DIE FAMILIE DER GÄNSE

 

Fränkische Landgänse, Foto: Uwe Ruhl
Fränkische Landgänse, Foto: Uwe Ruhl

 

 

Beschriebene Gänsearten:

 

Toulouser Gänse  -  Emdener Gänse  -  Pommerngänse  -  Hausgänse  -  Schwanengänse - Kanadagänse  -  Fränkische Landgänse

 

 

 

 

Zuerst die Nachkommen

 

der Graugänse, unsere Haus-

 

und Rassegänse


Am Ende die eigenständigen Höcker-


und Schwanengänse



 



TOULOUSER GÄNSE

 

EINFACH WUCHTIG !


Ein herrliche Gänsefamile bei Karl Heinz Tuma
Ein herrliche Gänsefamile bei Karl Heinz Tuma
Ein Prachtkerl, Foto: Karl Heinz Tuma
Ein Prachtkerl, Foto: Karl Heinz Tuma

Der Franzose Pierre Belon berichtete schon 1555 (!), dass besondere Gänse in zwei Schlägen (einmal groß und ergiebig und einmal kleiner und weniger ertragreich) in Frankreich existierten. Beide Rassen waren für ihr zartes und bekömmliches Fleisch bekannt, und sicher war damals schon die Gänseleberpastete eine beliebte Delikatesse. Auch im 18. Jahrhundert werden die schweren, wirtschaftlichen und fruchtbaren Urgänse aus Frankreich beschrieben. Um 1833 gelangte die Rasse über England (dort waren sie als Rasse durchgezüchtet worden) nach Deutschland. Seither wurden die auffallen-den Rassemerkmale wie Masse, Form, Kopf und ein klassisches Farbbild gefestigt. Interessant der breite, kurze Kopf mit dicken Backen, der kräftige Hals mit Strahlengefieder und die gut entwickelte Kehlwamme. Der möglichst gerade Brustkeil, die doppelte, hinten geschlossene Bauchwamme verhelfen dem kurzen, sehr breiten und massiven Rumpf zu einem harmonischen, wuchtigen Anblick.

 

Heidi Schuhmanns bunte Herde
Heidi Schuhmanns bunte Herde

Das Gefieder entspricht farblich dem der wilden Graugans. Eine möglichst satte, ins Schwarz oder Stahlblau spielende Farbe mit feiner, klarer weißer Federsäumung wird verlangt. Toulouser-Liebhaber beschäftigen sich auch mit neuen Farbenschlägen, wie lederbraun und weiß, das birgt aber die Gefahr, dass die satte Grundfarbe „verfälscht“ wird. Das Gefieder sollte trotz Federreichtum straff anliegend sein. Zur Wirtschaftlichkeit gehören die üppige Federausbeute mit Top-Daunenqualität, der saftig-zarte Braten, die große, schmackhafte Leber und die gute Legeleistung, bei Junggänsen nach 14 Monaten ca. 20 und in den Folgejahren 30 – 40  etwa 170 Gramm schwere Eier. Ganter erreichen 10 – 12 kg, die Damen 8 – 9 kg. Dafür ist aber die Brutlust nur mäßig ausgeprägt. Die Rasse stammt ja aus dem warmen Südfrankreich, deshalb ist sie auch nur mäßig wetterfest und winterhart und braucht einen frostfreien, trocke-nen Stall.   

