Foto: Michael von Lüttwitz
Foto: Michael von Lüttwitz


 Fragebogen zum Schauwesen

 

Wir wurden gebeten den Fragebogen zum Schauwesen im BDRG auf unsere Internetseite zu stellen. Den kommen wir gerne nach, denn es ist ein wichtiges Thema. Weil die Stellungnahme der ARGE (veröffentlicht in den Fachzeitungen) in diesen Fragebogen aber nicht eingeflossen ist, werden wir unsere Meinung zur Zukunft des Schauwesens im Anschluss an den Fragebogen einstellen. Für eine gute Meinungsbildung brauchen wir alle Argumente. Beteiligen Sie sich an der Frageaktion, aber bringen sie auch Ihre eigenen Vorstellungen ein.

  

Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit des BDRG

Fragebogen zum Schauwesen im BDRG – Ihre Meinung ist uns wichtig!

 

Seit Monaten beschäftigen sich eine Vielzahl von Verbands- und Vereinsfunktionären mit dem Thema:„Wie soll es mit unseren Bundesschauen in den kommenden Jahren weitergehen?“ Viel wurde schon darüber gesprochen, aber auch geschrieben. Die Meinung der breiten Züchterschaft wurde dazu noch nicht gehört das soll sich mit dieser Befragung ändern. Nun möchten wir Ihre Meinung,die Meinung der Züchter und Aussteller erfahren, was Sie zu diesem Thema denken. Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen und senden den Bogen an die Geschäftsstelle des BDRG, Erlenbruchstraße 20, in 63071 Offenbach.

Die Auswertung erfolgt anonym, Namen und Daten werden nicht anderweitig verwendet. Wir bitten um Ihre Unterstützung.

 

Welche Bundesschauen sollte es zukünftig geben (Mehrfachnennung möglich)?

(  ) Dt. Junggeflügelschau Hannover            (  ) Lipsia Leipzig

(  ) Nationale Bundessiegerschau                 (  ) nur noch eine

 

Sollen die Fachverbände ihre Fachverbandsschauen zusammen ausrichten?

(  ) immer zusammen         (  ) im Wechsel  zusammen/oder getrennt          (  ) immer getrennt

 

Sollen alle Fachverbände ihre Fachverbandsschauen immer an den Bundesschauen des BDRG angliedern?

(  ) ja          (  ) nein

 

 

Ist ihnen der Titel „Deutscher Meister“ wichtig?

(  ) ja          (  ) nein        (  ) egal

 

Ist ihnen der Titel „Bundessieger“ wichtig?

(  ) ja          (  ) nein        (  ) egal

 

Um das Standgeld zukünftig in Grenzen zu halten sollten folgende Änderungen erfolgen:

(    ) auf die E- und Z-Preise bei Großschauen verzichtet werden(    ) Käfige wieder doppelstöckig stehen

(    ) die Ausstellungsdauer verkürzt werden

(    ) keine, und das Standgeld kann sich weiter erhöhen

andere Vorschläge                                                                                                                      

 

Würden Sie auch noch ausstellen, wenn es keine E- oder Z-Preise mehr gäbe, sondern nur noch pro 80 Nummern 4 große Sachpreise?

(  ) ja          (  ) nein        (  ) ja, bei höherer Anzahl großer Sachpreise     Anzahl


Was würden Sie bei Verringerung der Ausstellungsdauer von der Einlieferung bis Schauende vorziehen?

(   ) Do-So         (   ) Do-Sa       (   ) Fr-So        (  ) prinzipiell gegen Verkürzung

 

 

Soll an der Einzeltierbewertung festgehalten, oder eine andere Form angestrebt werden?

(  ) Ja Einzeltierbewertung              (  ) paarweise Bewertung

(  ) Stamm/Voliere                          (  ) andere                                               

 

Ist ihnen die Bewertung ihrer Tiere durch Sonderrichter wichtig?

(  ) ja          (  ) nein           (  ) egal

 

 

Müssten ihrer Meinung nach von der AL oder dem BDRG Sammeltransporte zu den Bundesschauen organisiert werden?

(  ) ja          (  ) nein

 

Fragen zu den Schauen in ihrem LV:

Welche Schauen halten Sie für wichtig?

LV-Schau

(  ) sehr wichtig

(  ) wichtig

(  ) weniger wichtig

(  ) unwichtig

Kreisschau

(  ) sehr wichtig

(  ) wichtig

(  ) weniger wichtig

(  ) unwichtig

Vereinsschau

(  ) sehr wichtig

(  ) wichtig

(  ) weniger wichtig

(  ) unwichtig

 

Fragen zu Ihrer Person:

(  ) männlich          (  ) weiblich

 

Alter: (  ) unter 20     (   ) 20-30        (   ) 30-40        (   ) 40-50        (   ) 50-60        (  ) 60 bis 70

(  ) 70 bis 80       (  ) über 80

 

 

Ich züchte:

(  )Puten/Perlhühner         (   ) Gänse          (  ) Enten        (   ) Hühner        (  ) Zwerghühner

(  ) Tauben                        (  ) Ziergeflügel

 

Stellen Sie derzeit auf Bundesschauen aus?

(  ) ja, auf allen      (  ) ja, immer nur auf einer       (  ) unregelmäßig, gezielte Schau und Entfernung  

(  ) auf keiner

 

Werden Sie auch noch in den kommenden Jahren ausstellen?

