Tauben 2

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Damascener - Böhmentauben

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Wilhelm Bauer

Teil 1

Eine tolle Rasse mit Potenzial:

 

Böhmentauben sind ein echter Geheimtipp

 

 

Böhmentauben sind ideal für den Freiflug. Hier auf einem Kobel im Zuchtgarten in Essenbach/Niederbayern. Die Tauben von Martin Schalk sind nicht geputzt, paaren sich selbst und sind doch eine klasse Werbung für diese schöne Rassse.

Die meisten Farbentaubenrassen werden zu einer Rassengruppe gezählt. Da kennt man die süddeutschen, Thüringer, sächsischen, Nürnberger und fränkischen oder auch Schweizer Farbentauben. Alle anderen werden zu den so genannten gruppenunabhängigen Farbentauben gezählt. Das gilt auch für die Böhmentaube, die bis heute ihr Hauptverbreitungsgebiet in Nieder- und Oberbayern hat und in diesen Regionen auch maßgeblich verfeinert und vervollkommnet wurde. Dort sitzt noch heute das Hauptkontingent der Züchter und Sondervereinsmitglieder. Dazu kommen noch weitere Züchter, die die Böhmentauben auf ihren Höfen züchten, weil das schon immer so war. Diese Verbreitung und feste Einbindung in das ländliche Umfeld haben dazu geführt, dass die Rasse eigentlich jeder kennt, der zumindest an Tauben ein gewisses Interesse hat. Nur selten spricht man dann aber von Böhmentauben, sondern schlicht und einfach vom „Böhm“.

 

Teil 2

Roter Täuber von Günther Baumgartner, Zwiesel
Roter Täuber von Günther Baumgartner, Zwiesel

 

Vom märischen Strasser zur Böhmentaube

 

 

Ursprünglich stammen die Böhmentauben wie der Name es schon sagt, aus Böhmen. Die Geschichte der Rasse ist eng mit der des Strassers verbunden und mit Sicherheit bestehen auch verwandtschaftliche Beziehungen. Im Grund war es nichts anderes als eine weißschwingige Variante des Strassers. Die weitreichenden Handelsbeziehungen Böhmens haben wohl dazu geführt, dass die Böhmentauben nach Nieder- und Oberbayern kamen. Dort waren sie auf den Bauernhöfen eine der verbreitetsten Rassen überhaupt, was ihnen dort  auch die Bezeichnung Bayerischer Strasser beibrachte, was sogar heute noch manchmal zu hören ist. Zu Standardehren kam die Rasse erst 1962. Für die Züchter war das wohl nicht wichtig. Die Böhmentauben waren so stark verbreitet, dass man sich um solche Sachen schlicht und einfach keine Gedanken machen musste.  Christian Reichenbach, langjähriger BZA-Vorsitzender und Taubenfachmann par excellence, war es dann wohl, der den Namen Böhmentaube als offiziellen Rassenamen ins Gespräch brachte. 

Rassige schwarze Täubin mit femininer Ausstrahlung
Rassige schwarze Täubin mit femininer Ausstrahlung

 

Die Böhmentaube ist trotz dieser offiziellen Anerkennung eine bodenständische, regionale Rasse geblieben. Als eine unserer ursprünglichsten Rassetauben hat sie sich all die guten Eigenschaften erhalten, die man im Grund auch an eine moderne Rassetaube stellt. Zwei befruchtete Eier und daraus zwei gut heranwachsende Jungtiere sind die Regel. Diese Fähigkeiten liegen wahrscheinlich in der ursprüngli-chen Haltungsform begründet. Die Böhmentaube war die Nutztaube schlechthin. Sie war in der Aufzucht nicht zu übertreffen, äußerst anspruchslos in der Haltung und dazu noch farbenprächtig im Erscheinungsbild. Denn eine Volierenhaltung kannte man nicht. Sie waren das ganze Jahr im Freiflug und wann immer es möglich war, mussten sie sich ihr Futter selber suchen. Dabei achteten die Züchter immer darauf, dass sie einen kräftigen Feldtaubentypus zeigten. Nur dann waren sie fleischig genug, um als Nutztaube zu gelten. Und noch heute sind die Böhmentauben zweifelsfrei die kräftigste Farben-taubenrasse.