 

Lederbraune Gans, Foto: Heidi Schuhmann
Lederbraune Gans, Foto: Heidi Schuhmann

Heranwachsende Toulouser brauchen nähr-stoff- und abwechslungsreiches Futter. Wichtig im Sommer ist eine großzügige Weide mit guten Kräutern und verschiedenen Gräsern. Im Winter gibt es Obst, Gemüse und gutes, kurz geschnit-tenes Wiesenheu als Hauptfutter. Dazu als Ergänzung und Energiespender Quetschhafer und andere Getreidekörner. Stets frisches Trink- und Badewasser ist natürlich Voraussetzung für eine erfolgreiche Gänsehaltung. Die Badegele-genheit, wichtig für die Gefiederpflege und als Stimulation für die Befruchtung sollte möglichst flach mit leichtem Ein- und Ausstieg sein. Toulouser Gänse dürfen auf keinen Fall verfetten. Der Autor, selbst langjähriger Toulouser-Züchter, weist ausdrücklich darauf hin, dass die Vorschriften des Tierschutzes (die Züchtung betreffend) in Bezug auf die Hautfaltenbildung (Kiel und Wammen) unbedingt zu beachten sind. Ziel muss immer das vitale und gesunde Tier sein. Mit ihrem zutraulichen, ruhigen Wesen belohnen diese schönen Gänse jede Züchtermühe.

 

Quelle: Erich Koller, ÖKZ November 2014

 

Zum Wohlfühlen gehört ein schöner Badeteich, hier bei Karl Heinz Tuma
Zum Wohlfühlen gehört ein schöner Badeteich, hier bei Karl Heinz Tuma

 

 

EMDENER GÄNSE

 

 

GROSSGEFLÜGEL MIT FORMAT

 

 

 

In Ostfriesland, der Heimat der Emdener Gänse, wurde schon vor Christ Geburt Gän-sezucht praktiziert. Diese Tiere stellten die Basis für eine Jahrtausende währende Gän-sezucht. Im 13. Jahrhundert soll es in Ost-friesland, aber auch im niederländischen Westfiesland und in der Region um Bremen eine große Landgans gegeben haben. Hier dürften die Wurzeln der Emdener Gänse zu finden sein. Sie gelten als älteste deutsche Gänserasse und waren bereits im Rasse-geflügel-Standard von 1913 aufgeführt. In England durchgeführte Kreuzungen mit Tou-lousern sollen das heutige hohe Gewicht bewirkt haben. Später hat man sich bemüht, die Kombination von Doppelwamme, guter Legeleistung und elegantem Typ in den Vordergrund zu bringen. Emdener Gänse un-terscheiden sich sich durch ihre sehr langen Hälse von ihren Artgenossen. Man nennt sie daher auch Schwanengänse, obwohl sie mit den echten Schwanengänsen nichts zu tun haben.

 

Diese großen, schwergewichtigen und den-noch flugfähigen Gänse erreichen je nach Geschlecht ein Gewicht von 10 bis 12 kg und sind damit die schwerste deutsche Gänse-rasse. Ein langer Rumpf, die typische dop-pelte Bauchwamme, ein breiter, leicht gebo-gener Rücken, große breite Flügel, Brust und Bauch breit und voll, eine aufgerichtete, stol-ze Haltung sind die Markenzeichen dieser dabei auch noch Eleganz ausstrahlenden weißen Gänse. Als Kontrast zum weißen Gefieder sind Schnabel und Beine orangerot, dazu hellblaue Augen mit rotem Rand, alles Feinheiten, welche die Rasse auszeichnen. Emdener Gänse legen bis zu 80 Eier im Jahr, wenn sie noch selbst brüten, sind es deutlich weniger. Trotzdem sollte man die Naturbrut als wertvolles Geschenk der Natur sehen und fördern. Gössel aus Naturbrut zeigen das vol-le Verhaltensinventar, das kann der Mensch nicht ersetzen. Diese robusten, großen Gänse brauchen eine saubere Badegelegenheit und ein großes Weideareal, sowie die Möglichkeit genügend Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen.

