Teil I

Alternative Fakten

 Junge Menschen leben online, im Netz erfährt man alles, dort wird kommuniziert. Ältere sehen das anders, denn vor der digitalen Revolution las man eine Tageszeitung für das Allgemeinwissen, eine Fachzeitschrift für das Hobby, hörte Radio und schaute fern zur Entspannung. Vor allen Dingen sprach man mehr miteinander. Text-, Wort- und Bildbeiträge kommen heute im Sekundentakt aus dem Äther, es wird gepostet, was das Zeug hält. Kaum ist ein neuer Gedanke entsprungen, ist er bereits weltweit nachzulesen. Aber wer liest es wirklich? Wer beteiligt sich an der Diskussion? Und es sind nicht alles Fakten, manches wird geschönt oder sogar frisiert, dann sind es Fakes. Manchmal gibt es aber auch unterschiedliche Sichtweisen, und somit nicht nur eine einzige Wahrheit. Für den einen ist das Glas halbvoll, für den anderen halbleer. Beide haben recht.

 

Das www.worldwideweb ist für alle offen. Aber wie groß ist die Aufmerksamkeit? Stand März 2017 hat unsere ARGE-Homepage täglich ??? Zugriffe, die Facebook-Seite wird von ??? Freunden angeklickt. Im Verhältnis zu 150.000 BDRG-Mitgliedern ist das recht wenig, das ist nicht nur mit dem hohen Altersdurchschnitt zu begründen. Die Dauerberieselung muss in einen Informationsfluss umgewandelt werden. Infos sind nur dann wertvoll, wenn sie auch weitergegeben werden, sonst bleiben oft nur Einzelmeinungen, etwas zu wenig für eine echte Meinungsbildung. „Alternative Fakten“ haben durch den neuen amerikanischen Präsidenten eine traurige Berühmtheit erlangt, aber man kann außerhalb des Internets auch an wirklich wertvolle „alternative Fakten“ gelangen. Das versuchen wir in drei weiteren Beiträgen zu untermauern.  

Manfred Loick

 

Teil II

 

Wichtige Informationen – alle zwei Wochen neu

 

Ich kann mich noch gut daran, erinnern, als mein Vater von einem Arbeitskollegen um 1970 einen Stapel Zeitungen mitbrachte. Es war die „Allgemeine Geflügel-Zeitung (AGZ)“. Zu der Zeit hielten wir ein Jahr lang braune, im nächsten Jahr weiße Legehennen im Hof, außerdem hatten wir Tauben ver-schiedener Rassen. Bis dahin kannte ich nur die Tauben, die bei uns im Dorf herumflogen, und Hühner liefen an jeder Hecke herum. Durch die zweimal monatlich erscheinende AGZ lernte ich die Vielfalt des Rassegeflügels kennen, 1973 trat ich auch einem Orts- und einem Sonderverein bei. Weil ich immer mehr wissen wollte, kam zum Abonnement der AGZ rasch auch die Geflügel-Börse (GB) dazu, beide waren damals noch in einem echten Zeitungsformat, überwiegend in Schwarz-Weiß-Druck. Zu der Zeit las man im anderen Teil des damals noch geteilten Deutschlands „Garten- und Kleintierzucht (GuK)“, sie war hervorgegangen aus der „Deutschen Geflügel-Zeitung (DGZ)“.

  

Die AGZ war durch Zusammenfassung mehrerer Geflügelzeitungen inzwischen der „Deutsche Kleintier-Züchter (DKZ)“, und nach der Wiedervereinigung wurde aus GuK wieder die „Deutsche Geflügel-Zeitung“, die GB blieb die alte, so dass wir in der besten Zeit unseres Landes mit DGZ, DKZ und GB gleich drei -inzwischen farbig illustrierte- Fachzeitungen über unser Hobby hatten. 2003 fusionierten DGZ aus Berlin und DKZ aus Reutlingen zur Geflügel-Zeitung (GZ), und nachdem die seit 1880 zunächst in Leipzig und später in München verlegte GB 2015 eingestellt wurde, haben wir heute nur noch eine einzige Fachzeitschrift.

  

Konkurrenz belebt das Geschäft, aber die GZ bewegt sich auch allein auf hohem fachlichen Niveau. Die GZ ist einerseits „Organ des Bundes“, verbreitet also offizielle Nachrichten aus der Organisa-tion. Andererseits ist und bleibt sie eine Zeitung – unabhängig, kritisch, fachlich und in der Verant-wortung der 4. und wichtigsten Säule in der Demokratie, der freien Meinungsbildung. Damit bietet sie die Grundlage für die positive Weiterentwicklung unserer idealen, naturnahen Organisation. Weitergehende Gedanken von Günter Stach über Fachliteratur für den Rassegeflügelzüchter mit der Empfehlung „Erfahrung, die man kaufen kann“ sind in der GZ Nr. 24/2016 zu lesen.

  

Text und Bilder: Manfred Loick

 

 Teil I

Der Professor und der Minister

Zum 30. Todestag von Professor Dr. Dr. Bernhard Grzimek (24.04.1909 – 13.03.1987)

 

 Mit 10 Jahren hatte Bernhard Grzimek schon Antwerpener Bartzwerge. Als Junge schrieb er bereits ein Buch über Hühner, noch als Schüler schrieb er ein anderes. Diese zweite Auflage seines Hühnerbuches reichte er als Deutschar-beit zum Abitur ein. Das Buch wurde aber nicht nur als Deutschaufsatz gewertet. Die Landwirt-schaftskammer hatte zu begutachten, ob das Buch auch fachlich in Ordnung sei…

Selbst zum Studium zunächst in Leipzig und dann in Berlin begleiteten ihn die Zwerghühner, außerdem legte er im Auftrag eine Hühnerfarm mit mehreren tausend Leghorn an und leitete diese erfolgreich. Ein Semester an der Tierärzt-lichen Hochschule hat er ausgelassen, um in den USA neuzeitliche Geflügelfarmen kennenzu-lernen.

