Zwerghühner

 

 

Als Urzwerge und verzwergte Rassen

in der Gartenhaltung sehr beliebt.

 

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Hier finden wir:

 

Deutsche Zwerghühner / Okina-Chabo / Zwerg-Cochin - Farbspritzer - Japanische Legewachteln - Rote Zwerg-Cochin

 

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DEUTSCHE ZWERGHÜHNER

 

Qelle: Karl-Otto Semmler, Geflügelzeitung 17/2016

 

Orangehalsig
Orangehalsig
birkenfarbig, Bernd Klopphausen
birkenfarbig, Bernd Klopphausen

 

Der begnadete Magdeburger Züchter Wilhelm Müller wollte den gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland eingeführten unzähligen „Moderassen“ ein bodenständiges Huhn entgegensetzen, das unseren Breiten optimal angepasst ist und  sowohl in der weitläufigen ländlichen Haltung als auch bei geringerem Platzangebot optimal zurechtkommt. Die langgestreckte Form sollte an Wildhühner erinnern. Deshalb waren an der Erzüchtung neben rasselosen Landzwerghühnern, Bantam, Zwerg-Kämpfern und Zwerg-Phönix vor allem auch Bankivahühner, also die Wildform aller unserer Hühner, beteiligt. Müller fand Unterstützer und trotz mancher Rückschläge wurde die Rasse 1917 in Berlin anerkannt. 

Teil 2

 

weiß-schwarzcolumbia (hell)
weiß-schwarzcolumbia (hell)
Junghahn, goldhalsig
Junghahn, goldhalsig

 

Jede Hühnerrasse definiert sich in erster Linie über ihre Körperform. Bei den Deutschen Zwerghühnern ist der Rumpf langgestreckt und walzenförmig, und wird nahezu waagerecht getragen. Die Rückenlinie ist gerade, die einzelnen Körperteile sind fließend. Der Schwanz wird nur leicht angehoben getragen, die Flügel sollen waagerecht am langen Körper anliegen. Der Stand ist knapp mittelhoch. Die Eleganz unterstreichen der edel geformte und besonders beim Hahn mit vollem Behang ausgestattete Hals und der relativ kleine Kopf. Das feurige Auge ist dunkelrot, der kleine Einfachkamm regelmäßig und nicht zu tief gezackt. Die Kammfahne steht frei und darf keinesfalls der Nackenlinie folgen. Die faltenlosen, abgerundeten Kehllappen sind nicht zu groß.

 

Herde, wildfarbig und rotgesattelt
Herde, wildfarbig und rotgesattelt
rotgesattelt
rotgesattelt

 Besonderer Schmuck ist der Schwanz. Vor allem der Hahn besticht durch seine Länge und üppige Federfülle. Die Sichelfedern sind breit, straff, gut gebogen und spitz zulaufend. Kräftige Steuerfedern der Hennen sind die Basis für einen gut aufgebauten Hahnenschwanz. Deutsche Zwerghühner gibt es in 21 Farbenschlägen: Wildfarbig, Gold-, Orange- und Silberhalsig, dazu die entsprechenden Blauvarianten und Weiß-Goldhalsig (Rotge-sattelt). Einfarbige gibt es in Weiß, Gelb, Schwarz und Perlgrau. Es gibt Gold-Porzellanfarbige, Schwarz-Weißgescheckte, Birkenfarbige und Varianten der Columbia-Zeichnung, wie Weiß- und Gelb-Schwarz-columbia, Weiß- und Gelb-Blaucolumbia und als jüngste  Neuschöpfungen Isabell-Perlgrau-  so-wie Zitron-Schwarz-Columbia.

 

Teil 3

 

gold und hell, Hähne
gold und hell, Hähne
Stamm, silberhalsig
Stamm, silberhalsig


Deutsche Zwerghühner sind anspruchslos in Zucht und Haltung.
Aber natürlich ist es schön, wenn sie einen großen, gut bewachsenen Auslauf haben. Viel Bewuchs schützt auch die Küken vor Fressfeinden aus der Luft, hier können auch Krähen und Elstern gefährlich werden. Eine Überspannung der Anlage kann da schon sehr hilfreich sein. Bei der Zusammenstellung der Zuchtstämme sollten Vitalität und Leistung neben dem äußeren Erscheinungsbild eine entscheidende Rolle spielen. Die Hennen brüten sehr gern, Befruchtung und Schlupf sind auch bei Kunstbrut sehr gut. Auch im Futterverbrauch  sind Deutsche Zwerghühner sehr sparsam, sie legen 80 bis 100 bis zu 40 Gramm schwere Eier mit relativ großem Dotter.

 

Junghähne, goldhalsig, weiß-schwarzcolumbia
Junghähne, goldhalsig, weiß-schwarzcolumbia
Glucken, wildfarbig
Glucken, wildfarbig

 

 

Nach der Anerkennung (1917) verbreitete sich die Rasse schnell in allen Landesteilen. Das führte schon 1922 zur Gründung des Sondervereins unter dem Vorsitz des Erzüchters Wilhelm Müller. Es wurden bald Untergruppen gebildet, denn der Zuspruch für diese interessante Rasse nahm stetig zu. Ein Hohepunkt war 1998 zum 75-jährigen SV-Bestehen der Wettbewerb um den Goldenen Siegerring in Hannover mit über 600 ausgestellten Deutschen Zwerghühnern, die in diesem Jahr „Rasse des Jahres“ sind.

 

...die Farbenschläge auf einem Blick!
...die Farbenschläge auf einem Blick!