 

Die Robustheit der Emdener Gänse ist sprichwörtlich. Durch den ostfriesischen Le-bensraum mit seinen stetigen Winden und zuweilen feuchten Wiesen ist die Emdener Gans eine Robustgans, die auch außerhalb ihrer Heimat ihre Widerstandsfähigkeit zur Freude der Züchter und Halter an den Tag legt. Hier spielt ihr gutes Federkleid eine wichtige Rolle. Früher war ihr Federertrag ein wesentliches wirtschaftliches Moment. Emde-ner Gänse gibt es nur im weißen Farben-schlag, junge weibliche Gänse können gele-gentlich ein paar graue Federn zeigen. Leider hat die Verbreitung dieser schönen, kräftigen Gänse in den letzten Jahren stark abgenom-men, so dass sie heute in der Roten Liste in der Kategorie „stark gefährdet“ geführt werden. Gründe gibt es viele: Es steht nicht mehr so viel Weideland zur Verfügung, das Nachlassen der Brutfreudigkeit und damit ein größerer Aufwand bei der Jungtieraufzucht und nicht zu übersehen, der große Gänsebra-ten ist auch aus der Mode gekommen.  

 

Fotos und Quelle: Michael von Lüttwitz, geflügel-Börse 19/2013

 

Kontakt: SV Deutscher Gänsezüchter gegr. 1907,  svdeutschergaensezuechter.npage.de

Stefan Grundmeier, Tel.: 05246/5623, E-Mail: stefan.grundmeier@gmx.net

 

 

 

POMMERNGÄNSE

 

Eine prächtige Gänseschar, hier fühlen sich die "Pommern" wohl!
Eine prächtige Gänseschar, hier fühlen sich die "Pommern" wohl!

 

Pommerngänse begleiten den Menschen als Hausgänse seit vielen hundert Jahren und weit darüber hinaus. Ihr Name verrät uns die Region ihrer Herkunft. Sie gelten als alter Landschlag, der lange Zeit im ehemaligen Pommern und an der gesamten Ostseeküste gehalten wurde. Besondere Bedeutung hatten auch schon vor der Zeit der Rassestandards die Zuchtziele: Körpergröße und Körpergewicht als Voraus-setzung für wirtschaftlichen Ertrag. Die Tiere erreichen ein Gewicht um die acht Kilo. Als eigenständige Gänserasse wurden die Pom-merngänse im Jahr 1912 durch die Vereinigten Deutschen Gänsezüchter anerkannt. Im Vorder-grund der körperlichen Merkmale stehen eine ausgeprägte Länge und Breite des Rumpfes. Der eiförmig abgerundete Körper wirkt durch die breite und etwas angehoben getragene Brust. Merkmal der Unterlinie ist eine einfache Bauchwamme. Die Haltung ist möglichst waagerecht, der Rücken etwas gewölbt. Der Kopf passt zum Körper und ist eiförmig mit einem kräftigen Schnabel mit leicht nach unten eingebogenem First. Eleganz verleiht dem kräftigen Körper dieser Gänse der gerade verlaufende Hals, er ist mittellang und kräftig. 

 

Bei entsprechender Haltung sind Pommern-gänse ruhige und ausgeglichene Gänsevertreter. Als ausgesprochene Weidegänse ist ein groß-zügiger Grünauslauf mit Badegelegenheit in der Haltungsform von Vorteil. Auch für eine gute Befruchtung ist der Zugang zu Wasser förder-lich. Überaus lesenswert ist Marion Bohn-Förders Buch über Gänse „Liebenswerte Lang-hälse“. Dort erhält der Leser einen guten Über-blick für eine artgerechte Gänsehaltung. Die Au-torin vermittelt darüber hinaus ihre Begeisterung für Gänse mit schönen Bildern und einer umfassenden Betrachtung des Gänselebens. Das macht Lust auf ein Leben mit Gänsen. Pom-merngänse sind in drei Farbenschlägen aner-kannt. In Weiß, Grau und Grau-Gescheckt. Besonderheit des grauen Schlages ist die zarte und gleichmäßige Säumung des Mantelgefieders. Der Bauch und das Hinterteil sind weiß. Bei der Scheckungsvariante liegt das Zuchtziel in begrenzten Scheckungen an der passenden Körperstelle im richtigen Ausmaß. Das Gefieder liegt im Idealfall glatt an. Rosa- bis orangerot ist der Schnabel, die Augen sind blau oder braun. Die Gänseexpertin Marion Bohn-Förder schreibt den Pommerngänsen ein zugängliches und unkomp-liziertes Wesen zu, das auch fürsorgliche Vatereigenschaften der Ganter gegenüber den Gösseln mit einschließt.