 

Folgerichtig behandelte auch seine Doktorarbeit das Haushuhn, und zwar das Arteriensystem. In seiner ersten beruflichen Station im Ernährungsministerium kümmerte er sich erfolgreich um die Qualität von Hühnereiern. Sein „Eierbuch“ und sein „Handbuch der Geflügelkrankheiten“ wurden als Fachbücher mehrfach neu aufgelegt. Als Hühnerfachmann empörte er sich über die Massen-tierhaltung, bei der Millionen von Legehennen grausamst zusammengedrängt in Räumen ohne Tageslicht zeitlebens gehalten werden. Dadurch habe man der Landwirtschaft auch den wichtigen Erwerbszweig der Eiererzeugung fast ganz weggenommen und in die Hände industrieller Großverdiener überführt. Massentierhaltung ist also kein Phänomen der heutigen Zeit, sondern so alt wie ein Menschenleben.

Der frühere Bundesernährungsminister, der für diese Entwicklung weitgehend mitschuldig war, rechtfertigte sich aufgrund der erhobenen Vorwürfe, Herr Grzimek verstünde wohl etwas von Nashörnern und Tigern, aber nicht von Geflügelzucht und Landwirtschaft…

 

Manfred Loick 

Teil II

 

Grund genug, das Berufsbild des Politikers etwas genauer zu beleuchten. Es gibt keine Ausbildung zum Politiker, am Ende einer Entwicklung steht oft die politische Karriere. Man arbeitet sich ehrenamtlich hoch, vom Ortsverein bis zur Bundesebene. Dabei zählt nicht unbedingt das Fachwissen, sondern die Anpassungs- und Vermittlungsfähigkeit. Politiker kennen Macht- und Parteistrukturen, aber nicht die Hierarchie eines Hühnerhofes. Politiker erhalten durch Wahlen Ämter oder Mandate. Aber vor der Wahl steht der Wahlkampf. Dazu gehört nicht, große Reden zu schwingen, auf der ersten Stufe müssen erst einmal Plakate geklebt werden. Man arbeitet sich hoch, ein erstes Mandat noch als sachkundiger Bürger in einem politischen Ausschuss auf Lokalebene; als Ratsmitglied nehmen diese Pflichtaufgaben weiter zu. Seiteneinsteiger oder Spätberufene haben es schwer, denn ihnen fehlt der natürliche „Stallgeruch“. In der weiteren Karriere wird man sehr schnell zum Verwalter seiner Arbeit, wenn heute der Bauausschuss und morgen der Kulturausschuss tagt und völlig konträre Probleme zu lösen sind. Wo bleiben die persönlichen Ziele, Interessen und Ideale, wenn alles unter einen Hut zu bringen ist und die Partei zur Parteiräson aufruft?

Wer sich erfolgreich durchkämpft, bekommt vielleicht neue Aufgaben, eine höhere Verantwortung von der Kommunalpolitik über die Kreis- und Landespolitik bis zur Bundesebene. Um die richtigen Leute an den Schaltstellen zu haben, sind Juristen als Politiker von den Parteien immer gern gesehen, aber nicht vom Wähler. An erster Stelle steht nämlich die Aufgabe als Volksvertreter. Das Recht soll nach Volkes Wille gestaltet werden, nicht um das Volk mit Gesetzen zu gängeln oder auszubeuten.

 

  • Wenn wir als Geflügelfreunde mit Sorge in die Zukunft blicken, muss der Lokalpolitiker von uns er-fahren, dass von unserem Hühnerhof keine Gefahr ausgeht, aber aus der Massentierhaltung. Sowohl bei Zuchthäusern/Gefängnissen als auch bei den Hochsicherheitstrakten der Geflügelindustrie geht die größte Gefahr von Ausbrüchen aus. Sowohl entflohene Sträflinge als auch entwichene Krank-heitserreger gefährden uns, nicht unsere Henne Berta.

  • Der Landespolitiker muss ebenfalls aufgeklärt werden, denn wir sind aufgeklärte Bürger, die sich nicht für dumm verkaufen lassen. Die Landespolitiker verstecken sich gern hinter den Amtsveterinären und dem höherrangigen Bundesrecht, sind aber durch unzulängliche Verordnungen dafür verantwortlich, wenn sie für uns nicht mehr tragbar sind. Die Landes-politik muss liefern, wenn sie wiedergewählt werden will.

  • Auch die Bundespolitik versteckt sich – hinter dem FLI. Dieses Institut redet um den heißen Brei herum und greift wehrlose Opfer an – unser Hausgeflügel. Dabei hält das FLI an der schon lange nicht mehr glaubhaften Theorie fest, das Wildvögel für die Vogelgrippe verantwortlich ist, auch sie sind wehrlos gegen Beschuldigungen. So etwas hassen wir auch an Politikern: Viel reden und wenig aussagen. Wer uns nicht hilft, die Fehler der Geflügelpestschutzverordnung zu korrigieren, wird unsere Wählerstimme nicht mehr bekommen. Eine Stallpflicht muss an klare Bedingungen geknüpft werden (keine generelle Aufstallung), und Keulung auf bloßen Verdacht und selbst bei harmloseren Virusbefund darf nicht weiter vom Gesetz so vorgegeben werden.

 

Wir wollen gesunde Menschen und Tiere, wir pflegen dabei den idealen, fairen Umgang mit unseren Tieren, und auch von der Politik erwarten wir Entscheidungen mit Augenmaß, so dass die fehlerhafte Gesetz- und Verordnungslage korrigiert werden muss. Jeder Mensch hat Beziehungen zu politisch engagierten Menschen. Nehmen Sie diese Gelegenheit wahr, auf unsere berechtigten Belange hinzuweisen.

 

Manfred Loick

 

Text und Bilder: Manfed Loick

Grün und Blau – die wichtigsten Hühnerfarben

 

Hühner gibt es in weiß, schwarz, braun, rot, gelb, blau, gold und silber, aber auch in porzellan-, birken-,  mahagoni-, weizen- oder zimtfarbig, dabei sind sie oft gebändert, gedobbelt, geflockt, gesäumt, gescheckt, gesperbert, gesprenkelt, gestreift oder getupft, aber niemals grün. Grün gibt es als wunderbare smaragdgrüne Glanzfarbe bei sumatra-schwarz, und die Blauen sind meist andalusier-blau. Warum sind dann Grün und Blau die wichtigsten Hühnerfarben?