 

Ansprechpartner: SV-Vorsitzender Harald Scholze, Tel.: 035873 40674

 

Quelle: Karl-Otto Semmler, Geflügelzeitung 17/2016

 

Text und Fotos: Udo Ahrens

 

Okina-Chabo

 

 

Teil 1

Als jüngste Varietät der Chabo gelten die Okina. Erst 1923 fanden sie den Weg in den Japanischen Standard, wenn es auch Beschreibungen gibt, die darauf schließen lassen, dass Okina-Chabo deutlich länger in der japanischen Population vorkamen. Entstanden sind diese aus „Ryukyu-Chabo“, einer sehr alten, aber wohl nicht mehr vorhandenen Chabo Varietät. In Deutschland wurden weiße Chabo mit Bart erstmal 1989 vorgestellt. Günter Borger hatte Bruteier aus Japan mitgebracht, aus denen dann 4,3 weiße bärtige Chabo schlüpften.  Neben diesen Importen, gibt es auch in Europa Hinweise auf bärtige Chabo. So schreibt Karl Schlüter in der Geflügel-Börse 13-2011, dass bereits Borger seine Zucht mit Tieren aus Bruteiern ergänzte, die er von einem belgischen Züchter erwarb. Die Nachzucht der hieraus entstandenen Zuchtstämme, legten die Grundlage für die Anerkennung im Europäischen Standard, die zunächst in Dänemark, durch Poul Schmidt in 1995, und schließlich im gleichen Jahr in Deutschland, durch Knut Röder.

Hiesige Einflüsse

 

Einen nicht geringen Einfluss auf die Schaffung der europäischen Okina, dürften also auch die Belgischen Bartzwerge gehabt haben, was ihnen auch gelegentlich, durch die höher getragene Brustpartie, zum Teil bis heute noch anzusehen ist. Beim niederländischen Chabo-Visionär Klaas Beekman habe ich 2010 verschiedenste Farbenschläge von Chabo mit Bart gesehen, die über Belgische Bartzwerge entstanden. Die bereits weit vorher in den Niederlanden durch Beekman erzüchteten Bolstaart-Chabo ohne Schwanz, beschritten ebenfalls diesen Weg. Rücken neue Farbenschläge und Varietäten auf den Plan, so ist die Neugierde der Züchter meist groß und es entscheidet sich erst einige Jahre später, ob eine Festigung in der Breite stattfindet.

  

Bei den Okina schwand die Anfangseuphorie recht schnell. Es ist Andreas Stüber, Bodenfelde zu verdanken, dass die Population der Okina im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zwar sehr schmal blieb, aber niemals in Gefahr geriet. Stüber vermehrte und entwickelte die Okina, in der japanischen Übersetzung „alter Mann mit weißem Bart“, beharrlich weiter und konnte 2010, zur Charistian-Scheiding-Gedächtnis-Stammschau, das Blaue Band von Hannover, mit einem höchst typvollen Stamm gewinnen. Zu dieser Zeit beschäftigten sich bereits weitere versierte Züchter mit den Okina. Einen nächsten Schritt taten sie, als die Zuchtgemeinschaft Lütkehellweg, Langenberg, sich dieser Varietät annahm. Wie bereits angedeutet, repräsentierten doch recht viele der gezeigten Okina, den Chabo-Typ nicht so richtig. Der charakteristisch gedrungene Körperbau, mit er damit verbundenen Behäbigkeit der Chabo, die sich eben auch durch eine gewisse Brusttiefe ergibt, war in den 2000er Jahren kaum gefestigt. Durch Experimente von Tobias Lütkehellweg mit bärtigen, weißen Federfüßige Zwerghühner, sowie Einkreuzungen von Tieren der sehr typvollen eigenen Zucht weißer Chabo, konnten recht bald, tolle Erfolge erzielt werden. Das zurzeit vorgefundene Qualitätslevel, war sicher nie so hoch.  

 

Fortsetzung folgt / Teil 2

 

Teil 2/Okina

 

 

„Bart“ als Merkmal

 

 Barttragende Hühner sind uns von vielen Rassen, wie den Orloff, Seidenhühner, Crèvecoeur, Sultan, Eulenbart- oder Lachshühnern bekannt, sowie den schon genannten Belgischen Bartzwergen und bärtigen Federfüßen. Das verantwortliche Gen (Mb) ist dominant und wird, unabhängig vom Geschlecht, an die Nachkommen weitergegeben. Bei der Verpaarung bärtiger Hühner zu bartlosen, ist die Ausprägung des Barts sehr unterschiedlich, jedoch ist die Anlage zum Bart bei allen F1-Nachkommen angelegt. Das verantwortliche Gen zur Bartbildung, hat den pleitropen Effekt, dass es ebenfalls für ein weiteres Merkmal, der nur sehr verkümmerten, und bestenfalls verdeckten, Bildung der Kehllappen, zuständig ist.  Der Bart selbst, setzt sich aus dem seitlichen Backenbart und dem Kinnbart zusammen. Die Federn des Backenbarts wachsen seitlich des Gesichts, zur Seite oder auswärtsgerichtet. Die Federn des Kinnbarts sind abwärtsgerichtet und länger.  Dieser Teil ist dem Nackengefieder zuzuordnen und bedingt auch den Nebeneffekt der Halskrause bei bärtigen Hühnern.

 

 Farbenschläge und Varietäten

 

Als anerkannten Farbenschlag haben wir die Okina nur in weiß und mit normalem Gefieder. Dies machte solange auch absolut Sinn, bis es eine gewisse Festigung im Typ, aber eben auch in der Verbreitung gab. Die bärtige Variante auf andere Farbenschläge zu übertragen ist jedoch, unter Einhaltung der genetischen Grundsätze, durchaus möglich und hier hat es im Verborgenen auch schon einige Bemühungen gegeben. Bei der Anerkennung anderer Farbenschläge, wäre dann allerdings die Bezeichnung „Okina“ zu überdenken. Zur Hauptsonderschau 2009 zeigte die ZG Lütkehellweg erstmals eine Okinahenne mit Seidenfeder, die sehr gefallen konnte. Diese Federstruktur passt sehr gut zu dieser Varietät und wurde sukzessive weiterentwickelt, sodass wir heute ganz ausgezeichnete Vertreter vorfinden. Die Vorstellung im Sichtungsverfahren, auf der Bundessiegerschau 2015 in Dortmund, machte einen erstklassigen Eindruck.