Frank Böckenfeld 

 

Fotos: Michael von Lüttwitz


Quellen:

 

Marion Bohn-Förder,

Liebenswerte Langhälse, Schwarzenbek 2012

Dr. Horst Schmidt,

Groß- und Wassergelflügel, Stuttgart 1996

 

Karl-Heinz Schneider,

Gänsehaltung für jedermann, Reutlingen 2002

 

Kontakt:


SV Deutscher Gänsezüchter gegr. 1907

www.svdeutschergaensezuechter.npage.de

 

Stefan Grundmeier

Tel.: 05246 5623

stefan.grundmeier@gmx.net

 

 

ROBUST UND ZEITLOS

 

HAUSGÄNSE

 

Hausgänse in ihrem Element, Foto: Dick Hamer
Hausgänse in ihrem Element, Foto: Dick Hamer
Ein stolzes Paar, Foto: Wilko Janetzko
Ein stolzes Paar, Foto: Wilko Janetzko

Wir kennen sie alle, die ganz normale Hausgans, eine Gans, die seit Jahrhunderten in regionalen Schlägen gehalten wurde, und die in unserer Kindheit zum Dorfbild einfach dazu gehörte. Ihre Wildform ist die Graugans, und schon Römer, Griechen und Germanen machten sie zum Haus- und Hofgeflügel. Heute gibt es ca. 15 Rassen, die sich, in verschiedenen Regionen entstanden, nach Größe etwas unterscheiden, unterschiedliches Brutver-halten zeigen, für den Laien aber kaum zu unterscheiden sind. Gans ist für ihn Gans, auf Wiese oder Teich schön anzusehen und wohlschmeckend auf dem Teller. Die wohl älteste Hausgansrasse soll in der Gegend von Emden und Bremen entstanden sein, darum auch Emdener Gans genannt, die Gänse in der Kühltheke stammen überwiegend aus Polen und Ungarn. Zwei Tage sind im Gänsekalender dick angestrichen, Martini und Weihnachten, Tage, an denen sie am liebsten auswandern möchten, was ihnen aber nur selten gelingt.

Hausgänse, ruhig und ausgeglichen, Foto: Dick Hamer
Hausgänse, ruhig und ausgeglichen, Foto: Dick Hamer

Wir Älteren erinnern uns gern an das Federvieh unserer Kindheit, und wenn ich jetzt ein wenig schreibe, wie ich das erlebt habe, werden viele daran denken, wie es bei ihnen war. Das Dorf, in dem ich aufge-wachsen bin, ein Reihendorf in einem leichten Tal gelegen, die Dorfstraße, daneben der Bach, und zu beiden Seiten die Bauern-gehöfte. Und jeder Hof war ein kleiner Haus-tierpark. Da gab es kräftige Kaltblutpferde, gefleckte Kühe und Kälber, im Dreck wühlen-de Schweine, zottige Ziegen mit schönen Hörnern, im Dorf verteilt einige Böcke, deren Stall zu misten, eine Strafe war, und ein paar Schafe, meist ein Hammel dabei, der uns Schulkindern manchmal ganz schön zu schaffen machte, wenn wir uns "zufällig" im Obstgarten herumtreiben. Ein zottiger Hund bewachte Haus und Hof und etliche Katzen sorgten dafür, dass die kleinen Nager nicht überhand nahmen. Und dann das Geflügel!