Kräftiger sogar, als die verwandten Prachener Kanik, die ja zu den Formentauben zählen. Es war gerade der Freiflug, der die Tauben zwar fleischig aber nicht zu schwer und behäbig werden ließ. Der Habicht hat hier alles im richtigen Rahmen gelassen. Darauf müssen heute die Züchter achten. Denn nur noch ganz wenige Böhmentauben können im Freiflug gehalten werden. Auch in Bayern haben sich die Rahmenbedingungen diesbezüglich leider geändert. Wo immer möglich, sollte man ihnen aber ruhig die Chance dazu geben. Böhmentauben fliegen recht ordentlich ohne dabei richtig große Runden zu drehen. Sie bleiben vor allem wenn sie gefüttert werden, in der Nähe des Schlages.

Korrekte Schwingenzeichnung einer Blauen mit schwarzen Binden
Korrekte Schwingenzeichnung einer Blauen mit schwarzen Binden

 

Die Böhmentaube ist eine Farbentaube

 

Böhmentauben sind kräftige Farbentauben und dennoch muss immer wieder darauf geachtet werden, dass der Größenrahmen nicht gesprengt wird. Sie sind weder weißschwingige Mährische Strasser noch Prachener Kanik ohne Schnippe. Sie haben ihren eigenen Rassetyp, bei dem nicht nur die Größe entscheidend ist, sondern vielmehr auch die richtige Form. Dazu zählen unbedingt eine waagerechte Haltung und eine in der Verlängerung getragene, nicht angezogene Schwanzpartie. Dabei sollte die Taube nicht zu lang wirken, aber gedrückt und stumpig auch nicht. Ein guter Gradmesser ist die Form des Flügelschildes. Eiförmig und nicht zu sehr zur Kreisform hin tendierend. Der Standard gibt das festanliegende Gefieder vor, was am besten gezeigt wird, wenn sich die Böhmentaube schön präsentiert.

 

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Brustausformung. Im Farbentaubenrahmen breit und gut ausgerundet muss sie sein. Auf jeden Fall muss vor dem Flügelbug ausreichend Substanz zu sehen sein und auch das Brustbein darf nicht zu kurz und gewölbt werden. Die Brustbreite hat direkten Einfluss auf die Schulterbreite und damit auf die Basis für den Hals. Dieser muss breit angesetzt sein und sich nach oben deutlich verjüngen. Wichtig ist dabei, dass er weder zu lang und dünn noch zu kurz und geduckt erscheinen darf. Beide Extreme passen nicht zur Böhmentaube. 

Teil 3

Rote Täubin, harmonisch in allen Teilen
Rote Täubin, harmonisch in allen Teilen

 

Kräftiger Farbentaubenkopf

 

Auf einen kräftigen Hals passt nur ein kräftiger (aber nicht derber) Kopf. Mittelgroß und gut gewölbt soll er sein sowie in der Front nicht spitz wirken. Ein verkleinerter Strasserkopf mit starker Stirn ist  nicht das Ziel, wenngleich der Kenner schon an den Kopfpunkten das Geschlecht erkennen kann. Mindestens genauso wichtig wie das Gesicht ist der Nackenabgang. Dieser soll nicht so stark ausgebaut sein und mehr oder weniger fließend in den Hinterhals übergehen.

 

 

Die Augenfarbe ist bei allen Farbenschlägen orangefarbig bis rubinrot gefordert. Lediglich bei den Tieren der braunen Farbenschläge darf sie aufgrund der genetischen Gesetze etwas heller erscheinen. Der Augenrand soll ein- bis zweiringig sein und bei den Lackfarbenschlägen intensiv rot sein. Bei den ganzen anderen grau und damit der umgebenden Gefiederfarbe mehr oder weniger angepasst. Interessanterweise ist bei ihnen der Rand in der Regel auch eher schmäler.

Der mittellange Schnabel ist bei den Roten und Gelben fleischfarbig. Ansonsten je nach Farbenschlag von hornfarbig bis schwarz. Wie üblich ist bei der Hornfarbe die Tendenz zu einer stärkeren Farbeinlagerung im Bereich des Schnabelfirstes festzustellen. Erscheint dabei kein ausgesprochener Schnabelstipp, ist das zu dulden, zumal die fahlen Farbenschläge sowieso zu den eher selteneren Farbenschlägen zählen.