 

 

Besonderheiten, Wesen und Zuchtziel

  

Ein „Chabo mit Bart“, könnte das langfristiges Zuchtziel sein. Ganz so leicht können wir es uns derzeit aber noch nicht machen. In der Größe des Körpers, wie auch des Kamms sind die Okina kleiner und zierlicher. Sie wirken auch im Ganzen weniger „gemütlich“ als bartlose Chabo. Dies ist einerseits sicher durch das geringere Körpervolumen beding, andererseits aber auch, durch das etwas spitzere Gesicht und die Keckheit, welche die Bartzwerge den Okina hinterlassen haben. Der Kamm ist im Standard als „verhältnismäßig groß“ angegeben und erfährt hier eine Abstufung zu den Chabo, bei denen der Kamm „sehr groß“ beschrieben ist. Dies deckt sich mit der Realität, denn im Allgemeinen sind die Kämme bei den Okina kleiner. Es gibt sehr schöne Beispiele, derber und typischer Chabo-Kämme. Besonders typisch wirkt der Chabo-Kopf, mit drei breit angesetzten Kammzacken beim Hahn. Der volle Kinn- und Backenbart, wie das Standardbild es vorgibt, ist noch Wunschvorstellung.

  

In den vergangenen 20 Jahren nach der Anerkennung, haben die Okina-Chabo sich als fester Bestandteil der Chabo-Familie etabliert und sich nach und nach positiv entwickelt. Oft ist es die Beharrlichkeit Einzelner, die über das Scheiten oder eben den Erfolg, einer jungen Varietät entscheiden. Den Eintrag in das Geschichtsbuch des Rassegeflügels, mag derjenige bekommen, der das Anerkennungsverfahren erfolgreich abgeschlossen hat. Den Verdienst um den Erhalt und die schließlich schöne Entwicklung der Okina, gebührt zu großen Teilen Andreas Stüber.

 

Petra Neft

Fotos: Holger Schellschmidt und Ottmar Scholz

 

Zwerg-Cochins begeistern!

 

                                                           Maler: Hilmar Bastian

 

Viele Zwerghuhnrassen verkörpern eine Verkleinerung der jeweiligen Großrasse. Sie sind selbstverständlich nach ihr benannt, allerdings mit der Vorsilbe „Zwerg“. Doch nicht alle Zwergrassen stammen von einer Großrasse ab. Inbegriff einer eigenständigen Zwergform sind die Zwerg-Cochins, die nichts, aber auch gar nichts mit einer Verzwergung der Großrasse zu tun haben. Sie werden deshalb im Standard auch unter den Urzwergen bzw. eigentlichen Zwerghühnern Viele Zwerghuhnrassen verkörpern eine Verkleinerung der entsprechenden Großrasse. aufgeführt und nicht unter den verzwergten Hühnerrassen. 

 

                                                                Gelb seit 1886

 

Im 19. Jahrhundert war England eine Weltmacht und unterhielt nahezu mit dem gesamten Globus Handelsbeziehungen. So kam es auch zu  einem eifrigen Handel zwischen Asien und der britischen Insel. 1885 kamen aus Asien gelbe Zwerg-Cochins (damals Peking-Bantams genannt) in England an. Und da England mit seinem blühenden Agrarsektor neuen Nutztieren gegenüber sehr aufgeschlossen war, wundert es nicht, dass die Zucht mit diesen Tieren sofort enthusiastisch aufgenommen wurde.

 

                                                               Weiß seit 1886

 

 Schon ein Jahr später importierte Max Richard Liepsch aus Dresden einen gelben Hahn und eine gelbe Henne für einen horrenden Preis aus England, wobei die Tiere noch nicht einmal reinerbig gewesen sein sollen. Das war seinerzeit gut möglich, denn Rassegeflügelzucht war ein Statussymbol, und die extravaganten Rassen konnten sich nur die Reichen leisten. Nachdem der Hahn auch noch starb, konnte die Fortführung der Zucht nur durch einen Import von Bruteiern gerettet werden.

 

                         Schwarz seit 1886                                       Schwarz-weißgescheckt seit 1966

 

So begann die Geschichte einer der erfolgreichsten Hühnerrassen in Deutschland. Heute kennt man im 1925 gegründeten Sonderverein 25 anerkannte Farbenschläge. Da ist für jeden Geschmack was dabei. Doch dem noch nicht genug, seit dem Jahr 2007 gibt es neben der allgemein bekannten glattfiedrigen Form auch die gelockte Variante, wodurch die Zuchtbasis für Liebhaber an exklusivem Federvieh deutlich erweitert wurde. Noch wird die gelockte Variante nicht auf breiter Front angenommen.

 

                            Blau seit 1932                                                        Perlgrau seit

 

Bei der Bestandserfassung für das Jahr 2013 standen 17 gelockte Zuchten 365 glattfiedrigen Zuchten gegenüber. Die 40 Zuchten des ursprünglichen gelben Farbenschlages werden heute von den 71 Zuchten der Schwarzen mit dem grünen Federglanz deutlich übertroffen. Zu den ganz seltenen Farbenschlägen mit nur ein bis zwei Züchtern zählen die Weiß-Blaucolumbia, die Perlgrau-Gesperberten und die Gelb-Blaucolumbia. 2015 kamen dazu die Bobtailfarbigen. Hier hat das Züchterehepaar Bastian etwas ganz besonderes geschaffen, denn diese Farbe gibt es bei keiner anderen Rasse.

         

                            Rot seit 1986                                                    Gesperbert seit 1886

 

Die breit gefächerte Farbpalette ist sicher ein Grund für die große Beliebtheit der Zwerg-Cochins. Der liegt aber sicherlich in ihrem typmäßigen Aussehen und in ihrem Wesen. Zwerg-Cochins sind Hühnchen mit Familienanschluss. Sie sind von Natur aus zahm und bei guter Beschäftigung mit ihnen werden sie superzahm und sind damit ideal für Hühnerliebhaber, die einen engen Kontakt zu ihrem Federvieh suchen. 

 

                    Gelb-gesperbert seit 1956                                     Perlgrau-gesperbert seit 2002

 

Ein weiterer angenehmer Wesenszug dieser Hühner ist es, dass sie nicht gern fliegen, so dass ein relativ niedriger Zaun als Eingrenzung ausreicht. Zuweilen dient ein einfacher Steckzaun als Einfriedung, den man auch leicht umsetzen kann. Sie sind also einfach zu halten und gerade für Familien mit Kindern gut geeignet. Ein kleiner Stall und ein einfacher Zaun sichern eine unkomplizierte und Lebensfreude bereitende Hühnerhaltung. 