 

Weil unseren Hühnern aufgrund obskurer Entscheidungen das Himmelblau und das Weidengrün verwehrt wird, müssen sie ihr Leben im dunklen und engen Stall fristen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Viren, die sich am wohlsten in unübersichtlichen und unhygienischen Verhältnissen fühlen, eine Steilvorlage von Ämtern und Behörden erhalten, um sich zu vermehren! Ultraviolettes Licht, den das Sonnenlicht bei strahlend blauem Himmel liefert, ist Gift für Viren. Das lebensnotwendige Vitamin D ist das einzige Vitamin, das der Körper nicht über die Ernährung, sondern über die Sonne erhält. Gleichzeitig verlieren Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien ihre Reproduktions- und Infektions-fähigkeit, wenn sie den keimtötenden Wellenlängen der UV-Strahlung aus-gesetzt werden. Die Aufstallung dient somit nicht der Gesundheit, sondern der Krankheit. Meine Großeltern wussten schon: Wo die Sonne nicht hinkommt, kommt der Arzt hin.

 

Wer wird hier geschützt? Da schwillt mir der Kamm an.

 

Manfred Loick

 

Risikobasierte Aufstallung

 

Vielfalt stört nur

 

„Wir gehen mit unserer Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum.“ Mit solchen Sponti-Sprüchen kann man heute keinen mehr erreichen. Also müssen wir nicht alte Phrasen reaktivieren, sondern neue Szenarien formulieren.

Kinder sind von Dinosauriern so fasziniert, weil diese Urzeit-Riesen längst ausgestorben sind. Auch Erwachsene staunen, wenn sie das Skelett eines Tyrannosaurus-Rex sehen. Was passiert im Jetzt?

Wir erleben gerade das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier, bei dem Tiger, Nashörner und Elefanten genauso verschwinden wie die Honigbiene. Dramatik empfinden dabei nur Wenige, es gibt ja noch ein paar Spezies im Zoo. Was interessiert mich 2067? Ich fahre 2017 auf der Autobahn und freue mich über freie Fahrt für freie Autofahrer. Dieses Spielzeug lassen uns die Politiker, weil damit auch das meiste Geld in die Staatskasse kommt. Aber auch manch anderer braver Bürger fühlt sich nicht umsonst als Melkkuh der Nation. Echt geil.

Wir interessieren uns erst für eine Tierart, wenn sie auf der „Roten Liste“ steht und dem Aussterben geweiht ist. Warum lassen wir zu, dass der Lebensraum nur vom Menschen für sich reklamiert wird? Darf man überhaupt noch von Lebensraum sprechen, wenn darauf nur Monokultur angepflanzt wird? Diese würde nicht einmal wild weiterwachsen, weil sie gentechnisch so manipuliert ist, dass das Endprodukt selbst nicht mehr fortpflanzungsfähig ist?

Und wie sieht es 2067 aus? Dann gibt es wahrscheinlich ein Lebensmittel, das aufgrund seines hohen Protein-, Vitamin- und Nährstoffgehalts die Weltbevölkerung ernährt. Dann gibt es eine Schweineart, die die Pflanzenreste verwertet und in Schnitzel umwandelt. Es gibt eine Huhn-Hybride, die Eier ohne Schale legt, weil für die industrielle Verwertung die Schale hinderlich ist, und für den freien Verkauf gibt es eine Eierschalenersatz-Plastikhülle. Alles ist perfekt, für alles gibt es das perfekte Produkt.

Nur die Vielfalt ist auf der Strecke geblieben. Es gab in Deutschland einmal etwa 300 Taubenrassen, je 100 Hühner- und Zwerghuhnrassen, ca. 25 Entenrassen und knapp 20 Gänserassen, außerdem Puten, Perlhühner, Wachteln und vieles mehr. Alles weg. Auch die Vielfalt des Menschen ist der Einfalt ge-wichen. Regiert werden wir vom Homo Oeconomicus, dem letzten Nachfahren von Tyrannosaurus-Rex. Willkommen in der Zukunft.

 

Manfred Loick 

 

Argumentationshilfe für unsere Züchter zur unsäglichen Situation

in Zeiten
der Vogelgrippe-Hysterie.

 

 

Mit freundlichen Züchtergrüßen
Manfred Loick

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Die Geflügelindustrie …

 

… beutet Legehennen ein Jahr lang aus. Als Gegenleistung für 300 Eier gibt es einen Lebensraum ohne natürliches Licht und frische Luft, als Suppenhuhn wird der letzte Gang angetreten, ohne jemals wirklich gehen zu können.

 

… mästet Schlachthähnchen etwa 35 Tage lang. Nach etwas mehr als einem Monat endet das „Leben“ am Schlachthaken. Das tote Hähnchen hat nicht erlebt, dass es zweierlei Geschlechter gibt, weil es mit 5 Lebenswochen noch jugendlich stirbt. Bewegen konnten sie sich nicht, denn

 

  1. fehlte der Platz und

  2. sind Knochen und Sehnen dem Turbo-Wachstum nicht gewachsen.

 … mästet Puten unter ähnlichen Bedingungen. Auch hier sind gebrochene Knochen ein Zeichen, dass es Zeit für den Schlachthof ist.

 

 … hält die Tiere unter unwürdigen Bedingungen (kein Platz, kein natürliches Licht, keine frische Luft, stattdessen Zwangsernährung und Antibiotika).

  

… ist über die Massentierhaltung auch für Epidemien verantwortlich, interessiert sich ausschließlich für Gewinnmaximierung und macht Geschäfte mit dem Tod.

 

Die Geflügelliebhaber ...

 

… ziehen alle Küken auf, während die Industrie 50 % „Ausschuss“ am Schlupftag schreddert. Die besten Hennen werden beim Liebhaber zur Zucht behalten, die überzähligen werden abgegeben oder bereichern nach einem Sommer im Grünen die Speisekarte der Familie.

 

 … brauchen von den jungen Hähnen nur den schönsten und besten als Zuchthahn, die Bruderhähnchen teilen das Leben mit ihren ebenfalls überzähligen Schwestern, wenn sie voll ausgewachsen sind.

 

 … halten ihr Geflügel in der natürlichen Biologie ihrer wilden Vorfahren; Hühner in ihrem Stamm unter der Obhut des Hahnes, und auch andere Arten wie Enten, Gänse und Tauben genießen ihre arteigene Lebensweise in naturnaher Versorgung.

 

… leiden in Zeiten der Aufstallung, weil auch ihre Tiere leiden, die monatelang auf engstem Raum eingesperrt werden. Sie wollen ihr Geflügel als Mitgeschöpf pflegen und nicht in Zwangshaft nehmen.