(  ) in den nächsten 5 Jahren      (  ) in den nächsten 10 Jahren       (  ) gar nicht mehr


Fragebogen Schauwesen_Seite01_HKS56.pdf
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Fragebogen Schauwesen_Seite02_HKS56.pdf
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„Können wir durch Reformen die Zukunft sichern?“

 

Karl Stratmann, Vorsitzender des VZV, hatte im September in der Fachpresse das Thema „Reformen im Schauwesen“ zur Diskussion gestellt und zu Leserbriefen aufgefordert. Wir von der ARGE Tierschutz – Rassegeflügel haben das aufgegriffen und die Gedanken verschiedener Züchter zum Schauwesen auf unserer Homepage  www.tierschutz-rassegefluegel-vielfalt-bewahren.de  veröffentlicht. Auch, wenn die Bundesschauen z. T. noch boomen, wissen wir alle, dass der Trend rückläufig ist, und die Situation in zehn Jahren ganz anders sein kann. Wir haben uns auch in der ARGE Gedanken zu diesem Thema gemacht, die wir hier darstellen wollen.

 

Am Ende seines Aufrufs schreibt Stratmann, dass bei dem Bemühen um Reformen, der Fortbestand der weltweit anerkannten Bundesschauen die gemeinsame Verpflichtung für die Zukunft bleibt. Das soll sicher so sein, aber mit den angedachten Veränderungen wird es da wohl nicht getan sein.

 

Der Wegfall von E- und Z-Preisen ist längst überfällig, vermutlich ein Relikt aus der Nachkriegszeit, als gute Züchter unterstützt werden sollten. Heute zahlen die nicht so erfolgreichen Aussteller mit ihrem Meldegeld denen die Preise, die es oft am wenigsten nötig haben. Die gut zwei Euro Einsparung werden aber nicht viel bewirken, weil ja die übrigen Kosten wie Halle, Katalog usw. weiter steigen werden.

 

Wir denken, es braucht ganz andere Ansätze, wenn wir die Zukunft der Bundes- und Landesschauen für die Aussteller sichern wollen. Wir müssen weg vom Gigantismusdenken, wonach eine Schau umso besser ist, je mehr Tiere aufgeboten werden. Wir müssen weg, von der Meinung, dass diese Schauen die Messen der Insider sind und die Öffentlichkeit keine so große Rolle spielt. Nur wenn die Öffentlichkeit uns akzeptiert, gern zu den Ausstellungen kommt und sich dort wohl fühlt, werden unsere Schauen eine Zukunft haben.

 

Wachsende Tierzahlen bedeuten nicht zunehmende Qualität. Im Gegenteil, die Mittelmäßigkeit nimmt zu, und in den endlos langen (und langweiligen) Käfigreihen sitzen eine Menge Tiere, auf die man bei einer Bundesschau gut verzichten könnte. Man sollte also über Meldebeschränkungen nachdenken.

 

Weniger Tiere bedeuten auch weniger Logistik und kleinere Hallen. Preisgünstigere Industriehallen könnten die sehr teueren Messehallen mit ihren aufwändigen Bestimmungen ersetzen.

 

Auch über eine Entzerrung der großen Schauen könnte nachgedacht werden. Taubenausstellungen sollten im Dezember und Januar stattfinden. Das würde den Züchtern einen zu frühen Zuchtbeginn ersparen. Hühner- und Großgeflügel-Schauen könnten im März bis Mai abgehalten werden, wenn die Kücken schon da sind. Vielleicht wäre dann das Gefieder nicht mehr so in Pracht, aber die Form bleibt ja. Und es gibt Länder, in denen das praktiziert wird. 

 

Ein weiterer Punkt ist die publikumswirksame Gestaltung der Schauen. Schon 1992 haben die Clubs der Chabo und Brünner Kröpfer in Nürnberg die „Schau der Zukunft“ vorgestellt. Einzeltiere, Stämme und Volieren. In die Einzelkäfige gehören die Besten der Aussteller, die Käfige für Stämme und Volieren müssen ansprechbar gestaltet werden. Ein Drahtkäfig als Voliere mit einer Sitzstange oder ein paar Sitzbrettchen, wie gerade auf Großschauen zu sehen, ist völlig kontra produktiv. Mit solchen Darstellungen können wir in der Öffentlichkeit keinen Blumentopf gewinnen.

 

Auch der Komfort für Aussteller und Besucher kann verbessert werden, z. B. durch umlaufende Sitzgelegenheiten an den Hallenwänden. Schauen außerhalb der Messehallen lassen auch eine individuellere und vor allem preisgünstigere Bewirtung zu.

 

Letztlich müssen auch die Ausstellungszeiten reduziert werden, was bei abgespeckten Schauen auch möglich ist. Vier bis fünf Tage in der Halle, dazu die An- und Rückfahrt, ist purer Stress für unsere Tiere. Das erhöht die Infektionsgefahr beim ausgestellten Geflügel, und das kostet den Aussteller, der von der Einlieferung bis zum Schauende da bleiben will, viel Geld. Viele können sich das nicht leisten, die Tauben gehen per Sammeltransport zur Schau, und der Züchter kommt Sonntagmittag zum Einpacken. Freitag und Samstag ist gähnende Leere in den Käfigreihen.

 

Erfolgreiche Reformen müssen also über den Wegfall der E- und Z-Preise deutlich hinausgehen. Wir denken, eine Veränderung der Ausstellungskultur wird auf den unteren Ebenen und bei den Sonderschauen stattfinden. Da gibt es schon viele gute Ansätze in unserem Land. Hier wird für eine schöne Präsentation der Tiere und für Aussteller und Besucher schon viel getan. Hier fühlen sich die Leute (und ihre Familien) wohl, es gibt keine weiten Anfahrten und keine großen Kosten. Die für die Bundesschauen Verantwortlichen sollten Reformen nicht auf die lange Bank schieben, wenn sie nicht auf lange Sicht ein Abwandern der Aussteller zu attraktiveren Veranstaltungen riskieren wollen.