Der beliebte blaue Farbenschlag zeigt sich in den bayerischen Landesfarben
Der beliebte blaue Farbenschlag zeigt sich in den bayerischen Landesfarben

 

Interessante Zeichnung hat ihre Tücken

 

Als Farbentaube steht natürlich auch die korrekte Zeichnung der Böhmentaube im Fokus. Allgemein spricht man von einer weißschwingigen Strasserzeichnung, die die Böhmentauben zeigen und die durch den Farbentaubentyp sehr harmonisch wirkt. Sie aber in Perfektion zu erreichen, ist kaum möglich und man braucht schon eine erhöhte Anzahl an Jungtieren, um entsprechend auswählen zu können. Viele fangen mit ihnen an und unterschätzen gerade die Zeichnung. Sie sind eben keine einfarbige Rasse, bei der man zur Lokalschau im Grund fast jedes Tier verwenden kann. Aber hier im Rahmen der ARGE geht es je auch nicht um Ausstellungs-perfektion, sondern um die Freude an einer wunderschönen Rasse. Da spielen ein paar Federchen hin oder her keine so große Rolle.

 

Böhmentauben sind weißgrundige Tauben. Farbig ist der Kopf mit einem mittelgroßen Latz, der in etwas bis unter die Halsmitte gehen soll. Rassetypisch ist, dass bei den Täubinnen der Latz gerne etwas kleiner ist. Besonders hübsch sieht es aus, wenn der Latz am Abschluss gut gerundet ist, was durch Putzen in aller Regel auch problemlos zu erreichen ist. Der Knackpunkt liegt meistens am Hinterkopf. Denn die Zeichnung soll dort weder zu tief noch zu knapp sein.

 

 

Farbig sind auch die Flügelschilder samt Schwingen mit Ausnahme von 7 – 10 weißen Handschwingen, die dafür sorghen, dass das Schenkelgefieder vollständig weiß ist. Das gesamte Schwanzgefieder samt Decke und Keil soll farbig sein. Manchmal tritt etwas verpöntes Afterweiß auf, das der oberbayerische Züchter als „gelocht“ bezeichnet. Alles in allem also eine recht komplizierte Zeichnung, die jedoch ihre Wirkung nicht verfehlt. 

    Böhmentauben, perfekt in der Zuchtfreudigkeit                      Sehr ausgeglichene Jungtauben

Intensives Werben gehört dazu
Intensives Werben gehört dazu

 

Interessante Farbenschläge

 

Böhmentauben sind in 17 verschiedenen Farbenschlägen anerkannt, und zwar Schwarz, Rot, Gelb, Braun, Blau mit schwarzen Binden, Blau ohne Binden, Hellblau mit weißen Binden, Hellblau-Weißgeschuppt, Braunfahl, Blaufahl, Rotfahl, Gelbfahl, Blaufahl-Gehämmert, Rotfahl-Gehämmert, Gelbfahl-Gehämmert und Braunfahl-Gehämmert.

 

Der stärkste Kontrast ist beim schwarzen Farbenschlag zu sehen. Möglichst mit Grünglanz auf den Flügelschildern und mit satt roten Augenrändern strahlen sie ungeheuer viel Vitalität aus. Alles in allem ein Farbenschlag, der etwas im Kommen ist.

 

 

Das kann man von den früher so beliebten Roten leider nicht behaupten. Vor Jahren waren sie meistens noch das Maß der Dinge mit satter Farbe und perfektem Typ. Probleme bereiten fast immer die Durchfärbung der farbigen Handschwingen aber auch die richtige Farbentaubenfigur. 

Besonders schwierig: der Hellblau-Weißgeschuppte
Besonders schwierig: der Hellblau-Weißgeschuppte

 

Eine treue Züchterschaft haben schon immer die Gelben. Bei ihnen fordert man ein möglichst gleichmäßiges Gelb bei fester Federstruktur. Eine Nuance heller oder dunkler spielt eigentlich keine Rolle. Die roten Auge sind ein echter Blickfang.