Lebensfreude pur! Foto: Dick Hamer
Lebensfreude pur! Foto: Dick Hamer

 

 

Ich erinnere mich an einen mächtigen weißen Puter mit drei Bronze- und eine Kupferpute, deren Nachkommen im Herbst immer zu einer gut dreißigköpfigen Herde heran gewachsen waren, mit aufgeregt balzenden Jungputern. Ein Erlebnis! Enten gab´s natürlich auch und vor allem der Hühnerhof war der Stolz jeder Bäuerin. Viele wollten es bunt, aber es gab auch schöne Leghorn und Italienerbestände. Ein Pracht-kerl war immer der Gockel. Da stimmte zwar nicht jede Feder, wie wir das heute wün-schen, aber es waren urige Burschen, die jeden unserer heutigen Schausieger mit Leichtigkeit vom Hof geputzt hätten. Des Bauern Freude, ein Flug bunter Tauben, sei hier nur am Rande erwähnt, denn eigentlich wollte ich ja was zu den Hausgänsen sagen.  

Eine starke Herde fränkischer Landgänse, Foto: Wilko Janetzko
Eine starke Herde fränkischer Landgänse, Foto: Wilko Janetzko
Brütende Gans, Foto: Wilko Janetzko
Brütende Gans, Foto: Wilko Janetzko

 

Zu jedem Hof gehörte ein Ganser mit zwei drei Gänsen. Sie waren überwiegend weiß, manche auch ein wenig gescheckt. Ihr Futter holten sie auf den Obstwiesen neben den Höfen, aber sie marschierten auch viel auf der Dorfstrasse herum und gründelten wie die Enten im Bach nach Kleingetier und Wasserpflanzen. Dabei hatten vor und zur Brutzeit die Ganter ihre Reviere, die sie gegen jeden verteidigten. Wir Kinder ärgerten sie zwar, hatten aber auch mächtig Bammel, wenn wir an ihnen vorbei mussten. So manchen blauen Fleck haben wir uns da eingehandelt. Diese Bauerngänse haben natürlich gut gebrütet, und ich erinnere mich gern an die auf Eiern sitzenden Gänse, die uns mit einem Zischen bekundet haben: „Bis hier hin und nicht weiter“! Alle frisch geschlüpften Küken sind schön und kuschelig, doch die kleinen Gössel waren immer was Besonderes.

 

 

 

Aufmerksame Eltern, Foto: Wilko Janetzko
Aufmerksame Eltern, Foto: Wilko Janetzko

Schon im Ei hört man sie kurz vor dem Schlupf wispern. Ein leises „wi wi wi“. Und die Gans antwortet. Ist es nicht faszinierend, schon da, kurz vor und während des Schlupfes entstehen der Kontakt und die dauerhafte Bindung zur Mutter. Diese Prägung von Küken in den ersten Stunden ist unumkehrbar. Dabei denken wir auch an den großen Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der das Prägeverhalten der Gänse so gründlich untersucht und uns in seinen Schriften übermittelt hat. Ich habe mal ein Entlein erlebt, das von einer Henne erbrütet wurde. Es hat sich immer als Huhn gefühlt, war zu seinen Geschwistern gesperrt, tot unglücklich und erst wieder zufrieden, wenn es bei den Hühnern war. Solche Geschichten kennt wohl jeder Geflügelfreund.

 

 

Foto: Wilko Janetzko
Foto: Wilko Janetzko

 

Und dann die schöne Zeit des Heran-wachsens. Die kleinen Entlein sind ja meist auf dem Wasser und lernen von ihren Erzeugern das Gründeln nach Fressbarem unter der Wasseroberfläche. Die Gössel dagegen weiden gern auf kurz geschnittenen Wiesen die frischen Triebe ab. Dabei werden sie sehr aufmerksam von den Alten geführt, wobei an Aggressivität die Mütter dem Vater kaum nach stehen. Schnell wachsen sie heran, schließen sich zu größeren Dorf-gruppen zusammen, um dann gegen Abend wieder den heimischen Hof aufzusuchen, wo noch einige Leckerbissen auf sie warten. Gänse begleiten uns schon über lange Zeiten, wünschen wir unseren Enkeln, dass sie dieses Erlebnis kleiner Gänsefamilien, fern der Massengeflügelerzeugung, auch in Zu-kunft noch finden.           Wolfgang Schreiber  