 

Wolfgang Schreiber

für die ARGE Tierschutz – Rassegeflügel

 

 

 

Das Schauwesen

 

Innovative Ideen werden gesucht

 

Es gibt viele Gründe über Veränderungen im Ausstellungswesen nachzudenken. So muss Tierschutz ein wesentlicher Gesichtspunkt in dem Erscheinungsbild sein, das wir nach außen abgeben. Das Schlagwort unserer Zeit ist „Transparenz“. Für unsere Ausstellungen bedeutet das, wir müssen zeigen, dass unsere Liebhaberei mehr ist als Fachsimpelei in langen, für den Besucher langweiligen Käfigreihen. Jedes einzelne Individuum ist unabhängig von seiner Bewertung, unabhängig von Auszeichnungen, ein liebenswertes Geschöpf. Das der Öffentlichkeit zu zeigen, zu Hause in der Zuchtanlage und auf den Ausstellungen, muss uns ein Anliegen sein. Es werden also innovative Ideen gesucht, Ideen, die dann aber auch in die Tat umgesetzt werden sollten. Auf dieser Seite wollen wir einer breiten Diskussion Raum geben und wir beginnen mit einem Aufsatz des VZV-Vorsitzenden Karl Stratmann in der Geflügel-Börse 17/2014 und der Geflügelzeitung 18/2014.   

 

 

Das Schauwesen in Deutschland

 

Können wir durch Reformen die Zukunft sichern?

 

Das Schauwesen in Deutschland ist einzigartig. Auf allen Ebenen unserer Organisation werden jährlich beispielhafte Ausstellungen organisiert, die zu Recht als Schaufenster der Rassegeflügelzucht gelten. Können wir dieses hohe Niveau auch in Zukunft halten? Wenn wir in Bezug auf die Bundesschauen eine Antwort auf diese allgegenwärtige Frage suchen, sind die Gegebenheiten und Einflüsse genauer zu analysieren. Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, kann ein tragbares Konzept für die Zukunft entwickelt werden. Voraussetzung dabei ist das konstruktive Zusammenwirken aller Kräfte des BDRG, der Fachverbände und der Ausstellungsleitungen unter der Einbeziehung der gesamten Züchterschaft.

 

Die Diskussion über die Schauenlandschaft in Deutschland wird seit 2012 unter der Leitung des BDRG-Präsidiums geführt. Grundlage bildet das vom VZV erarbeitete Konzept mit dem Ziel, die Bundesschauen in Deutschland auf drei Orte/Termine im Jahr zu konzentrieren. Neben den gesetzten BDRG-Bundesschauen in Hannover und Leipzig fände jährlich eine Bundesschau mit wechselnden Terminen und Orten als Nationale Bundessiegerschau oder als Fachverbandsschau statt. Bei einer solchen Lösung könnte an dem bewährten Prinzip der Wanderschauen festgehalten werden. Die Konzentration auf drei Bundesschauen im Jahr brächte eine spürbare Entlastung auf allen Ebenen für Ausstellerinnen und Aussteller sowie für die Tiere und Organisatoren. Sie trüge darüber hinaus wesentlich zur Standortsicherung bei.

 

Die besorgniserregende Kostenentwicklung muss in eine umfassende Diskussion um die Schauenlandschaft in Deutschland einbezogen werden. Jährlich steigende Hallenmieten und Nebenkosten werden uns von den Messegesellschaften vorgegeben. Bei sinkenden Tierzahlen sind Standgelderhöhungen also die logische Folge. Die Züchterinnen und Züchter, egal ob als Aussteller oder Besucher, belasten darüber hinaus die Nebenkosten (Katalog, Kostenbeitrag, Eintritt, Parkgebühr, Verpflegung und Reisekosten). Auch hier ist durch die Steigerungen der letzten Jahre das Ende der Fahnenstange und des Zumutbaren erreicht. Allein das Klagen über diese Misstände reicht aber nicht aus. Wir im BDRG müssen über Wege und Lösungen nachdenken, die in unserem Einflussbereich liegen. Dazu gehören die Ausgaben für die Käfige und deren Aufbau genauso wie die Kosten für die Ausstellungsorganisation und -leitung. Auf den Prüfstand müssen außerdem die Ausgaben für die Preisrichter. Wenn sich die durchschnittlichen Kosten je PR von 280 (1994) auf 390 Euro im letzten Jahr in Leipzig nach den Angaben des Ausstellungsleiters Dr. Lothar Heinrich erhöht haben, so lässt das aufhorchen. Wir müssen uns fragen, ob 5 Euro des Standgeldes bei der Bundesschau in Leipzig 2013 für die Bewertung eines einzelnen Tieres angemessen waren und in Zukunft vertretbar sind?

 

In diesem Zusammenhang gehören aber auch die Ausgaben für Preise auf den Prüfstand. Dieser Punkt wurde anlässlich der 37. VZV-Bundestagung in Sebnitz im Juni 2014 diskutiert. „Ehrenpreise auf unseren Schauen – brauchen wir sie überhaupt noch und welche sind zeitgemäß?“, war das Thema. Die lebhafte Diskussion in dieser Arbeitsgruppe konzentrierte sich im Wesentlichen auf die Geldehren- und Zuschlagpreise, die aus dem Standgeld bezahlt werden. Die Basis für die konstruktive Aussprache bildeten die Zahlen einiger Stichproben von den Bundesschauen 2013 in Hannover, Leipzig und Dortmund. Nach der AAB erhält der PR von der AL je zehn Einzeltiere wenigstens einen Ehrenpreis und zwei Zuschlagpreise. Das sind bei einem Bewertungsauftrag von 80 Tieren 8 E und 16 Z, also 24 Preise von der AL. Hinzu kommen die Ehrenbänder, Sachpreise und Geldpreise, die von der Ausstellungsleitung, den Verbänden und Sondervereinen sowie den Ausstellern gestiftet werden. In der letzten Saison konnten somit zwischen 30 und 36 Preise von den Preisrichtern je Bewertungsauftrag vergeben werden. Es waren in der Regel drei große Preise, 24 E und Z der AL sowie durchschnittlich sieben gestiftete Preise, die zusätzlich als Sonderehren- oder Zuschlagpreise zur Verfügung standen. Dieses Zahlenspiel lässt mit Blick auf die Kosten die Folgerung zu, auf die Geldpreise der AL zu verzichten. Was hätte das für Folgen:

 

·          Je Bewertungsauftrag von Æ 80 Einzeltieren würden nur noch ca. 10 Preise vergeben. Das hieße, jedes achte Tier erhielte einen Preis. Die zuchtstandsbezogene Bewertung würde dadurch nicht infrage gestellt. Unser differenziertes Punktesystem lässt jede erforderliche Abstufung zu. Und zwar auch ohne Ehren- und Zuschlagpreise.