 

Die Blauen mit schwarzen Binden sind der häufigste Farbenschlag, was vielleicht neben der attraktiven Farbgebung auch an der Tatsache liegt, dass sie die bayerischen Landesfarben zeigen.

 

 

Interessant ist die Tatsache, dass die Blauen ohne Binden sehr lange im Dornröschenschlaf waren. Erst in den letzten Jahren sind sie im Kommen, wobei sie ausnahmslos durch ihre zarte Farbgebung begeistern können. Von den Schwarzbindigen haben sie zudem Vorteile in der Typausprägung mitbekommen. 

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Manfred Loick

 

Teil 1

 

 

Syrien – Herkunftsland für ein lebendiges Kulturerbe der Rassetaubenzucht

 

 

 

Damascener von Max Holdenried
Damascener von Max Holdenried

Die Geschichte des Landes Syrien ist alt und lang. Sie beginnt bereits in der Wiege der menschlichen Zivilisation – vor gut zwölftausend Jahren. Der Nordosten Syriens bildete die nördliche Grenze des alten Mesopotamien. Die großen Kulturen der frühen Menschheit wirken in diese Region hinein: Akkader, Hethiter, Assyrer, Ägypter. Damaskus gilt als weltweit älteste Hauptstadt und als eine der ältesten durchgängig besiedelten Orte. Die Ursprünge der Stadt liegen irgendwo zwischen den Jahren 10 000 und 8 000 vor Christus. [Zum Vergleich: Als Gründungsjahr Berlins wird allgemein 1237 n. Chr. angesehen. Früheste Zeugnisse menschlicher Siedlungen im Berliner Raum stammen aus der Zeit  1200 bis 800 v. Chr.]

 

 

Später kamen die Perser nach Syrien, dann die Griechen, schließlich auch die Römer – praktisch alle früheren Hochkulturen der ‚Alten Welt‘. Alexander der Große überquerte hier den Euphrat auf seinem Eroberungs­feldzug nach Indien. Mit der Verschmelzung des griechischen und des orientalischen Kulturguts leitete er die „hellenische Epoche“ ein, die für die folgenden 300 Jahre bis etwa Christi Geburt die alte Welt prägte. 

 

Damascener in "Die Welt der Tauben" von Edmund Zurth, 3. Auflage 1969
Damascener in "Die Welt der Tauben" von Edmund Zurth, 3. Auflage 1969

Als älteste Taubenrasse gilt heute der Damascener. Eine eisfarbige Taube – aus dem Orient – hat Freunde in der ganzen Welt gefunden. Ihre Herkunft wird heute nicht direkt in und um Damaskus vermutet, sondern weiter südlich im heutigen Jemen, Jordanien und Palästina. Alte Quellen bleiben mysteriös, das Geheimnis um das Dasein dieser besonderen Taube ist noch immer nicht gelüftet. Unser bisheriges Wissen ist aber absolut ausreichend, weitere Forschungen würden auch nur dem Reich der Vermutungen oder den Erzählungen Sindbads zuzuordnen sein. Denn alle Änderungen der Hochkulturen, die oben beschrieben sind, wurden blutig geführt und bedeuteten den Verlust großer Schätze und kosteten vielen Menschen das Leben. Syrien ist bis heute trauriger Kriegsschauplatz geblieben. Bleiben wir stattdessen bei der Taubenzucht. Die Gegend an Euphrat und Tigris ist der bedeutendste Ausgangspunkt des Taubenrassenkults. Deshalb ist der Aussage von Edmund Zurth zur Herkunft der Rasse, der Damascener ging aus dem persisch-syrischen Kulturkreis hervor, nichts hinzuzufügen.

 

 

Erstmals erwähnt wird die Rasse als Mawmet oder auch Mahomet im Jahre 1676 von Francis Willughby (1635 – 1672) in seiner „Ornitho­logia“, die erst nach seinem frühen Tod heraus­gegeben wurde. Über das Aussehen der Taube wurde von späteren Autoren spekuliert. Sie kamen aus der Türkei und wurden durch ihre großen Augen, ähnlich denen der Indianer, charakterisiert, weitere Hinweise gibt es nicht. Dr. Axel Sell hat 2009 in seinem Buch „Taubenrassen“ historische Informationen zum Damascener zusammengetragen. 