 

                        kennfarbig seit 2004                                                goldhalsig seit 1886

 

Und natürlich legen diese Miniaturhühnchen (850 Gramm der Hahn und 750 Gramm die Henne) auch sehr gut schmeckende Frühstückseier. 80 Stück im Jahr sind dabei ganz beachtlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass die kleinen Zwerg-Cochins recht zuverlässig brüten. Und die Brutzeit mindert natürlich die Legeleistung.

 

                     blau-goldhalsig seit 1996                                         braun-gebändert seit 1948

 

Für naturorientierte Hühnerhalter ist gerade die Brutzuverlässigkeit ein Grund die Zwerg-Cochins zu halten. Die erfolgreiche Naturbrut und die fürsorgliche Aufzucht der Küken durch die Mutter spart nicht nur Zeit und Kosten, es gibt auch nichts schöneres, als so eine Glucke mit ihren Kleinen zu beobachten. Das ist Lebensqualität pur! Es ließe sich noch einiges anfügen zur Haltung, Pflege, Fütterung und Zucht der Zwerg-Cochins.

 

                        silberhalsig seit 1971                               silberfarbig-gebändert (dunkel) seit 1967

 

Aber hier kann man auf die prima Internetseite des Sondervereins verweisen (www.zwerg-cochin.de). Dort bekommt man als Download kostenlos das „1x1 der Zwerg-Cochin-Zucht“. Darin erfährt man alles, was man als zukünftiger Züchter wissen muss. Derartige Informationen sind eine wichtige Basis, um die Rasse populär zu halten uns neue Anhänger zu bekommen. Heute wollen die zukünftigen Züchter eine gute Wissensgrundlage, bevor sie sich Tiere zulegen. Mit der Bereitstellung von Information leistet der Sonderverein beste Öffentlichkeitsarbeit, die ihm letztlich selbst zugutekommt.

 

                       birkenfarbig seit 1963                                weiß-schwarzcolumbia (hell) seit 1968

 

Wenn man die Zwerg-Cochin so sieht, glaubt man nicht, dass die Gewichtsangaben stimmen, denn die Hühner wirken viel zu groß für ihr geringes Gewicht. Doch das täuscht, denn Zwerg-Cochins haben ein üppiges Federwerk und werden von ihren Liebhabern deshalb oftmals auch als Federbälle bezeichnet. Dieser Begriff kommt nicht von ungefähr, denn Zwerg-Cochins passen mit ihrem lockeren Gefieder in die Form eines Fußballs.

 

                  weiß-blaucolumbia seit 1992                                    gelb-blaucolumbia seit 1993

 

Ihr Körper wirkt breit und voll, dazu sind sie noch tiefgestellt, so dass der Vergleich mit einem Ball durchaus angebracht ist. Die tief getragene breite und volle Brust sowie ein breiter und voll befiederter Schwanz, der überall gerundet ist, komplettieren die Ballimpression. Es ist klar, dass solch ein Hühnchen nur einen kurzen Rücken haben kann. Im Vergleich zum „Körperball“ wirkt der Kopf relativ klein. Stehkamm und Kehllappen sollen gut proportioniert sein, wichtig sind rote Ohrlappen, ein Muss bei Hühnern, die aus Asien stammen.

 

                gelb-schwarzcolumbia seit 1971                                gold-porzellanfarbig seit 1997

 

Zur Impression eines Federballs tragen auch die Füße bei. Sie sind belatscht, wobei die sogenannten Stulpen hier aus weichen Federn bestehen, während sie bei anderen Rassen oftmals recht hart ausfallen. Auch die ausgeprägte Zehen- und Laufbefiederung trägt maßgeblich zur Form einer Ballimpression bei. Man darf sich deshalb auch nicht täuschen lassen und glauben, Zwerg Cochins wären auf Grund ihrer Fußbefiederung scharrfaul. Eher das Gegenteil ist der Fall. Deshalb sollten sie in ihrem Auslauf neben einer guten Grasnarbe auch ein Areal mit offener Erdkrume vorfinden, damit sie ihren Scharrtrieb ausleben können. Auch die Einstreu im Stall soll zum Scharren motivieren. 

 

                      bobtailfarbig seit 2015                              perlgrau-gelockt              gesperbert-gelockt

 

Wenn im Standard ein weiches und volles Gefieder mit üppiger Flaumbildung gefordert wird, so wird diese Vorgabe der Glattfiedrigen nochmal überboten, wenn man sich die gelockten Zwerg-Cochins anschaut. Die aufgerollten Federn geben den Zwerg-Cochins nicht nur ein extravagantes Aussehen, sondern auch ein besonders üppiges. Derartige Hühner sind eigentlich zum Verlieben. Sie kommen nicht nur in der männlichen Züchterwelt gut an, sondern besonders auch in der weiblichen.

 

Quelle:         

Petra Neft, Geflügel-Börse 23/2015   

 

             

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Farbspritzer

 

           Splash Zwerg Cochin gel. Martin Schellschmidt (HS)

 

unten: Chabo Splash glatt, dunkelgesichtig (A)

 

„Es wird bunter“, dies stellen wir bei jedem Besuch der Bundeschauen in der Neuzuchten-Abteilung fest. Es entstehen stetig neue Farbenschläge, andere werden, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, rasseübergreifend übertragen. Auch offiziell wurde nun eine AOC-Klasse für Hühner und Zwerg-Hühner eingeführt und im Chabo Club sind wir noch einen Schritt weiter gegangen, indem wir auf internen Sonderschauen Chabo in einer „Fancy-Klasse“ zulassen, die keinem bekannten Farbenschlag oder gar einer Varietät zuzuordnen sind.

 

Wir lassen uns also bewusst nicht mehr einschränken, ohne die bestehenden, über Jahrhunderte entstandenen züchterischen Kunst-werke zu kompromittieren. Dies ist nicht nur ein Versuch, uns der großen Gruppe Chaboliebhaber auch für das Ausstellungswesen zu öffnen. Ebenfalls wird die Fancy-Klasse gerne von jenen Züchtern angenommen, die einfach mal attraktive und typvolle Tiere vorstellen wollen, für die es bisher keine Bühne gab.