 

·          Die AL sparte dadurch die Auszahlung der Geldpreise. Das wären bei 80 Einzeltiere in Hannover 188,00 € (Standgeld 13,50 €) und in Leipzig 176,00 € (Standgeld 12,00 €). Rein rechnerisch könnte also das Standgeld um 2,35 bzw. 2,20 € je Einzeltier gesenkt werden.

 

·          Die gestifteten Preise sollten in diesem Zusammenhang überdacht werden. Es wäre wünschenswert, wenn durch wertigere Preise von den Sondervereinen, den Stiftern und auch den Organen des BDRG die einfachen Sachpreise abgelöst würden.

 

Vielleicht könnte auch die Vergabe der Geldzuwendungen an die Sondervereine aus dem Ringgeld in diesem Zusammenhang überdacht werden. Z.B. wäre so die Finanzierung einer hochwertigen und individuell gestalteten Stallplakette für jeden Aussteller/in als bleibende Erinnerung denkbar.

 

Zwei Euro weniger Standgeld bei den Bundesschauen wären schon eine Hausnummer. Ließe sich vielleicht dieser Betrag noch erhöhen, wenn alle anderen Kosten ernsthaft durchforstet würden? Aber auch wenn die rechnerischen Einsparungen nicht voll weitergegeben würden, könnten so absehbare Erhöhungen durch steigende Fixkosten abgefangen werden. Das allein wäre schon ein Erfolg und sicher im Sinne der treuen Ausstellerinnen und Aussteller.

 

Im Arbeitskreis der VZV-Bundestagung waren wir uns einig: Eine solche weitreichende Umwälzung kann nicht von oben verordnet werden. Hier ist die Basis gefordert. Eine belastbare Meinungsbildung wird nur erreicht, wenn sich die Aktiven in den Vereinen in die Diskussion einschalten. Dazu rufen wir Sie auf! Besprechen Sie dieses Thema bei den Zusammenkünften in den Vereinen und Verbänden auf allen Ebenen unserer Organisation. Und teilen Sie uns Ihre Meinung mit per Brief und gern auch per E-Mail (stratmann@vzv.de). Wenn Sie Ihre Gedanken zur Diskussion stellen möchten, sind sicher Leserbriefe ein geeigneter Weg.

 

Bei unserem Bemühen um Reformen sollten wir stets bedenken, dass uns der Fortbestand der weltweit anerkannten Bundesschauen sehr am Herzen liegt. Diese Schaufenster der Rassege-flügelzucht für eine breite Züchterschaft auch in Zukunft erlebbar zu machen, bleibt unsere gemeinsame Verpflichtung.

 

 

VZV – Vorstandsteam – Karl Stratmann

Leserbrief zu Karl Stratmanns Aufsatz

 

„Können wir durch Reformen die Zukunft sichern?“

 

Geflügel-Börse 17/2014, S. 41

 

Ich finde es toll, dass sich einer unserer führenden Funktionäre Gedanken um unsere Zukunft macht. Bisher hörte man hier von Verbandsebene sicher zu wenig. Die Gedanken von Karl Stratmann bezüglich die E- und Z-Preise zu streichen und die Kosten für die Preisrichter zu minimieren sind mit Sicherheit richtig. Die vorgeschlagenen Einsparungen sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie werden kaum etwas verändern. Aus meiner Sicht sind sie bei weitem nicht ausreichend.

 

Wenn wir unsere Organisation und unser Hobby zukunftssichernd aufstellen wollen, sollten viele andere Ansatzpunkte genauer betrachtet werden. Zunächst einmal unser Schauwesen! Sind unsere Schauen wirklich für die breite Öffentlichkeit attraktiv? Lange Käfigreihen sind doch nur was für die Sonderschauen, also für Insider und Spezialisten. Vereinsschauen und unsere großen Verbandsschauen müssen einfach anders aufgestellt werden. Der Spaß, die Freude und der Nutzen von Rassegeflügel muss einfach mehr in den Vordergrund gestellt werden. Sollten in der Zukunft nicht mehr Volieren und Stämme prämiert werden? Warum animieren unsere Ausstellungsreglements in vielen Teilen zur immer zur Menge? Ist weniger nicht oft mehr? Wir brauchen nicht mehr Tiere auf unseren Ausstellungen, sondern mehr Züchter. Die Ausstellungen dauern zeitlich viel zu lange. Passt das überhaupt Alles zu unseren tierschutzrelevanten Gedanken, zu denen sich der BDRG ausnahmslos verpflichtet fühlt.

 

Schauen wir zu unseren Nachbarn. In England finden die meisten Ausstellungen an einem Tag statt, die Nationale an zwei Tagen. Kosten für den Aussteller: Eine Fahrt und eine Übernachtung. Die Tiere kommen am Vorabend bzw. am Morgen aus dem Stall und bei Eintagesschauen am selben Abend wieder zurück. Kaum Stress für die Tiere, kein Infektionsdruck und der Züchter kann nahezu fast jede Woche mit seinen Tieren Ausstellungen besuchen. Man trifft Kollegen und die Kosten sind überschaubar. Für die Züchter ist es eine Ehre als Richter berufen zu werden. Das Richten erfolgt unentgeltlich, es fallen lediglich Bewirtungskosten an. Jeder Züchter kann nur alle drei Jahre für ein Richteramt auf der gleichen schau gewählt werden. Somit ergibt sich auch eine gewisse Balance in der Beurteilung der Zuchtlinien. Meist werden von den Züchtern auch nur einzelne Spitzentiere gezeigt.