 

Teil 2

Damascener in der englischen Fachliteratur

„Das Columbarium“ von John Moore aus dem Jahr 1735 ist das älteste Spezialwerk über Haustauben überhaupt. Es finden sich darin keine Abbildungen; gute Abbildungen wären zu teuer geworden, schlechtere wollte er nicht nehmen. Beschrieben werden 28 Rassen. Die Mahomet Taube hat er selbst wohl nicht gekannt, wahrscheinlich war sie in England nicht vorhanden. Damit kann man die kurze Beschreibung einer kappigen Indianertaube erklären. Mohamets seien in Wirklichkeit nichts anderes als weiße Indianer, wobei der rote Augenrand sehr schön wirke. Dies wurde schon kurze Zeit später in der ‚Treatise‘ in Frage gestellt.

In ‚The Treatise von 1765‘ wird die Färbung der heutigen Damascener mit cremiger Färbung, schwarzen Binden und dunklem bis schwarzem Untergefieder beschrieben. „A Treatise on Domestic Pigeons“ ist das älteste bebilderte Spezialtaubenwerk eines Züchters. Die Mahomet Taube entspricht der bei Willughby beschriebenen Taube. Der Autor widerspricht ausdrücklich der Auffassung Moores, dass es sich lediglich um weiße Indianertauben (Barb) handele und vermutet eine Kreuzung zwischen Turbits und einer anderen Rasse.

Bei „Bechstein“ (1757 – 1822) wird in der „Naturgeschichte“ von 1807 eine Taube in weiß mit schwarzen Schnüren als Mahometstaube genannt, was heute als Fehlinterpretation der englischen Literatur angesehen wird und auf die späteren Damascener hindeutet.

In Fultons „Illustrated Book of Pigeons“ (1876) werden Damascener durch Zitate von Caridia, einem gebürtigen Griechen, beschrieben und durch Joseph Williamson Ludlow im Bild vorgestellt:

 

 

Bild oben:

Damascener in „Illustrated Book of Pigeons“ von Robert Fulton, Farbtafel von J. W. Ludlow, 1876

 

 

 

 

 

Sie wären 40 Jahre zuvor in Smyrna im orientalischen Stil in großer Zahl gezüchtet worden.

 

Bei Lewis Wright „Practical Pigeon Keeper“ 1879 wird der Damascener ange­sichts der vorangehenden Diskus­sionen in der Treatise und durch Teget­meier, ob es diese Rasse über­haupt gäbe, recht kurz und ohne Bezug darauf beschrieben. Das orangene Auge und der pflaumenfarbige Augenrand werden besonders herausgestellt, ebenso die auffallend mehlig oder matte Farbe, die französisch weiß bezeichnet wird. Betont wird auch das dunkle Untergefieder sowie auch Schnabel und Zehennägel, Flügelbinden und Schwanzbinde sind schwarz. Neben dieser kurzen aber aussagekräftigen Beschreibung wird die Rasse schon typisch im Bild gezeigt:

Damascener in „Praktikal Pigeon Keeper“ von Lewis Wright, gezeichnet von J. W. Ludlow, 1879

 

 

Die seit Willughby durch die Literatur geisternde Mahomet-Taube findet durch J. C. Lyell, 1887, in „Fancy Pigeons“ eine überraschende Aufklärung, nachdem Tegetmeier 1868 es wohl eher für wahrscheinlich hielt, dass es die Taube überhaupt nicht gäbe und Fulton und Wright nur kurz auf sie eingegangen sind. Ein Paar 1868 aus Konstantinopel mitgebrachte Mahomets wurden 1869 von Mr. Boyd aus Edinbourgh als Damascener gezeigt, lebten aber nicht lange. 1883 wurden mehrere Paare aus Mittelasien eingeführt, von denen einige auch in den Besitz von Lyell übergingen. Mit der Abbildung in seinem Buch ist Lyell nicht zufrieden, da die Schwingen in der Realität dunkler als auf dem Bild seien. 