 

Etwas anders und doch wiederum sehr ähnlich liegt der Fall beim „neuen“ Farbenschlag "splash".

 

Die Anführungszeichen deuten es an, was heute als splash bezeichnet wird, ist nichts Anderes, als die intermediäre Farbe vom Hühner-Blau. Bekanntermaßen ist Blau kein reinerbiger Farbenschlag,

er spaltet im Verhältnis 2 (blau) : 1 (schwarz) : 1 (splash), auf. Bei den Züchtern blauer Hühner kommen splash-farbige Tiere seit jeher zur Anwendung, ergibt eine Verpaarung dieser mit schwarzen Tieren, zu 100% blaue Nachkommen. Egal ob die Schwarzen aus der Blauverpaarung oder von schwarzen Eltern stammen.

 

Verpaart man wiederum splash-farbige Tiere mit Blauen, so ist das Verhältnis der Nachkommen 1 (splash) : 1 (blau). Untereinander verpaart, ist die Farbe wiederum absolut reinerbig, es fallen ausschließlich splash-farbige Tiere in der Nachzucht, was die Bezeichnung „Fehlfarbe“ also als falsch anzeigt.

 

Wieso also kam diese Farbvariante so lange Zeit nur hinter verschlossener Stalltür vor? Vermutlich fehlte es etwas am Selbstvertrauen, diese doch etwas schwer in ein standardisiertes Raster zu steckende Farbe entsprechend zu beschreiben. Schon die Bezeichnungen „Andalusier-weiß“ oder gar „Schmutzig-weiß“, klangen nicht gerade nach besonderer Wertschätzung. Vermutlich waren es auch hier die so genannten Liebhaber, die den Weg bahnten, da splash-farbige Tiere immer gerne an reine “Halter“ abgegeben und als attraktiv angesehen wurden. Zudem klingen Anglizismen gleich weniger angestaubt und modern, wenn auch die direkte Übersetzung, „Spritzer“ oder „fleckig“, gar nicht viel galanter klingt. Inzwischen ist „splash“ auch offiziell bei z.B. Seidenhühnern oder Zwerg-Orpington anerkannt und die Europäische Standardkommission formulierte eine entsprechende Musterbeschreibung.

 

                    

Unten: Splash seidenfiedrig

Zuchtziel und Bewertung

 

Vorab ist hier zu sagen, dass eine allzu detaillierte Beschreibung eines doch sehr heterogen auftretenden Farb-spiels und damit eben auch die Bewertung durch den Preisrichter an gewisse Grenzen geknüpft ist. Beschrieben ist ein gleichmäßiges, gräuliches Weiß bis sehr helles Blaugrau als Grundfarbe, die im gesamten Gefieder von unterschiedlich großen und unregelmäßig auftreten-den, dunkleren blauen Flecken durchsetzt ist; vereinzelte mattschwarze Federn sind hierbei gestattet. Das Gesamtbild soll dabei möglichst gleichmäßig und harmonisch erscheinen. Wir sehen schon: „Die Gleichmäßigkeit des Unregelmäßigen“. Bei der Bewertung ist also die Sensibilität der Bewertenden gefragt.

 

Fehlerhaft ist eine zu dunkle Grundfarbe, eine stark unregelmäßige Zeichnungsverteilung, sowie Sperberung und Säumung beschrieben. Wobei letzteres wiederum eingeschränkt betrachtet werden sollte, da wir bei den Chabo sowohl die durchgängig blaue, als auch die gesäumte Variante des Andalusier-Blaus zulassen. Entsprechend wird sich ein angedeuteter Saum in der Splash-Farbe nicht gänzlich vermeiden lassen. Ebenfalls ist die farbliche Intensität nicht von der der blauen Ausgangstiere losgelöst. Wie hier eben auch sehr unterschiedliche Farbnuancen vorkommen, überträgt sich die entsprechend auf das reinerbige „Blau“.

Federstruktur und Wirkung

 

Wie bei vielen Farben, ist auch splash in seiner Wirkung nicht unerheblich von der Federstruktur beeinflusst. Bei Seidenhühnern ist diese Farbvariante sehr beliebt und auch gelockte Zwerg-Cochin sind gelegentlich zu sehen. Jede Federvariante lässt die fleckenartige Zeichnung gänzlich anders erscheinen. Bei Gelockten kommt die Farbe am besten zur Geltung, wenn die Färbung eher intensiv und die Zeichnung reichlich ist, da die „Spritzer“ meist nicht bis ins Untergefieder reichen. Bei den Seidenfiedrigen ist das gesamte Farbbild weicher, da die Flecken mit der Grundfarbe verlaufen, und geben hierdurch ein besonders apartes Kolorit.

 

Für die Chabo haben wir die Freiheit zu entscheiden. Bisher hat sich Niemand gefunden, der ein Anerkennungsverfahren anstrebte und so finden wir lediglich auf Sonder- und Bundesschauen splash-farbige Chabo, die durch eine Bewertung laufen. An versierten und berufenen Züchtern mangelt es hier sicher nicht, aber schließlich bestimmen wir das Geschehen selbst. Eine Bereicherung sind die Splash-Chabo, ob semioffiziell oder als 25. Farbenschlag.

           

Udo Ahrens

 

 

 

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Große Gartenfreude

 

 

mit kleinen Wachteln

 

 

Viele Menschen möchten ihren Garten etwas beleben und denken über die Anschaffung von Geflügel nach. Mit Tauben in schönen Farben und prächtigen Federstrukturen erfüllt sich der Traum von „ganzjähriger Blütenpracht“, doch eine bunte Blumenwiese bringt keinen direkten Nutzen, täglich ein paar Eier wären schon ganz schön …  Aber: Hühner scharren und lassen von einem grünen Fleckchen bald nicht mehr viel übrig. Und ein Hahn ist zwar stolz und schön, aber frühmorgens macht er sich mit seinem Krähruf in der Nachbarschaft kaum Freunde …

 

 

Wir bedanken uns bei Armin Kühne für die schönen Bilder und empfehlen seine HP:   www.sawax.de

 

Bilder bitte anklicken!