 

Hausgänse bei Reinhold Welsch
Hausgänse bei Reinhold Welsch

 

 

Urig wie ihr ursprungsland

 

 Fränkische landgänse

 

 

Alt und Jung bei Manuel Bachmann (Foto Bachmann)
Alt und Jung bei Manuel Bachmann (Foto Bachmann)
Eine Prachtgruppe, Foto: Uwe Ruhl
Eine Prachtgruppe, Foto: Uwe Ruhl

Es waren Bauern entlang des Mains und der Saale, die diese urwüchsigen Gänse seit langer Zeit hielten. Schließlich sollte an Martini und an Weihnachten ein ordentlicher Braten auf dem Tisch stehen. Und nach getaner Arbeit waren ja ordentliche Federbetten auch nicht zu verachten. Als Weidegänger waren die „Frankengänse“ den ganzen Tag unterwegs und abends genügte etwas Hafer, damit sie wieder in ihren Hof zurückkehrten. Dem unermüdlichen Ernst Mensinger und seinem Mitarbeiter Martin Wirsching gelang es aus diesen Weidegänsen eine ordentliche Rasse zu machen. Sie konzentrierten sich auf den blauen Farbenschlag, suchten die besten Exemplare zusammen und begannen mit gezielten Verpaarungen. Wer Mensinger kennt, weiß, was der anpackt, wird auch was, und schon 2003 war die gezeigte Qualität so gut, dass sie als Rasse anerkannt wurden.

 

Spaß im Teich ... (Foto: Uwe Ruhl)
Spaß im Teich ... (Foto: Uwe Ruhl)

Ernst Mensinger, der Begründer des Freizeitlandes Geiselwind ist ein umtriebiger Mann, der genau weiß, wie man die Öffentlichkeit ansprechen muss. Viele erinnern sich noch an seine alternativen Geflügel-vorstellungen auf den großen Schauen. Er war damit ein Vorreiter des sich langsam (viele sagen zu langsam) anbahnenden Umdenkens über die Darstellung unseres Geflügels auf Ausstellungen. Als Mentor der Fränkischen Landgänse hat er es in kurzer Zeit geschafft die Rasse im In- und Ausland populär zu machen. Er wusste, worauf es ankam, und so sprach sich schnell herum, dass diese Gänse sichere Brutgänse sind und sich ihr Futter weitgehend selbst suchen. Dazu muss aber auch die Haltung stimmen, d. h. es müssen ihnen entsprechende Weiden zur Verfügung stehen. Diese Eigenschaften, dazu die schöne Farbe haben dazu geführt, dass die Fränkischen Landgänse eine richtige „Moderasse“ geworden sind.

 

... und in einer Pfütze, Foto: Manuel Bachmann
... und in einer Pfütze, Foto: Manuel Bachmann

Ein schöner Bach oder ein Badeteich gehören zum Wohlbefinden dieser Weidegänse, aber auch mit einer kleineren Badegelegenheit nehmen sie vorlieb. Man sagt, dass drei Gänse soviel fressen wie ein Schaf, deshalb sollten als Weidefläche pro Gans ca. 150 m² angesetzt werden. Gänse sind sehr familientreu. Einmal, möglichst im Spätherbst, einen Ganter mit in der Regel drei Gänsen zusammengestellt, bleiben die auch so zusammen. Fränkische Landgänse brüten sehr gut, das Gelege besteht aus 10 bis 16 Eiern, der Schlupf liegt fast bei 100 Prozent. Der Ganter wacht aufmerksam über seine brütenden Damen, die Gössel schlüpfen bei Naturbrut problemlos, werden von den Eltern aufmerksam geführt und wachsen flott heran. Fränkische Landgänse liefern eine hervorragende Fleischqualität, bei einem Schlachtgewicht von ca. 5 kg. Sie sind anspruchslos, schauen super aus und schmecken gut. Was will man mehr?