 

Bei uns sieht das ganz anders aus. Ich möchte das einmal am Beispiel Leipzig darlegen. Hier kommt leicht ein Standgeld bis 200 € zusammen. Zweimal Hinfahrt und Heimfahrt am Mittwoch und Sonntag schlagen mit 150 – 250 € zu Buche. Übernachtungen nochmals 150 – 300 €. So müssen für eine Ausstellungen 400 – 700 € aufgebracht werden. Hier muss doch der Ansatz stattfinden? Wo findet intelligente, attraktive Werbung außerhalb unserer Organisation statt? Wo sind PR-Artikel in Magazinen und Zeitschriften?

 

Sicherlich haben wir mit unseren Rassen ein breites Spektrum, um für jeden Bedarf etwas bieten zu können. Ich denke schon, dass man hiermit Kinder und junge Leute begeistern kann. Mindestens genau so wichtig ist für uns aber auch die ältere Generation. Denken wir doch an die vielen Ruheständler in unserer alternden Gesellschaft. Viele suchen eine sinnvolle und attraktive Freizeitbeschäftigung. Da muss unser Angebot dabei sein! Vergleichswettbewerbe sollten wir überdenken. Würden viele Züchter nicht mehr mitgenommen, wenn wir  nach dem englischen/weltweiten Bewertungssystem richten würden? Etliche Menschen und Familien sind auch über die Öko-/Bio-Schiene zu erreichen. Eier und Fleisch von eigenen Hühnern.

 

Ich glaube, es gibt in der heutigen Zeit viele Menschen, die die Nähe zur Natur, zur Landwirtschaft und zu Tieren wieder suchen. Auch unsere Organisation müsste sich verändern. Meistens lesen und hören wir nur, was verboten ist – statt vorzuschlagen, wie man etwas attraktiver betreiben kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn hier statt Verboten – Angebote kämen. Auch eine basisorientierte Verbandsstruktur würde uns weiterhelfen. Artikel in der Fachpresse mit Informationen über Rassen im Vorfeld von Veranstaltungen und über die bevorstehenden Schauen wären sinnvoll.

 

Fazit: Wir müssen hellwach sein, hinhören und uns darüber Gedanken machen, was wir tun müssen/können – wollen wir zukünftig wieder zu den Gewinnern gehören!

 

Hubert Grondorf

   

Rote Kammhühner (Bankiva), Foto: WPA Deutschland
Rote Kammhühner (Bankiva), Foto: WPA Deutschland

 

Ein Blick in die Vergangenheit:

 

Es war einmal …

 

Es war vor einigen tausend Jahren in einem kleinen Urwalddorf, irgendwo in Südostasien. Der Schamane hatte die Dorfältesten zu einem großen Palaver zusammengerufen, er hatte Wichtiges mitzuteilen. Also sprach er:

 

„Wir sollten die Hühner mit dem roten Kamm aus dem Wald in unsere Hütten holen, sie zähmen und auf schöne Federn achten. Denn ich sehe in einer fernen Zukunft viele Menschen, die diese Hühner in ihren Behausungen halten, große und kleine und in vielen Farben. Und sie treffen sich in mächtigen Hütten zu einem großen Palaver, und ihre Hühner sitzen in Bambuskäfigen, und es gibt kluge Menschen, die zählen jede Feder und sagen dann, wer das schönste Huhn ist.“

 

Die Dorfältesten hatten zuerst aufmerksam zugehört, dann aber lachten sie, bis sie sich die Bäuche halten mussten. Und sie liefen durchs Dorf und lachten und lachten, und wenn sie nicht schon so alt gewesen und bald gestorben wären, würden sie noch heute lachen.  (w.s.)

 

Klasse statt Masse?

Volieren statt langer Käfigreihen?


Der GZV Straßkirchen und Umg. richtete im Jahre 2013 anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Bezirks-verbandes Niederbayern die Bezirks-rassegeflügelschau aus. Das Motto des Jubiläums lautete „Tradition – Innovation – Vision“. Irgendwann wurde die Idee geboren, doch zu dieser Schau als Highlight für jedes Jahr Verbandsgeschichte einen Stamm Rassegeflügel zu präsentieren. Schon nach dem Eingang der ersten 30 Mel-dungen konnte man erkennen, dass diese Idee von den Ausstellern sehr gut aufgenommen wurde. Die 125-er Marke war schnell erreicht, sollte aber aus Platzgründen, aber insbesondere wegen der fixen Jubiläumszahl nicht überschritten werden, was bei weitem geschehen wäre. 

Unser Verein hat in den 15 Jahren seit Bestehen der Gäubodenhalle stets die Präsentation von Rassegeflügel in geräumigen Volieren als Herde oder Stamm forciert und gefördert. Denn das paar- bzw. herdenmäßige Ausstellen in einer geräumigen, möglichst natürlich ausgestalteten Voliere bietet nicht nur den Tieren selbst einen angenehmen Aufenthalt, sondern auch den Betrachtern einen schönen, man möchte sagen faszinierenden Anblick. 

Warum habe ich das Jubiläums-motto des BV Niederbayern ein-gangs erwähnt? Es ist beileibe nichts Neues, unser Federvieh paar-weise zu präsentieren, nein es beruht auf einer alten Tradition. Stöbert man in Katalogen um die vorletzte Jahr-hundertwende, so kann man dies feststellen. Nun soll dies wieder, quasi als Innovation, belebt werden. Dies kann aber nur geschehen, wenn zum einen genügend Platz vorhanden ist, notfalls sogar unter Einschränkung der Platzverhältnisse für die „Einzel-reihen“, zum anderen aber auch die Stammschauen reichlich mit Preisen bedacht werden. Denn der Aussteller muss sich die Mühe machen, einen passenden Stamm oder, was noch schwieriger ist, eine passende Herde oder bei den Tauben gar acht zuein-ander passende Tiere aus seinem Bestand auszusuchen. Hierdurch fehlen in der Regel für die Einzelpräsentation hochwertige Tiere. Es stellt sich die Frage, wollen oder können wir die Einzelpräsentation zu Lasten der Stammpräsentation einschränken oder gar auf sie verzichten, denn letzteres wäre die Vision?

