitz
Foto: Michjael von Lüttwitz

Das Gelege einer Ente besteht aus sechs bis neun Eiern. Aus ihnen schlüpfen je nach den Witterungsbedingungen nach 27 bis 30 Tagen die Küken. Nach einem Tag, wenn sie trocken sind springen die Entlein aus den hochgelegenen Nestern mit ausgestreckten Beinchen und Flügel-chen auf den weichen Waldboden. Der Aufprall macht ihnen nichts aus, die am Boden erbrüteten haben es da natürlich leichter. Sie folgen ihrer Mutter ins Wasser, wo sie Nahrung im Überfluss finden und deshalb schnell heranwachsen. Mit zehn Wochen haben sie ihr vollständiges Feder-kleid und sind nun flugfähig. Mit zwei Jahren sind sie in der Lage sich fortzupflanzen. Die Erpel verlassen die brütende Ente, sie bekommen ihr schlichtes Tarnkleid, das dem der Enten ähnelt. Das Gelege und die heranwachsenden Küken interessieren sie nicht, sie schließen sich mit Geschlechtsgenossen zu Erpelgruppen zusammen.

 

 

Foto: (c) Lietzow Naturfotografie
Foto: (c) Lietzow Naturfotografie

Für die Haltung in Menschenhand ist ein sau-beres, stets offenes Gewässer Grundbe-dingung. Erhöhte Nistkästen mit einer wei-chen Einlage werden gern angenommen, sie müssen halt gut erreichbar sein. Der große Auslauf muss gut strukturiert sein. Heute gibt es gute Futtersorten, die die Anforderungen an die in der Natur gegebene tierische Er-nährung erfüllen. Küken mögen Futter, das sich bewegt, also gibt man ihnen gern Mehl-würmer und andere Insekten. Am besten wachsen die Küken mit ihrer Mutter auf, das entspricht dem natürlichen Verhalten, und die Küken lernen ja auch von ihrer Mutter viel. Diese schönen Enten fliegen schnell und geräuschlos. Beide Geschlechter haben ein ausgeprägtes Lautrepertoire, das gelegentlich dem Grunzen eines Schweines nahe kommt.

 

Quelle:

Thomas Schneider, Geflügel-Börse 11/2014       

 

 

 

 

VOm SCHWARZEN KONTINENT

 

DIE SCHWARZENTEN

 

 

Die Schwarzente (Anas sparsa) kommt vor allem im südlichen und östlichen Afrika vor. Es gibt mehrere Unterarten, die Nominatform, auch als Südliche Schwarzente bezeichnet, lebt überwiegend in Südafrika, Simbabwe und Mosambik. Diese tagaktive Schwimmente äh-nelt in der Gestalt der Stockente, ist aber etwas größer. Das Gewicht liegt um ein Kilogramm, wobei die Erpel etwas massiger als die Enten sind. Diese Enten sind sehr standorttreu und gehen enge und lange Paarbildungen ein. Während der Brutzeit kon-trollieren sie mehrmals täglich ihr Brutrevier auf mögliche Eindringlinge. Außerhalb des Brutgeschäftes treffen sie sich in größeren Trupps an den Übernachtungsplätzen, lösen sich aber am Morgen wieder auf. An Waldflüssen mit dichtem Unterbewuchs in unterschiedlichen Höhenlagen halten sie sich bevorzugt auf. Stehend, schwimmend und tauchend suchen sie ihre vegetarische und vor allem tierische Kost. Jede tierische Eiweißquelle, die in den Schnabel passt, wird verspeist.

 

 

 

Im Uferbereich, in felsigen Zonen, Geröllhal-den und Kiesbänken mit allerlei angeschwemm-ten Baumstämmen und Ästen sucht die Ente eine geschützte Nistmulde, die sie mit Daunen auspolstert. Sie legt vier bis acht Eier, die sie je nach Witterung und Brutintensität in 24 bis 30 Tagen ausbrütet. Die Küken werden sehr für-sorglich aufgezogen. Schwarzenten halten sich am liebsten auf dm Wasser auf, deshalb sollten sie auch in Menschenobhut einen ausreichend großen Teich vorfinden. Nisthütten im dichten Uferbewuchs werden gern angenommen. Stren-ge Winter sind sie aus ihrer Heimat nicht ge-wohnt, deshalb müssen sie bei uns in dieser Jahreszeit frostsicher untergebracht werden. Neben einer möglichst gequollenen oder ange-keimten Körnermischung sind pflanzliche Kost und tierisches Eiweiß, wie getrocknete Bach-flohkrebse, Garnelen oder ein Weichfutter auf Quarkbasis (mit Garnelenpulver) wichtige Nah-rungsbestandteile. In der Gefiederfarbe unterscheiden sich die Geschlechter nicht, sie tragen deshalb das ganze Jahr das gleiche Kleid.