Damascener in „Fancy Pigeons“ von J. C. Lyell, London 1887 (The Mahomet Pigeon)

 

Die Ähnlichkeit zur Eistaube in der Färbung wird herausgestellt, aber auch die Besonderheit der schwarzen Augenränder, des schwarzen Schnabels und der schwarzen Zehen.

 

 

Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Engländer in der Rassetaubenzucht und auch der -literatur führend. Auch Bech­stein (siehe oben) nutzte die englischen Fachbücher. Über weitere deutsche Autoren berichten wir in Teil 3.

Teil 3

Teil III: Damascener in der deutschen Fachliteratur

 

Damascener im Deutschen Rassetaubenstandard, 2007

 

Eduard Baldamus berichtet im Buch „Die Tauben“ im Jahre 1878, dass „diese hübsche Taube orientalischen Stils zwar schon seit langem in Eng­land bekannt, aber unver­ständl­icherweise wieder vernachlässigt worden ist. Die Damascener-Taube ist etwas größer als die englische Eule (= Mövchenrasse). Kopf und Schnabel gleichen der eben genannten Rasse. Der Kopf ist groß, hat einen ziemlich breiten, schön gewölbten Scheitel, der nicht eben steil nach der Schnabelwurzel abfällt, und sitzt auf einem kräftigen, aufrecht getragenen Hals. Der Schnabel ist schwarz, kurz und von nahezu konischer Form. Das Auge ist hell und orangefarbig, die großen Augenringe dunkelgrau, die nackten kurzen Füße lebhaft rot. Die beiden Hauptpunkte, welche diese Rasse so anziehend machen, sind die wirklich rein silbern oder französisch-weiße Färbung des Gefieders, die mit den tiefschwarzen Flügelbinden einen herrlichen Kontrast bilden, sowie die ziemlich breiten, pflaumenblauen fleischigen Augenkreise, welche von der orange-gelben Iris und dem weißen Gefieder nicht weniger schön abstechen. Auch die etwas dunkler nuancierten Schwingen und Schwanzfedern, letztere gleichfalls mit tiefschwarzen weiß-gesäumten Endbinden machen einen sehr hübschen Eindruck. Eine seltene Eigentümlichkeit ist ferner, dass die weißen Konturfedern, besonders die des Halses, sämtlich dunkle Flaumfedern haben. Sie sind außerdem gute Flieger, gedeihen sehr gut in Freiheit, verlangen aber sehr gute Pflege, wenn sie eingeschlossen sind.“

 

„Illustrirtes Mustertauben-Buch – enthaltend das Gesammte der Taubenzucht“

 

so war die Schreibweise eines Buches von Gustav Prütz, das 1884 herausgegeben worden ist und heute als Klassiker der Rassetauben-Literatur gilt. Bis Seite 431 ist viel zu lesen, aber nichts über den Damascener. Ab Seite 432 folgt ein „Nachtrag“ mit folgender Einleitung:

 

„Nach Beendigung des Drucks sind mir von verschiedenen Seiten Mittheilungen über Tauben zugegangen, die bisher nicht Aufnahme in dem Illustrirten Mustertauben-Buch fanden und die ich nachträglich an dieser Stelle einschalte, umsomehr, da die Mehrzahl dieser Tauben noch zur Abbildung gelangten. Es sind dies

         

         Die Damascener-Taube

Die Seglertaube

Die Kapuzinertaube

Der Lahoretümmler (mit Bild)

Die Sherajee-Taube (mit Bild)

Die Mokee-Taube (mit Bild)

Die Goosee-Taube

Der Orientalische Roller (mit Bild)

 

Die Damascener-Taube ist eine nahe Verwandte der Kapuzinertaube (persönliche Anmerkung: was ich nicht nachvollziehen kann), gleichfalls orientalischen Ursprungs und etwas größer als die Englische Eule. [Die folgende Beschreibung lehnt sich an Baldamus stark an. Abschließend weist Prütz darauf hin, dass] die Damascener sehr lebhaft und vorzügliche Flieger sind, und da sie in England nicht sehr beliebt und deshalb auch nicht theuer sind, allen Deutschen Tümmlerliebhabern bestens zu empfehlen.“

 

Der letzte Satz muss besonders betont werden, denn Edmund Zurth ordnet die Damascener in seiner „Welt der Tauben“ Mitte des 20. Jahrhunderts bei den Warzen- und Brieftaubenartigen ein. Das Foto im „Zurth“ ist sehr ausdrucksvoll (siehe Teil I) Der Vergleich mit dem heutigen Standardbild ist ein weiterer Beleg für die zeitlose Schönheit des Damasceners.