 

Diese Bilder bitte anklicken!


Wohl kaum, denn eine Rassegeflügelschau in reiner Volierenpräsentation würde ungemein viel Platz beanspruchen, sie hätte einen enormen Logistik- (große Käfige/Voliere) und Arbeitsaufwand (Auf- und Abbau, Ausschmückung etc.), sowie, wie bereits erwähnt, hohe Ausgaben für eine hinreichende Preisausschüttung.

 

Oder wollen wir künftig auch auf Preise verzichten? Ich sehe derzeit (noch) keine Möglichkeit. So wird es in nächster Zeit ein Kompromiss sein zwischen Volieren in angemessener Zahl und Einzeltieren in nicht zu vermeidender Zahl, damit unsere Ausstellungen sich tragen.

 


Dass die Aussteller die Meldung von Stämmen gerne annehmen, haben heuer die Modeneserzüchter Deutschlands bewiesen, denn zur 50. Hauptsonderschau wurde das Motto „50 Stämme zur 50. HSS in 50 verschiedenen Farben“ ausgegeben, was auch erreicht wurde: Am 1. und 2. November können sie in der Gäubodenhalle Straßkirchen bestaunt werden!


Franz Hiergeist


Gedanken zu Veränderungen im Schauwesen

 

Das z.Z. gültige Schauwesen im Bereich Rassegeflügel wurde über Jahrzehnte zur heutigen Form entwickelt. Veränderungen und vermeintliche Verbesserungen müssen heute vor allem im Konsens mit den vereinheitlichten Reglungen der europäischen Kleintierzuchtverbände in Einklang gebracht werden. So wird sich am System der  Punktevergabe von 90 bis 97 Punkte nichts ändern lassen, zumal die europäischen Nachbarn diesen Modus erst vor wenigen Jahren von Deutschland übernommen haben.


Die zusätzliche Verbalbenotung (v, hv, sg, g, b) in Deutschland ist allerdings völlig überflüssig. Zuchtfreund Dondera  hat sich darüber auch Gedanken gemacht. Sein Vorschlag ändert aber nichts an der Überflüssigkeit der zusätzlichen verbalen Aussage. Dass ein 93- Punkte-Tier, dem vier Punkte abgezogen wurden, kein Spitzentier ist, ist jedem klar, unabhängig ob gefühlt das noch als „sehr gut“ oder als „gut“ empfunden wird. Das muss auch nicht extra erklärt werden. Alle anderen Regeln könnten erhalten bleiben, z.B. bei unter 93 Punkten muss der Preisrichter einen Mangel benennen. Ansonsten sind die Punktabzüge weiterhin unter Wünsche zu begründen.


Die Ausstellungskosten der Großschauen sind für manche Geflügelzüchter nicht mehr bezahlbar. Kostendämpfungsmaßnahmen müssen auf den Prüfstand, wie es Zuchtfreund Stratmann schon diskutierte. Ist zweireihiger Käfigaufbau wirklich für  Mensch und Tier unzumutbar? In Halle/Saale wird in den Messehallen zweireihig aufgebaut und das Standgeld beträgt z.Z. (2014) 4,50 Euro.                          


Für das System der Preisausschüttung besitzt Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal in Europa. Weshalb die Aussteller sich ihre Preise über das Standgeld selbst finanzieren müssen, bleibt unerklärt. Die Verbandspreise und die gespendeten Preise von Privatpersonen oder Sondervereinen würden ausreichen um V- und hv-Tiere ausreichend zu würdigen. Allerdings ist die Bindung von hohen Noten und zur Verfügung stehenden E-Preisen aufzuheben, wie schon Zuchtfreund Jungnickel forderte. Der Wegfall der Preise aus dem Standgeld (1 E, 2 Z je 10 Tiere) ist vielleicht in der Anfangsphase gewöh-nungsbedürftig, aber in anderen Ländern Normalität.  Gewinner wären Aussteller und Preisrichter. Die vielen Pokale, Teller etc., die häufig aus dem Standgeld finanziert werden, braucht ohnehin niemand. Wie die RZ-Preise attraktiver eingesetzt werden können, müssten  eigenständige Überlegungen ergeben.


Die Schauen sollen und müssen auch für Außenstehende und Besucher attraktiver werden. Mehr naturnahe Präsentationen in Form von Stämmen oder Volieren würden Abwechslung bringen und Alternative zu langen Käfigreihen sein. Wir sollten von den Ziergeflügelzüchtern lernen, wie Volieren gestaltet werden. Sicher sind in Hannover oder Leipzig (Sachsenhof) sehr ansehenswerte Anlagen zu bestaunen. Aber die in offizieller Bewertung stehenden Volieren (4,4 Tauben) in Sechseckform sind relativ klein und oft nur mit einer Sitzstange ausgestaltet. So sind sie weder werbewirksam noch tier-schutzgerecht. Die Schauleitung muss ein Mindestkomfort in der Volierengestaltung garantieren. Die Mindestanforderungen müssen tierschutzgerecht vom BDRG vorgegeben werden.


Das Ausstellungswesen kann und soll nicht komplett in Frage gestellt werden, aber einzelne Komponenten sind durchaus diskussionswürdig und veränderbar, ohne den europäischen Konsens zu gefährden.


Dr. Hans Schingen



Bewertung


Beurteilung oder Richterspruch?