 
… erzielen keine wirtschaftlichen Erfolge, bereichern aber ihre Freizeit mit einem belebten Garten und ihren Speiseplan mit hochwertiger Nahrung. Rassegeflügel – Lebensqualität für Mensch und Tier.

 



Antworten

 

 

Dr. Michael Götz hat alle im Bundestag vertretenen Parteien zum Thema Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine angeschrieben und hier die Antworten ausgewertet und zusammengefasst. Da fehlen die Freien Wähler aus Bayern, weil sie unsere Sache aber bisher unterstützt haben, können wir davon ausgehen, dass sie, wenn das Verbandsklagerecht in Bayern eingeführt würde, es auch dem BDRG zubilligen würden. 

 

1. Aus welchen Gründen befürworten oder lehnen die Parteien das Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine ab?

 

 

CDU/CSU

 

CDU und CSU stehen in der Tierschutzpolitik für klare gesetzliche Vorgaben mit genau definierten Auflagen für Tierversuche wie auch für die Tierhaltung sowie entsprechende Kontrollen durch Behörden mit fachkundigem Personal. Bei diesen liegt ganz eindeutig die Kompetenz in Sachen Tierschutz.

Deshalb sehen wir auf Bundesebene keinen Bedarf für eine Verbandsklage Tierschutz. Auf Landesebene gibt es einige Vorhaben. Ihre Wirkung werden wir abwarten und vor einer weiteren Diskussion auf Bundesebene genau prüfen.

 

SPD

 

Sowohl in ihrem Regierungsprogramm als auch in einem Antrag (Bundestagsdrucksache 17/13477) fordert die SPD die Einführung des Verbandsklagerechts für anerkannte Tierschutzorganisationen.

 

Im Jahr 2002 wurde mit Erweiterung des Art. 20a Grundgesetz unter Regierungsverantwortung der SPD der Tierschutz zum Staatsziel und somit zum Rechtsgut mit Verfassungsrang erhoben. Die Gesetzgeber, Judikative und Exekutive sind damit zum Schutz der Tiere verpflichtet. Auch auf Grundlage der Ausgestaltung und Konkretisierung im Tierschutzgesetz umfasst diese Verpflichtung den Schutz der Tiere vor nicht artgerechter Haltung, vermeidbaren Leiden sowie der Zerstörung ihrer Lebensräume.

 

Das Tierschutzgesetz gewährleistet ein abstraktes Schutzniveau. Um das Schutzziel zu erreichen, ist die gerichtliche Durchsetzbarkeit von entscheidender Bedeutung. Tiernutzer und Tierhalter haben die Möglichkeit, Entscheidungen zuständiger Behörden anzufechten. Wenn Tierschutzbestimmungen verletzt werden, besteht dagegen bisher kein Klagerecht. Dieses Defizit wollen wir beheben und ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände einführen. Entscheidungen auf Verwaltungsebene müssen durch ein Verbandsklagerecht angefochten werden können. Die Einhaltung des Tierschutzgesetzes oder auf Grund des Tierschutzgesetzes erlassener Rechtsvorschriften muss so überprüft werden können.

 

Die Erfahrung im Zuge des Verbandsklagerechts in Bremen zeigt, dass insbesondere im Bereich der Tierversuche nicht mit einer Klagewelle zu rechnen ist, sondern Tierschutzargumente bereits in der Planungsphase oder auch vor Gericht mit einbezogen werden. Ein Verbandsklagerecht könnte sicherstellen, dass Verwaltungsentscheide auf dem Gebiet des Tierschutzrechtes sorgfältiger vorbereitet werden und die Verbände rechtzeitig in Entscheidungen der Behörden weiterführend einbezogen werden. Ein Klagerecht für ausgewählte Tierschutzverbände ist zudem aufgrund der Fachkenntnisse des jeweiligen Verbandes sinnvoll. Sie können die Interessen der Tiere fachkundig vertreten.

 

 

FDP


 

Der Tierschutz und das Rechtsstaatsprinzip haben für die FDP eine wichtige Bedeutung. Tierschutz ohne die Möglichkeit der rechtlichen Durchsetzung ist wenig wert. Die bisherigen Erfolge im Tierschutzbereich seit der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz sind jedoch beachtlich. Es gibt in Deutschland ein großes Tierschutzbewusstsein in der Gesellschaft. Gleichzeitig existierten gerade im Vergleich zu anderen Ländern schon hohe tierschutzrechtliche Standards.

 

Ein Verbandsklagerecht ist unserer Ansicht nach jedoch nicht nötig, weil schon ein bewährtes individuelles Klagerecht existiert.  Darüber hinaus nehmen die zuständigen Behörden der Länder die sich aus Tierschutzgesetz ergebenden Pflichten zur Wahrung des Tierschutzes stets ernst. Soweit der Schutz der Tiere ein Eingreifen erfordert, bietet das Tierschutzgesetz die dafür erforderlichen Handlungsmöglichkeiten.

 

Die Einführung eines Verbandsklagerechtes für Tierschutzverbände würde faktisch zu einer Ablösung der individuellen Verantwortungsübernahme führen. Im Vergleich zum Umweltbereich, wo es sich in der Regel um generelle Weichenstellungen handelt, geht es im Tierschutzbereich sehr häufig um die Situation des Einzeltieres bzw. um eine Einzelsituation

 


Grüne


Wir setzen uns für ein starkes Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzorganisationen ein, damit diese die Interessen der Tiere als deren Treuhänder einklagen können. Wenn Behörden beispielsweise den Bau eines Stalles oder die Genehmigung eines Tierversuchs aus Tierschutzgründen verweigern, so kann der jeweilige Antragssteller dagegen Widerspruch einlegen. Für die Tiere kann jedoch niemand die Stimme erheben, wenn eine Genehmigung aus Tierschutzsicht kritisch zu beurteilen ist. Dieses Ungleichgewicht möchten wir mit dem Verbandsklagerecht beenden.

 

 

2. Welche Tierschutzvereine sollen anerkannt werden?

 

SPD:

 

Ein Verband soll auf Antrag eine Anerkennung als klagebefugter Verband durch das Bundesamt für Justiz erhalten, wenn er  nach seiner Satzung ideell und nicht nur vorübergehend vorwiegend die Ziele des Tierschutzes fördert, 

auf Grund seiner bisherigen Tätigkeit die Gewähr für eine sachgerechte Aufgabenerfüllung bietet,

3.      als gemeinnützig im Sinne des Körperschaftsteuergesetzes anerkannt ist,

4.      zum Zeitpunkt der Anerkennung mindestens fünf Jahre besteht,

    den Eintritt als Mitglied, das in der Mitgliederversammlung volles Stimmrecht hat, jedem ermöglicht, der die Ziele des Verbands unterstützt sowie

6.      mindestens 250 natürliche Personen als Mitglieder hat.