 

Trotz ihrer historischen Bedeutung und ihrer Würdigung in den Pionierwerken der Rassetauben-Fachliteratur konnte sich der Damascener in unseren Kreisen erst reichlich spät endgültig etablieren. Der dänische Taubenexperte Rudolf Ovesen, der 1953  1,1 Damascener aus den USA importieren konnte und zwei Jahre später 1,2 syrische Originaltiere aus Holland erhielt, baute eine Zucht auf, die die spätere Verbreitung in Schweden, Norwegen, England und auch Deutschland ermöglichte. Der deutsche Matthias Holler, der sich für orientalische Taubenrassen begeisterte und auch ihre Geschichte erforschte, konnte 1959 einige Zuchtpaare direkt aus Damaskus importieren. Matthias Holler arbeitete auch die erste Musterbeschreibung aus, so dass die Rasse Anfang der 1960er Jahre die deutsche Bühne des Ausstellungswesens betrat. Sie wurde der Gruppe der Formentauben zugeordnet. 1973 hatte sich der Bestand so stark gefestigt, dass der Damascener Club Deutschland gegründet werden konnte.

 

Nur einmal gelang es dem Damascener, auf das Titelbild eines Taubenbuches zu kommen, aber dieses Bild trifft die Rasse leider nicht sehr typisch.

 

 

 

links: Damascener in „Haustauben“ von Joachim Schütte, 1982  

1994 konnte dieser Lapsus wieder ausgeglichen werden:

rechts: Damascener in „Handbuch der Taubenrassen“ von Schütte  – Stach – Wolters, 1994

Wer die etwa 150 Jahre alte Beschreibung mit dem heutigen Damascener vergleicht, kann die Aussage des Clubs voll bestätigen: „Die Damascener-Taube wird als die älteste Taube angesehen und in verfeinerter Urform heute noch gezüchtet.“ Der Damascener ist eine Taube mit Weltruf. Wir müssen sie als lebendiges Kulturgut bewahren. Sie benötigt kein Mitleid, denn sie besticht mit ihren Vorzügen.

 

 

Der Damascener Club Deutschland wurde trotz der langen Rassetradition erst 1973 gegründet und steht somit vor dem 50-jährigen Clubjubiläum 2023. Wer mehr wissen möchte, erfährt interessante Dinge über die Rasse und das Clubleben unter www.damascener-club.de.

 

Neben Fachbüchern und dem Internet ist und bleibt die wichtigste Informationsquelle:

Die GeflügelZeitung, Berlin

 

 

Wir verleihen dem Damascener das Prädikat „Wertvoll“. In der Folge wollen wir weitere Rassen vorstellen, die dieses Prädikat verdienen.                                                                      Manfred Loick

 

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03.02.Böhmentauben (3)

22.01. Bild Januar

30.12. Böhmentauben (2)

03.12. Böhmentauben

06.11. Maler Rudolf Hoffmann

05.11. Neues Editorial

01.11. Bild November

26.09. Damascener (3)

23.08. Damascener (2)

21.07. Damascener (1)

03.07. Bild Juli

24.06. Maler August Schoener

05.06. Taubenvergleich, Ende

30.05. Taubenvergleich (3)

21.05. Taubenvergleich (2)

12.05. Taubenvergleich (1)

08.05. Über den Tellerrand ...

05.05. Soziales Engagement

01.05. Bild Mai

30.04. Bunte Hühner

21.04. Neues Editorial

19.04. Maler J. W. Ludlow

17.04. Gelbe "Franzosen" (3)

13.04. Gelbe "Franzosen" (2)

12.04. Bild April

10.04. Gelbe "Franzosen" (1)

02.04. Bild April

20.03. Osterwünsche

10.03. Maler Chr. Förster

06.03. Bild März