neu im Programm: Gescheckte Fränkische Landgänse bei Manuel Bachmann
neu im Programm: Gescheckte Fränkische Landgänse bei Manuel Bachmann
die Gössel sind gewachsen, Foto: Manuel Bachmann
die Gössel sind gewachsen, Foto: Manuel Bachmann

 

Quellen:

Uwe Ruhl , Geflügel-Börse 8/2011

uwe.ruhl@t-online.de

Manuel Bachmann, ÖKZ Mai/2013

www.frankengans.de.tl

 

 

Kontakt:

SV Deutscher Gänsezüchter von 1907

www.frankengans.sw.tl

 

Stefan Grundmeier

Tel.: 05246 5629

stefan.grundmeier@gmx.net

 

  

 

 

Die Schwanengans

 

 

Schwanengänse auf der Neckarwiese in Heidelberg, Quelle: Wikipedia, Urheber: Cymothea exigua
Schwanengänse auf der Neckarwiese in Heidelberg, Quelle: Wikipedia, Urheber: Cymothea exigua
Imponierverhalten, Quelle: Wikipedia, Urheber: mdk09
Imponierverhalten, Quelle: Wikipedia, Urheber: mdk09

 

 

Eine besondere Wildgans ist die Schwanengans (Anser cynoides). Sie ist die Urform der Höcker-gänse, stammt aus Zentral-asien und soll schon vor 3000 Jahren in China domestiziert worden sein. Die Schwanengans mit ihrem langen, stolz getra-genen Hals wirkt etwas vornehmer als die Grau-gans. Die deutlich kräftige-ren Männchen (ca. 3,5 Kilogramm) haben eine leicht angedeutete Aufwöl-bung auf dem Schnabel. Sie wirken imposanter als die eleganten, etwas zar-teren Weichen, die so um die drei Kilogramm auf die Waage bringen. Die braun mit dunklen Abzeichen gefärbten Vögel, die sich besonders auch im Flug durch ein weit klingendes, raues Trompeten verstän-digen, ziehen spät im Frühjahr von ihren Über-winterungsplätzen zwi-schen dem Jangtse und Kanton in China  um zu brüten in die Mongolei und nach Sibirien.

 

Quelle: Wikipedia, Foto: Adrian Pingstone
Quelle: Wikipedia, Foto: Adrian Pingstone

 

Schwanengänse bilden in ihren Brutgebieten meist Kolonien, in denen sie sich sicherer fühlen. Im Mai legen sie in die oft auf kleinen Inseln im Schilf angelegten Nestmulden fünf bis acht leicht cremefarbene Eier, aus denen nach ca. 30 Tagen die Jungen schlüpfen. Schwanengänse sind sehr fürsorgliche, aber zum Schutz der Gössel auch sehr streitbare Eltern. Die nach etwa zehn Wochen flügge gewordenen Jung-vögel haben bis dahin von den Alten gelernt, was alles auf der Speisekarte zu stehen hat, nämlich Gräser, Kräuter, Säme-reien und Wurzeln von Sumpfpflanzen. So gestärkt ziehen sie im September mit den Altvögeln in die Überwinterungsgebiete. Die anspruchslosen Schwanengänse werden gern in Zoos gehalten, in der Rhein-Neckar Region gibt es eine frei lebende Population, die sich gern auf den Neckarwiesen aufhält. (ls)

 

Mehr INFO: Schwanengans Wikipedia

 

 

INTERESSANT UND ANDERS

 

DIE HÖCKERGANS


 