 

Bündnis 90/Die Grünen:

 

Voraussetzung für eine Anerkennung ist, dass die Organisation rechtsfähig und gemeinnützig ist, nach ihrer Satzung ideell und nicht nur vorübergehend die Ziele des Tierschutzes fördert, ihren Sitz in Deutschland hat, zum Zeitpunkt der Anerkennung seit mindestens drei Jahren besteht und die Gewähr für eine sachgerechte Aufgabenerfüllung bietet. Jeder natürlichen Person, die die Ziele der Vereinigung unterstützt, muss in der Organisation selber oder bei Dachverbänden in den Mitgliedsorganisationen die Mitgliedschaft mit vollem Stimmrecht ermöglicht werden.

Die Anerkennung muss durch die jeweilige Organisation beantragt werden.

 

 

3.    Unterstützen die Parteien die Anerkennung des Bundes der Deutschen Rassegeflügelzüchter als Tierschutzverein im Zusammenhang mit dem Verbandsklagerecht?

 

Natürlich unterstützen die CDU/CSU und die FDP in den Bundesländern, die ein Verbandsklagerecht einführen, die Anerkennung des Bundes der Deutschen Rassegeflügelzüchter als anerkannter Verein. Die Fachkenntnisse des Bundes der Deutschen Rassegeflügelzüchter besonders auf dem Gebiet des Tierschutzes beim Geflügel sind für die Gesellschaft sehr wichtig.

 

Selbstverständlich unterstützt die SPD die Anerkennung des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter als klageberechtigter Verband. Solange die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, wird der BDRG einen wertvollen Beitrag zu gesetzgeberischen Gemeinwohl- und Tierschutzzielen erreichen können. Nicht zuletzt die Einbeziehung der Fachkenntnisse rund um die Themen Artenvielfalt und Qualzuchten könnte sehr hilfreich sein.

 

 

Wenn der Bund der deutschen Rassegeflügelzüchter die vorgenannten Bedingungen für eine Anerkennung erfüllt und die Anerkennung beantragt, werden die GRÜNEN diese unterstützen.

 

 

Bund Deutscher Rassegefügelzüchter e.V.

 

BDRG Dr. med. vet. Michael Götz – Hechtstraße 15 – 76437 Rastatt-Wintersdorf

Beauftragter für Tier- und Artenschutz

 

                                                                                                    Rastatt, den 8.7.2013

 

 

Liebe Mitglieder der Arge,

 

herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 4. Juli. In den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass einige Bundesländer das Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine einführen.

 

Ob das Verbandsklagerecht auch für die Verbände des BDRG gilt, hängt davon ab, wie weit die jeweilige Landesregierung den Begriff „Tierschutzverein“ definiert. Es gibt hier zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die von Seiten der jeweiligen Landesregierung möglich sind:

 

1) In der Satzung der anerkannten Verbände muss der Tierschutz an erster  Stelle stehen und der Verband muss laut Satzung vorwiegend die Ziele des Tierschutzes fördern.

2) Der Tierschutz muss bei den anerkannten Verbänden in der Satzung verankert sein.

 

Bei Punkt 1) gilt das Verbandsklagerecht nur für reine Tierschutzvereine, wie z.B. den Deutschen Tierschutzbund. Da der Tierschutz im BDRG einen festen Stellenwert hat, ist es bei der unter 2) genannten Formulierung auch für uns möglich, anerkannt zu werden.

 

Da für die Entscheidungen der Landesregierungen die Satzungen ausschlaggebend sind, spielen Ihre Vorschläge für eine Anerkennung des Verbandsklagerechtes leider keine Rolle.

 

Mit dem Landesvorsitzenden von Rheinland Pfalz, Herrn Demler, stehe ich in engem Kontakt und unterstütze ihn nach Kräften.

 

Mit freundlichen Grüßen

gez. Dr. Götz

 

 

Der Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz im BDRG, Helmut Demler, hat auf eine Gesetzvorlage seiner Landesregierung zum Verbandsklagerecht hingewiesen und um Unterstützung gebeten. Wenn dieses Gesetz in Rheinland-Pfalz in Kraft tritt, können es nur Verbände in Anspruch nehmen, die vom Ministerium anerkannt sind. Das dürfte in den anderen Bundesländern, die auf diesem Weg sind, genauso sein. Die Landesverbände des BDRG müssen deshalb in ihren jeweiligen Bundesländern, als für den Tierschutz in ihrem Bereich zuständig, anerkannt sein.

 

Dem Wunsch unseres Teilnehmers Helmut Demler folgend, haben wir uns deshalb mit dem nachstehenden Schreiben an die Verantwortlichen im BDRG gewandt.

 

Die Begründung zur Gesetzesvorlage in Rheinland-Pfalz finden Sie weiter unten.

 

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Arbeisgemeinschaft Rassegeflügel -

 

Vielfalt bewahren

 

 

 

                                                                                                                                   4. Juli 2013

 

 

 

Verbandsklagerecht Bundesland Rheinland-Pfalz

 

 

Guten Tag Herr Günzel und Herr Dr. Götz,

 

Frau Ministerin Höfken aus Reinland Pfalz hat im dortigen Landtag einen Gesetzentwurf für ein Verbandsklagerecht eingebracht. Das mag sinnvoll sein, was aber für Tierschutzverbände gilt, muss dann auch für den BDRG gelten. Also ist es geboten, dass der BDRG dem Tierschutz eine festen Stellenwert gibt, jedoch nicht nur als Bekundung, sondern mit einem festen Programm verbunden. Ziel muss es sein, den Tierschutz auf das gleiche Niveau zum Ausstellungswesen zu stellen. Das kommt im Ergebnis einem Paradigmenwechsel gleich.

 

Der BDRG sollte künftig eben so viele Mitglieder haben, die durch die Nähe zum Geflügel eigentlich Tierschützer sind, als Mitglieder, die der Trophäen wegen Züchter sind. Das kann natürlich nur gelingen, wenn die Berichterstattung über Tierschutz und Ausstellungswesen in den Fachorganen und sonstigen Veröffentlichungen des BDRG gleichwertig stattfindet. Das muss auch für alle öffentlichen Auftritte der BDRG-Vertreter gelten.