Fotos: Michael von Lüttwitz

Quelle: Barbara Klink, Geflügel-Börse 8/2014

 

 

 

 

 

 

SIE „LIEBEN“ GREIFVÖGEL

 

ROTHALSGÄNSE

(Branta ruficollis, Pallas 1769)

Ruhezeit (1)
Ruhezeit (1)
Rothalsgans mit Stockenten (2)
Rothalsgans mit Stockenten (2)

 

 

Rothalsgänse sind in der Gefiederfärbung die auffälligsten Meergänse. Sie sind verwandt mit den Ringelgänsen (Branta bemicla). Besonders deutlch sind die weißen Konturlinien, das schwar-ze Gefieder und Rostrot in Brust und Wangen. Anatomisch haben sie einen kurzen Schnabel und kräftigen Hals. Beide Geschlechter sind ähnlich gefärbt. Die Tiere werden ungefähr 55 cm lang und ca. 1 bis 1,5 kg schwer. Als Zugvögel ver-bringen sie den Jahreslauf in ihren Brutgebieten in der europäischen Arktis und den Überwin-terungsgebieten in Zentralasien und Südost-Europa. Dort starten sie oft schon vor Son-nenaufgang, erst einzelne Tirupps und dann der Hauptschwarm,  um zur nächsten Süßwasserstelle zu fliegen. Gleich nach Sonnenuntergang kommen sie wieder zurück. Hauptüberwinterungsgebiet ist der Durankulak-See an der westlichen Schwarz-meerküste. Vereinzelt trifft man diese Gänse auch im westlichen Europa an.  

Foto (3)
Foto (3)

 

Die Partner leben nach Gänseart in Einehe und sie brüten ab der zweiten Junihälfte an abgele-genen Uferregionen in Kolonien. Dabei suchen sie die Nähe zu Greifvogelnestern. Greifvögel jagen nie in unmittelbarer Nähe ihres Horstes, d. h. hier sind die kleinen Gössel am sichersten, zumal die Greif-vögel jeden Polarfuchs verjagen. Die Nistmulde wird mit Flechten, Moosen, Gräsern und Dunen ausgekleidet. Die Gans übernimmt das Brutge-schäft, während der Ganter seine Familie vor Beutegreifern und Eindringlingen bewacht. Nach 25 Tagen schlüpfen die Küken, die im Entwicklungs-verlauf im Familienverbund Junggänsetrupps bilden und sich auf dem Wasser und der nahen Um-gebung aufhalten. Mit ungefähr sechs Wochen sind die Jungtiere komplett befiedert. Rothalsgänse ernähren sich weitgehend, indem sie Pflanzenteile der Steppe und Tundra abweiden. Gründeln gehört nicht in ihr Nahrungsaufnahme-Repertoire. Ihre besonderen Farbkontraste in Verbindung mit den weißen Konturlinien und Flanken machen sie zu ansehnlichen Pfleglingen aus der Meergänsefa-milie.                                                             F. B.

 

Fotos:

(1), (3), (4), (5): Michael von Lüttwitz

Karte und (2): © Eckhard Lietzow

 

 

Quellen:

Hartmut Kolbe, Die Entenvögel der Welt,

Stuttgart 1999

Steve Madge/Hilary Burn, Wassergeflügel,

Berlin 1989

Bärbel Schneider, Geflügel-Börse 5/2014

Wikipedia, Rothalsgänse

 

 

 

 

 

 

 

ROTSCHULTERENTEN

(Callonetta leucophrys,Vieillot 1816)

 

 

(1) Ein schönes Pärchen
(1) Ein schönes Pärchen

 

Rotschulterenten sind Südamerikaner und leben in Sümpfen und Seen der bewaldeten Savannenlandschaften des Kontinents. Beliebt sollen die Überschwemmungsgebiete der Flüsse durch ihren Nahrungsreichtum sein. Seihend werden Pflanzenteile und Samenstände der Wasserpflanzen von der Wasseroberfläche auf-genommen. Mit bis zu 380 g gehören sie zu den kleineren Arten und sind beliebt bei Liebhabern der Erhaltungszuchten von Wasserwildgeflügel. Dort gelten sie als relativ unkompliziert in der Haltung und verträglich. Die kleinen Enten brüten zuverlässig und ziehen ihre Küken gut betreut auf. Die  Vermehrungsraten sind deshalb auch in der Zoo- und Privathaltung recht gut. Lediglich in der Paarungszeit kann es zu Ran-geleien unter Erpeln kommen, was in der Haltung durch großzügige Anlagen berück-sichtigt werden sollte.

