Joseph Williamsen Ludlow

 

                     Short Faced Tümmler                                                        Englische Kröpfer

 

Ludlow ist das Vorbild für das Illustrirte Mustertaubenbuch von Gustav Prütz von 1885/86 war „The Illustrated Book of Pigeons“ von Robert Fulton. Mittelpunkt des im Originalformat 21 cm x 27,5 cm um 1870 erschienenen Prachtbandes sind 50 Farbtafeln, die J. W. Ludlow „nach dem Leben gezeichnet und coloriert“ hat. W. K. G. Möbes meint 1945 in seiner „Bibliographie der Tauben“: „Ein großes, wundervolles Luxuswerk über Tauben, in der Art, wie später Prütz sein Mustertaubenbuch schuf.“

 

                            Show Antwerp                                               Kapuziner und Damascener

 

Was an dem Buch heute noch fasziniert, ist die bestechende Schönheit der Farbtafeln, die in ihrer Art unerreicht geblieben sind. Die Tafeln zeigen die Haustaubenrassen, wie sie um 1870 in England gezüchtet wurden. Zweifellos hat Ludlow die Tauben 'nach dem Leben' gezeichnet, dabei hat er sie aber doch ein wenig idealisiert. Er zeichnete die Tauben, wie man sie sich wünschte, wie aber nur die allerbesten Vertreter ihrer Rasse ausgesehen haben,“ meint 1978 Joachim Schütte im Abstand von 100 Jahren. Weitere 40 Jahre später wird Joseph Williamson Ludlow immer noch als genialer Taubenmaler bewundert.

 

                                Schildmövchen                                                 Orientalische Mövchen

 

Die Show Antwerps werden in Fultons Buch von J. W. Ludlow höchstpersönlich beschrieben, der als einer der ältesten Züchter der Rasse bezeichnet wird und die ausdrucksvollen Zeichnungen geschaffen hat, die auch im fast zeitgleich erschienenen Buch von Lewis Wright „Practical Pigeon Keeper“ 1879 zu finden sind. Show Antwerps besaßen damals noch ein sehr gutes Heimkehrvermögen, wie Ludlow aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Auch die von Ludlow gemalten Kapuziner wurden vom Künstler selbst gezüchtet. Diese heute perfekte Strukturtaube wurde seinerzeit von ihm und anderen Züchtern vor allem wegen des Kontrasts von schwarzer Färbung mit weißem Schwanz für den Flugstich genutzt.

 

                               Farbentauben                                                              Nönnchen

 

Auch zu Elstern, Nönnchen, Gimpeltauben und deutschen Farbentauben wird im “Fulton“ auf  Angaben von Ludlow zurückgegriffen. Aber das sind nur einzelne Beispiele für sein Fachwissen, seine umfassende Kompetenz hat er schon 1879 mit der Herausgabe von „The International Standard of Excellence“ unter Beweis gestellt, so dass mit diesem Porträt ein begnadeter Taubenzüchter, Rassekenner und Künstler vorgestellt wird.

 

Manfred Loick

 

 

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Christian Förster, Hamburg

 

                            Elstertümmler                                                         Ägyptische Mövchen    

 

Der „Prütz“ - so wird das „Illustrierte Mustertaubenbuch“ aus dem Jahr 1885/86 kurz, aber liebevoll und ehrfürchtig genannt. Tatsächlich war Gustav Prütz aus Stettin ein begnadeter Fachschriftsteller und angesehener Funktionär in der Entwicklungsphase der organisierten Rassegeflügelzucht. Aber das legendäre Buch von Gustav Prütz verdankt sein bis heute anhaltendes hohes Ansehen auch dem außergewöhnlichen Format 21 cm x 27 cm, insbesondere aber auch den 81 Pracht-Farbdruck-Bildern. Diese Bilder wurden von Christian Förster aus Hamburg direkt „nach der Natur aufgenommen“. Der Maler, Graphiker, Karikaturist und Illustrator (09.10.1825 - 06.08.1902) schuf in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Holzschnitte, hauptsächlich aus dem Hamburger Straßenleben. Er besuchte zuvor die Akademie der Künste in Berlin und hospitierte bei Malern in Paris. Dort lernte er, Menschen und Tiere hervorragend zu zeichnen. Seine Motive wirken lebendig in ihren Bewegungen und ausdrucksstark in ihrer Darstellung. Da Förster sehr zurückgezogen lebte, ist über ihn wenig bekannt. Auch wenn er kein Tauben-Fachmann war, hat er sich mit dem „Prütz“ in unseren Kreisen unsterblich gemacht.

 

                                  Carrier                                                            Weißkopf Mäuser Tauben

 

Nach der Natur aufgenommen“ - mit dieser Aussage hat schon mancher gehadert. Schon W. K. G. Möbes bemerkt 1945 in seiner „Bibliographie der Tauben“, dass die Farbenreproduktion im Prütz'schen Mustertaubenbuch nicht immer als gelungen bezeichnet werden kann. So wirke die grünliche Tönung des Sherajeetümmlers unnatürlich, ebenso die Kupferfarbe des Schwarzflügelgimpels, während der Schwarzflügelgoldgimpel mit blauem Schwanz abgebildet ist.

 

                       Englische Bärtchentümmler                                         Langschnäblige Tümmler

 

Und in seinem Werk „Taubenrassen“ stellt Dr. Axel Sell 2009 auch so manchen Kunstfehler klar. Seine Feststellung „Nicht alle Bilder dürften ein realistisches Bild der damals vorhandenen Tauben zeigen“ gilt allerdings nicht nur dem „Prütz“, sondern vielen bildlichen Darstellungen in anderen alten Büchern. Allein das illustrierte Mustertaubenbuch wird von Autor Sell über 13 Seiten analysiert und ist eine Fundgrube für jeden an historischer Entwicklung und genetischen Grundlagen interessierten Taubenfreund. Da „Taubenrassen“ mehr als 300 Seiten stark ist und Entstehung, Herkunft und Verwandtschaft von Taubenrassen in faszinierender Weise beschreibt und erläutert, handelt es sich um ein Nachschlagewerk ersten Ranges.

 

                                Pfaffentauben                                                              Gimpel

 

Zu den Kunstfehlern möchte ich diesen Beitrag noch mit einem eigenen Erklärungsversuch abschließen: Die Förster-Bilder sind tatsächlich lebensnah, was für „nach der Natur aufgenommen“ spricht. Gemalte Bilder erfordern sorgfältige Beobachtung, gewissenhafte Skizzen und fachkundige Beratung. Diese drei Grundvoraussetzungen sind in jedem Fall gegeben. Das abschließende Handwerk stellt die Colorierung dar. Dabei wurde nicht wie oft angenommen etwas nur zu stark idealisiert, sondern auch einmal ein Detail übersehen, zu stark betont oder auch falsch interpretiert. Dominant rote Tauben sollten z. B. helle Schwänze aufweisen, aber sie sie sind nicht pigmentfrei weiß, sondern pigmentiert fahl, also farbig. Auch wenn die Farbe heute möglichst hell angestrebt wird, so ist das insbesondere bei Täubinnen genetisch bedingt Wunschdenken. Wenn Christian Förster bei seinen Studien rotgraue Schwanzfarbe registriert hat, wird das unerwünschte Grau bei der abschließenden „Endkontrolle“ vielleicht nicht bestanden haben und musste einer satten roten Farbe weichen, getreu dem oft falsch interpretierten Robert-Oettel-Spruch „Züchtet rein und züchtet echt.“

 

 

Manfred Loick

 

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