 

Die Bemühungen des Landsvorsitzenden Helmut Demler in dieser Angelegenheit bitten wir zu unterstützen.

 

Für die ARGE

mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Schreiber

 

              

 

 

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Energie und Landesplanung,

Bundesland Rheinland-Pfalz

 

01.07.2013

 

Höfken: „Verbandsklage stärkt Tierschutz in Rheinland-Pfalz“.

 

Wenn etwa Nutzgeflügel die Schnäbel gestutzt, Wirbeltiere in Tierversuchen verwendet oder Tiere ohne vorherige Betäubung geschlachtet werden sollen, können sich Tierschutzvereine bislang nicht in das behördliche Verfahren einbringen. Die Landesregierung will Tierschutzvereinen nun die Möglichkeit einräumen, in tierschutzrechtlichen Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren mitzuwirken und bei Verstößen gegen das Tierschutzrecht zu klagen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat Umweltministerin Ulrike Höfken am Montag vorgestellt.

 

„Ein Unternehmer, dessen geplante Massentierhaltungsanlage nicht genehmigt wird, kann gegen die Genehmigungsbehörde klagen. Aber Tierschutzvereine haben bislang keine Klagemöglichkeit, wenn die Mastanlage tierschutzrechtliche Vorgaben nicht erfüllt. Dieses Ungleichgewicht wollen wir ausbalancieren und damit den Tierschutz in Rheinland-Pfalz stärken“, erklärte Höfken. Durch die neuen Mitwirkungsmöglichkeiten der Vereine erhoffe sich die Landesregierung zudem eine größere Sensibilisierung der Bevölkerung in Tierschutzfragen und damit eine bessere Prävention tierschutzwidriger Verhaltensweisen.

 

Die Bundesregierung habe es bei der jüngsten Novellierung des Tierschutzgesetzes versäumt, ein bundesweit geltendes Verbandsklagerecht einzuführen, so Höfken. Deshalb vollziehe Rheinland-Pfalz diesen für den Tierschutz notwendigen Schritt nun auf Landesebene. Bislang gibt es das Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine nur in Bremen. Hamburg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland haben kürzlich entsprechende Gesetze verabschiedet. „Zusammen mit den anderen Ländern, die sich auf diesem Feld engagieren, wollen wir den Weg für eine bundeseinheitliche Lösung ebnen“, so Höfken.

 

Der rheinland-pfälzische Gesetzentwurf sieht Mitwirkungs- und Klagerechte für diejenigen Tierschutzvereine vor, die nach Inkrafttreten des Gesetzes vom Ministerium anerkannt werden. „Damit wird unseren Mitgeschöpfen ein gesetzlicher Vertreter zugestanden, der zu ihren Gunsten klagen und ihre Interessen geltend machen kann“, erklärte Höfken.

 

Nachdem der Ministerrat den Gesetzentwurf bereits im Grundsatz gebilligt habe, sei nun die Anhörung der Verbände angelaufen, so Höfken. Im Herbst werde sich der Landtag mit der Verbandsklage befassen.

 

Entnommen der Homepage der Landesregierung Rheinland.Pfalz

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Michael Götz

 

Der Vorsitzende des Tier- und Artenschutz-beirates des BDRG ist Tierarzt mit eigener Kleintierpraxis in Rastatt-Wintersdorf. Sein Tiermedizinstudium hat er an der Ludwig-Maimilians-Universität in München absolviert und am Institut für Geflügelkrankheiten dieser Universität auch seine Doktorarbeit über die tierseuchenrechtliche Bekämpfung der Newcastle-Krankheit und der Paramyxovirose in der Europäischen Union verfasst.

 

Der heute 43-jährige Vater von zwei Töchtern ist schon als Kind mit Hühnern und Enten aufgewachsen. Seit 2001 beschäftigt er sich mit der Rassegeflügelzucht. Schöne Braut- und Mandarinenten sowie die seltenen Sundheimer Hühner bevölkern seinen Zuchtgarten. Dazu gekommen sind im Herbst letzten Jahres die imposanten Bronzeputen. In seinem Ortsverein, dem Kleintierzuchtverein Ottersdorf, als Geflügelzuchtwart und Schriftführer, im Badischen Landsverband als Tierschutzbeauftragter, hat er von Anfang an verantwortliche Funktionen übernommen. Jetzt ist er das junge Gesicht im BDRG, der richtige Mann für die bevorstehenden, großen Aufgaben. Dazu wünschen wir ihm eine glückliche Hand, unsere Unterstützung hat er.

 

 

Vortrag des Beauftragten für Tier- und Artenschutz

 

Dr. Michael Götz

 

Am 5. Mai auf der Bundesversammlung in Thale im Harz 

 

 

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Aeikens, sehr geehrte Ehrengäste, sehr geehrter Herr Präsident Riebniger, liebe Zuchtfreundinnen und Zuchtfreunde.

 

Vor einem Jahr habe ich von Prof. Dr. Hans-Joachim Schille das Amt des Tier- und Artenschutzbeauftragten in unserem Verband übernommen. Gerne berichte ich über mein erstes Jahr. Es war sehr aufregend und deutlich arbeitsreicher als vorher gedacht. Vom Präsidium, den Fach- und Landesverbänden und der Geschäftsstelle wurde ich mit offenen Armen aufgenommen und toll unterstützt. Sie haben mir den Einstieg in die übernommene Aufgabe leicht gemacht. Dafür möchte ich mich bedanken.

 

Schwerpunkt meiner Arbeit war die Mitwirkung bei der Novellierung des Tierschutzgesetzes. In den Sommermonaten fanden viele Gespräche mit politisch Verantwortlichen statt. Zusammen mit unserem Präsidenten Wilhelm Riebniger fand Ende August in Berlin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein gutes Gespräch mit Herrn Staatssekretär Dr. Kloss, dem Stellvertreter von Frau Ministerin Aigner, über die Novellierung des Tierschutzgesetzes und das Qualzuchtgutachten statt. Im September konnte ich mit unserem Präsidenten und unserem Vizepräsidenten Christoph Günzel mit den Vertretern aller Fraktionen im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Deutschen Bundestag diskutieren, auf unsere Probleme hinweisen und Verständnis für unser Anliegen finden.