 

 

Die Eiablage erfolgt ab April, die Brutdauer beträgt 24 bis 26 Tage. Geschlechtsreif sind die Jungtiere ab dem ersten Lebensjahr. Stark ausgeprägt ist der Geschlechts-unterschied der Tiere. Die Enten sind schlicht gefärbt in Braun-Beigetönen mit weißer Zeichnung im Kopfbereich. Bunter hingegen erscheinen die Erpel mit hellem Kopf, dunklem Scheitel, grauen Flanken, rosa Brust und rost-roten Flügeldecken. Die Tiere sind wenig ruffreudig, aber wendige und gute Flieger, die ihr Nest gerne in Baum-höhlen anlegen. Ab und an trifft man Rotschulterenten in den Tropenhäusern der Zoologischen Gärten an, die Artenbeschreibung auf der Homepage des Zoos Duisburg gibt nur regionale Bedrohungen in ihrem ursprünglich großen Verbreitungsgebiet an. Weniger erfreulich erscheint vor dem Hintergrund des Erhaltungsgedankens von Wild-arten das Auftreten und züchterische Festigen von auf-gehellten Mutationen, die die Wildfarbe in den Gehege-populationen verflachen.                F. B.

 

 

 

 

Fotos:

1 – 3 Michael von Lüttwitz

Karte und 4 © Lützow-Naturfotografie

 

 

Quellen:

Hartmut Kolbe, Die Entenvögel der Welt,

Stuttgart 1999

Steve Madge/Hilary Burn, Wassergeflügel,

Berlin 1989

 

 

 

 

 

 

 

GLÄNZEND & KLEIN AUS AFRIKA

 

 

DIE AFRIKANISCHE

 

ZWERGGLANZENTE

 

Die Afrikanische Zwergglanzente (Nettapus auritus) ist kleiner als die uns besser bekann-te Rotschulterente. Ihr Vorkommen ist Ost-afrika nordwärts bis zum Tana-See, in den Okavango-Sümpfen und südlich der Sahara. In etwa diesem Gebiet leben auch Pfeif- und Nilgänse, und in der Trockenheit sind Schwär-me von 1000 und mehr beobachtet worden. Diese Art lebt paarweise auf Flachgewässern der offenen Landschaften mit ausgedehnten Seerosenbeständen oder breiten Verlan-dungszonen mit viel Schwimm- und Wasser-pflanzen. Auch Röhrichtsgürtel, Reisfelder und deren Bewässerungsgräben werden gern an-genommen. Sie zeigen wenig Territorial-verhalten und haben einfache Balzrituale, wie Kopfnicken und Präsentieren der grünen Kopfseite. Die Brutsaison erstreckt sich über das ganze Jahr und hängt wohl von den regionalen Regenzeiten ab.

 

 

Vielseitig ist die Wahl der Brutplätze. Sie können in Baumhölen in zehn Meter Höhe ebenso sein, wie am Boden unter umge-stürzten Bäumen oder versteckt im Röhricht. Auch, wenn noch dokumentierte Freilandbeo-bachtungen fehlen, ist es doch so, dass die Ente allein 23 bis 26 Tage das Gelege be-brütet, das aus sechs bis zwölf grünlich blauen Eiern besteht. Sind die Küken da, kommt der Erpel dazu und beteiligt sich an der Aufzucht der Kleinen. Eine Besonderheit ist bei Wikipedia zu lesen: Ihre für Enten verhältnismäßig ungewohnte Fähigkeit, sehr gut rückwärts schwimmen zu können. Das scheint eine Anpassung an Gewässer mit einem reichen Bestand an Schwimmpflanzen zu sein. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Grünteilen verschiedener Wasserpflanzen, die nach Art der Blesshühner tauchend und von der Oberfläche pickend aufgenommen werden. Die Hauptnahrung sind Seerosensamen, tierische Nahrungs-anteile sind unbedeutend.

Die sehr attraktiven Afrikanischen Zwergglanzenten, auch kurz Afrikanische Enten genannt, haben sich, obwohl aus den Tropen kommend, auch an unser Klima ganz gut gewöhnt. Sie brauchen in Zoo- oder Privathaltung eine großzügige, gut strukturierte Voliere mit einem überdachten, vor kaltem Frühjahres- oder Herbstregen schützenden Unterstand. Der Schwimmteich ist besonders wichtig, weil er Fress- und Baderaum zugleich ist, deshalb muss die Wasserqualität sehr gut sein. Er soll im sonnigen Bereich liegen und im Winter nicht zufrieren; 30 bis 50 cm Wassertiefe werden empfohlen. Im Gehege fressen diese Enten auch gern Mehlwürmer, Insekten, Wasserflöhe und Grammariden. Im Jahr 2000 ist Reinhard Pauer die österreichische Erstzucht gelungen. In seinem Wasservogelpark,  in dem in einem schönen, großen Teich mehrere Wasservogelarten vergesellschaftet sind, gelingt die Zucht seither regelmäßig.

 

Fotos:            Reinhard Pauer  www.wasservogelpark.at

Quelle:          Erich Koller, ÖKZ Februar 2014  -  Die Entenvögel der Welt/Hartmut Kolbe

 

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