 

                            Wildfarben                                          weiß                                        Hellsilber                                                   

Deshalb empfehlen wir Japanische Legewachteln. Die Gattung Wachteln gehört zur Familie der Hühner (Unterfamilie Feldhühner). Ein kleiner Stamm Legewachteln kann eine Familie mit ausgezeichneten kleinen Eiern versorgen, die besonders von Kindern mit Begeisterung aufgenommen werden. Aber auch ein Eiersalat mit Wachteleiern ist ein Blickfang, den Gäste des Hauses nicht so schnell vergessen werden. Diese Eier sind aufgrund ihrer geringen Größe nicht nur schön und attraktiv, sie sind auch schmackhaft und sehr gesund. Schon seit über 100 Jahren werden Wachteln auf Legeleistung gezüchtet. Dabei vereinen Wachteln viele Vorteile: Sie sind klein, zutraulich, interessant und leistungsstark. Im Verhältnis zu ihrer Größe vollbringen die kleinsten Hühnervögel der Welt wahre Höchstleistungen. Wachteln sind lebhafte Vögel, die sich viel bewegen und daher zu ihrem Wohlbefinden Raum benötigen. Ein enger Käfig ist auch für Wachteln ein Gefängnis, etwas mehr Bewegungsraum findet sich in jedem Garten, und auch liebevolle Fürsorge geben wir ihnen gern. Ein Stück Lebensqualität – für Mensch und Tier.

 

                      Wild-Zimt                                           Falb-Fee                                              Gelb

 

Während viele Wachtelarten monogam, also paarweise, leben, lassen sich Japanische Legewachteln in reinen Hennengruppe oder auch nur mit einem einzelnen Hahn halten. Da die Hähne fast als liebestoll bezeichnet werden können, fühlen sich reine Hennengruppen aufgrund der sonstigen starken Belästigung unter sich sehr wohl und genießen die Ruhe bei einem Sonnen- oder Sandbad in ihrem kleinen Refugium. Meist sind sie als aktive Laufvögel aber suchend unterwegs und bieten dadurch auch einen schönen Anblick. Sie sind auch nicht nur in der Wildfarbe vertreten, Bezeichnungen wie Goldsprenkel (gelb-wildfarbig), Wild-Zimt und Perl-Fee machen nicht nur neugierig, sondern bieten auch ein attraktives Farbspiel.

 

 

             Gold-Gescheckt                                  Goldsprenkel                                            Gold-Zimt

 

 

An Stall und Auslauf stellen die Wachteln wie gesagt nur geringe Ansprüche, so dass sie auch in einem kleinen Garten gut untergebracht werden können. Für eine kleine Voliere mit angebautem Schutzhaus für einen kleinen Stamm Wachteln ist in jedem Hausgarten Platz. Schon mit knapp zwei Monaten beginnt die Legetätigkeit, und 80 Eier im Jahr pro Wachtelhenne sind als Gegenleistung für unsere Pflege und Obhut nicht zu verachten. Dabei ist immer Ostern, denn die Legewachteln legen nicht in ein festes Nest, sondern legen hie und da ihre Eier, so dass Stall und Auslauf täglich kurz abgesucht werden muss, für Kinder immer eine spannende Aufgabe.

                       Wild-Zimter Küken

 

Die erfolgreiche Praxis der Legewachtelhaltung erfordert ein kleines bisschen Theorie. In der Fachliteratur gibt es einige Bücher (siehe Fotos), die das nötige Wissen vermitteln und im Fachbuchverlag bezogen werden können. Der beste Anfänger-Tipp, den wir geben können, ist das „GeflügelZeitung spezial“ über Japanische Legewachteln, das im HK-Verlag (www.gefluegelzeitung.de) schon für 3,95 € bezogen werden kann. Auf 50 Seiten werden die kleinen Kobolde dort vorgestellt. Wenn der Funke überspringt, sind auch andere Fachbücher vorhanden.

 

 

                         Rotkopf                                            Rotkopf-Zimt                             Tennebrosus-Zimt

unten: Tusedo Hahn

Tusedo Hahn
Tusedo Hahn

 

 

 

In herkömmlichen Berichten über Wachtelhaltung werden besonders die wirtschaftlichen Aspekte von Lege- und Schlachtwachteln betont.

 

Als ARGE Tierschutz Rassegeflügel steht für uns natürlich das Tier an erster Stelle. Denn reine Wirtschaftlichkeit geht auf Kosten des Tierschutzes. Das ist legal, aber nicht legitim. Das Tierschutzgesetz verbietet keine Massentierhaltung, unsere ethischen und moralischen Grundsätze im BDRG sind da weitergehend, weil sie das Tierwohl stärker im Blick haben. Wenn wir die Wachteln nicht kommerziell ausbeuten, ist das ein echter Gewinn – vor allem für das Mitgeschöpf. Deshalb noch einmal: Mit Wachteln bekommt man liebenswürdige Mitbewohner, die auch Kindern aufgrund ihrer Putzigkeit und Zutraulichkeit gefallen. Mit nur geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand kann dieses Hobby im kleinsten Garten, ja selbst auf dem Balkon, betrieben werden.

 

 

                Silber-Willdfarbig                                         Tennebrosus                                      Wild-Zikmt

 

Im BDRG hat sich bereits ein Sonderverein (SV) zur Betreuung der Japanischen Legewachteln gegründet.

 

Der SV hat mittlerweile 30 Mitglieder. Vorsitzender ist André Mißbach. Nähere Informationen über die vereinseigene Homepage:  www.japanische-legewachteln.de. Dort sind auch der aktuelle Standard mit einer Beschreibung der beiden bisher anerkannten Farben und weitere Informationen zu finden.

 

 

Manfred Loick

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Auszug aus dem Rassegeflügelstandard für rote Zwerg-Cochin

 

Hahn: Gleichmäßiges, sattes, nicht zu dunkles, glänzendes Rot, Untergefieder möglichst rot. Schwingen rot, etwas schwarz auf Innenfahne gestattet. Schwanz rot oder schwärzlich purpurfarbig. Geringe, angedeutete schwarze Zeichnung im unteren Halsbehang gestattet.