 

Die Preisrichter (PR) tragen einen weißen Kittel, aber nicht im Vergleich zu den (Halb-)Göttern in weiß, sondern um evtl. auch unlautere Machenschaften (fremder Farbstoff) leichter ausmachen zu können. Sie fällen aber weder eine Richterspruch noch ein Urteil, sie bewerten. Die Bewertungsnoten haben vor einigen Jahren eine zusätzliche Wertzahl zur weiteren Differenzierung erhalten, aber es geht dabei nur um eine wertmäßige Einstufung, nicht um eine mathematische Abstufung (Minuspunkte). Wenn eine normalschwänzige Taube nur 12 Steuerfedern aufweisen darf, so zählt der eine PR, der andere nicht. Einer sieht es als leichten Fehler an, der nächste für einen schweren Fehler. Ein schwerer Fehler ist ein Mangel, also setzt es die Note „g“ und 91 oder 92 Punkte, der nächste setzt dasselbe Tier wegen desselben Mangels auf „b“ und vergibt 90 Punkte, und wieder ein anderer begründet eine Überzahl an Steuerfedern als Vorstufe zu einem veränderten Schwanzaufbau, schließt das Tier von einer Qualitätsnote aus und vergibt die Note

„u“ und 0 Punkte.

 

Erst gab es Hinweise des BZA, dann wurde es in die AAB aufgenommen, und letztlich existiert ein Beschluss des BZA, der allerdings in 35 Jahren nicht mehr überprüft worden sind, obwohl es sich um eine Übergangsregelung handelt. Dasselbe Theater haben wir bei den Handschwingen, wobei die Anpassung sich hier auf die Größe bezieht und somit biologisch zu tolerieren ist.

 

Nun diskutieren wir über Reformen, also sollten wir es auch richtig tun.

 

Note und Wertzahl sind doppeltgemoppelt. Auch hier ist die Zeit reif für endgültige Regelungen. Da wir europaweit denken (müssen), bietet sich nur der Punktwert an, so dass die Note entfallen muss. Allerdings sollte der Punktwert auch nachvollziehbar sein, und das geht nur in mathematischen Größen. Ein kleiner Wunsch bedeutet einen Punktabzug von 1 – 2 Punkten, ein Mangel von 5 Punkten und ein Ausschlussfehler sollte (wie bisher) mit dem Wert 0 geahndet werden. Weil wir uns über Zahlen auch über Länder- und Sprachgrenzen verständigen können, müssen wir uns EE-weit verständigen. Das dauert. Deshalb haben wir Zeit, uns auf ein gutes System zu verständigen. Die Arbeitsgemeinschaft „Rassegeflügel – Vielfalt bewahren“ sieht sich als Forum für Änderungs- und Verbesserungsvorschläge. Nur über eine breite Diskussion kommen wir zu einer Reform, die auch Akzeptanz findet.

 

Manfred Loick


Beitrag zum Thema

 

 

"Unser Schauwesen heute"

 

 

Weitestgehend hat sich unser traditionelles Schauwesen über nun mehr als ein Jahrhundert bewährt. Unsere deutschen Züchter wünschen den Schönheits - Rassewettbewerb, die hohen Auszeichnungen und die Meisterschaften als Spiegel und Belohnung für ihre züchterische Arbeit. Ein Musterbeispiel dafür sind die VDT- Fachverbandsschauen mit den weltweit höchsten Beschickungszahlen. Beispielhaft - und das ist eine nunmehr über mehrere Jahre bewährte Teilreform - ist dort das soziale Verantwortungsbewußtsein "Züchter helfen" mit der Spendenaktion für die Deutsche Kinderkrebshilfe.

 

Grundsätzlich geändert werden sollte die "E"- und "Z"-Ausschüttung gängiger Prägung. Für den sportlichen, züchterischen Wettbewerb sind allein die Punktzahlen interessant. Die jetzige Bindung der V- und HV- Noten an E- Preise verzerrt zudem die freie Qualitätsabstufung immer wieder. Außerdem dürfte der E - Z - Preis - Verzicht gängiger Form zur Standgeld - Ermäßigung beitragen. Neben dem Einzelwettbewerb kommt das paar- ( Tauben ) bzw. stammweise ( Geflügel ) Ausstellen immer stärker ( s. z.B. in unserem LV- Bremen ) auf und bei den Besuchern sehr gut an. Es herrscht eben Leben! Im übrigen eine "Rückkehr" zum allein paarweisen Ausstellen etwa in Hamburg, Anfang des 20. Jahrhunderts!

 

Die Präsentation biotopnah gestalteter Anlagen bzw. Volieren sollte im Schauwesen weiter verstärkt und deutlicher honoriert werden. Einzelpersonen bzw. Vereine mit musterhaften Präsentation sollten vom BDRG - zur Anregung und Nachahmung - herausgestellt (Fachzeitschriften, Internet ) und prämiert werden. Etwa ähnlich dem z. Zt. laufenden BDRG - Öffentlichkeitswettbewerb. An alle diese Präsentationen gehören informative und animierende Schautafeln wie etwa im Tierpark.

 

Auf den Ausstellungen könnte auch eine Musteranlage bzw. Musteranleitung: "Wie baue und gestalte ich bezahlbar, arbeitsmäßig überschaubar und tierschutzgerecht eine ( kleine ) Rassegeflügel-, Rassetauben- oder Ziergeflügelhaltung für mich zu Hause? Die Informations- und Kontaktadresse eines hilfreichen, ratgebenden Züchters bzw. Vereins selbstverständlich dabei. Eine Reform allein "um der Reform willen" sollte es nicht geben, da sie sinnlos ist. Nicht alles Althergebrachte ist schlecht! Aber zeitgemäß detailgeändert und ergänzt werden darf es allemal.

 

Elke und Ingolf Jungnickel, List auf Sylt

 

Ist Gängelung wirklich das alleinige Übel?