 

In einer gemeinsamen Kraftanstrengung ist es gelungen, dass durch eine Umformulierung von §11b Tierschutzgesetz die Vorschriften für die Praxis - sowohl für die Züchter als auch die Vollzugsbehörden- sachgerechter und einfacher anwendbar wurden.

 

Der ursprüngliche Entwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums sah ein Ausstellungsverbot ohne „Individualisierung“ vor. Das hätte dazu geführt, dass einige Geflügelrassen pauschal auf der Grundlage eines beim Geflügel veralteten Qualzuchtgutachtens, das oft nur für einzelne Linien zutraf, vom Schreibtisch aus hätten verboten werden können. Dass dies verhindert werden konnte, verdanken wir auch den vielen Züchtern, die bundesweit Kontakt mit den politisch Verantwortlichen aufnahmen und über diese Problematik aufklärten. Ich möchte mich herzlich bei den Züchtern und den Politikern bedanken, die uns unterstützten.

 

Mit den jetzt gefundenen Formulierungen können alle unsere Rassen weitergezüchtet und gleichzeitig Qualzuchten effektiv verhindert werden.

 

Ein weiteres Thema, das unsere Rassegeflügelzucht seit vielen Jahren erheblich einschränkt, ist die aktuelle Geflügelpestverordnung. Sie schreibt eine Stallpflicht vor und Ausnahmen, besonders für das Wassergeflügel, sind nur mit kaum zu tragenden Auflagen zulässig. Die negativen Auswirkungen der Vorschriften auf Ausstellungen kennen Sie. Auch hier haben wir endlich den Durchbruch erreicht. Der Bundesrat hat am Freitag der Neufassung der Geflügelpestverordnung des Bundesministeriums zugestimmt. In dieser wird die Freilandhaltung endlich wieder zur Normalität und die Vorschriften für unsere Ausstellungen werden erleichtert. So kann keine Bestandsuntersuchung zu Hause beim Züchter mehr gefordert werden. Dies ist ein schöner Erfolg.

 

Auch bei der Novellierung des Baugesetzbuches und der Baunutzungsverordnung konnten wir uns mit einem wichtigen Anliegen durchsetzen. Der vom Deutschen Bundestage letzte Woche beschlossenen Gesetzesänderung hat der Bundesrat nach ursprünglicher Ablehnung ebenfalls zugestimmt. So wurde u. a. in der Bau-Nutzungsverodnung die Kleintiererhaltungszucht als zugelassene Nebenanlage festgeschrieben. Besonders der VZV mit Karl Stratmann an der Spitze hat sich über zehn Jahre federführend für diese Änderung zusammen mit unserem BDRG eingesetzt. Die Änderung bedeutet z.B., dass die Gerichte unsere Zuchten nicht mehr verbieten können, wenn mehrere Hähne gehalten werden. Auch bei diesem Gesetz mussten wir während der Gesetzgebungsphase viele Höhen und Tiefen durchmachen.

 

Ich denke, ich brauche nicht zu berichten, wie schwierig es für uns war, die politisch Verantwortlichen davon zu überzeugen, die Gesetze in der jetzigen Form zu verabschieden. Die positiven Ergebnisse zeigen uns, dass der BDRG, seine Fach- und Landesverbände eine erfolgreiche Lobbyarbeit betreiben.

 

Aber zurück zur Arbeit des Tierschutzbeirats:

 

Es ist erfreulich, dass die langjährige Arbeit des Tierschutzbeirats des BDRG auch bei den Züchtern und Preisrichtern angekommen ist. Unser Monitoring auf den Ausstellungen macht deutlich, dass die tierschutzrelevante Überbetonung von Merkmalen auf Rassegeflügelausstellungen seltener zu sehen ist und oft von den Preisrichtern bestraft wird. Ein aktuelles Beispiel, dass auch für die Sondervereine der Tierschutz sehr wichtig ist, zeigt das Beispiel der Carrier. Der Sonderverein hat vor kurzem gemeinsam mit dem Tierschutzbeirat eine Satzungsänderung eingereicht, um Formulierungen, die sich auf die tierschutzrelevanten Merkmale beziehen zu ändern. Wir haben beim Tierschutz gegenüber den anderen Tierzuchtverbänden eine Vorreiterrolle übernommen. Nachdem es aber immer noch einige Rassen gibt, bei denen deutliche tierschutzrelevante Übertypisierungen vorkommen, müssen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.

 

Meine Damen und Herren,

für unsere Öffentlichkeitsarbeit ist der Erhalt der Biodiversität von besonderer Bedeutung. Alle zwei Wochen stirbt weltweit eine Nutztierrasse aus, das heißt eine an Klima und Standort angepasste Rasse, ein genetisches Erbe und Kulturgut zugleich, verschwindet. Wir Rassegeflügelzüchter erhalten diese Vielfalt.

 

Unsere Tiere werden artgerecht gehalten. Die Freilandhaltung ist die einzig mögliche Haltungsmöglichkeit für unsere Tiere. und mit unseren Zuchten produzieren wir einen großen Teil des Eigenbedarfs an biologischen Geflügelprodukten. Darauf sollten wir immer wieder hinweisen.

 

Lassen Sie mich am Ende meines Berichts noch ein paar Bemerkungen über unser Ausstellungswesen machen. Viele Ortsvereine präsentieren der Bevölkerung ihre Tiere vor allem als Stämme oder in Volieren und nicht mehr als Einzeltiere. Oft werden diese in ausgeschmückten Volieren ähnlich dem Ziergeflügel in natürlicher Umgebung präsentiert. Diese Schauen sind ein Anziehungspunkt auch für Besucher, die nichts mit unserem Hobby zu tun haben. Es wäre schön, wenn auch auf Großschauen diese Ausstellungsform zunehmend an Bedeutung gewinnen würde.

 

Liebe Züchterinnen und Züchter,

für mich war es ein interessantes Jahr. Wir haben erfolgreich an einem Strang gezogen. Dafür danke ich Ihnen.

 

Ich freue mich auf ein weiteres gutes Miteinander.