Henne: Gleichmäßiges, sattes Rot, etwas heller als der Hahn, sonst diesem gleich, Lauffarbe gelb.

Grobe Fehler: Stark fleckiges Gefieder, schwarz auf Mantel, Brust und Flügel, hell abgesetzte Halsfarbe, viel Ruß oder Weiß im Untergefieder, Schilf.

 

Horst und Bärbel Bastian

 

 

Im Banne der roten Zwerg-Cochin

 

           Feiner Stamm roter Zwerg-Cochin, Foto: Bastian

 

„Wie kommt man eigentlich auf die Idee einen neuen Farbenschlag herauszuzüchten?“ Das werde ich immer wieder  gefragt, wenn wir über die roten Zwerg-Cochin reden. Nun, spontan war es sicherlich nicht. Vor vielen Jahren habe ich einmal rote Zwerg-Cochin-Hähne gesehen, heute bin ich mir sicher, dass es sich dabei um braun-gebänderte ZC-Hähne gehandelt hat, jedenfalls gab es passend dazu keine roten Hennen. Dieses Erlebnis muss sich irgendwie tief in meinem Gehirn eingenistet haben. Als ich dann 1978 zur Formverbesserung gelbe ZC-Hennen an einen fast braunen, gelb-gesperberten Hahn setzte, fielen daraus lederfarbene Hennen und dann war sie auf einmal da, die Idee, den bunten Strauß der Zwerg-Cochin-Farben noch um die Roten zu bereichern.

 

 

roter Zwerg-Orpington-Hahn, Foto SV Zwerg-Orpington

 

 

Pate stand dabei ein roter Zwerg-Orpington-Hahn. Die Nachzucht 1979 brachte ein farblich ansprechendes Resultat, einige setzten im Hals dunkel ab, andere zeigten Sperberung, aber zwei Hennen waren rot. Zwar war die Fußbefiederung knapp und die Läufe weißlich, aber daraus konnte man etwas machen. Im Jahr 1980 kam mir dann der Kollege Zufall zu Hilfe. Ein befreundeter Züchter aus den Niederlanden hatte u. a. zehn Eier von roten ZC aus den USA importiert. Daraus schlüpften vier Küken und wie passend, zwei Hähnchen und zwei Hühnchen.  Daraus entwickelten sich farbmäßig schöne Tiere, sie waren aber klein und schmal, von hohem Stand und auch die Kämme ließen zu wünschen übrig. Aber ich war jetzt vom roten Zwerg-Cochin-Virus befallen.

                                                                                  Die perfekte rote Zwerg-Cochin-Henne, Foto: H.-D.Prekel

 

Als im Sommer 1981 schon zu erkennen war, dass die Nachzucht versprach, ganz ordentlich zu werden, wurde der Antrag beim Zuchtausschuss des BDRG auf Anerkennung gestellt. Bis 1986 hat es dann gedauert, mit allen Höhen und Tiefen. Manchmal wollte ich die Sache einfach aufgeben, aber wie das bei einer Virusinfektion so ist, es gibt keine Gegenmittel, man ist wahrscheinlich ein Leben lang infiziert. Als dann die Anerkennung erfolgte, beschlich mich ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ein Gemisch aus Stolz und Freude, aber gleichzeitig auch von einer gewissen Leere, das Ziel war erreicht. Das dauerte aber nicht lange und wich der Erkenntnis, dass es zwar in unserem Hobby Erfolge gibt, aber das Ziel nie erreicht wird, man setzt immer neu Maßstäbe und wir haben es mit einer sehr lebendigen Natur zu tun, die immer für neue Überraschungen sorgt. Ein Menschenleben reicht einfach nicht aus, um bis in die letzten Winkel des Wissens vorzudringen, die uns unsere Freizeitbeschäftigung bietet. Deshalb hier auch mein Appell, die gemachten Erfahrungen weiter zu geben, sie aufzuzeichnen für die nachfolgenden Generationen, damit diese dann weiter machen können, wo wir aufgehört haben.

 

Teil2:

 

Die rote Gefiederfarbe hat so ihre Tücken, aber in Vollendung kann sie den Liebhaber und Züchter begeistern. Der Hahn wirkt zusätzlich bedingt durch die schmalere Feder, im Farbton dunkler und glänzend. Ein Vollblutcochin hat aber nun einmal eine zum Typ passende breite Feder und deshalb wollen wir auch kein Rhodeländerrot, sondern das Rot der Reichshühner wird angestrebt. Sonst besteht die Gefahr, dass die Hähne haarige, zerschlissene Federn in der Kruppe zeigen (Bei den Zwerg-Cochin sprechen wir nicht von einem Schwanz, sondern von einer Kruppe) und die Hennen werden zu typlosen, schmalen Wesen, bei denen selbst in den Federn der Armschwingen die Häkchenstruktur verloren geht.

„Nach neuesten Erkenntnissen werden die Farbstoffbildner, die Melanozyten oder Pigmentzellen, nicht in den Federanlagen selbst gebildet. Sie wandern vielmehr von ihrem Entstehungsort, einem embryonalen Zellstrang, der „Ganglien“ oder „Neuralleiste“ in die Unterhaut ein. Hier sammeln sie sich rund um die Blutgefäße sowie am Übergang zur Oberhaut an, dringen in die hier tief eingesenkten Federkeime ein und auch in die Oberhaut. Das geschieht in den frühen Entwicklungsstadien, d. h. etwa am 3. Bruttag. Mit 7 – 7 ½ Tagen beginnen die Melanozyten mit der Absonderung von Farbstoffkörnchen wofür die Federzellen wohl ebenfalls Material zur Verfügung stellen. Zwei besonders aktive Zentren für Farbstoffbildung liegen im Kopf- und Schwanzbereich der Neuralleiste. Sie rufen bevorzugte Ausfärbung der Kopf-, Hals- wie der Schwanzfedern hervor. Farbig werden die Federn aber nur dann, wenn die Pigmentzellen während der Embryonalentwicklung in noch junge Federanlagen eindringen.“ (Dr.Phil.hab.C.Engelmann)

Also auf eine breite, gesunde Feder ist zu achten, wobei es egal ist, ob mal etwas heller oder dunkler, Farbnuancen sind zu tolerieren. Wichtig ist, dass die Farbe gleichmäßig angelegt ist. Das ist gar nicht so einfach, weil die Farbe Rot bei den Hühnern den Columbiafaktor hat, also immer die Tendenz zeigt, sich am Hals stärker anzulagern. Zeigt aber eine Henne gelben Halsbehang und dunkelrote Schultern, ist sie für die Weiterzucht nahezu wertlos, es sei denn sie hat einen Wahnsinnstyp und ist aus diesem Grund unverzichtbar.