Höckergänse im Zuchtgarten Essenbach, fotografiert von Erwin Sedlmeier
Höckergänse im Zuchtgarten Essenbach, fotografiert von Erwin Sedlmeier

 

Die Höckergans stammt nicht wie alle übrigen Gänserassen von der Graugans ab, sondern von der sibirischen Schwanengans (lat. Anser cygnoides) und weicht neben ihrem Aussehen auch durch ihr Verhalten von den Haus- und Rassegänsen ab. Mit einem Gewicht von 5 kg (1,0) bzw. 4 kg (0,1) zählt sie zu den leichteren Gänsen. Die Haltung dieses schlanken Gänsetyps ist deutlich auf-recht, der Hals wird schwanenartig getragen. Besonders auffällig, der Name sagt es, ist der Schnabelhöcker, beim Ganter stärker ent-wickelt als bei der Gans, der dieser Rasse die besondere Note verleiht. Domestiziert wurde die graubraune, etwa wildfarbige Höckergans wohl schon vor vielen Jahrhunderten in Nord-ostasien, im 18. Jahrhundert gelangte sie von dort nach Europa.

 

Weiße Höckergänse in Kyoto (Japan), Quelle: Wikipedia, Geese Lined, Benutzer: File Uploas Bot (Magnus Menske)
Weiße Höckergänse in Kyoto (Japan), Quelle: Wikipedia, Geese Lined, Benutzer: File Uploas Bot (Magnus Menske)

Die weißen Höckergänse  sind im Gegensatz zu den weißen Hausgänsen durch die Defekt-Mutation „Leuzismus“ entstanden, welche bewirkt, dass das gesamte Federkleid weiß und die darunter liegende Haut rosa ist, weil die Haut keine farbstoffbildenden Zellen ent-hält (Zitat aus Wikipedia). 

Die Zahl der Anhänger dieser wunder-schönen Gänserasse hält sich leider in Gren-zen, was sicherlich an den lauten Trompe-tentönen liegt, die vor allem der Ganter oft ausstößt. Diese weithin hörbaren Ruftöne unterscheiden die Höckergänse von den anderen ihrer Spezies, was verständlich macht, dass sie in Wohngebieten nicht gern gesehen werden. Höckergänse paaren sich auch erfolgreich an Land, was ihre Haltung vereinfacht.

 

 

Fotos: Erwin Sedlmeier
Fotos: Erwin Sedlmeier

 

Im Gegensatz zu den Wildgansabkömm-lingen ist das Liebesspiel der Schwanen-gansnachkommen besonders interessant: Sie schwimmen Brust an Brust und tauchen dabei immer wieder den Kopf unter Wasser. Dabei wollen sie nicht gestört werden und ver-treiben aggressiv alle Störenfriede. Höcker-damen legen 40 bis 60 Eier mit einem Eigewicht von ca. 120 Gramm. Zur Brut schreiten sie erst relativ spät im Jahr. An ihre Haltung stellen sie keine besonderen Anfor-derungen. Außer einem zugfreien Stall, soll-ten lediglich eine gepflegte Grasfläche und eine Badegelegenheit gegeben sein, da sich dies auf die Konstitution positiv auswirkt. Erwähnenswert ist das dunkle, sehr schmack-hafte Fleisch der Höckergänse. Dieser schö-nen Rasse wären noch mehr Züchter zu wünschen, denn die interessanten Nach-kommen der Schwanengänse sind Schmuck-stücke in jedem Geflügelgarten.

 

 

Quelle:

 

Uwe Ruhl, Geflügel-Börse 2/2012

 

 

Kontakt:

SV Deutscher Gänsezüchter

www.svdeutschergänsezüchter.hpage.de

 

Stefan Grundmeier

Tel.: 05246 5629

stefan.grundmeier@gmx.de 

 

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14.03. Prof. B. Grzimek (Teil II)

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09.03. Safran - ein Farbgen aus
           Indien (Teil IV)

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