 

 

 

 

S C H L U S S P U N K T  U N D  A U F B R U C H

 

Viele Briefe von Politikern aus dem ganzen Land haben uns und alle Mitstreiter in den vergangenen Wochen errreicht. Es gab gute und ausführliche Antworten auf unsere Einwände gegen die Änderung des § 11b des Tierschutzgesetztes, aber auch an Mitarbeiter delegierte und aus Satzbausteinen zusammengesetzte Allgemeinplätze. Einige wurden auf unserer Webside veröffentlicht, andere an die Teilnehmer der ARGE weitergegeben.

 

Die Würfel scheinen gefallen, das Ausstellungsverbot fällt weg - Qualzuchtverbot bleibt gesetzlich verankert (Pressemitteilung des Ausschussvorsitzenden, Herrn Goldmann, vom 8. November). Die angedachte, unsinnige Drohung mit den Ausstellungsverboten ist vom Tisch, die Verantwortung wieder dort, wo sie hingehört, bei den Züchtern, den die Rassen betreuenden Sondervereinen und beim Zuchtausschuss des BDRG.

 

Wir bedanken uns bei den vielen engagierten Zuchtfreunden, die "Gesicht gezeigt" haben, bei den Vertretern des BDRG, den Herren Riebniger und Dr. Götz und vorallem bei vielen Politikern im Bund und in den Ländern, die unsere Sache unterstützt haben.

 

Abschließend will ich noch ein Schreiben des Niedersächsischen Ministers, Herrn Lindemann, veröffentlichen. Es kommt gut rüber, und es zeigt, dass unser weiterer Weg, durch rassegerechte Haltung unseres Federviehs in einem schönen Ambiente die Öffentlichkeit verstärkt für uns zu gewinnen, richtig ist und Unterstützung findet.

 

Wolfgang Schreiber

 

 

________________________________________________________________________________

 

 

Gert Lindemann

Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft,

Verbraucherschutz und Landesentwicklung

 

                                                                                                                 Hannover, 28. 11. 2012

                                                                                                                                            2A4.1

 

Arbeitsgemeinschaft Rassegeflügel – Vielfalt bewahren

 

Herrn

Wolfgang Schreiber

Veichtederpointweg 6

84036 Landshut

 

Sehr geehrter Herr Schreiber,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 14. Oktober zur vorgesehenen Änderung des § 11b Tierschutzgesetz.

 

Mit der vom Bund geplanten Änderung des § 11b TierSchG soll dem so genannten „Haubenentenurteil“ des Bundesverwaltungsgerichts Rechnung getragen werden. Bei der Einschätzung, ob es sich bei einem Zuchtmerkmal um ein „Qualzuchtmerkmal“ handelt, soll mit Novellierung des Tierschutzgesetzes den züchterischen Erkenntnissen und nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen eine entscheidende Bedeutung zukommen.

 

Wenn also züchterische Erkenntnisse das Auftreten von Qualzuchtmerkmalen nicht erwarten lassen, steht auch in Zukunft einer Zucht und Ausstellung von Tieren nichts entgegen. Insofern ändert die vorgesehene Rechtsänderung nicht den bisherigen Sachverhalt. Ich begrüße ausdrücklich den Einsatz Ihrer Arbeitsgemeinschaft für den Erhalt alter Haustierrassen, deren Artenvielfalt und damit einer wichtigen Genreserve für die Zukunft. Mit Freude habe ich auf Ihrer Homepage gelesen, dass Sie sich für eine tiergerechte Haltung und Zucht auf Vitalität einsetzen. In diesem Zusammenhang unterstütze ich ausdrücklich das Anliegen der Arbeitsgemeinschaft Rassegeflügel, dass bei der Zucht keine gesundheitlichen Nachteile für die Tiere entstehen sollen. Dies sind ideale Voraussetzungen für die erfolgreiche Zukunft der Rassegeflügelzucht.

 

In diesem Sinne werde ich mich dafür einsetzen, dass im Zuge der Novellierung des § 11b Tierschutzgesetz das Wohl der Tiere berücksichtigt wird und dabei die Vielfalt der Geflügelzucht erhalten bleibt. Die Zucht und Ausstellung gesunden Rassegeflügels wird auch in Zukunft dadurch möglich sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Gert Lindemann

 

 

 

 

In seinem Antwortschreiben an einen Züchter sieht Dr. Stefan Birkner,FDP, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, keine Notwendigkeit für eine Novellierung des Tierschutzgesetzes und solidarisiert sich mit den Bemühungen des BDRG Ausstellungsverboten entgegen zu wirken. Wörtlich führt er in seinem Schreiben aus:



Mit der Unterzeichnung des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt haben sich die Mitgliedsstaaten nicht nur verpflichtet, die freilebende Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten, sondern auch die Vielfalt der über die Jahrtausende vom Menschen geformten Nutzpflanzen und Haustierrassen zu bewahren. Diese Rassen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Landeskultur. Das gilt selbstverständlich auch für das Rassegeflügel.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts, also über 100 Jahre bevor die Staatengemeinschaft den Wert der Erhaltung der biologischen Vielfalt in einem Übereinkommen festgeschrieben hat, hat der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter damit begonnen, Geflügel-, Hühner und Taubenrassen nach vereinbarten Standards gezielt zu züchten und damit als Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten. Er hat sich damit große Verdienste erworben. Ich möchte es nicht zulassen, dass diese Verdienste durch neue Vorschriften, die der Sache nicht gerecht werden, geschmälert werden.

Eines der wichtigsten Ziele der Niedersächsischen Landesregierung war und ist der Abbau überflüssiger Bürokratie. Vor diesem Hintergrund vermag ich es nicht nachzuvollziehen, warum in das Tierschutzgesetz ein bürokratieträchtiges neues Ausstellungsverbot aufgenommen werden soll, mit dem das Ausstellen von Tieren verboten werden soll, deren Zucht ohnehin nicht erlaubt ist. Ebenso wenig Sinn würde ein Ausstellungsverbot für Tiere machen, deren Zucht gestattet ist.

Ich werde den Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter unterstützen und mich innerhalb der Niedersächsischen Landesregierung und auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Großgeflügel-, Hühner und Taubenrassen, die in den jeweils geltenden Standards des Verbands aufgelistet sind, von den Bestimmungen des § 11 b des Tierschutzgesetzes in Form einer entsprechenden gesetzlichen Ausnahmeregelung ausgenommen werden.

Dr. Stefan Birkner

 

Diese Information wurde uns von Matthias Weis zur Verfügung gestellt! Herzlichen Dank!


 

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04.03. Bild März