 

 

Das Gleiche gilt auch für die Hähne, vor allen Dingen wenn sie im Halsbehang auch noch starke Schaftstrichzeichnung zeigen. Eine gering angedeutete schwarze Zeichnung im unteren Halsbehang ist nach dem Rassegeflügelstandard gestattet. Haben sie eine fuchsige Halsfarbe, so bringt das in der Nachzucht fleckiges Mantelgefieder bei den Hennen. Eine weitere Beachtung ist der Farbe des Flaumgefieders zu schenken. Die Hähne sollten im Untergefieder schon rot sein, die mit Hennen verpaart, die dort grau zeigen, meistens eine Nachzucht mit zufrieden stellendem Mantelgefieder bringen. Tiere mit weißem oder gar schwarzem Flaum sollte man nicht zur Zucht verwenden. Eine leichte Pfefferung auf der Unterseite der Flügel und etwas Schwarz auf der Innenfahne ist gestattet und stellt eine Farbstoffreserve dar. Eine Ausgleichspaarung, die auch Erfolg verspricht, ist, wenn man zu einem Hahn mit intensiver Farbe eine Henne mit zwar schwacher Farbe aber einer schönen breiten Feder setzt.

Wenn man wieder einmal etwas für die Typ tun will, kann man zur Blutauffrischung schwarze,  goldhalsige oder sehr farbintensive gold-weizenfarbige Zwerg-Cochin einkreuzen. Merkwürdigerweise wird vor der Einkreuzung vom gelben Farbenschlag immer wieder gewarnt. Dies kann ich nicht bestätigen. Sicherlich sind in der F1 die Tiere zu hell und stellen so eine Mischform dar, aber die Hennen wieder zurück an einen rein roten Hahn bringen den Durchbruch. Sicherlich muss man bei der Auswahl der gelben Ausgangstiere kritisch sein. Sind diese im Farbton nicht gleichmäßig und setzen im Hals hell ab, so ist der Versuch zum Scheitern verurteilt.

 

Die Zwerg-Cochin sind eine Rasse, die von ihrer Zahmheit und Zutraulichkeit profitiert. Je typischer sie sind, desto ruhiger werden sie im Wesen. Dies haben auch die roten ZC inzwischen geschafft. Sie legen gut und richtig für die Zucht vorbereitet, gibt es auch eine sehr gute Befruchtung, wenn sie aber zu brüten beginnen, machen sie das mit Inbrunst. Die Küken sind frohwüchsig und gleich beim Schlupf kann man feststellen, welche Farbe später das Untergefieder hat. Das Flaumgefieder kann man am besten mit gelblich-rötlich bezeichnen. Zeigen sie Rebhuhnzeichnung auf dem Rücken, sind sie später im Untergefieder grau. Kann man nur einen kleinen Punkt auf dem Kopf feststellen, so handelt es sich nach meinen Erfahrungen um ein kleines Hähnchen. Dieser Punkt ist aber für die Geschlechtsbestimmung nicht zwingend vorgeschrieben. Auch bei allen anderen Farb- und Zeichnungsnuancen sind Hähne dabei.

 

 

Im Alter von drei bis vier Wochen zeigen die Küken der roten Zwerg Cochin an den Federenden der Flügel weiße Spitzen. Auch hier kann man schon in etwa eine Geschlechtsbestimmung vornehmen. Hennchen haben nur weiße Federspitzen während sich bei den männlichen Vertretern das Weiß bis in den Schulterbereich hochziehen kann. Jetzt keine Panik, bei der nächsten Mauser verschwinden die. Sollten sich im adulten Gefieder noch weiße Federn befinden, so heißt dies merzen, denn Weiß und Schilf sind grobe Fehler. Bei ausgewachsenen Hähnen sind manchmal die Sattelbehangfedern etwas kurz, auf ausreichende Länge sollte geachtet werden, nicht dass sich hier etwas einschleicht, das man von vornherein vermeiden kann.

 

 

Foto: Barbara Klein
Foto: Barbara Klein

 

Die Hennen sind am schönsten, wenn die Legereife erreicht ist. Ein ausgeprägter Legebauch begünstigt die ZC-typische Vorneigung und die feurigen Kopfpunkte runden das harmonische Bild ab. Fangen sie schon frühzeitig vor den Schauen mit dem Legen an, kann das Gefieder fleckig werden und auch verloren gegangene Federn werden durch hellere ersetzt. Gegen Sonne und Regen ist die Farbe nicht so empfindlich, aber es spricht nichts dagegen, wenn Schattenspender z. B. Bäume und Sträucher im Auslauf zu finden sind. Sie tragen maßgeblich auch zum allgemeinen Wohlbefinden, nicht nur der Zwerg-Cochin, bei. Carotinhaltige Futtermittel, also Möhren und jede Menge Grünzeug, beeinflussen die Lauf- und Gefiederfarbe positiv. Während der Mauser kann man kleine, schwarze Sonnenblumenkerne sowie ganze Maiskörner und wenn man sie günstig beschaffen kann, auch Rosinen zufüttern. Diese Futtermittel haben immense Auswirkungen auf die Federbildung und nur eine gesunde, voll ausgebildete Feder macht aus einem Zwerg-Cochin ein Top-Zwerg-Cochin.

 

 

So beschreite ich denn weiter den Weg der roten Zwerg-Cochin bis zur Vollendung, denn sie ziehen mich immer wieder in ihren Bann.         [