 

Wir beklagen die zunehmende Gängelung durch ständig neue Vorschriften und sehen darin den Grund für den Rückgang in der Tierhaltung. Dies mag zum Teil stimmen, jedoch erleben und teils erleiden wir einen Strukturwandel, ohne von uns aus etwas zu gestalten. Was wird wohl die nächste Hürde sein?  Hilfreich ist sicher ein Bekenntnis – nicht weiter so, denn wir haben es verstanden.

 

Nämlich, die errungenen Pokale, der Deutsche Meister oder gar der Europa-Campion, werden außer uns selbst, sonst keinen Menschen in der Gesellschaft begeistern. Weil dem so ist, muss es doch noch andere Motive geben, die erfolgreich favorisiert werden können, um einen wesentlichen Beitrag für eine Umkehrung der Entwicklung zu begünstigen. Es muss uns gelingen Beiträge zur Ökologie, zum Klimawandel erkennbar und programmatisch in die Verbands- und Vereinsarbeit aufzunehmen. In Kooperation mit dem Trend zu einer gesunden Ernährung ergeben sich ausreichende Gestaltungsnotwendigkeiten, die vielleicht zunächst als Zwänge verstanden werden können. Mit der in diesem Sinn praktizierte Tierhaltung und Zucht, können sich Tierpräsentationen (Ausstellungen) für eine breite Öffentlichkeit ableiten lassen. Die zunächst erreichbare Akzeptanz sollte in der Folge auch zu Begeisterung führen. Darüber hinaus ist ein Boom zu Bioprodukten unverkennbar, das wird das Lokale wieder stärken; und das sollten wir uns zu Nutze machen.

                                        

 Manfred Bartl

                                                                                                                

 

Beitrag zum Thema Schauwesen

 

 

Ausstellungen sind das Schaufenster unserer Rassegeflügelzucht. Ob große oder kleine Schauen, sie alle sind in unserem Lande gut organisiert. Und die z. T. doch recht guten Beschickungszahlen zeigen, dass das die Aussteller auch überwiegend so sehen. Die Ausstellungen sind aber auch das Fenster, durch das uns die Öffentlichkeit betrachtet. Und hier haben sich die Ansichten geändert, auch als Folge der Ablehnung der Massengeflügelhaltung mit ihren Auswüchsen. Das kann uns aber nicht egal sein, und deshalb müssen wir auch immer über Reformen unseres Ausstellungswesens nachdenken. Da gibt es landauf landab schon viele gute Ansätze, aber sie werden überregional kaum bekannt. In den Fachzeitungen wird ja aus verständlichen Gründen nur über die Großveranstaltungen berichtet. Wir von der ARGE Tierschutz – Rassegeflügel wollen einer Diskussion zu diesem Thema Raum geben und damit die Aktivitäten des VZV unterstützen.

 

Die Themen können sehr unterschiedlich sein. So möchte ich hier von einer Aktion des Brünnerclubs im Jahre 2011 berichten. Nach unserer Super-Jubiläumsschau 2010 mit 2500 Brünnern (üblicherweise sind es 1000 plus minus X) mussten wir einen starken Einbruch in Jork, also weit oben im alten Land, befürchten. Um wenigsten auf 800 Tiere zu kommen, haben wir neben viel Werbung mit der Schauleitung vereinbart auf die E- und Z-Preise zu verzichten. Der übliche Zuschuss für Sonderpreise des Clubs von 50 Cent pro Tier wurde direkt der Schauleitung zur Verfügung gestellt. So konnte das Meldegeld von 6,50 auf 4,- Euro gesenkt werden. Am Ende hatten wir 1300 Brünner und jede Menge Preise, weil wegen des geringen Standgeldes viele Aussteller großzügig Preise gespendet hatten. Eine gute Sache also, aber sie wurde nicht mehr wiederholt. Warum?

 

Dabei ist der Verzicht auf Preise für alle gerechter. Das Preisgeld, das es in vielen Ländern gar nicht gibt, war ja sicher mal nach dem Krieg als Zuchtbeihilfe für aktive Züchter gedacht. Heute ist das überholt, und es ist vor allem so, dass die nicht so erfolgreichen Aussteller den Spitzenleuten die Preise bezahlen, obwohl gerade die das meistens gar nicht nötig haben.

 

Wir hatten in Jork auch einen Paarwettbewerb vorgesehen. Durch die hohe Meldezahl wurde es vom Platz her eng, und der Paarwettbewerb kam nicht zur Geltung. Im Jahr darauf konnten wir in Nürnberg die Paare in schönen Vitrinen großzügig vorstellen, und es wurde zu einer besonderen Attraktion. Die Erkenntnis daraus, eine Sache ist nur so gut, wie sie präsentiert wird.

 

Zum Abschluss noch eine Idee, die wir im kleineren Kreis schon öfter diskutiert haben. Müssen die Geschlechter auf den Schauen so konsequent getrennt werden? Nehmen wir mal an, da stehen auf einer Schau 100 Zwerghühner einer Rasse und Farbe, von jedem Geschlecht etwa gleich viele. Da kommen also 50 Hähne und dann 50 Hennen. Für den Spezialisten ganz selbstverständlich, für den Besucher aber total langweilig. Warum mischen wir sie nicht, Hahn – Henne – Hahn – Henne usw. Die Tiere würden sich angeregt zeigen, es sitzen ja mögliche Partner daneben, die öfter nötigen Pappkartons zwischen zwei aggressiven  Hähnen könnte man sich sparen, und der Besucher hätte immer vor Augen, wie so ein Stämmchen bei ihm im Garten wirken würde. Sind die Hennen in der Mehrzahl, sitzen halt mal zwei zwischen zwei Hähnen. Die Richter hätten sicher auch keine Probleme, bei dieser Aufstallung die Spreu vom Weizen zu trennen.

 

Schreiben Sie uns also Ihre Ideen, wir wollen sie gerne auf der Internetseite der ARGE Tierschutz – Rassegeflügel veröffentlichen. Direkt diskutieren können Sie in Hannover bei „Mytos Chabo“.

 

Wolfgang Schreiber